Versuchter Abschied vom Sommer 2019

Tschechien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2019  |  von Manfred Sürig

Im Tal der March gibts auch was zu entdecken: Ausflug nach Brünn und zum Thayastausee

Fast zwei Tage haben wir Chancen auf trockenes, wenn auch kühles Wetter, hat Erich aus allen Wetterberichten herausgelesen. Nutzen wir also die Morgenkühle zur Bahnanreise nach Brünn, damit wir gegen 11 Uhr dort die wärmende Sonne genießen können!
Diese Planung ist heute optimal ! Strahlende Sonne empfängt uns am Bahnhof Brno Süd. Erich kennt sich bestens aus, um ohne abzusteigen in die Innenstadt zu gelangen und dann entlang der Universität mit dem Denkmal Gregor Mendels einem schönen Villenviertel nach Nordwesten hinauf zum Brünner Stausee zu kommen.
Sonnen kann man hier sogar!
Wir genießen ein gutes Mittagsmahl mit Seeblick, anschließend geht es über die Staumauer in großen Parks bergab nach Süden. Unser Ziel ist das Dorf Pravlov im Tal der Jihlava - für mich völliges Neuland.
Einen direkten Weg dorthin gibt es nicht, aber auf Nebenwegen müßten wir so weit wie möglich abkürzen können. Die nächsten Orte sind meistens ausgeschildert, zu den weiteren, größeren Orten brauchen wir nicht ganz hin, zeitweise eine logistische Herausforderung, zumal Erich eine bestimmte Ankunftszeit bei Bekannten dort vereinbart hat, wo wir heute übernachten werden.
Entscheidend ist dann noch, ob der Weg voraussichtlich asphaltiert ist und ob er möglichst wenig Autoverkehr haben wird. Fast allen Anforderungen werden wir gerecht, müssen nur einmal noch eine Steigung überwinden, die wir bei einem Umweg durchs Tal hätten vermeiden können. Am Ende landen wir nach einem rasanten Abwärtsstück pünktlich in einem verwunschenen Tal, durch das sich die Jihlava windet. Viele schöne Häuschen, die jedem Geschmack freie Hand gelassen haben ! Das verspricht für morgen bildschöne Radwege.

Im Haus von Erichs Bekannten werden wir freundlich empfangen und großzügig bewirtet. Schade, dass ich der Unterhaltung nur stückweise folgen kann. Das Haus, aus Haus-Fertigteilen errichtet, mit Fußbodenheizung und herrlchen Blicken in den Garten wirkt wie ein architektonishes Meisterstück. Und zu meiner Überraschung erfahre ich den Preis - höchstens die Hälfte dessen, was so etwas in Deutschland kosten würde.

Nachts ist es neblig geworden, am nächsten Morgen ist von Sonne nichts mehr zu sehen. Doch es ist noch trocken und windstill, der Radweg entlang des Flusses ein Genuß. Hier kommen allenfalls Wochenendausflügler aus Brünn her und Leute, die hier ihre Schrebergärten pflegen.
Alle Windungen der Jihlava können wir gar nicht ausfahren, mal nutzen wir einen ausgeschilderten Radweg, dann benutzen wir die Landstraße. Alle Orte enden auf -ice::Malesovice, Odrovice, Pohorelice, Pribice, Vranovice, Uhercice.
Wir sollten uns in der Nähe der Bahnlinie aufhalten, meint Erich, denn wenn das Wetter sich verschlechtere, könnten wir schnell in einen Zug zurück einsteigen.
In Uhercice entfernen wir uns aber vom Bahngleis zu weit nach Osten, also suchen wir uns einen Weg nach Südwesten.. Den finden wir sogar asphaltiert und fast schnurgerade vor - bis wir vor dem Tor eines Forsthauses stehen, wo er endet. Bleibt aber noch links der Pfad auf dem Deich eines Flusses -Srvatka - entlang.
Den nehmen wir auch noch und stellen nur fest, dass er immer weniger befahren wirkt. Aber wir haben ein Ziel vor Augen: Die Bahnstrecke !
Nur wie kommen wir darunter durch ?
Auch das geht! Wir steigen ab, einer geht vor und hält den Lenker des schräggestellten Rades, der andere das Hinterteil, das Ganze zweimal in der Hocke und zum Schluß das Gepäck, dann erreichen wir die andere Seite und dort stoßen wir auf eine Straße parallel zur Bahn, na bitte !

Die Mittagszeit naht, wir sollten uns ein schönes Gasthaus suchen, aber das werden wir erst in einer touristischen Gegend vorfinden. Die liegt so weit weg aber gar nicht: :der Thaya-Stausee. An dessen Nordufer finden wir in Sakvice ein schönes Gasthaus mit preiswertem Mittagsmahl.
Unsere Mittagspause war wohl etwas zu lang.
Als wir rauskommen, weht es unangenehm aus Südosten, wir müssen genau gegenan. Einen Blick werfen wir noch auf die Absperrmauer des Stausees, danach sind wir uns einig, dass unser nächstes Ziel nur der nächstgelegene Bahnhof sein kann, den wir hoffentlich erreichen, bevor auch noch Regen einsetzt. In Zajecz besteigen wir einen Zug und eine Stunde später sind wir in Hodonin, früh genug, um gleich noch einmal in die Sauna zu gehen.

© Manfred Sürig, 2020
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Die Reise
 
Worum geht's?:
der goldene Oktober kommt bestimmt, so sagt man. Und im Kontinentalklima in der Slowakei kann es da sogar noch sommerlich sein. Also nichts wie hin, aber......
Details:
Aufbruch: 03.10.2019
Dauer: 12 Tage
Heimkehr: 14.10.2019
Reiseziele: Slowakei
Tschechische Republik
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.