Transsilvanien Moldawien und Walachei

Rumänien-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni 2019  |  von Herbert S.

Harmann - Honigburg

Heute ist die Abfahrt auf 9.00 Uhr angesetzt, da wir nur wenige Kilometer bis Hărman (dt. Honigberg) – nördlich von Brasov (dt. Kronstadt) fahren. Nach einer halben Stunde erreichen wir in einem Dorf dieses Namens die sogenannte Honigburg. Es stehen bereits zwei Busse dort und Elke meint wir könnten ein wenig warten, auch wenn wir angemeldet sind.

Honigburg in Honigberg

Honigburg in Honigberg

Ich nutze die Zeit und umrunde antizyklisch die gesamte Anlage. Bevor die eigentliche Einführung beginnt, kann ich schon einmal die vorreformatorische Kapelle besichtigen ( Anf. 14. Jh.).

Das Dorf Harmann

Das Dorf Harmann war im 14. Jh. eines der 13 freien Gemeinden des Burzenlandes, die eine eigene Gerichtsbarkeit besaßen. Im Laufe von drei Jahrhunderten war das Dorf immer wieder feindlichen Angriffen ausgesetzt,.

Der Führer der Wehrkirche macht das ganz ausgezeichnet, pfeift jeden zurück der dazwischenredet, Fragen beantwortet er nur, wenn er die Information nicht schon gegeben hat. Wir hatten nämlich die Anzahl der im Komplex geschützten Bauern wohl nicht mitbekommen.

steile Leitern führen zu an die Kirche und die Außernmauer angebauten Zimmern

steile Leitern führen zu an die Kirche und die Außernmauer angebauten Zimmern

Der ursprüngliche Kapellenbau (um 1300) umfasste ein Kellergeschoss mit gesondertem Eingang und ein zweijochiges Kapellengeschoss. Er war in den ovalen Mauergürtel des späten 13. Jh., der bereits die romanische Kirche umschloss, eingefügt. Da der bestehende Mauerring Im Zuge der Wehrbarmachung Im 15. Jh. verstärkt wurde, baute man auch die Kapelle zum Wehrturm aus. Neben dem Vermauern der Fenster und dem Einbau von Maulscharten in die nördliche und südliche Fensternische wurden zwei Wehrgeschosse aufgestockt. Ein mächtiges, gegen den Burghof abfallendes Pultdach deckt den gesamten Bau.

Der Kapellenraum ist mit zahlreichen Wandmalereien ausgestattet, die in mehreren Schichten den Raum komplett auskleiden.

Die evangelische Kirche in Honigberg ist unter der Nr. 2684 in die Liste der historischen Baudenkmäler eingetragen.
Dem Hl. Nikolaus geweiht, wurde sie im XIII. Jh. als romanische Basilika mit einem quadratischen Chor und einer halbkreisförmigen Apsis erbaut. Im 15. und 16. Jh. wurde sie in gotischem Stil umgebaut. Der Westturm wurde schon 1290 erwähnt und ist mit seinen 56 m Höhe (bis zum Turmknauf) der höchste im Burzenland. Das gegenwärtige Spitzdach des Turms mit den vier Ecktürmchen stammt aus neuerer Zeit. Nach dem Brand von 1593 wurde zwei Jahre später das heutige Gewölbe des Hauptschiffes errichtet.

Die aus Tannenstämmen gefertigten Sitzbänke im Mittelschiff sind den verheirateten Frauen zugedacht und verfügen größtenteils über keine Rückenlehne, da sich Frauen in ihrer Tracht nicht anlehnen konnten. Die mit Rücklehnen versehenen Sitzbänke für Männer und konfirmierte Jugendliche befinden sich in den beiden Seitenschiffen und im rechten hinteren Teil des Mittelschiffs.

Der barocke Altar in der Apsis wird auf das Jahr 1787 datiert, angefertigt wurde er von dem Bildhauer F. Eberhard und dem Maler Mohr, beide aus Kronstadt stammend. Er zeigt im Hauptbild eine Kreuzigungsdarstellung, das von den Statuen der Apostel Petrus und Paulus begleitet wird. Auf beiden Seiten ist die Hauptzone des Altars durch barocke Blumengirlanden verziert.

Die Verteidigungsanlage der Kirchenburg besteht aus einer fast kreisförmigen Ringmauer mit 5 Basteien, denen später im 15.-17 Jh. noch eine achteckige hinzugefügt wurde. Der Eingang führt durch einen langen, gewölbten Korridor und ein Fallgitter.
Da mein Knie wohl weitgehend wiederhergestellt ist, wage ich den Aufstieg auf den Turm der Kirche und habe einen tollen Einblick in die geschützte Anlage.

Der gesamte Komplex ist mit einem Wehrgang versehen, der innerhalb der 5 m dicken Mauern verläuft

interessante Konstruktion von verschließbaren Lüftungsöffnungen

interessante Konstruktion von verschließbaren Lüftungsöffnungen

Vor der eigentlichen Mauer war eine kleinere – dazwischen wurde im Ernstfall das Vieh in Sicherheit gebracht

© Herbert S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Siebenbürgen, Transsilvanien oder Transsylvanien ist ein historisches und geografisches Gebiet im südlichen Karpatenraum mit einer wechselvollen Geschichte. Heute liegt Siebenbürgen im Zentrum Rumäniens, und uns schien dies eine Reise wert. .
Details:
Aufbruch: 14.06.2019
Dauer: circa 1 Woche
Heimkehr: Juni 2019
Reiseziele: Rumänien
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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