Zu Fuß von Genua zu den Cinque Terre

Reisezeit: August 2007  |  von Matthes Jansen

5 Tag: Rapallo

Der Wecker zeigte 2.03Uhr an, als mich der auf das Zelt knallende Platzregen weckte. Dazu donnerten im 10-Sekunden-Takt Blitze über den Himmel. Ich kramte die Plastikplane aus dem Rucksack, die ich für diesen Fall mitgenommen hatte, richtete mich auf und fing an zu warten, bis das Wasser durchsickerte, um dann raus zu gehen und mit der Plane das Zelt abzudecken. 5,10, 20 Minuten wartete ich auf das vertraute Tropfgeräusch, suchte nach den üblichen Pfützen, doch das Zelt schien dem himmlischen Sturzbach plötzlich standhalten zu wollen. Nach einer halben Stunde wanderte das Gewitter ab, der Platzregen ging in normalen Nieselregen über und ich legte mich verwundert schlafen. Gegen 5 Uhr nachts wiederholte sich das Schauspiel, doch alles blieb trocken. Ich verstand die Welt nicht mehr.
Am nächsten Morgen zeigte sich, dass Toby und Les weniger Glück gehabt hatten. Regen war in Ihr Zelt gelaufen und hatte unter anderem Iso-Matten und Schlafsäcke durchnässt.
Nach der anstrengenden Wanderung durch den Parco Mont die Portofino hatten wir geplant einen Tag in Rapallo zu bleiben, nun blieb uns sowieso nichts anderes übrig. Da wir am Vortag zum ersten Mal unsere Schmutzwäsche gewaschen hatten, waren nicht nur Schlafsack, Isomatte etc. nass geworden sondern auch 2 volle Wäscheleinen mit T-Shirt, Hosen und Socken.

Hätten wir alles nass eingepackt, hätte der Rucksack bei jedem wohl noch ein Mal 4 Kilo mehr gewogen.
Wir deckten alles provisorisch mit der Plane ab, zogen Regenjacken + Badeshorts an und machten uns auf in die Innenstadt.
Nach einem Bummel durch die Stadt ging es in ein Restaurant, dass um einiges chicer war, als die Fassade hatte vermuten lassen. Toby und Les kauften sich Pizzen, ich hatte keinen großen Hunger und zweifelte eigentlich daran, dass man uns mit den schäbigen Regenjacken, Badehöschen und Schlappen überhaupt bedienen würde. Verblüffenderweise klappte es am Ende dann doch.
Nach der Eindeckung mit Tomatensauce und Bier ging es zum Campingplatz zurück, und der Tag verstrich in vertraut entspannter Weise zwischen Poker, Billard und Heineken.
Abends machten wir uns dann wieder daran unsere obligatorischen Nudeln zuzubereiten, wie auch schon an allen Abenden zuvor mit Ausnahme der Nacht auf dem Marktplatz in San Rocco. Neben uns hatten sich mehrere russische Pärchen eingenistet, deren Männer sich aus unerfindlichen Gründen ein V in die Brustbehaarung reinrasiert hatten. Wir rätselten, was es damit auf sich haben könnte, dachten an Symbole für die Mannwerdung nach dem Erlegen eines Wildschweins, Geheimdienste und an Splittergruppen der Freimaurer, zu einem Ergebnis kamen wir nicht. Und als die Jungs dann anfingen auf einem mitgebrachten Grill alles zu brutzeln, was des Grillfreundes Herz begehrt, mussten wir schnell weggucken, um nicht in Versuchung zu geraten unseren Nudeltopf hinüber zu donnern. Die Situationskomik war scheinbar auch den V-Männern nicht entgangen, denn aus dem russischen, unverständlichen Redefluss war ca. 10 Mal das Wörtchen "Makaronie" herauszuhören.
Abends beim Pokern lernten wir 2 bayerische Jungs kennen, die mit Motorrädern zum Gardasee gefahren waren und von dort wegen schlechten Wetters weiter nach Ligurien. Es hatte jedoch Probleme mit einem der Geschosse gegeben, und nun standen die beiden vor der Wahl überteuerte Ersatzteile in Genau zu beschaffen oder die heiß ersehnte Tour nach 3 Tagen abzubrechen und wieder Heim zu fahren. Les, Toby und ich merkten an diesem Abend, wie schön es bei so einer Tour ist, nicht von Ersatzteilen aus Japan abhängig zu sein.

© Matthes Jansen, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ligurien ist eigentlich zu schön, um sich nur ein oder zwei Orte anzugucken. Wir wollten so viel wie möglich sehen, also machten wir uns zu Fuß auf, um entlang der Küste von Genua zu den Cinque Terre zu wandern.
Details:
Aufbruch: 04.08.2007
Dauer: 12 Tage
Heimkehr: 15.08.2007
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Matthes Jansen berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
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