Versuchter Abschied vom Sommer 2019

Tschechien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2019  |  von Manfred Sürig

Im Tal der March gibts auch was zu entdecken

Trocken könnte es heute weitgehend bleiben, erkunden wir also erst einmal die Umgebung von Hodonin ! Schon mal was vom Großmährischen Reich gehört ?
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Steuern wir also mal die Ausgrabungsstätten an, das ist mit dem Rad leicht zu schaffen!
Wir fahren auf der Nordseite der March auf dem Deich marchabwärts, kommen dabei über eine Wehr- oder Schleusenanlage, die umfangreiche Teichanlagen in ehemaligen Überflutungsgebieten der March absperrt. Was muß das hier früher für ein gewaltiges Sumpfgebiet gewesen sein ! Zu Beginn des 20.Jahrhunerts sind die meisten Gebiete trockengelegt oder abgedeicht worden, um sie der Landwirtschaft und der Fischzucht zugänglich zu machen, aber insbesondere, um Überflutungskatastrophen, wie sie in früheren Jahrhunderten immer wieder vorgekommen sind, künftig zu vermeiden.
Dazu hat es auch gehört, die March zu kanalisieren und einen schnelleren Abfluß zu ermöglichen. Rechts und links des Flussdeiches sind aber die Sumpfwälder noch erhalten, zugänglich sind sie über gut gepflasterte Wege, die mit dem Rad genutzt werden können. Sie sind als Zuwegungen zu Ölbohrstellen entstanden; noch heute kommt man gelegentlich an Pumpen vorbei, die ein wertvolles Erdöl fördern, das zur chemischen Weiterverarbeitung besonders gut geeignet ist.
Naturlandschaft also ?
Zumindest heute ein besonderes Erholungsrevier.
Und an einer ehemaligen Marchschleife nun ein Geschichtsdenkmal für das Großmährische Reich ?
Nur indirekt waren lange Zeit einige wenige Dinge dazu bekannt, bis Archäologen hier große Ausgrabungen machten, die heute an Ort und Stelle in einem Museum mitten in den Bruchwäldern zu besichtigen sind.

Im späten Mittelalter hatten sich hier zahlreiche Sippen von slawischen Siedlern seßhaft gemacht, vielleicht, weil der Sumpf ringsherum Schutz vor Verfolgung gewährte; gelebt haben sie vom Fischfang und von Landwirtschaft, hatten aber auch Handelskontakte, wie Ausgrabungsstücke beweisen. Und sie wurden von mazedonischen Mönchen zum Christentum bekehrt.
Von Mazedoniern ?
Ja, weil mazedonisch eine slawische Sprache ist, die von den Slawen hier verstanden wurde.
Eine gute Idee, dieses Museum genau dort zu errichten, wo die Menschen damals auch gelebt haben, der Besucher kann gut nachvollziehen, was sich hier damals abgespielt haben muß.
Tschechien und die Slowakei haben mitten in das Siedlungsgebiet eine moderne Brücke über die March gebaut, die in wenigen Wochen eröffnet wird. So wird unterstrichen, dass dieses Gebiet ursprünglich einmal einheitlich besiedelt und regiert wurde, wo heute die Grenze zwischen Tschechien und der Slowakei verläuft, eine Grenze, die es schon seit dem späten Mittelalter gibt, zwischen den ungarisch regierten Gebieten im Südosten und den österreichischen Gebieten in Mähren und Böhmen im Westen. Auf beiden Seiten hatten die slawischen Einwohner seit Jahrunderten keine eigene Souveränität, das Großmährische Reich hatte da zeitweise eine Ausnahme gebildet.
Das Museum und seine Umgebung wird künftig zu einem touristischen Zentrum werden, das insbesondere die slawische Identität fördern soll, deshalb wird sein Ausbau von der Europäischen Union unterstützt.
Auf dem Rückweg machen wir noch einen weiten Bogen nach Norden, immer wieder an Fischteichen entlang, gelegentlich unterbrochen von Rohrleitungen, durch die vielleicht einmal Erdöl gepumpt wurde oder auch Flutwasser, beides wäre denkbar.
Am nördlichsten Punkt kommen wir an Weinanbaugebiete mit schönen Weindörfern in einer anmutigen Hügellandschaft - die Mährische Toskana. Doch die nehmen wir uns vielleicht für später vor, heute kehren wir zurück nach Hodonin.

© Manfred Sürig, 2020
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Die Reise
 
Worum geht's?:
der goldene Oktober kommt bestimmt, so sagt man. Und im Kontinentalklima in der Slowakei kann es da sogar noch sommerlich sein. Also nichts wie hin, aber......
Details:
Aufbruch: 03.10.2019
Dauer: 12 Tage
Heimkehr: 14.10.2019
Reiseziele: Slowakei
Tschechische Republik
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.