The Gambia

Reisezeit: Mai 2001  |  von Oliver Ueffing

Durchs dunkle Marokko

DIE EUROPÄER HABEN DIE UHREN, DIE AFRIKANER DIE ZEIT

17.05.2001 Nouadibou
Bis 08:00 Uhr geschlafen. Tausend Fliegen im Auto. Unser Versuch uns auf die Straße zu stellen und somit unseren Willen zur Weiterfahrt zu bekunden schlägt fehl. Wir verursachen zwar, dass sich die Grenzer mal wieder bewegen, aber leider nur um uns zurückzuschicken. 10:15 Uhr - keine Ahnung wie und was viel wichtiger wäre "wann" es weitergeht. 12:00 Uhr, essen - keine Ahnung ...
15:30 Uhr - es bewegt sich endlich wieder jemand. Mit einem Grenzpolizisten im Auto dürfen wir endlich weiterfahren. Auf halber Strecke droht uns der Treibstoff auszugehen. Hier hätten wir eigentlich spätestens merken sollen, dass mit dem Wagen etwas nicht stimmt. Wir verbrauchen ab hier mehr als 20 Liter Diesel auf 100 km. Gut das Doppelte von dem was wir vorher gebraucht haben. Nachdem wir gerade noch so eine Tankstelle erreichen, schaffen wir es auch gegen 20:00 Uhr in Dakhla anzukommen. Hier hoffen wir auf die sofortige Rückgabe unserer Pässe. Der Polizist welcher leider nur französisch spricht, gibt uns mit Händen und Füßen zu verstehen, dass wir diese aber erst am nächsten Tag um 09:00 Uhr bei ihm abholen können und das eine Weiterfahrt für uns jetzt völlig unmöglich ist. Also suchen wir uns zuerst ein Restaurant im Ort. Da Oliver schon vor einigen Wochen bei der Hinreise in Dakhla war, kennt er sich super aus. Somit gibt es erst einige seltsame Muscheln und ein Bier (40 Diarahm / Pers.). Das einzige richtige Restaurant hat leider keinen Platz für uns. Aus diesem Grund gibt es nach den Muscheln in der Altstadt auf Anraten eines deutschsprachigen Marokkaner noch ¼ Mistkratzer mit kalten Pommes und irgendeiner Soße (20 Diarahm) und eine Cola (42 Diarahm) für jeden. Eine Übernachtungsmöglichkeit finden wir in einem Hotel mit Meerblick und Dusche für 100 Diarahm. 50 Meter weiter am Strand und es wäre ein Schiff gewesen. Oliver zieht es trotzdem vor, vor dem Hotel in seinem Dachzelt zu schlafen (Wird gewußt haben warum). Das Zimmer (max. ¼ Stern) war zwar nicht unbedingt das, was man sich für einen Urlaub wünscht, aber für die eine Nacht hat es gereicht.

18.05.2001 Dakhla
Jetzt eine Dusche! Ich drehe den Warmwasserhahn auf und ca. einen Meter neben der Dusche läuft das Wasser aus der Wand und plätschert auf den Boden ??? Schnell
wieder zudrehen um nicht alles unter Wasser zu setzen. Dann den Kaltwasserhahn auf - nichts passiert ??? Somit fällt das Duschen wieder mal aus. Wenigstens kommt am Waschbecken das Kaltwasser in ausreichender Menge "und" an der richtigen Stelle aus dem Hahn. Nach einem kurzen: "Oliver bist Du da" aus dem Fenster zeigt sich dann auch schon bald ein seltenes Exemplar des westdeutschen Schnarchbären. Die Nachricht über die defekte Dusche ist nicht unbedingt das was er um 07:00 Uhr von mir hören wollte. Aber so bleibt ihm auch nur das Waschbecken. Für das Zimmer zahlen wir dann nur 70 Diarahm. Dann geht es weiter / Kilometer 217300.
100 Diarahm für die Autowäsche. Bis 11:30 Uhr brauchen wir um unserer Pässe wieder zu bekommen und beim Zoll alles klar zu machen.
Kilometer 217620 / 15:45 Uhr - Boujdour. Jede Menge Probleme mit dem Auto:
* hoher Ölverlust an der Hinterachse
* 70 Liter Diesel auf 300 km
* alle Lichter im Auto (Armaturenbrett) sind an
* alle Lichter außen am Auto werden immer dunkler
* wir fahren ohne Lichtmaschine auf Batterie weiter

Der nächste Abschnitt dieses Berichtes sollte von unseren Müttern besser übersprungen werden.
Es ist mittlerweile dunkel geworden und wir fahren weiter, in der festen Absicht bis nach Agadir (Marokko) zu kommen. Wie oben beschrieben, fahren wir ohne Lichtmaschine. D.h., die Zusatzscheinwerfer am Dachgepäckträger haben wir schon vor Stunden abgeschaltet. Die Lkws die uns auf der schmalen Straße entgegen-kommen haben Licht ohne Ende. Anstatt etwas vom Gas zu gehen, wird höchstens noch mehr Licht angemacht. Dies führt dazu, dass wir nichts mehr sehen und uns alle paar Minuten fast im Graben befinden um einer Kollision mit diesen Ungetümen aus dem Weg zu gehen. Bei der nächsten Polizeikontrolle werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass unser Abblendlicht, vorne Links, gar nicht geht. Mit dem versprechen, das wir dieses im nächsten Ort sofort reparieren, dürfen wir aber trotzdem weiterfahren. Es folgen weitere Kontrollen. Einige davon sehen wir erst im letzten Moment. Durch kurzes Einschalten der Zusatzscheinwerfer zeigen wir, dass wir jede Menge Licht haben. (Das dies nur max. eine Minute geht, bevor alles dunkel wird, müssen wir ja nicht unbedingt zeigen). Also nimmt man uns unser Erstaunen und das Versprechen bezüglich des Abblendlicht in dieser Nacht noch mehrmals ab. Wir haben die funktionierende Lampe vom Abblendlicht auf die linke Seite gewechselt, das war alles, was wir in der Nacht noch für unser Auto tun konnten. Als wir gar kein Licht mehr haben, suchen wir uns für die letzten
100 km Lkws die in unsere Richtung fahren und klemmen uns im Blindflug dahinter.

03:00 Uhr Agadir. Wir fahren die letzten Kilometer in der Stadt völlig ohne Licht. Überall stehen Polizeikontrollen an den Kreuzungen. Mit viel Glück werden wir jedoch nirgends angehalten??? - haben uns wohl nicht gesehen. In Agadir finden wir dann auch sofort einen Campingplatz. Hier bekommen wir um
03:00 sogar jeder noch zwei Flaschen Bier. Zelt aufbauen und endlich schlafen.

19.05.2001 Agadir
07:00 Uhr Aufstehen. Da die Batterie natürlich mehr als leer ist, müssen wir das Auto anschieben. Geht aber für einen 4 Liter Diesel überraschend gut. Wir suchen und finden nach einiger Zeit mitten in Agadir den ADAC. An einem Hochhaus befindet sich am Balkon ein kleines Schild. Ich laufe die Treppen hoch um festzustellen, dass an einer normalen Wohnungstür ebenfalls eine kleine ADAC Plakette klebt. Leider macht keiner auf. Somit ist wieder eine wichtige Stunde verschenkt. Wir fahren weiter durch die Stadt und finden eine TOYO-Werkstatt.
Hier schauen sich zig Leute unser Problem mit dem Auto an aber es scheint, dass keiner so richtig Ahnung hat. Und die Lust, uns zu helfen, hält sich auch in Grenzen.
Unser Auto paßt von der Höhe nicht in die Werkstatt. Aus diesem Grund werden wir erst wieder auf den Parkplatz vor dem Haus geschickt. Uns läuft die Zeit weg. Es ist Samstag und da wird normal, auch in Agadir, nur bis 12:00 Uhr gearbeitet. Wir finden auf der selben Straße noch eine Werkstatt, welche sich auf Einspritzpumpen spezialisiert hat. Hier erfahren wir, dass unser Dieselverbrauch sicher auf die Einspritzpumpe zurückzuführen ist aber eine Reparatur auf die Schnelle unmöglich ist. Von Lichtmaschinen haben sie keine Ahnung. Man zeigt uns jedoch eine weitere Werkstatt auf der anderen Straßenseite. Hier sind wir mit unserem Auto richtig. Eine schmuddelige Hinterhofwerkstatt aber sehr nette Leute. Wir helfen beim Ausbau der Lichtmaschine mit und finden nach kurzer Zeit heraus, dass es "nur" der Regler ist. Nach einer etwas längeren Debatte hat man noch einen neuen, separaten 24 Volt Regler im Lager gefunden. Mit gutem Zureden und viel Bastelarbeit ist der neue Regler um 14:40 Uhr endlich eingebaut und funktioniert. Auch ein neues Abblendlicht haben wir in der Zwischenzeit eingebaut.
Wir fahren in ein Touristenhotel und springen in den Pool. Die Umkleideräume werden noch kurz zum Rasieren etc. in Beschlag genommen. Da das alles auf "lau" und ohne Mecker geht, würden wir gerne noch im Hotel auf gleiche Art essen. Das gibt uns aber keinen. (Hat in Kenia vor Jahren ohne Probleme funktioniert).
Wir fahren weiter. Über den "Tizi.N.Test" Paß über das Atlas-Gebirge / 2100 Meter über NN.

Super schöne Aussicht.

Für je ein T-Shirt gibt es im Tausch einen Bergkristall

Gegen 20:30 Uhr erreichen wir Marrakech. Hier gibt es den größten Marktplatz den ich je gesehen habe. Hunderte von Verkaufsstände, Gaukler, Schlangenbeschwörer, Musiker, "Medizinmänner" und, und, und. An einem der bestimmt 30 Ständen mit frisch gepreßtem Orangensaft wird unser Vitaminhaushalt mit Vitamin C durcheinander gebracht. Derart gestärkt, beschließen wir an einem anderen Stand Schnecken zu essen. Zig Marokkaner ziehen mit kleinen Stäbchen die Schnecken aus ihren Gehäusen und essen diese mit wachsender Begeisterung.
Wir stellen nach den ersten Schnecken mit Fühlern etc. fest, dass das für uns nichts ist. Also auf zum nächsten Stand - Fleisch vom Grill - viel besser als die Schnecken.
Auf dem Weg Richtung Cassablanca wieder Probleme mit dem Licht. Wir fahren kurz hinter Marrakech auf einen Campingplatz.

20.05.2001 Marrakech
07:00 Uhr - Auto anschieben.
Marrakech / Cassablanca / Rabat / Tanger / Ceuta - 18:00 Uhr mit der Fähre nach Gibraltar (2770 Pts). Um 00:30 erreichen wir endlich Torrox an der Costa del Sol.
Zufällig sind Gaby und Lothar für einen Kurzurlaub hier und wie besprochen, besuchen wir die zwei natürlich. Bis 05:00 Uhr feiern wir Begrüßung.

21.05.2001 Torrox
Um 11:00 Uhr wachen wir aus dem Koma wieder auf. Nach dem Frühstück runter zum Auto. Alles was wir für unser Auto machen können wird in ca. zwei Stunden gemacht. Eigentlich wollen wir diesen Tag noch nutzen, um am Strand zu liegen und etwas zu ruhen. Nachdem uns aber der Zustand des Autos bewußt geworden ist, beschließen wir nach einem Essen wieder loszufahren. Das Risiko durch einen weiteren Defekt am Auto noch einige Tage bei der letzten Etappe in Kauf nehmen zu müssen, ist viel zu groß. Wir fahren gegen 17:30 Uhr los Richtung Deutschland / Kilometer 219399. Nach einer halben Stunden geht das Auto mitten auf der Autobahn aus! Wir rollen die nächste Abfahrt runter und finden den Grund für das Stehenbleiben in angesaugter Luft. Da wir die Dieselzufuhr während der letzten Tage schon öfter entlüftet haben, ist dieses Problem schnell behoben. Der Motor läuft wieder. Beim Einsteigen fällt ein Summen im Innenraum auf. Nachdem wir einige Verkleidungen abgebaut haben finden wir den Übeltäter - ein Relais. (Keine Ahnung wofür). Dieses flatternde Relais macht Krach ohne Ende, also raus damit. Und siehe da, das Auto läuft auch ohne dieses Relais. Besser noch, die Kontrolle welche den Fehler an der Lichtmaschine anzeigt ist endlich aus. Ab jetzt werden die Batterien auch wieder geladen.

22.05.2001 Frankreich
Gegen 05:30 erreichen wir Frankreich. Hier gibt es die erste Pause und einen Kaffee.

Das ist mit Abstand das schlimmste Stück, welches wir bei allen unseren Touren bisher gefahren sind. Wir sitzen 24 Stunden an einem Stück im Auto. Die Stimmung wird nicht unbedingt besser. An Schlaf ist nicht zu denken. Fahrerwechsel alle zwei bis drei Stunden - dann endlich: 17:45 Uhr / Kilometer 221494 / Puderbach.
In 24 Stunden 2095 Kilometer mit einem Geländewagen der max. 100 bis 120 km/h läuft.

© Oliver Ueffing, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Statt Paris-Dakar Gambia-Dakar-Bürder
Details:
Aufbruch: 10.05.2001
Dauer: 13 Tage
Heimkehr: 22.05.2001
Reiseziele: Senegal
Gambia
Mauretanien
Marokko
Der Autor
 
Oliver Ueffing berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.