ALBANIEN - Unbekanntes Land zwischen Shkodra und Saranda

Albanien-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2000 - Februar 2001  |  von Gerd Birnzain

Albanien - erste Berührungen: Freizeitgestaltung in der MAPEXT-Mission

Das Lokal "Frescu" (Kurve) war ein beliebter Treffpunkt der deutschen Kollegen

Das Lokal "Frescu" (Kurve) war ein beliebter Treffpunkt der deutschen Kollegen

Nach etwa 2/3 unseres Weges vom Büro zum Hotel befand sich oberhalb der Dunstglocke Tiranas am Anstieg zum Daijti-Berg in einer rechtwinkeligen Kurve das Lokal "Frescu" mit einem albanischem "Biergarten" unter schattigen Bäumen.
Es hat nicht lange gedauert und der Umsatz der Wirtsfamilie wurde kräftig gesteigert.

Rund um unsere "Kurve": Oliven-, Dattel- und Feigenbäume. 
Ein wahrer Hochgenuss: blaue Feigen direkt vom Baum...

Rund um unsere "Kurve": Oliven-, Dattel- und Feigenbäume.
Ein wahrer Hochgenuss: blaue Feigen direkt vom Baum...

Bald entwickelte sich ein herzliches Verhältnis zum Wirt, der mit seinen beiden Söhnen und der ganzen Familie einen für albanische Verhältnisse in dieser Zeit hervorragenden Gastronomiebetrieb leitete.

Sein kurz gebratenes Schweinekotelett mit frischem Fladenbrot und gemischtem Saisonsalat, seine gebratenen Hühnchenmägen, die zarte Leber oder das säuerliche Herz - meistens mit der "Natursauce" aus der Bratpfanne - und immer mit frischem Brot und knackigem Salat!
Eine Köstlichkeit (für diejenigen, die so etwas mögen!)

Natürlich wurde auch über dem offenen Grill zubereitetes Lamm angeboten und für die gänzlich Unerschrockenen eine wahre Spezialität: "Ein ganzer Schafs- oder Ziegenkopf" (Dabei sollten vor allem die Augen eine Köstlichkeit sein).
Ich habe festgestellt, dass das Ansehen in der Bevölkerung proportional zur Anzahl der verspeisten Schafsköpfe anstieg. Höchste Auszeichnung war der Titel: "Vater der Schafsköpfe!", den allerdings nur einer unserer deutschen Kollegen erringen konnte...

Eine Spendensammlung unter allen MAPEXT-Angehörigen machte es möglich...

Eine Spendensammlung unter allen MAPEXT-Angehörigen machte es möglich...

... für Kinder der im Dienst getöteten albanischen Polizeikollegen eine Hüpfburg zu kaufen.

Diese Hüpfburg wurde dem albanischen Innenministerium mit der Bitte zur Verfügung gestellt, sie im ganzen Land bei entsprechenden Veranstaltungen aufzubauen und a l l e n Kindern zur Verfügung zu stellen.
Schon bei der Einweihung in Tirana waren wir erstaunt welchen Anklang (durchaus auch bei grossen Kindern und Jugendlichen) dieses Vergnügen gefunden hat.
Die Rückmeldungen aus dem gesamten Land waren äusserst positiv und haben unseren englischen Kollegen und Initiator Vic Murphey in seinem sozialen Engagement noch weiter bestärkt.

Ein "Möchtegerne-Shkipetare" und ein bayrischer Seppelhosen-Freak - es passt alles zusammen, wenn man nur bereit ist...

Ein "Möchtegerne-Shkipetare" und ein bayrischer Seppelhosen-Freak - es passt alles zusammen, wenn man nur bereit ist...

Da die Albaner (und manche andere europäischen Bevölkerungsgruppen) den deutschen Karneval, Fasching oder die Fasnet bzw. die 5.Jahreszeit nicht kennen, viele Angehörige in der MAPEXT-Mission aber auf dieses Ereignis nicht gänzlich verzichten wollten, haben die Kollegen kurzer Hand eine "Fancy-Party" organisiert und den gesamten "local staff" dazu eingeladen.

Unsere albanische PC-System-Administratorin wollte uns mit ihrem Kostüm zu verstehen geben, dass sie nicht für alle Unzulänglichkeiten der PC-Welt verantwortlich ist; sich aber gleichwohl von uns "verletzt" fühlt...

Unsere albanische PC-System-Administratorin wollte uns mit ihrem Kostüm zu verstehen geben, dass sie nicht für alle Unzulänglichkeiten der PC-Welt verantwortlich ist; sich aber gleichwohl von uns "verletzt" fühlt...

Unsere albanische PC-System-Administratorin wollte uns mit ihrem Kostüm zu verstehen geben, dass sie nicht für alle Unzulänglichkeiten der PC-Welt verantwortlich ist; sich aber gleichwohl von uns "verletzt" fühlt...

Eine albanische Schönheit, die ihre Beziehungen hinüber nach Italien und in den Kostümfundus der albanischen Nationaloper nicht verbergen wollte.

Eine albanische Schönheit, die ihre Beziehungen hinüber nach Italien und in den Kostümfundus der albanischen Nationaloper nicht verbergen wollte.

Ich habe nicht herausgefunden, ob es sich bei diesen Kleidungsstücken um eine albanische Tracht oder ein Fancy-Kostüm handelte.

Ich habe nicht herausgefunden, ob es sich bei diesen Kleidungsstücken um eine albanische Tracht oder ein Fancy-Kostüm handelte.

Die beiden waren so mit sich und mit der kalten Platte beschäftigt, dass ich nicht genau erfragen konnte, aus welcher Region Albaniens diese Tracht stammte. Man hat mir aber im Nachhinein beteuert, dass es kein Faschingskostüm sei.

Innerhalb der MAPEXT-Mission wurde natürlich auch nicht nur geschuftet...

Innerhalb der MAPEXT-Mission wurde natürlich auch nicht nur geschuftet...

Es galt des öfteren, KollegInnen zu begrüssen oder zu verabschieden. Natürlich wurde das auch im kleinen Rahmen der jeweiligen "Einheit" gebührend gefeiert. Und wenn es wie hier - bei der Verabschiedung eines verdienten belgischen Kollegen - nur in der Teeküch unserer "Evaluation-Unit" stattfand.

Medal-Parade der MAPEXT-Mission

Medal-Parade der MAPEXT-Mission

Offizieller ging es dann schon zu, wenn Kollegen und Kolleginnen geehrt wurden, die schon viele Monate in der Mission Dienst geleistet hatten.
Im Beisein offizieller Vertreter des Innenministeriums und meistens auch der Botschafter der 27 beteiligten Nationen wurden diese Beamten im Rahmen einer Feierstunde mit einem Ehrenorden der Europäischen Union ausgezeichnet.

Ehrenorden der "Westeuropäischen Union"

Ehrenorden der "Westeuropäischen Union"

... und im Anschluss an die kleine Feierstunde wurde bei einem kleinen Imbiss und einem Gläschen Wein das Ereignis natürlich noch gebührend gefeiert.

Mir persönlich haben solche "Festivitäten" deutlich besser gefallen!

Mir persönlich haben solche "Festivitäten" deutlich besser gefallen!

Bei unseren Exkursionen, Erkundungsfahrten, Wochenendausflügen und Dienstbesuchen kam es nicht selten vor, dass wir hinter den Bergen von Tirana in die gute Stube eines Bergbauern eingeladen wurden.
Eine Gastfreundlichkeit, eine Wärme, eine Neugierde nach der Welt draussen, eine Natürlichkeit, eine Offenheit, eine Begegnung, die ich nie vergessen und an die ich mich noch lang gerne erinnern werde.

Frau und Tochter des Landarztes nördlich Tiranas in dem kleinen Bergdorf Salbastan(ca. 300 Einwohnern)

Frau und Tochter des Landarztes nördlich Tiranas in dem kleinen Bergdorf Salbastan(ca. 300 Einwohnern)

Der Papa ist Doktor und zuständig für ein Gebiet, das bei uns mehrere Landkreise umfassen würde. Die Mama ist Posthalterin und oberste Telefonistin. Die Tochter geht auf das Gymnasium und war unsere Englisch-Dolmetscherin im Hause des Landarztes.

Auch in der Ferne wurde der 3. Oktober gebührend gefeiert...

Auch in der Ferne wurde der 3. Oktober gebührend gefeiert...

... auf Einladung des deutschen Kontigents kamen viele der 170 MAPEXT-Mitglieder am Sonntag Nachmittag im Garten des ECMM-Büros zusammen, um für ein paar Stunden der Deutschen Einheit zu gedenken und den Anlass entsprechend zu feiern.

Deutsche, albanische und internationale Leckerbissen! Überflüssig zu erwähnen, dass am Ende alle Tabletts leer, die Snacks aufgegessen, der Magen voll und die Stimmung ausgelassen war.

Weihnachten im Hotel-Restaurant Mak-Alban

Weihnachten im Hotel-Restaurant Mak-Alban

Zugegeben, etwas gewöhnungsbedürftig war die Weihnachtsdeko im internationalen Hotel Mak-Alban schon. Man sollte aber bedenken, dass in Albanien ca. 70 Prozent der Bevölkerung Muslime sind und durch die jahrzentelange Diktatur Hoxhas alle religiösen Feste unterdrückt worden sind.
Da aber auch der albanisch-kommunistische Mensch seine Wurzeln nicht sofort und ganz vergessen kann, hat Hoxha zum Jahreswechsel den "Alten Jahres-Vater" erfunden, der das "Neue Jahres-Kind!" mit Geschenken wohlsinnen möchte. Und so kommen und kamen auch albanische Kinder zu ihren Geschenken ...

Herz was begehrst du mehr...?

Herz was begehrst du mehr...?

... unser englischer Kollege Vic Murphey lud ein zum traditionellen, weihnachtlichen Turkey-Essen. Die Rahmenbedingungen erinnerten dabei durchaus an eine kleine Faschingsparty.

Tirana im Weihnachtsschmuck...

Tirana im Weihnachtsschmuck...

... auch die albanische Hauptstadt will und kann sich internationalen Gepflogenheiten nicht entziehen.
Auf dem zentralen Skanderbeg-Platz gegenüber dem Nationalmuseum und der Nationaloper wurde im Dezember/Januar ein überdimensionaler "drahtgeflochtener" Weihnachtsbaum illuminiert.
Es hat dabei niemanden gestört, dass zu seinem Fusse Karussells liefen, Box-Autos fuhren und bunte Luftballons verkauft wurden. Die leuchtenden Kinderaugen haben keinen Unterschied zum Christkindelmarkt in Nürnberg erkennen lassen.

© Gerd Birnzain, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein (Erfahrungs-)Bericht von Gerd Birnzain. Vielleicht interessieren Sie m e i n e Eindrücke aus einem 9monatigen Aufenthalt im Land der Shkipetaren. Der albanische Schriftsteller Ismail Kadare hat einmal die herausragende Gastfreundschaft in Albanien mit den Worten umschrieben: "Das Haus des Albaners gehört ganz nach dem Kanun zuerst Gott und dem Gast und dann erst den Bewohnern". Gilt das auch noch nach dem Zusammenbruch der sog. Pyramidengesellschaft am Ende des 20. Jahrhunderts?
Details:
Aufbruch: Mai 2000
Dauer: 9 Monate
Heimkehr: Februar 2001
Reiseziele: Albanien
Der Autor
 
Gerd Birnzain berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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