2000 km mit dem Auto durch Polen

Polen-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2015  |  von Inge Waehlisch Soltau

Masuren

Masuren

Die Region Masuren (Mazury) im nordöstlichen Teil von Polen grenzt an die russische Enklave Kaliningrad (Königsberg), der südliche Teil ist im ehemaligen Ostpreussen. Es ist das Land der 3000 Seen, in der Mitte der grossen Seenplatten liegen die Orte Gizycko und Mikolajki.
In der unberührten Natur gibt es eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt: Mischwälder, klare Seen, zahlreiche Flüsse und Kanäle, Teiche und Sümpfe, viele Vogelarten und artenreiche Wildwiesen mit seltenen Pflanzen.
Die Geschichte von Masuren ähnelt der in vielen Grenzregionen von Europa, beeinflusst von verschiedenen Völkergruppen und Kulturen.
Vom 9. bis 14./15. Jahrhundert lebten hier heidnische Pruzzen. Mit der Gründung des Deutschen Ordenstaates begannen die blutigen Kreuzzüge gegen dieses Volk.
Handwerker und Kaufleute aus Deuschland und Holland siedelten sich hier an.
Mitte des 16. Jahrhunderts kam die Reformation. Masuren litt unter den Nordischen Kriegen und der Pest. Seit 1870 war eine verstärkte Germanisierung festzustellen.
Mit dem 2. Weltkrieg und vor allem danach begann die Vertreibung und Verfolgung der hiesigen Bevölkerung, und es kamen andere Vertriebene aus den polnischen Ostgebieten, Weissrussland, Ukraine und Litauen.

In Olsztyn

In Olsztyn

Olsztyn (Allensburg)

Nach einer gut dreistündigen Fahrt von Warschau - teilweise Autobahn - kamen wir gegen Mittag in Olsztyn (Allenstein) an. Bei dem vielen Verkehr auf den Normalstrassen wurde teilweise "kriminell" überholt.
Allenstein hat ca. 175.000 Einwohner, die Hauptstadt von Masuren und Ermland ist auch das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum. Die Stadt ist eingebettet in einer reizvollen Landschaft mit 15 Seen, dem Fluss Lyna und vielen kleinen Kanälen. Der grösste See mit 412 ha ist der sog. Stadtsee "Jezioro Ukiel".
Zentrum der Stadt ist der malerische Rynek mit barocken Bürgerhäusern, Laubengängen, zahlreichen Cafés und Biergärten. Es war zwar sonnig, aber zu windig, als dass man seinen Lunch draussen einnehmen konnte.

Am Marktplatz

Am Marktplatz

Für eine komplette Stadtbesichtigung war unsere Zeit zu kurz - wir wollten ja noch weiterfahren. Immerhin liefen wir durch das 1378 erbaute Hohe Tor (Brama Wysoka), welches zeitweilig Waffenkammer und Gefängnis war. Dieses ist das einzige erhaltene von ursprünglich drei Toren - das Wahrzeichen der Stadt. Heutzutage ist dort eine einfache Herberge.

Hohes Tor

Hohes Tor

Dann schauten wir noch die umfassend renovierte Ordensburg aus dem 14. Jahrhundert an - historischer Kern der heutigen Stadt. Von 1516-21 war Nikolaus Kopernikus hier Verwalter des Domkapitels, und er verteidigte die Stadt 1521 gegen die Ritter des Deutschen Ordens. Einige Ausstellungsräume erinnern an den berühmten Astronomen.
Der Komplex ist erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts auch von der Stadt aus zugänglich.

Südflügel Ordensburg

Südflügel Ordensburg

Nordflügel Ordensburg

Nordflügel Ordensburg

Leider konnten wir aus Zeitmangel die nördlich der Altstadt gelegene 1877 erbaute evangelische Kirche und auf der anderen Seite die Ende des 14. Jahrhunderts errichtete Jacobi-Kathedrale nicht mehr aufsuchen.
Da wir das Auto mit dem ganzen Gepäck auf einem unbewachten Parkplatz abgestellt hatten, entschlossen wir uns, unseren Aufenthalt in Allenstein zu beenden.

In Allensteins Zentrum waren einige Strassen aufgerissen, die Umleitung schlecht ausgeschildert, so dass unser Navi mal wieder etwas "irritiert" war. Nach gut 1.1/2 Stunden Fahrt erreichten wir Nikolajken (Mikolajki), ursprünglich ein kleines Fischerdorf, jetzt ein bekannter Ferienort in Masuren.

Blick vom Hotel auf den Ort und den See

Blick vom Hotel auf den Ort und den See

Idyllisches Nikolaiken

Idyllisches Nikolaiken

Unser Hotel liegt direkt am Nikolajken-See, sehr idyllisch und ruhig. Es gibt einen direkten Zugang zum See, wo man sich sonnen kann und direkt in den See springen könnte, aber wir haben es nicht versucht, das Wasser ist bestimmt eisig.

Villa Le Lux

Villa Le Lux

Direkter Seezúgang

Direkter Seezúgang

Nikolaiken ist ein kleiner Ort mit nur 3800 Einwohnern und trotzdem anscheinend die "Segel-Hauptstadt" von Masuren. Wassersport ist möglich auf drei Seen rings um Nikolaiken: den Nikolaiker See (Jez Mikolajski), den Spirdingsee (Jez Smiendwy) und dem Talter See (Jez Talty). Der Ort ist Stützpunkt der "Weissen Flotte" und ein bedeutendes Wassersportzentrum, das sieht man Im Yachthafen mit den vielen Booten.
Es gibt zahlreiche Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen in allen Preislagen, sowie Campingplätze.
An der Seepromenade sowie rund um den Marktplatz mit seinem Springbrunnen findet man Läden, Restaurants und Cafés.

Blick auf Nikolaiken

Blick auf Nikolaiken

Abendstimmung

Abendstimmung

Natürlich wollten wir auch gerne eine Bootstour auf den Seen machen. Aber das Wetter änderte sich am Sonntag, es wurde windig und kühl. Viele Leute reisten ab - und dann waren einfach nicht genug Interessierte da (mindestens 10), damit das Schiff ablegen würde.
Bewunderswert die junge Braut, die trotz des nicht gerade sommerlichen Wetters zu einem Fotoshooting im schulterfreien Kleid erschien.

Die Braut, die sich was traut...

Die Braut, die sich was traut...

Ausflugsschiff

Ausflugsschiff

Das Navi wurde programmiert, um nach Lötzen (Gizycko) zu gelangen, denn die Strassen sind manchmal nicht ausgeschildert bzw. nur in polnischer Sprache. Wir kommen durch kleine Orte mit alten Bauernhäusern und fahren auf kleinen Strassen mit Baumalleen, meistens Linden - wo gibt es sowas sonst noch?
Man sagt Masuren ist landschaftlich reich aber wirtschaftlich arm.

Schattenallee

Schattenallee

Der Ort Lötzen zwischen Löwentinsee (Niegocin) und Mauersee (Mamry) ist ein beliebter Ort für Segler. Gizycko - auch Sommerhauptstadt von Polen genannt - ist die grösste Stadt inmitten der masurischen Seen, ringsum sind es 100 Seen, teilweise mit Kanälen verbunden. Also beste Voraussetzungen für Wassersportler - Segler, Windsurfer, Kanuten usw. Natürlich gibt es auch viele Wanderwege.
Leider war das Wetter nicht so gut, es war kühl, windig und bewölkt, weswegen wir uns auch nicht so lange am Seeufer aufhielten.

Am Niegocin-See

Am Niegocin-See

Yachthafen

Yachthafen

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach Breslau (Wrowlac), Warschau (Warszawa), Masuren (Mazury), Elbing (Elblag) und Frauenburg (Frombork), Danzig (Gdansk) und Ostseeküste
Details:
Aufbruch: 30.08.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 20.09.2015
Reiseziele: Polen
Der Autor
 
Inge Waehlisch Soltau berichtet seit 8 Monaten auf umdiewelt.