Tschernobyl 2018

Ukraine-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli 2018  |  von Nick H.

Zweitägige Tour in die Sperrzone rund um Tschernobyl inkl. Reaktoren 2 & 3 des Kernkraftwerks, Prypjat, u.v.m.

Einleitung

Erst Nordkorea, nun Tschernobyl. "Und was kommt als nächstes?"
Nun ja, erst einmal musste ich meinen Angehörigen die aktuelle Reise irgendwie vermitteln, bevor es den nächsten Schock gibt. Aber sie sind ja inzwischen Kummer gewöhnt...

Selbstverständlich habe ich mich vorher ausgiebig mit Mikro- und Millisievert, "Hotspots" der Strahlung, radioaktivem Staub in Innenräumen, der optimalen Bekleidung für die Sperrzone sowie der politischen Großlage zu Russland beschäftigt.

Mit all meinen Argumenten im Gepäck wagte ich den Gang nach Canossa, um diversen Leuten meine Reise zu beichten.
"Allein auf den Flügen in die Ukraine und zurück nehmen wir mehr Strahlung auf als an zwei Tagen in der Zone!" ...ist tatsächlich so und einige Krebsarten kommen offenbar bei Piloten häufiger vor als beim Rest der Bevölkerung.
"Bei einem einzigen MRT nimmt man eine viel höhere Strahlung auf als bei unserem Trip!" ...auch das ist tatsächlich so.

Um es kurz zu machen: Begeisterungsstürme schlugen mir nicht entgegen, aber ein paar Bedenken konnte ich zerschlagen.

Bei einer solchen Tour ist es auf legalem Wege nicht möglich, individual zu reisen...sprich, alleine die Zone zu betreten. Während wir uns Kiew (sehr schön!) vorher und nachher eigenständig angesehen haben, buchten wir für die Zone eine professionelle Organisation.

Mein Ursprungsplan war - um nicht alleine zu reisen - irgendeinen Freund zu finden, der blö...ähm...verrückt genug ist, mit mir in die Sperrzone zu reisen. Wie sich herausstellen sollte, habe ich die Intelligenz meiner Freunde überschätzt. Fünf Leute haben zugesagt, was sich als echter Glücksfall herausstellen sollte. Zu sechst ist nämlich eine Privattour (d.h. nur wir sechs, Führer(in) und Fahrer - keine "Fremden") pro Person genauso teuer als würde man bei einer öffentlichen Tour teilnehmen. Da wir gerne fotografieren/filmen und spezielle Wünsche für unser Programm hatten, war diese Option natürlich perfekt.

Der Reiseablauf gestaltet sich prinzipiell simpel: Wir werden morgens gegen 8 Uhr an unserem Hotel in Kiew abgeholt, fahren 2-3 Stunden zur Zone, besichtigen dort diverse Dinge, übernachten in der Nähe der Zone (Slawutytsch), schauen uns an Tag 2 wieder diverse Dinge - inkl. Kernkraftwerk von innen - an und werden abends zurück nach Kiew zu unserem Hotel gebracht. Bevor die Frage aufkommt: Die Kosten pro Person lagen bei einer zweitägigen Privattour bei 288€ pro Person. Hinzu kommen allerdings 149€ p.P., wenn man in das Kernkraftwerk hinein möchte. Für zwei Tage Führung, etliche gefahrene Kilometer, zwei Personen à 10 Stunden pro Tag, zwei Mittag- und zwei Abendessen, eine Übernachtung, usw. ein fairer Preis, wie ich finde.

© Nick H., 2018
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 22.07.2018
Dauer: 2 Tage
Heimkehr: 23.07.2018
Reiseziele: Ukraine
Der Autor
 
Nick H. berichtet seit 15 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (3/3):
Nick H. [?] 1538286840000
Vielen, lieben Dank! Viel gesch­rie­ben habe ich hier im Bericht ja nicht wir­klich. Aber es war sehr be­ein­druckend dort! In meinem anderen Rei­se­bericht gibt es mehr Text.
Sabine Herrmannsen 1538240603000
Sehr, sehr geil ist dein Bericht. Gut gesch­rie­ben und tolle Fotos! Ich e­rin­ne­re mich gut an die Zeit, als ?Tscher­nobyl? pas­siert ist. Ich war damals schon alt genug. 1000 Dank für diese Reise ! Einfach fas­zi­nier­end.
Nathalie 1537969968000
Sehr krass, be­ein­druckend, inte­res­sant, bed­rücken­d...
Ich wusste gar nicht, dass man das besich­ti­gen kann!