ALBANIEN - Unbekanntes Land zwischen Shkodra und Saranda

Albanien-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2000 - Februar 2001  |  von Gerd Birnzain

Gewöhnungsbedürftig - die Staßen in Albanien: Überlandstrassen

Ich habe an anderer Stelle schon von den Verkehrskontrollen geschrieben.
Es war ein langwieriger Prozess, den Kollegen zu vermitteln, dass solche Maßnahmen eigentlich dazu da sind, den Strassenverkehr zu regeln und nicht sein Einkommen...

Überall in Albanien fielen uns die halbwilden Esel, Mulis und Maultiere auf.
Unter dem Hoxha-Regime waren sie häufig fester Bestandteil des albanischen Heeres. Nach dessen Zusammenbruch wurde ihnen oft "die Freiheit geschenkt" und damit blieben sie sich meist selbst überlassen.

Ein Teilstück der im Jahr 2000 noch einzigen Autobahn vom Flughafen Rinas nach Tirana.
Die jeweils zwei Fahrspuren wurden nicht ohne Grund mittels Betonbarrieren getrennt und trotzdem fanden Fahrzeuglenker immer wieder eine Lücke, die zum Einfahren oder gar zum Wenden ausgenutz worden ist.
(Im Hintergrund der Hausberg Tiranas, der 1611 m hohe Dajti")

Unbeirrt und mit stoischer Ruhe zieht der Kutscher und sein Muli dahin ... (entgegen der Fahrtrichtung an der Autobahn)

Nicht nur relativ junge Leute überquerten wann immer und wo immer sie wollten die Autobahn. Wir sahen nicht selten auch alte Frauen in langen schweren Gewändern mit schwerem Gepäck über die Betonbarrieren kraxeln !

Zunächst dachten wir, es handle sich um eine Präventionsmaßnahme der albanischen Kollegen, um zu vorsichtigem Fahren anzuhalten!?
Weit gefehlt!
Fahrzeuge, die nicht mehr funktionieren oder die aus anderen Gründen nicht mehr gebraucht werden, stellten ihre "Besitzer" häufig einfach am Straßenrand ab. Irgend jemand macht sich dann irgend wann die Mühe und zündet das Ganze dann an...

Hinter dem "Dajiti" kann es durchaus vorkommen, dass die Strasse wie hier irgendwo in einem Flussbett endet.
Im Sommer war das meistens kein Problem!
Im Winter und im Frühjahr -während der Schneeschmelze- kommt dort sowieso niemand hin.
Die beiden Alten auf dem Bild hatten sich einen jungen Eseltreiber gemietet und wollten mit ein paar Habsehligkeiten nach Tirana (der Rover braucht dazu 2 Stunden), um sie dort auf dem Markt zu verkaufen.
Ihr "faleminderit" (Danke) werde ich nicht vergessen, als wir sie zusammen mit ihren Oliven, ein bisschen Käse und ein paar Äpfel und einige Gläser Honig in unseren Rover einsteigen liessen. Der Honig hatte übrigens einen Geschmack, wie ich ihn früher und später nie mehr gespürt habe.

Auf manchen Strassen ist es wirklich besser, sich mit einem PS zu bewegen.
Im Hintergrund befindet sich in einem LKW-Container der einzige Dorfladen mit mit einer "Verkaufstheke" davor.

Es kann nie schaden, immer einen Schluck Wasser mitzuführen. Im Sommer können die Temperaturen locker über 40 Grad klettern.

Übrigens finden Sie in Albanien nicht an jeder Ecke eine Tankstelle für "nafte" (Diesel) oder "benzin" (Benzin).
Es ist deshalb schon ratsam, jeweils rechtzeitig aufzutanken.
Oder Sie fragen einfach...
In fast jedem Dorf werden Sie jemanden finden, der Ihnen in 1,5 Literflaschen nafte oder benzin aus einer Garage heraus verkauft.

Im Winter dagegen fallen die Temperaturen im Norden auch schnell auf minus 25 Grad. Dabei gefrieren Wasserfälle zu bizarren Gebilden an der Felswand.

© Gerd Birnzain, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein (Erfahrungs-)Bericht von Gerd Birnzain. Vielleicht interessieren Sie m e i n e Eindrücke aus einem 9monatigen Aufenthalt im Land der Shkipetaren. Der albanische Schriftsteller Ismail Kadare hat einmal die herausragende Gastfreundschaft in Albanien mit den Worten umschrieben: "Das Haus des Albaners gehört ganz nach dem Kanun zuerst Gott und dem Gast und dann erst den Bewohnern". Gilt das auch noch nach dem Zusammenbruch der sog. Pyramidengesellschaft am Ende des 20. Jahrhunderts?
Details:
Aufbruch: Mai 2000
Dauer: 9 Monate
Heimkehr: Februar 2001
Reiseziele: Albanien
Der Autor
 
Gerd Birnzain berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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