Meine Reise durch Südamerika

Reisezeit: Februar - April 2009  |  von Norman H.

Erste Reisetage in Venezuela

Ich bin, nach einigen kleineren Schwierigkeiten, gut in Südamerika angekommen: Iberia wollte in Tegel erst nicht starten, weil sie "Interferenzen am Boardcomputer" hatten. Und so sind wir mit über 70 Minuten Verspätung in Madrid gelandet. Ich bin dann wie ein Verrückter durch den Flughafen gesprintet, um dem Anschlussflug nicht zu verpassen. Iberia hat sich jedenfalls um Nichts gekümmert. Aber es hat dann doch noch alles geklappt und irgendwann war ich in Caracas.

Da gabs erstmal eine riesige Schlange beim Ausfüllen der Einreisekarten, es sprach natürlich kein einziger Mensch Englisch und mein Spanisch-Wörterbuch war nicht im Handgepäck. Mein Gepäck kam sogar auch wohlbehalten an und wurde trotz 30 Minuten Kreisfahren auf dem Förderband nicht geklaut. Das Gepäck wird in Venezuela uebrigens gescannt, wenn man den Flughafen verlaesst! Richtig lustig war es dann, Geld zu tauschen: Karte rein in den Automaten, aber kein Geld kommt raus. Erst beim 5. Automaten ging es durch Zufall.

In die Stadt fahren und ein Hotel finden war danach recht problemlos, denn die Piratentaxis habe ich ignoriert. Es gab sogar zwei andere deutsche Touristen in dem Flugzeug. Mein "Hotel" war übrigens unglaublich versifft: Benutzte graue Bettwaesche mit Flecken, stinkende Handtuecher, verschimmeltes Bad, nur kaltes Wasser, aber ein Bidet! Also schnell rein in den Schlafsack und die Augen zumachen

Am nächstem Morgen habe ich nach ein paar Minuten durch die Stadt laufen beschlossen, moeglichst schnell aus Caracas zu verschwinden, weil es da extrem haesslich ist und fast überall nach Urin stank. Der Hotelangestellte hat mich dann beim Nach-Dem-Weg-Fragen erstmal 5 Minuten lang ausgiebig gewarnt, wie sehr ich aufpassen soll! Aber mit der Metro zum Busbahnhof, Bus finden usw. war dann echt harmlos. Im Bus muss man übrigens beim Einsteigen immer seinen Namen und Passnummer aufschreiben, weil alles staatlich überwacht wird.

Naja jedenfalls wollte ich eigentlich nach Puerto Colombia an den Strand. Aber das ging nur ueber Maracay, wo ich Mittag essen und "nochmal schnell" Geld holen wollte. Das war dann eine Super-Aktion: 1/3 der Geldautomaten sagen nämlich direkt, dass sie kein Geld haben, 1/3 sagen dass sie meine Karte nicht wollen und der Rest fragt nach zwei Ziffern aus der "tarjeta de identitad". Da ich aber keinen venezolanischen Ausweis habe, gebe ich Irgendwas ein und es gibt kein Geld. Nachdem ich ca. 15 (!) Automaten durchprobiert hatte, sass ich etwas verzweifelt im Einkaufszentrum und dachte, ich müsse ohne Geld verhungern und auf der Strasse schlafen

Irgendwann habe ich mich dann aufgerafft und bin bei ueber 30 Grad mit zwei Rucksäcken ins Zentrum gelaufen. Maracay ist keine sonderlich schöne Stadt, wie eigentlich alle Städte, die ich in Venezuela gesehen habe. Glücklicherweise habe ich dann doch noch ein Hotel gefunden, das ich mit Kreditkarte bezahlen konnte und die Rezeptionistin hat mir verraten, dass ich die Nummer von meinem deutschen Pass am Geldautomaten eingeben muss. Als ich dann Abends wirklich Geld aus dem Automaten bekommen habe, war das natürlich ein tolles Erlebnis
Interessant finde ich jedenfalls, dass es scheinbar eine Datenbank gibt, in der meine Kreditkartennummer mit meiner Passnummer verknüpft ist. Wird das bei der Einreise am Flughafen registriert?

Venezuela ist leider ziemlich teuer, insbesondere da es einen offiziell vorgegebenen Wechselkurs gibt, der mit der Realitaet nix zu tun hat (Dollars auf dem Schwarzmarkt bringen mehr als das Doppelte). Daher habe ich an diesem Tag auch beschlossen, möglichst schnell nach Kolumbien weiterzufahren und das venezolanische Stranddorf auszulassen. Also bin ich am Montag nach Coro weitergefahren, wo sie eine schöne koloniale Altstadt haben sollen.

Irgendwie war ich jedenfalls seit Caracas der einzige Tourist weit und breit und fühlte mich immer etwas verächtlich angeguckt. Daher war die Fahrt im Bus übers Land etwas unheimlich. Durch runtergekommene Orte, wo ich das Gefuehl hatte, wenn ich da aussteige, werde ich sofort ausgeraubt und wer weiss was sonst noch (stimmt vermutlich nicht), mit Buswechsel mitten im Nirgendwo usw. Die Leute sprechen nicht sehr deutliches Spanisch hier und mit meinen bescheidenen Kenntnissen verstehe ich oft gar nix. Ich habe mich schon langsam etwas verloren gefuehlt...

In Coro kam ich dann durch Zufall in einer sehr netten, idyllischen Posada mit Hängematten und kleinem Garten an, wo auch noch 6 weitere Deutsche saßen und Doppelkopf spielten. Also gab's zur Abwechslung ein Stück Heimat. Sehr angenehm! Irgendwie haben die für den fruehen Abend einen Ausflug zu den Sanddünen organisiert und da konnte ich mich gleich anschliessen. Die Sanddünen sahen etwas aus, wie die auf Gran Canaria und von den berüchtigten Raeubern, vor denen der Reisefuehrer warnt, war nichts zu sehen. Am Abend wurde wieder Doppelkopf gespielt und (sehr gutes) venezolanisches Bier getrunken.

Am nächsten Tag bin ich erstmal ausgiebig durch die Stadt gelaufen. Die Altstadt (Weltkulturerbe) ist wirklich sehr nett, aber man darf nicht 500m weiter laufen. Da ist gleich alles dreckig und verfallen. Irgendwann hat mich dann ein Einheimischer angequatscht, ob ich Englisch spreche und wir haben den halben Tag geredet. Geraldo studiert Informatik und möchte gern mal ins Ausland. Nachdem ich ihm eine Postkarte von Berlin geschenkt habe, will er nach Berlin

Auf jeden Fall hat er mir erzählt, wie das unter Chavez so läuft mit dem Sozialismus: Es gibt keine Krankenversicherung, keine Rente, kein Arbeitslosengeld, die Leute verdienen ca. 800-1000 Bolivares (350 Euro) und die Preise sind oft teuerer als in Deutschland (ein normales Toastbrot kostet 12 BsF = 4€). Chavez hat den Amis die Ölfirmen enteignet und jetzt gibts hier leider keinen mehr, der richtig Ahnung vom Ölfoerdern hat und so verdienen sie weniger als vorher, wo sie 60% der Profite kassiert haben. Wenn man das alles so hört und vom Bus aus sieht, wie die Leute teilweise leben, dann wird einem erstmal klar, wie gut es uns in Deutschland geht!

Abends habe ich die beiden Deutschen wieder getroffen, die mit mir am Flughafen angekommen sind. Die waren in derselben Posada und haben mir von ihren Reisen nach Ghana und Asien usw. erzaehlt. Sehr interessant! Außerdem haben wir noch ein Theaterstück einer rein weiblichen Schülertheatergruppe angeschaut. Leider habe ich nur Brocken verstanden.

Am naechsen Morgen bin ich dann jedenfalls Richtung Kolumbien aufgebrochen. Das Auswaertige Amt hat ja gewarnt, wie gefaehrlich das Alles sein soll und "dringend abgeraten". Ich hab davon jedenfalls nix gemerkt. Erstmal gings per Bus nach Maracaibo (Öl!) und da es dort auch recht hässlich war, es keine richtigen Sehenswüdigkeiten gibt und ich keine Lust auf eine 3-Millonen-Stadt hatte, dachte ich mir, ich fahr gleich weiter. Das war aber gar nicht so einfach, da es keinen Bus mehr gab und so blieb nur ein "por puesto", eine Art Sammeltaxi. Also gings in einem uralten Ami-Schlitten ohne Spiegel und Sicherheitsgurte, der schon halb am Auseinanderfallen war, weiter. Es waren noch zwei Einheimische dabei (eine Frau), daher war's mir nicht ganz so unheimlich.

Weiter gehts bald mit dem ersten Kolumbien-Bericht (falls ich mal Zeit finde).

© Norman H., 2009
Du bist hier : Startseite Amerika Venezuela Erste Reisetage in Venezuela
Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich reise 10 Wochen lang durch Südamerika. Von Venezuela über Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien nach Chile.
Details:
Aufbruch: 07.02.2009
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 20.04.2009
Reiseziele: Venezuela
Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivien
Chile
Der Autor
 
Norman H. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.