ALBANIEN - Unbekanntes Land zwischen Shkodra und Saranda

Albanien-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2000 - Februar 2001  |  von Gerd Birnzain

Wissenswertes über Land und Leute???

Wie in jedem fremden Land sollten natürlich auch in Albanien die allgemeinen Regeln des Anstandes und vor allem die Regeln des Respekts vor der Religion, speziell des Islam, Beachtung finden.

Ich habe in einem Leitfaden der Bundeswehr!!?? einige bemerkenswerte Hinweise gefunden, die mit meinen Erfahrungen weitgehend übereinstimmen und die ich mir deshalb schlicht noch einmal in Erinnerung rufen möchte:

"Frische" Lebensmittel sind auf Albaniens Märkten eine Selbstverständlichkeit

"Frische" Lebensmittel sind auf Albaniens Märkten eine Selbstverständlichkeit

Entsprechend muslimischer Sitten sollte - vor allem in ländlichen Gebieten - das Verbot ungefragten Fotografierens (insbesondere gegenüber Frauen) beachtet werden.
Der nationale Stolz der Albaner ist hier stark ausgeprägt.

Wundern sie sich nicht, der Albaner begegnet dem Fremden üblicherweise mit einer gesunden Portion Mißtrauen.
Hat er aber erst mal Vertrauen gewonnen, dann kennt seine Gastfreundschaft kaum Grenzen. Einladungen in sein Haus sind nicht ungewöhnlich.

Ein Schelm, wer böses denkt...

Ein Schelm, wer böses denkt...

Trifft ein Albaner einen Ausländer, so folgt auf den Gruß (Miredita "Guten Tag" oder Miremengijes "Guten Morgen" usw) zumeist die Frage "Si je?- Wie geht es dir?"
Die einzig mögliche Antwort lautet: "Mire!"- "Gut!"
Es gilt insgesamt als eher unhöflich und ist nicht gebräuchlich, eine Bitte abzulehnen oder schlicht NEIN zu sagen.
Dafür denkt sich aber kaum jemand etwas dabei, einen so vereinbarten Termin oder eine so gemachte Zusage nicht einzuhalten...

Bekannte werden auf der Straße, wenn man es nicht eilig hat mit Handschlag begrüsst. Fremden wird als Zeichen der Höflichkeit und es Wunsches, ein Gespräch mit ihm zu beginnen, eine Zigarette angeboten.
Ein Raucher sollte die Zigarette annehmen und bei nächster Gelegenheit seinerseits eine solche anbieten.
Ein Nichtraucher legt, wenn ihm eine Zigarette angeboten wird, seine rechte Hand auf das Herz, verneigt sich ein wenig und sagt: "Faleminderit! Nuk pi - Danke ich rauche nicht!"

Sobald sie eine albanische Wohnung betreten, werden sie erstaunt sein über die Sauberkeit, die überall herrscht. Diese Sauberkeit kann aber sehr schnell dort enden, wo der persönliche Bereich in gemeinsam genutzte Hausflure, Höfe oder Straßen übergeht.
Dort entsteht manchmal ein falscher Eindruck von der Hygiene und Sauberkeit innerhalb einer albanischen Familie.

Nach einer Einladung in ein albanisches Haus sollte man - wie überall - mit einem Geschenk erscheinen.
Frische Blumen sind allerdings gelegentlich sehr schwer zu erhalten und vermutlich deshalb auch kaum gebräuchlich.

Das mitgebrachte Geschenk oder Mitbringsel sollte allen dienen, der Familie und der Hausgemeinschaft. Daher ist eine Flasche Wein oder Raki aber auch eine Schachtel Pralinen oder schlicht ein Pfund Kaffee (auf dem Land) nicht verkehrt.
In manchen Gegenden ist jedoch Kaffee genauso wie Zucker, Zigaretten oder schwarze Kleidung unangebracht, weil sie meist nur bei Beerdigungen überreicht werden.

Ein Geschenk wird in Gegenwart des Schenkenden nicht geöffnet oder ausgepackt. Geschenkpapier ist in Albanien weitgehend noch unbekannt. Man verwendet weisses Einwickelpapier oder einfach nur Zeitungspapier.
Werden SIE beschenkt, dann ist es ein grosser faux pas, ein solches Geschenk abzulehnen; man kann sich nur durch ein Gegengeschenk revanchieren.

Als Gast sollte man bedenken, daß der Herr des Hauses stets bemüht sein wird, eine reichhaltig gedeckte Tafel mit Spezialitäten und alkoholischen Getränken zu präsentieren.
Auf dem Land ist es gelegentlich üblich, daß man sich im Schneidersitz um einen flachen Tisch oder einfach auf dem Teppich niederläßt.
Beim Betreten eines Hauses sollte darauf geachtet werden, daß man seinen Fuß nicht auf die Türschwelle setzt. Der Herd des Hauses sollte ebenfalls nicht berührt werden; beides wird als schlechtes Ohmen gedeutet.

hätten sie nicht auch gerne eine solche aussicht direkt vom küchenfenster aus?

hätten sie nicht auch gerne eine solche aussicht direkt vom küchenfenster aus?

Für den grossen Hunger gut, manchmal aber auch ganz schön anstrengend: Der Gastgeber wird sie ständig zum Zugreifen auffordern; die Hausfrau füllt den Teller immer wieder aufs Neue, sobald ein Eckchen frei geworden ist.
Der Herr des Hauses prostet dem Gast zu und trinkt auf seine Gesundheit, auf die Gesundheit seiner Familie, auf den schönen Tag, auf die Freundschaft und, und, und...
Es wird, wie an anderen Teilen dieser Welt auch, gerne gehört, wenn der Eingeladene hin und wieder der Hausfrau Komplimente über das Essen macht und einen Toast auf den Gastgeber und seine Familie ausbringt.
Dass (auch noch so berechtigte) Kritik unterlassen werden sollte, ist unter "Reisenden" sicher nicht erwähnenswert.

Allerdings bedeutet in Albanien ein nicht leer gegessenes Teller nicht wie mancherorts bei uns, dass es nicht geschmeckt hätte; im Gegenteil: ein leer gegessenes Teller wird von der Hausfrau ohne Zögern wieder gefüllt, wenn man nicht freundlich aber entschieden ablehnt.

Zum Abschluß des Essens gibt meist es eine gute Süßspeise, Obst oder Kaffee.
Der Gast ist gut beraten, wenn er sich eine viertel bis halbe Stunde nach dem Kaffee verabschiedet.

Wundern sie sich nicht. In Albanien sieht man oft, dass Männer miteinander spazierengehen, indem der eine seinen Arm auf die Schultern des anderen legt, oder dass sich Männer bei der Begrüssung die Wangen küssen. Es ist durchaus auch gang und gäbe, dass Albaner im Eifer des Gesprächs ihren Gegenüber mit der Hand berühren, beim Sitzen am Oberschenkel, im Stehen an der Schulter. Derartige Gesten sollte man nicht als sexuelle Kontaktaufnahmen mißdeuten.

Zum Abschluss: Wenn Albaner "Ja" ("po") oder "Nein" ("jo") sagen, ist folgendes zu beachten:
Ein Albaner nickt mit dem Kopf, wenn er "Nein" sagen will und sagt "Jo".
Will er aber Ja sagen, dann dreht er den Kopf kurz nach links und sagt "Po"! Kopfnicken und Kopfschütteln haben also gegenüber unserem Lebensraum entgegengesetzte Bedeutung.

... und viel zu früh wird es Abend und der Heimweg muss angetreten werden!

... und viel zu früh wird es Abend und der Heimweg muss angetreten werden!

"... ob sie wohl  halten wird? - Sie hat!"

"... ob sie wohl halten wird? - Sie hat!"

© Gerd Birnzain, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein (Erfahrungs-)Bericht von Gerd Birnzain. Vielleicht interessieren Sie m e i n e Eindrücke aus einem 9monatigen Aufenthalt im Land der Shkipetaren. Der albanische Schriftsteller Ismail Kadare hat einmal die herausragende Gastfreundschaft in Albanien mit den Worten umschrieben: "Das Haus des Albaners gehört ganz nach dem Kanun zuerst Gott und dem Gast und dann erst den Bewohnern". Gilt das auch noch nach dem Zusammenbruch der sog. Pyramidengesellschaft am Ende des 20. Jahrhunderts?
Details:
Aufbruch: Mai 2000
Dauer: 9 Monate
Heimkehr: Februar 2001
Reiseziele: Albanien
Der Autor
 
Gerd Birnzain berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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