Italien-Reisebericht :SIMSON "Große Glocken Tour 2017"

1.Tag "Ab in die Alpen"

Abfahrt

Ich weis nicht mehr wann, aber es war wie immer früh!
... zu früh, für meinen normalen Biorhythmus ... der aber vor lauter Aufregung eh durcheinander war.
Ich denke es war so gegen 5:00 Uhr ... wie eigentlich immer.

Treffpunkt bei Stoney "Jungs aber leise wegen den Nachbarn"

Als grobe Richtung sollte es heute bis zum Brenner gehen.

Wir waren heiß, frohen Mutes und hatten super gute Laune.

Jeder hatte sein Marschgepäck gut verstaut und individuelle Strategien entwickelt, wie er das "viel zu viele" Gewicht auf der Kiste verteilt.

Da die Simson Vogelserie (Habicht Schwalbe und co.) ein ...
sagen wir mal "historisches" Fahrwerk hat, führt eine zu hohe Last auf dem Heck zu massiven Lenkerflattern.
Einhändig fahren kann da zu einer unkontrollierten Herausforderung werden.

Also egal wie ...
... möglichst viel Gewicht auf das Vorderrad bringen!

Auch an der Schwalbe gab es im laufe der Zeit einige Tourenmodifikationen, die allerdings die schlanke Silhouette weniger in Mitleidenschaft zog.
Hier wurde eher das Gesamtgewicht zur Herausforderung.

  • Klappkloo + Halterung unter der Linken Packtasche

  • E- Teile und Werkzeug

  • Öl und Ersatzsprit (Da meine Kiste deutlich mehr schluckte)

  • Getriebe-Ersatzöl und Putzmittel

Fahrt über die Schwäbische Alb

Nun, nachdem wir schon x-mal zwangsweise über die Schwäbische Alb gefahren waren, hielten wir uns hier nicht all zu lange auf und düsten "durch" was das Material hergab.

Dann Albtrauf und die Steigen hoch, über die Albhochfläche in Richtung Ulm und dann nach Süden.

Alles lief problemlos und wir kamen sehr gut voran.

So gegen 8:20 Uhr machten wir eine kurze Frühstücksrast bei Ochsenhausen.

Käffchen und ein kleinen Magenfüller, denn das Fahren strengt an, auch wenn das keiner glaubt.

Jedem nach seinem Gusto!

Der Eine eine halbe Sau,
die Anderen gepflegt Cossaint´s

Eindecken für den Abend!

Kurz bevor wie weiter fuhren deckten wir uns noch mit allerlei Grillgut ein.
Auf der Fahrt in den warmen Packtaschen würde das rohe, eingelegte Fleisch gut durchziehen und reifen!

Stoney hatte dieses Jahr eine Überraschung dabei. Einen neuen Grill.
Der Einweggrill von der letzen gemeinsamen Tour war ja in der B-Note durchgefallen.
... rantasten an ein Gewichts-und Qualitätsoptimum war angesagt.
Also brauchten wir gut gereiftes - mürbes Material zum drauf werfen.

Nun die weitere Fahrt war völlig unspektakulär.
... was in gewisser weise recht untypisch war.

  • Kein Regenschauer

  • Keine Pannen.


... nur ab und an ein Tankstopp, an dem auch immer eine kleine Durchsicht der Kiste dabei war.

... rüttel hier, rüttel da, ... wenn nichts klappert und noch alles dran ist ging es weiter.

Das Leid mit dem 2 Takt-Öl Nebel hinter den Kisten

Da meine Kiste, aufgrund von stinkendem Motul 2 Taktöl, den anderen auf die dauer Kopfweh bereitete fuhr ich die meiste Zeit hinten.

Das hatte auch den Vorteil das Wene nicht so viel wegen des blockierten Rückspiegel schimpfte.
Er leibt es im Rückspiegel Breidband-Panorama Bilder sehen zu können, ...
... alle und wirklich alle nachfolgenden Fahrzuge zu sehen ...
... und nicht nur die Beschriftung meiner Zundkerze lesen zu können.

Allerdings muss ich zu meiner Verteidigung sagen, ... 2 Kisten mit Addinol 2 Taköl geben auch einen dicken Kopf!
Entweder man fährt dicht auf und bekommt weniger Abgaße ab, oder man hält min 50 m Abstand was beim Fahren auch als Problem mit der Kiste interpretiert werden könnte und zu langsameren Fahren führt.

Das Leid-Tier

Stoney machte als Tour Guide ein gutes Tempo und die gewählte Strecke führte uns zielstrebig in den Süden.

Der Nachteil beim voraus fahren ist es, dass man immer wieder auf der Karte nach einem geeigneten Weg suchen muss, was bei den Vibrationen die auf die Karte übertragen werden nicht einfach ist.

Die Augen leiden unter der Anstrengung und es ist tierisch schwer, sich nicht ständig zu verfranzen oder den Straßengraben zu küssen.

Also musste ab und an angehalten werden um ab und an eine neue Positionsbestimmung durchführen zu können.

Zeitig im Voralpenland

Die gut gewählte Route führte uns sehr schnell in das Voralpenland.
Sanfte Hügel und ein wunderbares Alpenpanorama sorgten für Vorfreude.

In den letzten Touren (siehe andere Berichte) war das genau der Zeitpunkt an dem, eine böse, böse Regenwolke kam und uns so lange nass gemacht hatte, bis meine Karre wegen nassem Luftfilter stehen blieb und erst nach massiven Schrauberaktionen wieder an ein Weiterfahren zu denken war. (Meist 2h Verlust und ich war gefrustet).

Doch dieses Mal blieb das aus. --- Super Wetter zum Fahren ---
Nicht zu heiß und nicht zu kalt. Wobei 2-3 °C mehr hätten wir schon vertragen.

... von wegen Klimaerwärmung. Die Sommer in Deutschland sind auch nicht mehr das was sie mal waren ....
(oh weh, jetzt hassen mich alle Umweltschützer!)
Aber hier greife ich Äußerungen von unser aller Vorbild Don Trump auf, der aufgrund der Schneefälle Jan 2018 in Florida die Klimaerwärmung bezweifelte. ... der Sack! [...merkt Ihr die Ironie?]

Nun gut, ... da wir extrem zeitig dran waren, sich sowohl das Gesäß, die Blase und auch der Magen meldete, kehrten wir spontan um und flogen in dem zu eben passierten netten Wirtshaus "Schnaidberger Alm" ein.
Schnaidberger Alm

Die Karte und die angenehmen Preise überzeugten uns sogleich hier eine Rast ein zu legen.

Schweinerds mid Knederl.

Wenn man schon im Bayrischen ist, dann auch das hiesige Essen.
Aber bekommen wir schon was?

Stoney fragte nach bevor er den zwingend erforderlichen Weg zum stillen Örtchen ging. Auch wir waren fällig und trennten uns von dem Morgen-Kaffee der enorm drückte.

Wir bestellten dann auf Grund des doch interessanten Preis-Leistungsverhältnisses alle den Schweinsbraten mit Knödel.
Wene trank dazu ein Radler und Stone und ich ein Joha-Schorrle.
Lecker!

Frisch gestärkt mit abgekühlten Kisten ging es weiter zügig voran.
Wir passierten allerlei Seen im Voralpenland.
Mit einem guten 55 Km Schnitt kamen wir erstaunlich gut voran.

"Hey Jungs, wisst ihr noch, ... letzte Tour, ... da haben wir es nur mit Mühe am ersten Tag bis hier her geschafft! " Meine Stoney als wir auf der Höhe vom Kochelsee Campingplatz vorbei knatterten.

Ja es ging gut voran und wir konnten den Brenner unser Ziel schon fast riechen. Dabei war es gerade mal 13:15 Uhr.

Bei Mittenwald führen wir dann am Karwendelgebirge Richtung Seefeld um dann ins Tief gelegene Inn-Tal hinab zu stürzen.

Bilder Karwendel Gebiet

Die erste lange steile Abfahrt!
Sollten wir den Umweg über Telfs fahren oder direkt in Richtung Innsbruck?

"Der Zirler Berg ist zwar steil wie Sau und es hat viel Verkehr, aber dann kommen wir gut voran! ", war das Argument das zählte.

... auf das die Bremsen stinken !!! ...

Dann machte ich (Flaps) den Vorschlag nicht über Innsbruck, sondern über Sellrain und Mutters nach Matrei zu fahren.

... und irgendwo sollten wir noch Tanken.

Bild oben: Strecke von Sellrain nach Mutters, links das Inn Tal mit Karwendelgebirge in Richtung Norden.

Eine landschaftlich schöne wenig befahrene Nebenstrecke.

Auf halben Weg zum Brenner hielten wir in Matrei an einer gut gelegenen Tanke an.
"Immer mit vollem Tank den Berg hoch" ... " Wer weis was kommt!"

Die Kisten hatten sich beim Tanken wieder etwas abgekühlt, unsere Hintern waren wieder etwas entspannter, wir waren super gut in der Zeit und die Laune war nicht zu toppen.

" Auf Jungs, Gas geben ! "

Gesagt getan!

Die alte Brenner Strecke ist ja eine sehr beliebte Motorrad Route für Weicheier, die das Timmelsjoch (und die Maut) scheuen, oder die einfach schnell in die Dolomiten oder zum Gardasee wollen.

Wir passten uns dem Verkehrsfluss an.
... wobei ich immer wieder erschrocken bin wie viele Hirnamputierte es auf 2 Rädern gibt. In völlig unübersichtlichen Kurven wurde überholt! ... als ob der Leibhaftige hinter ihnen her wäre !!!

Schade das wenige Idioten, den Ruf der 2-Rad-Gemeinde so ruinieren.

Wir führen flott mit knapp über 50 Km/h hinter einem Kastenwagen her.

Mit schön gleichmäßiger Geschwindigkeit kurvten wir so die Strecke aus und errichten schon gegen 16:00 Uhr den Brenner.

Viel zu früh um einen Übernachtungsplatz zu suchen.

Wer hätte das gedacht, dass wir ohne irgend eine Zwangspause so schnell voran kamen. Unfassbar wenn man an die vorangegangenen Touren denkt.

Da sich der Hintern nach nun mehr knapp 400 Km deutlich meldete und in der Höhe auch der Blasendruck stieg, beschlossen wir eine Kaffeepause ein zu legen.

Außerdem war unser erstes Etappenziel ja erreicht und wir waren etwas Planlos.

Urige Pissnelke hinter der Türe. (rechts unten die Nische)

"Hey Jungs ihr müsst unbedingt im Kaffee schiffen gehen. Aber obacht, wenn einer rein kommt wird´s eng!
Tatsächlich! Die Pissnelke war unmittelbar hinter der Türe zum Sammel-WC.
Wenn also ein weiterer "Notdürfitiger" rein kam stecke der Nutzer des Pissoirs mit dem Schniedel förmlich im Siphon

Und nun?

Stoney packte die Karte aus und wir diskutierten den weiteren verlauf der Tour.
Der Großglockner war ja das Hauptziel der Tour.

Da wir aber so gut voran kamen und sogar noch fast 4 Stunden Zeit hatten, würden wir quasi auf direktem Weg bereits morgen auf der Großgkockner Hochalpenstraße unterwegs sein.

Da wären wir fast 2 Tage zu früh!

Wir könnten ein Stück weiter in den Süden fahren, ...

Wene entdeckte den geliebten Gardasee und brachten den Vorschlag ein:
" Lasst uns an den Gardasee fahren und etwas abhängen" ... "Da hat es auch schöne Campingplätze"

Stoney meinte dann wird es aber spät und 500 Km an einem Tag müssen es auch nicht sein!!

Da ich die Gegend aus früheren Motorradtouren (...natürlich über das Timmelsjoch) auch gut kannte, schlug ich das Sarntal als Route vor.

"Jungs hier können wir in einem Hochtal irgendwo am Bach Pennen. vorher geht es aber noch ein bisschen hoch." (Ich verschwieg natürlich das Penser Joch)

Normalerweise hätten die Jungs bei meiner Äußerung "ein bisschen hoch" sofort gelästert und "geschumpfen", aber hier überwog der romantische Eindruck ... an einem Bächlein, ... hoch auf den Bergen zu pennen, ... vom Ruf der Nachtigall im Morgengrauen geweckt zu werden, ...

Kurz und Gut, das Sarntal war das neue Ziel!

In Brixen wurde abermals nachgetankt, besser ist besser.

© Flaps !, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit kleinen Veteranen-Mokicks in den Alpen unterwegs. Gardasee, Dolomiten und Großglockner in einem Rutsch! Der Hintern lässt grüßen. Spaß haben & Lachen, aber auch grandiose Landschaft und herausfordernde Pässe sind die Rezeptur für eine tolle Auszeit.
Details:
Aufbruch: 03.07.2017
Dauer: 5 Tage
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Flaps ! berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
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Flaps über sich:
... aufsitzen und durchhalten