MITTENDRIN IN AFRIKA

Reisezeit: Juni 2007  |  von Uwe Decker

Zu Gast bei Freunden

Kampala, 08./09. Juni 2007

Nach der Wanderung rund um die Wasserfälle geht es zurück nach Kampala. Ich will dort noch einen Tag bleiben bevor ich nach Ruanda weiterreise.

Da ich noch warten muss bis das Office des Redchilli abends aufmacht, wo ich meine Wertsachen deponiert hatte, um dann wieder ins zentral gelegene Tourist Hotel umzuziehen, fahre ich mit Edith dorthin, wo sie mit ihrer Schwester wohnt. Es ist nicht sehr weit weg vom Redchilli. Wir nehmen zwei Boda-Boda und es geht steil bergab, auf huckeligen Wegen, die gesäumt sind von Verkaufsbuden, an denen unzählige Menschen ihre Freitagnachmittageinkäufe erledigen.

Vor einem großen Eisentor stoppen wir. Edith macht eine kleine dort eingelassene Tür auf, es geht durch einen Innenhof voll aufgehängter Wäsche und spielender Kinder,

dann einen schmalen Gang am hinteren Ende des Hofes entlang, dann noch durch eine Tür. Wir sind nun in einem ca. 2 mal 2 Meter kleinen Hof mit einer hohen Mauer, links ist die Eingangstür zu einem schlauchartigen Raum, links ein paar Kochgegenstände, dahinter ein Tisch mit TV und DVD Player und rechts einige Koffer und ein faltbarer Stoffkleiderschrank. An den Wänden hängen ein paar Handtaschen. Am Ende ein Bett, das die Breite des Raumes fast vollständig ausfüllt, das sich Edith, gerade 26 Jahre alt geworden, mit ihrer Schwester Norah, zwei Jahre älter, teilen wird. Toilette und Bad sind irgendwo draußen, zur Gemeinschaftsnutzung. Für diese winzige Wohnung zahlen sie dem Eigentümer immerhin umgerechnet 100 Euro Miete.

Norah kommt gerade von der Arbeit, sie ist Sekretärin und wir beschließen, das Wochenende zu Dritt einzuleiten.

Mittlerweile ist es dunkel, die Verkaufsstände sind durch Glüh- oder Petroleumlampen erleuchtet, es ist noch voller geworden als am Nachmittag. Der Friseur, der in einer Bretterbude seine Dienste anbietet, hat Hochbetrieb. In ein paar Kneipen fließt das Bier bereits in Strömen.

Wir holen mein Gepäck vom Redchilli und bringen es in mein Hotel, dann gehen wir indisch essen. In ganz Ostafrika sind indische Restaurants zahlreich vertreten, Chapatti und Samosas das beliebteste "Fastfood" und überall sehr schmackhaft.

Danach geht es in den "Silk Club", einem der vielen guten Clubs in Kampala.
Warum es sich anscheinend überall auf der Welt eingebürgert hat, dass man solche Discos erst weit nach Mitternacht betritt, wird mir ein Rätsel bleiben und ist mir bei meinen Urlaubsaktivitäten, die in der Regel zeitig am Morgen beginnen, sehr hinderlich.

Um 2 Uhr ist der Laden gerammelt voll und es wird ein Karaoke-Wettbewerb gestartet. Die Sänger erweisen sich sämtlich als wahre Entertainmenttalente, können nicht nur leidlich singen, sondern auch super tanzen und ziehen ihr Publikum durch witzige Moderationen in ihren Bann. Die Stimmung ist jedenfalls ausgelassen und meinetwegen hätte das Ganze noch viel länger dauern können.

Am nächsten Tag gegen Mittag hole ich Edith von zu Hause ab. Mir bleibt für den größten Teil der Strecke, solange bis es mit dem Auto nicht mehr weitergeht, nur das "spezial hire", denn für ein Boda-Boda wäre die Strecke zu weit und ein Taxi kann ich nicht nehmen. Die haben zwar feste Routen, deren Endpunkte von Jungen, die weit aus dem Fenster lehnen, unablässig den Passanten zugebrüllt werden. Aber die verstehe ich natürlich nicht.

Wir gehen von ihrer Wohnung zu Fuß den Lehmweg bergauf zur Sammelstelle der Boda-Bodas. Das fährt uns bis zur Hauptstraße, wo wir in ein Taxi (zur Erinnerung: ein Kleinbus) umsteigen. Ca. 1 Kilometer an einem Sammelpunkt steigen einige Leute aus, und der Bus wartet bis er wieder einigermaßen voll ist. Den gleichen Weg wird Edith später zur Arbeit als Empfangsdame eines schweizerischen Unternehmens nehmen. Das Boda-Boda kostet umgerechnet ca. 15 Cent, das Taxi 25, 500 Ugandische Shilling. Sie erzählt, wenn sie mal knapp bei Kasse ist versucht sie bei solchen Fahrten auch für weniger mitzukommen. Manchmal gelingt ihr das auch. Macht hin und zurück pro Tag immerhin 70 bis 80 Cent. Nicht wenig für hiesige Verhältnisse. Monatskarten oder Jobtickets gibt es hier nicht.

Auf der Fahrt wird im Bus unablässig geredet. Edith übersetzt, dass es sich meist um den gerechten Fahrpreis dreht. Einer will nur eine kurze Strecke fahren und findet die vom Taxiboy geforderten 300 USH viel zu viel. Ein anderer stimmt ihm zu, der nächste meint, er solle sich nicht so anstellen und nicht endlos darüber palavern. Ist alles sehr unterhaltsam, finde ich.

Unser Ziel ist die City, die ich, wie sich zeigt, nach meinem gestrigen Rundgang fast besser kenne wie Edith, obwohl sie bereits einige Jahre in Kampala gelebt hat. Auch im Silk Club war sie gestern erst zum zweiten Mal. Mir scheint, 800 Shilling oder 45 Minuten entfernt existiert in einer solchen Stadt eine Art Parallelwelt, in die sich viele Einwohner Kampalas aus den Außenbezirken nur selten verirren.

Ich muss noch einige Besorgungen machen, Bustickets kaufen, für morgen nach Kigali und sicherheitshalber auch schon mal zurück nach Nairobi. Dieses Mal nehme ich aber eine andere Busgesellschaft, Scandinavian, vielleicht kennt die eine bessere Strecke als Akamba.

Wir trinken eine Cola im bekannten Speke Hotel und genießen die etwas gediegene Atmosphäre auf der Terrasse des Grand Imperial, auf der sich nachmittags vorwiegend Geschäftsleute zum Small Talk oder zur Geschäftsanbahnung einfinden. Die Cola ist hier entsprechend teuer, mit 80 Cent aber auch noch bezahlbar.

Am frühen Abend essen wir im Rockgarden Restaurant unter freiem Himmel Lasagne und Pizza. Sehr tief steige ich auf dieser Reise nicht in die ostafrikanischen Eßgewohnheiten ein. Das ist auch schwierig, denn die guten Restaurants bieten eher internationale Küche, kein afrikanisches Arme-Leute-Essen. Richtig afrikanisch, also z.B. ugali, das ist Maisbrei, oder matoke, ein Gericht mit Kochbananen, kann man eigentlich nur auf Märkten essen. Und das ist mir zu gewagt. Außerdem schmeckt das bestimmt nicht. Ich denke mit Grausen an Fufu, in Westafrika. Das sieht so ähnlich aus. Nein, wegen des Essens muss ich nicht unbedingt nach Afrika.

Später dann verabschiedet sich Edith. Ihre Schwester hat heute eine Freundin eingeladen, sie wollen zu Dritt fernsehen, es gibt "deal or no deal", die ugandische Version und einen Film aus dem Videoverleih gucken, die typische Abendunterhaltung derer, die einen Fernseher samt DVD ihr Eigen nennen.

© Uwe Decker, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
- im Afrika der Großen Seen - 23 Tage allein durch Kenia, Uganda, Ruanda, Kongo
Details:
Aufbruch: 02.06.2007
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 26.06.2007
Reiseziele: Ruanda
Kenia
Uganda
Kongo / Demokratische Republik Kongo
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
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