Drei Flusstouren mit dem Rad in Österreich

Österreich-Reisebericht  |  Reisezeit: August 2013  |  von Thomas B.

Mur - Drau - Enns
Die Donauradtour kennt (fast) jeder, unsere Lieblingstouren sind jedoch Mur, Drau und Enns. Wir haben alle drei Touren in den letzten Jahren gemacht, den Mur-Radweg sogar zwei Mal. Die erste Murtour war 1998, die letzte Tour an der Enns war 2013.

Die Mur: vom Salzburger Land in die Steiermark

Bei der Murquelle

Bei der Murquelle

Die Murquelle

Die Murquelle

Unsere Mur

Die Quelle, die schönste Quelle von allen

Flüsse sollte man eigentlich immer von der Quelle her kennen lernen. Zugegeben ich war bisher weder an der Rheinquelle noch der Moselquelle, weder an der Quelle von Enn/Inn noch dem Ursprung der Rhone....
Manche Flüsse haben keine echte Quelle, das aber hat die Mur und zwar im Lungau im Salzburger Land. Ein Felsen, eine Steinplatte und eine echte, stark sprudelnde Quelle in 1.898 m Höhe.
Wir sind zwei Mal den Murradweg entlang gefahren und haben jedes Mal die Quelle besucht, einmal am Ende der Tour einmal zu Beginn, mit dem Fahrrad von Muhr aus steil hinauf fast bis zur Sticklerhütte (1750 m) und von dort zu Fuß über Kuhweiden und an Hirtenhütten vorbei zur Quelle. Im Hochgebirge, nun ja noch in den Niederen Tauern, aber immerhin gehen die Berge rund herum bis auf 2500 m in die Höhe.
Die Mur ist anfangs ein ganz normaler Bach, kaum wild, windet sich durch die angesprochenen Kuhweiden, bevor sie bald hinter der Sticklerhütte in Katarakten und zwischen tiefen Schluchten zu Tal stürzt, um dann unten in Muhr als kräftiger Wildfluss anzukommen.

Das ist das faszinierende an der Mur: Sie beginnt im Hochgebirge, stürzt ins Tal, durchquert das südliche Salzburger Land, den Lungau, bis nach St. Michael und Tamsweg, um dann in die Steiermark zu wechseln und zum Hauptfluss der Steiermark zu werden. Eng ist das Tal bis Murau, öffnet sich dann bei Judenburg und Zeltweg (wo früher die Formel I Rennstrecke war), verengt sich wieder bei Leoben und Bruck, wo die Mürz hinein fließt und dem Fluss noch mehr Kraft gibt. Dann plötzlich öffnet sich das Gebirge, die einzige Großstadt entlang der Mur erscheint: Graz am Fuß des Schlossberges. Die Stadt der Historie und der Moderne. Weltkulturstadt, zweitgrößte Stadt Österreichs.

Dann wird die Mur gemächlicher und breiter, die grün-blaue Gebirgswasserfarbe wechselt in braun, verursacht durch die Lehm- und Löshänge des Südsteirischen Hügel- und Weinlandes, wo die Klapotexe klappern. Ab Mureck wechselt die Mur, wie schon oft zuvor, noch einmal die Richtung, fließt nach Osten, wird zum Grenzfluss zu Slowenien und wird ab Bad Radkersburg endgültig zur Mura. Die Landschaft wird flach und erinnert schon an die Puszta des nahen Ungarn, zumal wir hinter Leibniz die ersten Ziehbrunnen sehen. Wir fahren bis Bad Radkersburg zwischen Maisfeldern und Kürbisfeldern durch flaches Land. Überall wird steirisches Kürbiskernöl zum Verkauf angeboten. Bei Legrad an der kroatisch-ungarischen Grenze fließt die Mura dann in die Drau, die Drawa, den Kärntner-Landesfluss, und mit dieser gemeinsam erreicht sie später immer noch in Kroatien die Donau - von der Lungauer Quelle wandert das Wasser also bis ins Schwarze Meer.

Neben dem Wasser ist Holz einer der ersten Eindrücke. Erst die Bäume des Gebirges, dann die vielen Sägewerke und Holzfabriken und vor allem auch die kühn geschwungenen Holzbrücken, oft als neugebaute Radfahrerbrücken über den Fluss.

Dann kommen die Städte: Kleinstädte wie Murau, Judenburg, Fronleiten oder Bad Radkersburg, Mittelstädte wie Bruck oder Leoben (wo es eine Bergakademie gibt, denn auch Bergbau ist im Salzburger Land und der Steiermark historisch und teilweise noch aktuell ein wichtiges Thema) und die Großstadt Graz.

Eigentlich geht es mit dem Fahrrad von Muhr bis Bad Radkersburg abwärts, von 1.107 m auf 207 m also 900 m Höhenunterschied auf etwa 365 km. Aber die Mur macht uns nicht den Gefallen, uns immer brav an ihrem Ufer radeln zu lassen, wir müssen Umwege fahren und vor allem zwischen Bruck und der Einmündung in die Grazer Ebene oftmals ordentliche Anstiege bewältigen, danach allerdings belohnen uns längere Abfahrten wieder hinunter zum Fluss.

Überhaupt lohnt es sich öfters Umwege zu machen: Schon hinter St.Michael zur Burg Mauterndorf, die das Südende des Obertauernpasses markiert. Oder nach Mariapfarr. Auch das Mürztal, das in Bruck auf das Murtal trifft ist interessant und kann in einem Tag fast bis Mürzzuschlag und zurück befahren werden, wer nur die Hälfte fahren möchte, kann eine Strecke mit der Mürztalbahn, die dann weiter über den Semmering bis nach Wien führt, zurück legen.

Hinter Bruck ein Abstecher zur Bärenschützklamm oder eine der späteren Klamme zu machen ist ebenfalls empfehlenswert. Etwas Kondition benötigt es schon, die ganze Bärenschützklamm über Treppen, Leitern und Galerien heraufzuwandern, aber oben erwartet uns eine Jausenstation, die alles wett macht.

Vor Graz, wenn das Gebirge zurückweicht, ist es die Eggenburg, danach ist ein Abstecher ins Wein- und Thermenland des steirischen Hügellandes denkbar, eventuell sogar verbunden mit dem Besuch der Riegersburg, alles Abstecher im 3 - 5 Stundenbereich von der Mur weg. Bad Radkersburg bietet dann die Möglichkeit, Slowenien zu besuchen. Schon bald hinter Mureck gibt es eine kleine Seilzugfähre, die aber auch Traktoren befördert und seit Slowenien EU-Land und sogar €-Land ist eine recht unproblematische Art des Übergangs über den Fluss. Allerdings darf man es nicht so wie wir machen: Wir standen am österreichischen Ufer und warteten auf die Fähre bis uns eine mitleidige österreichische Zöllnerin erklärte, am Baum sei eine Glocke und da müsse man läuten, was wir taten, worauf der Fährmann aus der Gartenwirtschaft am slowenischen Ufer trat und zu uns rüber fuhr.

Interessant die kurze Runde durch Slowenien innerhalb von 5 Jahren zwei Mal zu machen: Bessere Straßen, reparierte und neugebaute Häuser, zumindest im österreichischen Grenzgebiet scheint die EU Slowenien einiges gebracht zu haben. Eines aber muss man beachten, wenn man im letzten Stück die slowenische Seite wählt: Man muss auf normalen Straßen fahren (wenn auch die Fahrweise der Autofahrer inzwischen angepasster geworden ist) und der slowenische Teil vor Radkersburg liegt am Prallhang der Mur und es geht teilweise ordentlich in die Höhe....

Was man so erlebt: Kleine Mur-Anekdoten:

Der Vater mit dem Sohn

Der Junge war vielleicht 12 und mit seinem Vater auf dem Radweg unterwegs. Wir trafen die beiden immer wieder, zuerst in einer Gaststätte in Unzmarkt, wo wir und auch die beiden auf dem kleinen städtischen Zeltplatz mit Blick auf die Burg campten. Der Vater war müde und wollte sein Essen und sein Bier genießen und der Junge quatschte ihn voll. Immer wieder trafen wir die beiden und immer wieder die gleiche Situation.

Der Schlüssel

Wieder trafen wir sie auf dem sehr rustikalen Campingplatz zwischen Bruck und Graz Es gab nur eine Dusche. Und es gab einen Schlüssel. Und wir hatten Glück und das als erste kapiert. Schlangen von Leuten während wir uns duschten und am Ende der Schlange der Vater und der Sohn, sie waren zwar schon vor uns gekommen, hatten ihr Zelt aufgebaut aber das mit dem Schlüssel hatten sie nicht mitbekommen. Und jetzt standen sie wie gesagt am Ende der Schlange und der Junge quatschte......

Das Gewitter und Maria Hilf

Das Gewitter kam in dieser Nacht (nach dem Duschen). und zwar ordentlich. Unser Kuppelzelt war dicht aber klatschnass, als wir es am nächsten Tag einpackten. Nach Graz war es die längste Etappe unserer Tour und Ingrid war ziemlich erledigt, zumal ich bei den wenigen Anstiegen immer wieder versuchte eine Gruppe Jugendlicher zu überholen und sie hinterher keuchte. Als wir endlich in Graz ankamen und feststellten, dass der Campingplatz noch ein Stück weg südlich von Graz war, stieß sie plötzlich einen Schrei aus: Maria Hilf! Wir standen mit unseren Rädern und dem noch tropfenden Zelt an einer Ampel vor dem Hotel "Maria Hilf". "Ich fahr keinen Meter weiter", sagte Ingrid. Wir gingen zur Rezeption und bekamen ein riesiges Zimmer. Wir duschten, spannten unser Zelt im riesigen Zimmer auf und als wir vom ersten Stadtbummel in Graz zurück kamen, war es trocken. In die Stadt aber haben wir uns verliebt.

Sturm Graz

Wir saßen in einem Straßenlokal in der Altstadt und aßen. Schräg hinter uns saß ein Mann mittleren Alters und aß ebenfalls. Friedlich. Bis plötzlich ein anderer Mann mittleren Alters ihn erblickte und mit einem triumphierenden bis höhnischen Schrei auf ihn zustürmte und dreimal "Ha, Sturm" schrie. Sturm Graz hatte am Tag zuvor gegen Grazer AK 4:0 verloren. Wessen Anhänger die beiden Männer jeweils waren, braucht nicht extra erwähnt zu werden.

Der Grillabend und "Lewinski"

Die Affäre Clinton und die Zigarre schlug gerade hohe Wellen, zwischen Mureck und Bad Radkersburg aßen wir an einem See zu Abend. Und die Bedienung sah aus wie Monika Lewinski nur 10 Jahre älter und einige Kilo üppiger. Sie war nett und aufmerksam. Aber es war auch noch Grillabend und gegen einen bestimmten Betrag konnte man soviel man wollte vom Gegrillten essen. Wir wollten das nicht. Aber ein älterer Herr wollte das, zahlte seinen Obulus und fühlte sich nun bei der Ausgabe der Speisen benachteiligt, andere hätten sich vorgedrängt und größere Haxen bekommen! Grummelnd und die Ungerechtigkeit der Welt beklagend saß er mit seiner Haxe an seinem Tisch, jedem, der sich ihm näherte, klagte er sein Unglück. Zwei ältere Damen saßen ihm hilflos gegenüber und wussten nicht, was zu tun, boten ihm zum Trost von ihrem Wein an, was er grummelnd ablehnte. Da kam "Lewinskis" große Stunde. Einschmeichelnd erklärte sie dem Grummler, dass doch alles nicht so gemeint gewesen sei, dass er doch auch eine größere Haxe kriegen hätte können, wenn er gleich was gesagt hätte und das es doch besser sei, gut gelaunt zu sein an einem so schönen Abend. Un dass er einen Schnaps kostenlos bekommen würde. Aber alles Säuseln halft nichts, der Grummler wollte grummeln und an seinem Unglück leiden. Den Schnaps aber nahm er. Zum Glück aßen wir was von der Karte. Wenn womöglich noch diese "deitschen" Radler schuld gewesen wären an seinem Haxenunglück.....

Maestro international

Maestro. Die EC-Karten eben. Überall verfügbar. Nur zwei Tage lang nicht mehr in der Steiermark. Zumindest für Deutsche. Die Leitung sei zwischen Deutschland und dem südlichen Österreich zusammen gebrochen, erklärte mir der Beamte auf der Post in Mureck, wo ich nach mehreren Fehlversuchen an diversen Geldautomaten und einem Anruf mit dem letzten Bargeld bei der Postbank als letzte Hoffnung aufgetaucht war. Der Beamte sprach breitestes Steirisch und der arme stotterte noch dazu. Dass was mit der Leitung nicht klappte, kapierte ich aber. Mit unserem vorletzten Geld hatte ich noch Frühstücksbrötchen eingekauft und wir aßen auf dem Campingplatz an einem See bei Bad Radkersburg unsere Henkersmahlzeit, überlegten schon, wie wir den Campingplatz rückwärtig durch den Wald heimlich verlassen könnten. Da fiel Ingrid ein, dass wir ja noch den Betrag für den Rücktransport nach St.Michael in einem extra Beutel hätten und wir knabberten unser Rücktransportgeld an und fuhren am nächsten Tag mit den Rädern nach Bad Radkersburg. Stand die Leitung wieder? Wir gaben die Karte ein, gaben einen relativ kleinen Kronenbetrag ein (die erste Tour war noch vor dem Euro!) und die Geheimzahl und dann setzte sich der Automat langsam in Bewegung und spuckte 100 Kronen aus. Gleich versuchten wir es mit einem höheren Betrag noch einmal und dann waren wir sicher. Die Leitung stand. Wir hatten wieder Geld. Wir stürzten gleich in ein Café gegenüber, kauften vorher noch eine Zeitung und bei Café und Kuchen las ich Ingrid die neusten Meldungen vor: "Clinton hatte fünf mal Sex mit Lewinski". An diesem Abend gab es keine trockenen Brötchen. Wir saßen gleich wieder bei "Lewinski" auf der Seeterrasse.

Einige Jahre später waren wir wieder da. Der See war nicht mehr erfrischend, er war warm und total veralgt. Das Lokal war irgendwie schlechter geworden. Und: "Lewinski" war nicht mehr da!

Die Holländer

Wir trafen sie schon am Campingplatz in St.Michael. Sie hatten ihr Zelt gegenüber von uns aufgebaut, wir hatten bei der zweiten Murtour das Wohnmobil von Freunden geliehen bekommen und holten es immer wieder nach zwei bis drei Etappen nach, wenn es eben mit Bus oder Bahn sinnvoll war. Der Ball der beiden Holländerkinder flog unter unser Wohnmobil und mit vereinten Kräften fischten wir ihn wieder vor. Die Holländer hatten ein Doppelfahrrad, wo das Kinderrad des kleineren Jungen bei der Mutter angekoppelt war, der Vater hatte einen Anhänger mit dem ganzen Gepäck und der größere hatte sein eigenes Fahrrad.
Wir trafen sie immer wieder: In Judenburg auf der verzweifelten Suche nach einem Fahrradgeschäft, weil ich wieder mal meine Sportschuhe zu Hause vergessen hatte, wir fanden einen großen Intersport - Laden und kauften kurz vor der Mittagspause meine Schuhe, dann fiel uns ein, dass wir ja noch eine Fahrradpumpe bräuchten und als auch die bezahlt war, hatte ich die Idee, weil es ja nachts kalt werden könnte (was es nie wurde), dass ich noch einen Traininganzug bräuchte. Dann wollten sie endlich schließen, als ich noch einmal in den Laden stürzte. Der Verkäufer lächelte verkrampft. Witterte einerseits den heutigen Großauftrag, sah aber seine Mittagspause endgültig schwinden. Doch es war nur mein Fahrradhelm, den ich neben der Kasse liegen gelassen hatte.
Die Holländer trafen wir dann wieder in Unzmarkt und in Fronleiten überholten wir sie, nicht ohne ein paar Worte zu wechseln. Dann fuhren wir mit dem Wohnmobil, das wir wieder geholt hatten, südlich von Graz auf einen Campingplatz (ja der, zu dem Ingrid damals nicht mehr radeln wollte), ein wunderschöner Platz neben einem Schwimmbad, in dem wir uns jeden Morgen erfrischten, ganz allein nur mit einigen Enten die das große Becken ebenfalls schätzten.
Am nächsten Morgen wollten wir mit dem Bus nach Graz rein fahren, wer saß an der Bushaltestelle: Die Holländer mit den zwei Kleinen....

Der Leberkäse

Wir haben gerne gevespert am Radweg, irgendwo Brot oder Brötchen und Wurst oder Käse gekauft, etwas zu trinken und Obst. Immer wieder fällt uns der idyllische Blick von einer Bank aus auf Fronleiten ein, die kleine Stadt auf dem Sporn über der Mur. Wir aßen Brötchen und Leberkäse und waren einfach zufrieden. Bei der nächsten Tour aßen wir ebenfalls in Fronleiten unten an der Murbrücke in einem hervorragenden Gasthaus zu Abend. In Erinnerung bleibt aber nicht dieses wirklich gute Menü im schattigen Garten an der Mur sondern der Leberkäse auf der Bank gegenüber der Altstadt! Jedes Mal, wenn wir später einen Leberkäs aßen, kam die Bemerkung: "Weißt du noch, in Fronleiten....".

Einsamer Zeltplatz entlang der Mur (Unzmarkt)

Einsamer Zeltplatz entlang der Mur (Unzmarkt)

Alte Hausmalerei an der Mur

Alte Hausmalerei an der Mur

Drei Kreuze in der Steiermark

Drei Kreuze in der Steiermark

Graz

Graz

Graz modern

Graz modern

Bärenschützklamm

Bärenschützklamm

Störche in Fronleiten

Störche in Fronleiten

© Thomas B., 2014
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: August 2013
Dauer: unbekannt
Heimkehr: August 2013
Reiseziele: Österreich
Der Autor
 
Thomas B. berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.
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