Spanien-Reisebericht :Mallorca im März?

Viele Urlauber stellen sich die Frage, ob es sich lohnt, im März des Deutschen liebste Insel zu besuchen. Hier meine Eindrücke und Erlebnisse dazu.

Im März nach Mallorca?

Auf der Suche nach Beiträgen zum Thema „ Im März auf Mallorca“ kam ich auf die Idee, von meinen Eindrücken eines März- Urlaubes auf meiner Lieblingsinsel zu berichten. Nicht

Über das Internet hatte ich schon im November die Flüge, den Mietwagen und die Finca (über www.alcudia-ferien.de- sehr zu empfehlen!) gebucht. Nach acht Hotelurlauben und einem Penthouse- Aufenthalt war das unser 10. Urlaub auf Mallorca, unser erster auf einer Finca und der bis dahin schönste!!!
Mit Air Berlin fliegen wir am 02.03. um 11:05 Uhr von Dresden nach Palma. Ankunft dort: 13:30 Uhr. Schnell passieren wir das Kofferband und gehen zum Parkhaus. Dort übernehmen wir den bei Alfa-Jet angemieteten Opel und fahren zügig in Richtung Pollensa. Unsere Traumfinca finden wir dank meiner Vorbereitungen sofort. Sie erwartet uns in vollem Sonnenschein und entspricht genau der Beschreibung im Internet.
Nach dem Abstellen des Gepäcks fahren wir erst einmal zum zwei Kilometer entfernten Supermarkt EROSKI und decken uns dort mit allem Notwendigen für die nächste Woche ein. Schon bei den Einkäufen fühle ich mich jedes Mal aufs Neue so dazugehörend, so einheimisch. Egal, in welchem Land wir gerade sind.
Zurück in der Finca, finden wir dann endlich die Zeit, uns das Haus in Ruhe anzusehen. Nach anfänglichen Problemen mit dem TV (nur englische Sender), dem Internet (keine Verbindung) und der Heizung (elektronische Zeiteinstellung) leben wir uns schnell ein und genießen das mollige Haus und den traumhaften Ausblick auf Pollensa mit seinem Kalvarienberg und in die Tramuntana.

Sonntag, 03.03.
Markttag in Pollensa! Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen und schlendere bei frühlingshaftem Wetter über den Markt. Jetzt im März wird er fast nur von Einheimischen und Residenten besucht. Das gibt mir wieder dieses Gefühl, dazu zu gehören. Und die Sonne wärmt bereits so toll, dass man gut einen Cafe-con leche im „Cafe Espaniol“ im Freien genießen kann.

Einmal in Pollensa, steige ich auch die 365 Stufen auf den Kalvarienberg hinauf - ein Muss für jeden Touristen. Der obere Teil des Weges wird von herrlichen Pflanzen gesäumt. Einfach nur schön. Oben angekommen, erwartet mich die neogotische Kapelle, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Die in ihrem Inneren stehende Christusfigur sollen – so die Geschichte - Fischer in ihren Netzen gefunden haben. Gegenüber des Kalvarienberges liegt der Puig de Maria, an dessen Nordhang sich auch unsere Finca befindet. Heute Nachmittag werde ich mich auf den Weg zu diesem Gipfel begeben.
Von der Kapelle aus hat man einen wunderschönen Blick über die Buchten von Pollensa und Alcudia bis hin zum Cap de Formentor.
Am Nachmittag beginnt meine erste größere Wanderung. Aufstieg auf den 320 Meter hohen Puig de Maria, den Hausberg von Pollensa. Ein steiler, serpentinenreicher Weg führt zuerst asphaltiert, dann sehr steinig zum Gipfel. Der Aufstieg ist ein Traum! Diese Vegetation und diese Ausblicke! Auf dem Gipfel befinden sich seit dem 15. Jahrhundert ein Kastell und ein Kloster. Und es blüht und grünt hier so wunderbar.
Im Klosterhof steht eine Kapelle. Auch hier spielt die Madonnenfigur eine Rolle. Es heißt, eine fromme Frau hat über dem Berg ein Leuchten gesehen. Als sie diesem nachging, fand sie eine Madonnenfigur, die aber so schwer war, dass man sie nicht in die Stadt transportieren konnte. Deshalb baute man dort oben diese Kapelle. Historisch fundiert kann es aber auch einen anderen Grund geben: Im 14. Jahrhundert wütete auf Mallorca die Pest. Man hatte Angst und errichtete auf dem Gipfel ein Gotteshaus, um dort oben - dem Himmel etwas näher - den Herrn um Hilfe zu bitten.-

Sonntags wandern viele Mallorquiner auf den Gipfel. Im Gepäck Picknickutensilien ,Kinderspielzeug und Radios. Es ist für viele Großfamilien ein ganz tolles Erlebnis, dort in geselliger Runde zusammen zu sitzen. Da schaut man gerne hin. Deren Einfachheit, Harmonie und Geselligkeit gefällt mir sehr gut!
Olivenbäume, gelber Klee, Aronstabgewächse und Afrodill begleiten mich später beim Abstieg.

Montag, 04.03.
Quer über die Insel fahren wir in Richtung Randa. Dort blühen noch die Mandelbäume. Das möchte ich natürlich sehen und fotografieren. Und die Straßen sind in einem topp Zustand. Sie werden jetzt im Frühling gern von Radsportlern zum Konditionstraining genutzt.
Unser nächstes Ziel ist das Cap de Formentor. Hier waren wir schon ein paar Mal. Eigentlich ist es ein anziehender Touristenmagnet, aber heute ist es hier ruhig und „tierisch“. Nur die Winde wehen heftig, hier am nördlichsten Punkt der Insel!
Auf der Rückfahrt unternehme ich einen kleinen Ausflug zur Cala Figuera (Formentor). Leider ist es im unteren Drittel so nass und glatt auf dem lehmigen Boden, dass ich ohne Stöcke nicht ganz hinunter zum Meer laufe. Trotzdem ist es hier wunderschön - vielleicht beim nächsten Mal dann bis ganz zum Meer hinunter!?
Nächster Stopp: Sa Nou am Mirador es Colomer. Während eines 300 Meter langen Weges über Stufen und Plattformen schaut man an manchen Stellen bis zu 300 Meter in die Tiefe. Hier steht auch das Denkmal für den Erbauer der kühnen Straße zum Kap- Ing. Antonio Parietti. (Er hat auch die Straße nach Sa Calobra ( mit dem Krawattenknoten) projektiert) .
Nach einem kurzen Stopp an der Playa de Formentor mit dem gleichnamigen Hotel - dem ältesten der Insel- fahren wir weiter „in unsere Heimat“ , die Bucht von Alcudia. Rainers Lieblingsrestaurant „El Patio“ ist genau so verweist wie viele andere Geschäfte am Ort. Es ist eben erst März- und noch keine Saison.

Schon oft sind wir im Hochsommer am Es Comu- einem Strandabschnitt der Playa de Muro vorbei gefahren. Aber aufgrund der geringen Parkplatzkapazität war es uns nie möglich, hier zu halten. Heute aber haben wir den Parkplatz fast für uns allein, nur zwei Ranger, ein paar Jogger und wir sind die Nutzer.
Um die sensible Flora in den Dünen und die Dünen selbst zu schützen, wurde ein mehrere hundert Meter langer Steg bis zum Meer errichtet. Kriechwacholder, Pinien und wilder Rosmarin säumen den Weg bis hin zum Strand. Der liegt jetzt natürlich einsam vor uns. Der Winter hat seine Spuren hinterlassen, aber ein Strandspaziergang mit der entsprechenden Garderobe ist Erholung pur.
Und was ist das? Das sind die „Torres de Defensa“- alte Wehrtürme in Obelisk- Form! Sie stehen zwischen dem Kanal de Suredana und Colonia de Sant Jordi am Strand. Immer im Doppelpack. Während sich einer direkt am Meer befindet, liegt der zweite immer parallel dazu 200 Meter weiter landeinwärts. Die Türme wurden nach dem Spanischen Bürgerkrieg als Orientierungshilfe für U- Boote errichtet. Sie besitzen eine rote Spitze, um von See her besser erkennbar zu sein. Gegenwärtig werden diese Türme restauriert.-
Das Wetter wird jetzt immer ungemütlicher. Deshalb entschließen wir uns, im Restaurant „Tango“, direkt an der Verbindungsstraße Alcudia- Port de Pollensa einzukehren und (spät) zu Mittag zu essen. Das Haus hat eine prädestinierte Lage direkt an der Bucht von Pollensa: links mit Blick zum Kap de Formentor und rechts zum Atalaya de Alcudia. Während Rainer Ofenkartoffel mit Schweinebraten bestellt, esse ich - wie so oft auf Mallorca - Lammbraten mit Rosmarinkartoffeln. Als Nachspeise gibt es hausgemachte Zitronencreme für Rainer und für mich Crema Catalan.

Das Wetter wird dann auch immer schlechter; es regnet und wir lassen den Abend in unserer geheizten Finca bei einem Blick in den Reiseführer
ausklingen.

Dienstag, 05.03.
Bei strahlendem Sonnenschein spazieren wir durch Pollensa. Plantanengesäumte enge Straßen, die Placa major, die Pfarrkirche. Ein frischgepresster Orangensaft vor dem Hotel Juma- das wahre Mallorca.

Mittwoch, 06.03.
Die Sonne scheint schon am Morgen. Wir fahren quer über die Insel. Unser Ziel ist das erst vor einigen Jahren eröffnete Palma Aquarium. Es besitzt u. a. das tiefste Haifischbecken Europas mit 33 Metern Länge, 25 Metern Breite und einer Tiefe von 8,50 Metern. Sein Fassungsvermögen liegt bei 3,5 Millionen Litern Wasser. In dem Becken leben mehr als 1000 verschiedene Tiere zusammen.
Und warum fressen die Haie die kleinen Fische nicht auf? Weil sie regelmäßig gefüttert werden und dadurch immer satt sind!
Ein Großteil der Anlage ist eine Freifläche, der Dschungel. Hier dominieren
Wasserfälle und -läufe und viele tropische Pflanzen. Sehr gepflegt; gefällt uns gut!
Mittags können wir bei einem Cafe con leche ohne Jacke auf der Terrasse der Cafeteria ein Sonnenbad nehmen. Herrlich!
Auf dem Rückweg dann noch ein kurzer Halt in Campanet. Von der Terrasse am Höhleneingang schweift der Blick weit über die Insel. Ruhe pur, Stille und innerer Frieden.

Donnerstag, 07.03.
Heute erfülle ich mir einen ganz großen Traum.
Zuerst fahren wir über Mal Pas und Bon Air in Richtung der Halbinsel Victoria. Am Picknickplatz S` Illot stoppen wir und unternehmen einen ausgiebigen Strandspaziergang. Lange schon wünsche ich mir hier einen Stopp. Aber im Sommer ist das hier unmöglich, weil es dann wenig Parkmöglichkeiten gibt. Wir überschauen die gesamte Bucht von Pollensa bis hin zum Cap mit dem Leuchtturm. Und die kleine pitoreske Insel, die rustikalen Holzzäune und das klare Wasser machen dieses Fleckchen Erde zu etwas Besonderem.

Keine zwei Kilometer weiter bergauf befindet sich meine mallorquinische Lieblingsgaststätte, das Restaurant „Mirador de la Victoria“. Dort beginnt die Wanderung zu meinem heutigen Ziel. Vorbei an den „Ses Tres Creus“, den drei Kreuzen , über die es verschiedene Bedeutungen gibt, wandere ich weiter in Richtung „Talaida de Alcudia“.
Über die Kreuze sagt man, dass sie vermutlich der Verehrung der Mare de Deu de la Victoria in der unterhalb gelegenen Kapelle dienen. Andere Quellen sagen, dass an diesem Ort einem Hirten die Mutter Gottes erschienen sein soll.
Die Halbinsel Victoria trennt die Buchten von Pollensa und Alcudia. Und wohl jeder von Euch, der schon einmal im Norden von Mallorca geurlaubt hat, kennt diesen imposanten Berg, der immerhin 444 Meter an Höhe mißt.
Zuerst einen breiten Forstweg, dann einen schmalen Pfad am Felsen entlang, durch einen Mauerdurchlass - und das Ziel liegt vor Augen. Von oben ist der Ausblick wirklich himmlisch. Nicht nur die zwei großen Buchten von der Albufera bis hin zum Kap de Formentor, nein ,auch weit ins Hinterland der Insel blickt man von hier oben. Und Zum Greifen nahe ist von hier der Puig de Maria bei Pollensa. Tief unter mir die Badebucht am Coll Baix mit ihrem türkisblauen Wasser. Und gen Norden die Penya Rotja, mit 355 Metern Höhe ein Nebengipfel des Talaida de Alcudia. Dieser hatte in früheren Zeiten eine strategisch wichtige Bedeutung. Und noch heute ist das Gebiet unterhalb des Gipfels Sperrgebiet. Auch diesen Gipfel kann man besteigen. Das aber später- in einem anderen Urlaubsbericht.
Nach knapp drei Stunden bin ich wieder 300 Meter tiefer und auf 140 Metern Höhe an der Ermita de la Victoria. Hier wartet Rainer auf mich. Wir besichtigen gemeinsam die wehrhafte Wallfahrtskirche, in der sich die oben erwähnte Madonnenfigur befindet,

trinken auf dem Vorplatz noch einen Kaffee und fahren glücklich nach Hause. Denn mit diesem Aufstieg habe ich mir einen langjährigen Traum erfüllt. Viele Sommer lang lag ich sehnsüchtig auf den Berg blickend am Strand und wünschte mir einmal den umgekehrten Blick.
Unser letzter Urlaubstag beginnt. Und da unser Flieger erst 20:10 Uhr geht, können wir den Tag noch gut nutzen. Am Vormittag fahren wir in die Feriensiedlung im äußersten Norden der Insel, nach Cala Sant Vincente. Menschenleer sind die Strände, der Ort wirkt wie ausgestorben, aber eben erholsam.
Drei Buchten gibt es hier im Ort. Cala Molins mit ihrem herrlichen Sandstrand ist die größte davon. Und hier liegen jetzt im März! in einer windgeschützten Bucht zwei Anhänger der Freikörperkultur und sonnen sich. Mallorca eben!
In der Cala Carbo geht es steiniger zu; hier ankern oft die Fischerboote der Einheimischen. Das klare Wasser hier ist faszinierend.
Der Ort liegt eingebettet zwischen 300 Meter hohen Felswänden. Und wegen der Klarheit des Wassers werden hier in dieser Bucht gern Tauch- und Schnorchelkurse sowie Paddel- und Kajaktouren angeboten.
Ein bisschen erinnert der Ort an Griechenland. Über Treppen und bereits eröffnete Restaurants laufe ich hinunter zur dritten Bucht - der Cala Barques. Oberhalb der Bucht steht das Denkmal für den Maler Llorenc Serda i Bisbal, der von 1862 bis 1955 in Cala Sant Vincente lebte. Und an den Felshängen beobachten wir Bergziegen. Ruhe und Natur pur! Einfach nur schön!
Gern wäre ich hier noch länger geblieben, aber wir hatten noch vor, im Meson de Patos die traditionelle mallorquinische Küche zu geniessen, bevor es wieder ins heimische Deutschland geht. Wir werden individuell und sehr familiär bedient. Ein sehr schöner Abschied von der Insel.
Später fahren wir auf der Autobahn MP-27 in Richtung Palma. Immer wieder den Blick auf blühende Wiesen und Obstplantagen in uns aufnehmend. Unser PKW ist schnell und reibungslos abgegeben; das Flughafengebäude ist leer. Keine Hekttik, kein langes Anstehen am Schalter; ein ganz entspanntes Einchecken.
Im Flieger auf dem Heimweg sind wir uns einig:
Mallorca im Frühling- wir kommen wieder!!!

© Sylvia Michel, 2018
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 03.03.2013
Dauer: 8 Tage
Heimkehr: 10.03.2013
Reiseziele: Spanien
Der Autor
 
Sylvia Michel berichtet seit 4 Monaten auf umdiewelt.
Bild des Autors
Sylvia über sich:
Ich bin 60 plus, stehe noch voll im Berufsleben, bin Freiberuflerin und meine Hobbies sind neben der Zucht von Griechischen Landschildkröten das Reisen und das Fotografieren. Ich bin genau so gerne in Mitteleuropa wie auch in der Ferne un terwegs. Und das Nacherleben des Urlaubs durch Reiseberichte und Bloggs ist auch ein schöner Teil meiner Freizeitbeschäftigung.