Puerto Rico - zwischen spanischer Tradition und American way of life

Puerto Rico-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar - März 2013  |  von Inge Waehlisch Soltau

Rincón und Umgebung

Fahrt nach Rincón

Von Poncé fuhren wir weiter Richtung Westen und kamen auf der Strasse Nr. 2 über
Guayanilla, Yauco, Sabana Grande und Hermigueros nach Mayaguez. Von dort waren es dann noch ca. 20 Minuten bis Rincon.
In den deutschen Reisekatalogen wird Rincon immer noch als "Geheimtipp" bezeichnet. Darüber können die Amis nur müde lächeln. Dieser Ort ist schon vor langer Zeit von Surfern, amerikanischen Aussteigern und Rentnern und auch Individualtouristen entdeckt worden.
Das im Jahre 1771 gegründete Rincón (14000 Einwohner) bezeichnet sich als "Surfing Capital of the Caribbean". Und das kann man so stehen lassen, denn die teilweise bis zu 7 m hohen Wellen locken Surfer aus der ganzen Welt an.
Und als 1968 die Surfweltmeisterschaften hier stattfanden, gingen einige der Surfer gar nicht mehr zurück.

Die perfekte Welle...

Die perfekte Welle...

Ausserdem ist Rincón - im Westen gelegen - natürlich bekannt für seine grandiosen Sonnenuntergänge. Ich wurde nicht müde, jeden Abend auf dem Balkon zu warten, was für ein Schauspiel uns erwarten würde.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Noch ein Sonnenuntergang

Noch ein Sonnenuntergang

In Rincón und Umgebung gibt es zahlreiche Strände: Puntas, Sandy und Dome Beach sind die besten Spots zum Surfen. Im Sommer ist Steeple Beach ideal zum Schnorcheln und Corcega Beach bisweilen - wenn die Wellen nicht so hoch sind - ist gut zum Schwimmen.
Es werden Ausflüge zum Tauchen und Hochseefischen angeboten.

Sandy Beach

Sandy Beach

Body-Surfer

Body-Surfer

Der Strand direkt vor dem Apartmenthaus war leider schmaler als erwartet. Das Meer hat sich einiges vom Land zurückgeholt. Darüber später mehr...
Da wir direkt am Strand wohnten, bot es sich natürlich an, morgens erstmal einen Strandspaziergang zu machen. Zum Joggen war mir der Sand einfach zu tief.
Und da konnten wir dann einige Amerikaner beobachten, die etwas sammelten. Um Muscheln konnte es sich nicht handeln, denn die gab es nicht allzu zahlreich. Und zu unserer Überraschung sammelten sie das sog. "sea glass", Glasscherben von Flaschen usw., die sehr lange im Meer lagen und von Wellen und Sonne sozusagen "bearbeitet" wurden. Das Glas wurde matt und mehr oder weniger rund geschliffen - besonders begehrt war das blaue Glas.
Für mich waren es trotzdem nur "Scherben" - da gefällt mir das Muschelsammeln schon besser. Aber wie sagt man: "jedem Tierchen sein Pläsirchen..."

Corcega Beach

Corcega Beach

In Rincón hatten wir uns direkt am Meer ein Apartment gemietet. Da wir vorher ein bisschen bei "Google Earth" hereingeschaut hatten, fanden wir das Apartmenthaus auch recht schnell.
Die Schlüssel für das Apartment hatten wir bereits in San Juan bekommen, und so konnten wir uns dann schnell in dem geräumigen Apartment einrichten. Dann ging es erst einmal zum Einkaufen in den grösseren der beiden Supermärkte. Es war Samstag, und man hatte den Eindruck, alle Einwohner von Rincón kauften gleichzeitig ein.
Das Angebot im Supermarkt war zufriedenstellend, obwohl es für meinen Geschmack zu viele Regale mit "junk food" gab. Aber das ist dann halt der American way of life in Puerto Rico.....
In dem Apartmenthaus leben auch einige Puertoricaner permanent, und dann kamen natürlich auch die Mieter - wie wir - vor allem aus denVereinigten Staaten. Aber viele der Wohnungen gehören Puertoricanern - vornehmlich aus San Juan - und die kamen dann am Wochenende. Aber das Haus war meistens nur zu einem Drittel besetzt.
Überhaupt fiel uns auf, dass viele Apartments und Häuser leer standen, und das in der Hauptsaison - ja, die Finanzkrise macht sich eben weltweit bemerkbar....
Am Morgen wurden wir meistens von den Hähnen in der Nachbarschaft geweckt, die bei Sonnenaufgang anfingen zu krähen.
Mit einem Kaffee auf dem Balkon kamen dann die ersten Pelikane vorbei - manchmal einzeln, meistens in Formation. Wir konnten sie bewundern, wie sie sich senkrecht ins Meer stürzten und (fast) immer einen Fisch im Schnabel hatten.
Da der Ort so zersiedelt ist - er erstreckt sich insgesamt sicher über ca. 10 km - muss natürlich jedermann/frau ein auto haben, um von A nach B zu kommen. Dementsprechend viel Verkehr herrscht in dem doch sonst so beschaulichen Ort. Und man muss höllisch aufpassen, denn die Einheimischen fahren einfach auf die Strasse raus von irgendeinem Parkplatz, einer Nebenstrasse usw. Und das ganze dann noch quer über die Strasse, erstaunlicherweise wird nicht mal gehupt. Und wir haben auch nicht gesehen, dass auf diese Art und Weise ein Unfall passierte.
Vielleicht sollten wir uns hier von diesem Verkehrsverhalten auch "eine Scheibe abschneiden"...

Cofresi

Cofresi

Idyllischer Strand

Idyllischer Strand

Ein gut frequentiertes Restaurant war das "Cofresi" im gleichnamigen Hotel. Zur Happy Hour waren vor allem viele junge Leute an der offenen Bar direkt am Meer.
Dort kann man den Sonnenuntergang gut bewundern - am besten mit einem Drink namens "Pirata" (Kokosmilch, Rum, etwas Zimt und all die anderen jahrzehntelangen Geheimnisse für dieses Rezept) serviert in einer Kokosnuss mit noch einem "Nachfüllbecher" extra...

Wellen bis an den Strand

Wellen bis an den Strand

Beach Park

Beach Park

Es gibt mitten im Ort eine Plaza, wo manchmal ein kleiner Markt stattfindet.
Im gross angelegten Beach Park direkt am Ort sieht man vor allem am Wochenende sehr viele einheimische Grossfamilien mit allem, was zu einem Picknick dazu gehört.

Beach Park

Beach Park

Besucher im Beach Park

Besucher im Beach Park

Unser Lieblingsplatz war der Lighthouse Park, eine gepflegte Anlage mit einem alten Leuchtturm, von wo aus man die Surfer vor allem am Dom Strand gut beobachten kann.

Leuchtturm

Leuchtturm

Lighthouse Park

Lighthouse Park

Was gibt es sonst noch in Rincòn

Die Strasse 115 führt durch Rincòn und hier gab es zwei Supermärkte und einen wirklich guten Bäcker. Bei der neu erbauten Mall war alles von Unkraut überwuchert, und das Bankgebäude nebenan leer.
Der Ort ist sehr zersiedelt., und einige Restaurants sind irgendwo versteckt in kleinen Seitenstrassen. Natürlich gibt es einige Surfershops und Souvenirläden. Die Ketten, die dort verkauft wurden, waren grösstenteils selbst gemacht. Aber welche Enttäuschung - viele der angebotenen Artikel waren "made in China..."

Lighthouse Park

Lighthouse Park

Im Lighthouse Park

Im Lighthouse Park

Oberhalb dieses Strandes steht der sog. "Dom", wo die Amerikaner zwischen 1960-68 versucht haben, den Atomstrom auch in die Karibik zu bringen. Die Anlage hat aber (zum Glück...) nie einwandfrei funktioniert und wurde schliesslich geschlossen. Jetzt soll da ein Museum eingerichtet werden.

Dome Beach

Dome Beach

Dome Beach

Dome Beach

Mayagüez und der Südwesten

Die nächst grössere Stadt in der Nähe und grösste im Westen ist Mayagüez, ca. 15 km südlich von Rincon. Die Stadt wurde 1760 gegründet, wurde stark beschädigt durch ein katastrophales Erdbeben im Jahre 1918 und wieder aufgebaut. Dadurch ist Mayagüez auch eher eine moderne Stadt.
Wichtig für Mayagüez ist der Hafen. Es gibt Universitäten und den einzigen Zoo in Puerto Rico.
Im Zentrum befindet sich die hübsche Plaza Colòn im spanischen Stil mit einem Kolumbus-Denkmal, der Kathedrale und dem Yagüez Theater.
Die Stadt ist sehr lebendig mit den vielen kleinen Geschäften, die meisten in den Strassen rund um die Plaza. Dort befindet sich auch die Touristeninformation mit sehr hilfsbereiten Damen.
Eine grosse "amerikanische" Mall findet man südlich von Mayagüez.

Kathedrale

Kathedrale

City Hall

City Hall

Im Südwesten

Wenn man in den Südwesten von Puerto Rico fahren will, empfiehlt es sich die Küstenstrassen über Punta Arenas nach Combate zu fahren. Dort sind schöne
Sandstrände - angeblich die längsten von Puerto Rico - das Wasser ist allerdings etwas milchig.

Combate Beach

Combate Beach

Von dort aus fuhren wir zum Faro "Los Morillos". Die letzten Kilometer war es eine Schotterpiste mit vielen Schlaglöchern, dann musste man noch ca. 10 Minuten laufen.
Eigentlich wollten wir auf den Leuchtturm steigen, um einen Ausblick auf das Meer und Hinterland zu haben. Aber - obwohl am Parkplatz anders angeschrieben - war der Leuchtturm geschlossen.

Der Leuchtturm "Los Morillos"

Der Leuchtturm "Los Morillos"

Am Los Morillos Faro

Am Los Morillos Faro

Aber auch so hatte man einen schönen Blick auf die steilen Klippen und den Strand "Playa Sucia".

Kap am Leuchtturm

Kap am Leuchtturm

Playa Sucía

Playa Sucía

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Halt bei einem Beobachtungsturm in einem von den Amerikanern errichteten Naturpark für Wasservögel. Man hatte hier einen schönen Rundblick auf die umliegenden Salinen.

Salinen

Salinen

Zum Lunch ging es dann noch nach Boquerón, wo es auch einen schönen Strand gibt.
Einhemische empfahlen uns das Restaurant "Galloways" direkt am Meer gelegen, wo man gute Fischgerichte serviert.
In dem kleinen Ferienort mit einem Beach Park (Parkgebühr) findet man etwas Schatten unter einem der zahlreichen Bäume. Es sind einige Tische und Bänke fürs Picknicken aufgestellt, was von den Einheimischen rege genutzt wird. Auch hier war das Wasser leicht milchig.

Boqueron Strand

Boqueron Strand

Nördlich von Rincón

Wir fuhren auch noch von Rincón aus Richtung Norden - zunächst nach Aguada, einem geschöftigen kleinen Ort, der bereits 1510 gegründet wurde.
Angeblich soll Kolumbus hier bei seinen Reisen die Wasservorräte aufgefüllt haben...

Aguada - Zocaló

Aguada - Zocaló

Aguadilla

Eine etwas grössere Stadt ist Aguadilla, gegründet 1775. Und hier gibt es etwas Einmaliges in Puerto Rico: eine Eislauf-Arena!
Bekannt ist Aguadilla aber auch für seine schönen Strände, vor allem Crash Boat Beach, der auch von den Einheimischen gerne aufgesucht wird.
Nach Aguadilla mussten wir dann noch ein zweites Mal, und zwar um den 2. Voucher für das Mietauto am Flughafen einzulösen. Meier's Weltreisen war leider nicht in der Lage, uns einen Voucher für die gesamte Mietdauer von 6 Wochen auszustellen....
Aber wenigstens konnten wir uns mit der Mietwagenfirma einigen und den Voucher in Aguadilla einlösen - sonst hätten wir die lange Fahrt bis San Juan machen müssen.

Aguadilla

Aguadilla

Concega Beach

Concega Beach

Crashboat Beach

Crashboat Beach

Isabela

In Isabela gibt es schöne Strände. Es ist ein Ort mit vielen kleine Strassen, wo vor allem die Einheimischen wohnen. Die Ferienwohnungen unterhalb des eigentlichen Ors sahen nicht besonders voll aus....
Die Brandung ist teilweise sehr stark, und an einer Stelle gibt es sogar "Blow Holes".

Sardinera Beach Isaebella

Sardinera Beach Isaebella

Blow Holes

Blow Holes

Naturgewalten

Als wir in Rincón ankamen, sahen wir in der Näne des Apartmenthauses einige kleine Strandhäuser, die von den Naturgewalten - Stürme und Meer - schwer beschädigt waren.

Opfer der Naturgewalten

Opfer der Naturgewalten

Seit Tagen schon hatten wir beobachtet, dass das Wasser immer näher an die Häuser kam, d.h. auch dass der Strand immer schmaler wurde.

Der Strand wird immer schmaler

Der Strand wird immer schmaler

Die Wellen kommen bis ans Haus

Die Wellen kommen bis ans Haus

Und was ein schwerer Sturm so anrichten kann, erfuhren wir dann innerhalb von zwei Nächten, als der Strand plötzlich wegbrach und einen Meter niedriger wurde. Wir wurden nachts wach, wenn die Wellen auf den Strand donnerten bis an die Terrasse des Apartmenthauses.
Man kann fast nicht beschreiben, was da passiert war, und so lasse ich meine Bilder sprechen...
Wer weiss, wie lange es diesen Corcega Beach noch geben wird...
Wie auch in vielen anderen Ländern, wurde auch hier der Fehler gemacht, zu nahe am Wasser zu bauen - es sollten wirklich die empfohlenen 100 m eingehalten werden.

Das Wasser kommt näher...

Das Wasser kommt näher...

Der Sand bricht immer weiter ab...

Der Sand bricht immer weiter ab...

Nur noch bei Ebbe etwas Strand,..

Nur noch bei Ebbe etwas Strand,..

Bei der Flut sieht es so aus...

Bei der Flut sieht es so aus...

Fazit Puerto Rico

Wenn man nach Puerto Rico reist, wird einem klar, dass sich dieses Land wegen der starken Amerikanisierung stark von anderen Ländern in der Karibik unterscheidet. Aber trotz allem haben die meisten Puertoricaner ihr karibisches Lebensgefühl behalten.
Das gilt besonders für Orte, die nicht so touristisch sind.
Die Preise sind ungefähr so wie zu der gleichen Jahreszeit z.B in Florida.
Es gibt viele Naturschönheiten und tolle Strände, und es lohnt sich, die alten Städte zu besuchen und vor allem möglichst mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen.

Noch ein wunderschöner Sonnenaufgang

Noch ein wunderschöner Sonnenaufgang

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Aufenthalt in San San Juan und Rundreise: Fajardo - El Yunque Nationalpark - Culebra - Poncé - längerer Aufenthalt in Rincón -
Details:
Aufbruch: 16.01.2013
Dauer: 9 Wochen
Heimkehr: 17.03.2013
Reiseziele: Puerto Rico
Der Autor
 
Inge Waehlisch Soltau berichtet seit 12 Wochen auf umdiewelt.