Zweite Reise in den Senegal

Reisezeit: April 2003  |  von Hans-Gunter Herrmann

Mit altem Golf nach Louga

Am nächsten Tag wollte er mich zu dem Mann bringen, der sein Auto für 120€ für 10 Tage verleihen wollte. Natürlich war das Ganze gar nicht so einfach wie man sich das denkt. Erstens spreche ich kein Französisch und englisch nur fragmentarisch. Demba spricht etwas mehr englisch. Wie dem auch sei, ich hing erst mal rum, bevor wir endlich den Mann treffen konnten. Aber bei dem Franzosen war es recht gemütlich, ein festes Ziel hatte ich ja auch nicht. Ich wollte eigentlich nur den Teil Senegals sehen, der mir auf der ersten Reise entgangen war. Endlich bekam ich einen alten VW Golf Diesel, und ich legte auch gleich los. Auf der ersten Reise hatten wir ja eine Senegalesin kennen gelernt, die uns eingeladen hatte, doch wir hatten dann keine Gelegenheit mehr, die Einladung anzunehmen. Das wollte ich jetzt nachholen. Hatte ein, höchstens zwei Tage dafür eingeplant, dann wollte ich Richtung Osten aufbrechen.

Zunächst musste ich aber von Dakar wieder zurück nach Süden, nach Louga. Louga ist eine Bezirkshauptstadt in der Nähe von St.Louis. Die Lehrerin hatte ich von meinem Kommen informiert, Tel. Nr. von ihr hatte ich. Habe die Stadt auch relativ einfach gefunden, nach dem ich erst einmal daran vorbei gedonnert war. Ortsschilder sind nicht immer die Regel, oder zugewachsen oder umgefahren. Nach einigem sinnlosen Umherfahren sah ich ein paar Jungs die ich befragte nach der Adresse und einer von ihnen kannte diese. Er strampelte mit seinem kleinen Fahrrad sich fast die Seele aus dem Leib und brachte mich in die Straße. Gab ihm einen kleinen Schein, er strahlte und überließ mich meinem Schicksal.

Also hin zu einer "Boutique", die Lehrerin anrufen, den Verkäufer sagen lassen, wo man sich befindet. Nach 10 min. kam sie um die Ecke und begrüßte mich mit viel Freude. Sie führte mich zu ihrem Wohnhaus und stellte mich ihrer Familie vor. Da merkte ich, dass da ein kleiner Unterschied zu den Lehrern in Deutschland besteht. Ich dachte ja, sie wohnt allein, und machte mir im Vorfeld auch schon Gedanken, wie das mit dem Schlafen funktionieren soll. Denn an ihr als Frau hatte ich keinerlei Interesse und wollte da auch keine Hoffnungen wecken. Alle Brüder griffen sich gleich mein Gepäck, trugen es ins Haus. Ein Zimmer, ihr Zimmer, wurde geräumt damit ich mich da breit machen konnte. Dann wurde ich natürlich erst mal der Familie vorgestellt. Da gab es also einen Vater, dessen Ehefrau, Schwestern und Brüder. Diejenige die mich eingeladen hatte, ist die älteste der Schwestern.

In den nächsten Tagen ging es weiter mit den Vorstellungen, ich glaubte damals, sie hätte mich jedem einzelnen Bewohner von Louga persönlich vorgestellt. Pro Tag ca. 10 bis 15 Leuten. Trafen wir die dann ein paar Tage später, hieß es immer du weißt, das ist der oder die. Ich hatte keine Ahnung, die Namen, die Gesichter, verschmolzen alle zu einem Brei. An einem Tag fuhren wir zum Baden an den Atlantik. Das ist ja eine einfache Sache, man packt seine Badesachen, und los. Denkste! Bis da erst mal geklärt war, wer alles mit fährt im kleinen Golf! Dann waren alle im Auto, dann will noch jemand mit, am Schluss waren wir 7 Leute. Wir fuhren nach Loumpoul wie ich heute weiß, und luden da noch eine Schwester ein, die ich noch nicht kannte. Denn sie ist Lehrerein, unterrichtet in Loumpoul und wohnt auch dort. Ups! Da fielen mir doch glatt die Augen auf den Boden. Groß, schlank, eher still! Nicht so ungestüm wie die ältere Schwester. Also auch noch rein in den Golf und noch ein paar Kilometer weiter bis zum Meer. Unterwegs immer wieder ein Zwischenstopp, weil die ältere Schwester irgendjemand gesehen hat den sie kennt und kurz Hallo sagen muss. Da sie auch Lehrerin ist, kennt sie Gott und die Welt. Endlich am Strand angekommen, trugen die Frauen die ganzen Mitbringsel wie Decken und Kühlboxen an den Strand.

Man muss schon noch einen Kilometer gehen, da man nicht direkt bis ans Wasser fahren kann, und da wo man ankommt alles mit Fischresten übersät ist. Ich darf nichts tragen außer der Verantwortung, schließlich bin ich ein Mann. Nach knapp einer Stunde wollte die ältere Schwester wieder aufbrechen, weil, man muss nach Hause zum Kochen. Zunächst müssen aber erst frische Fische gekauft werden. Die kommen in einen mitgebrachten Plastikeimer, zerstoßenes Eis drüber, fertig. Die Schwester zurück nach Loumpoul in ihre Lehrerwohnung, den Rest nach Louga. Die Lehrerin in Loumpoul heißt Maua, wird in der Wolof Sprache anders geschrieben, aber so gesprochen. Namen sind sowieso total unwichtig, jeder Name wird mehrfach umgewandelt. Mit Maua konnte ich nur ganz kurz sprechen, weil man als Mann nie auch nur einen Augenblick mit einer Frau allein ist. Das schickt sich nicht.

Am Wochenende erkundigte ich mich bei der älteren Schwester, Sokhna (Sochna gesprochen), ob Maua auch von Loumpoul kommt. Sie verneinte. Auf Nachfrage meinerseits ob es am Geld liegt, bestätigte sie das. Das waren ungefähr 70 km, also ein Haufen Mädchen wieder ins Auto und am Freitag nach Loumpoul, Maua abholen. Alleine geht ja nicht, schickt sich nicht. Mit dem Auto gab es zwischendurch auch immer wieder Probleme, verbrauchte Wasser, saugte Luft an, sprang nicht an usw. usw. Nachdem immer wieder Kleinigkeiten repariert werden mussten, war es doch mühsam, weil man sich nie sicher sein konnte, was als nächstes kommt. Und nicht der Halter muss für die Reparatur aufkommen, sondern derjenige der gerade damit fährt.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach meiner ersten Reise "Mit dem Auto in den Senegal" folgt nun wenige Wochen danach meine 2.te Reise, diemal allerdings mit dem Flugzeug.
Details:
Aufbruch: 02.04.2003
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 18.04.2003
Reiseziele: Senegal
Der Autor
 
Hans-Gunter Herrmann berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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