Einmal mit dem Bullie durch Portugal

Reisezeit: Juli / August 2011  |  von Matthes Jansen

Im Julli/August 2011 haben meine Frau und ich in zwei Wochen Portugal von Nord nach Süd durchquert...
Gesehen haben wir sehr viel, nur keine Langeweile!

Ein mal von Nord nach Süd, 2 Wochen, 6150 km!

Anreise

Es ist nicht übertrieben zu behaupten: Diese Reise war ziemlich genau geplant. Auch wenn wir es uns gegenseitig ständig versicherten, wir hätten alle Freiheiten und es gäbe keine Zwänge - das stimmte so nicht. Freiheit ist das nicht mehr, wenn man sich, ohne Spielraum für irgendwelche Überraschungen, vornimmt am ersten Tag bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 85km/h ins 1.300km entfernte Biarritz zu kommen, was eine Nettofahrtzeit von mindestens 15 ½ Stunden voraussetzt.
Das hatten wir uns vorgenommen, das würden wir so einhalten. Punkt.
Da vollendete Tatsachen etwas ungemein beruhigendes haben, war somit eine absolut erholsame Fahrt vorprogrammiert.
... so sollte es auf einer Reise auch sein

5 Uhr morgens Abfahrt bei der lieben Verwandschaft in Bonn.
Schon nach drei Stunden kam die erste Überraschung. Der Multistecker für den Zigarettenanzünder hatte, angeschlossen an den Kühlschrank und ans Navigationsgerät, zu viel Strom gezogen und sich schließlich komplett vom Dienst verabschiedet.
Naja, shit happens.
Ein kurzer Wechsel der Sicherungen, das Abfinden mit der Tatsache, dass der Kühlschrank bis auf weiteres nur ein Schrank war, und weiter ging's.

Ein nicht endender Stau in Paris, weite sonnengebleichte Felder bis Orleans, ein internationales Treffen von Ente-Fahrern in einem der vielen durchfahrenen französischen Käffer, Sonnenuntergang auf einer Raststätte weit hinter Bordeaux.
Und der Bullie verdiente sich seine ersten Sporen unter den neuen Besitzern und lief, als hätte er nie etwas anderes gemacht, als gefahren zu werden.

Nun stand der Sprung über die Pyrenäen an - die lagen zwar schon hinter unserem Zielort Biarritz, aber wenn man schon von 5Uhr morgens bis 22Uhr nachts im Wechsel durchgefahren ist, dann kommt's auf zwei weitere Stündchen auch nicht mehr an.

Um 0.30Uhr ging's schließlich nicht mehr, der Hauptkamm der Pyrenäen lag zwar hinter uns, aber die weitere Fahrt bei Dunkelheit wäre alles andere als eine Spazierfahrt geworden. So landeten wir auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz schließlich im baskischen Vila Bona. Eigentlich sollte man einem grauen Agglomerat kommunistisch anmutender Plattenbauten das Recht, sich als "gutes Dorf" zu bezeichnen, aberkennen. Offensichtlich sind die Basken in diesem Punkt aber liberaler.
Wir hatten uns vor der Reise vorgenommen nie mitten in der Stadt auf irgendeinem Parkplatz in einer Wohnbausiedlung zu übernachten, das war ein fester Vorsatz gewesen. Nun war es also schön zu sehen, wie schnell solche Vorsätze bröckeln, wenn man einfach keine Lust und Kraft mehr hat durch verstaubte Straßen zu fahren auf der Suche nach besseren Übernachtungsplätzen. Und so fanden wir uns in dem guten Dorf schnell auf dem Parkplatz einer nur wenig ansprechenden Plattenbausiedlung ein. Davon hatte zwar nichts in den Reiseführern gestanden, aber das war ja auch nicht schlimm.
Wir waren ja nur auf der Durchreise in Spanien zwischengelandet - in Portugal gab es keine Plattenbausiedlungen. Dort gab es nur idyllische kleine Dörfer mit kauzigen, liebenswerten Einwohnern, die einen ungebeten mit frischem Obst und Trinken versorgen. Jaja...so würde es sein...

1. Tag - Geres
Um 7Uhr klingelte der Wecker. Der Gasmelder blinkte pflichtbewusst vor sich hin. Im guten Dorf hatte ein ordentlicher Regen eingesetzt, der die Umgebung noch grauer erscheinen ließ.
Also ran ans Steuer, es lagen noch 700km vor uns.

Spanien ist ein sehr gebirgiges Land.
Die Fahrt durch den Norden des Landes machte daher richtig Spaß, überall gab es etwas zu sehen, keine Spur von Eintönigkeit.
Hinzu kam die Vorfreude auf die bevorstehenden zwei Wochen, auf ein Land, dass viele Mitteleuropäer als konkretes REISEland nicht mehr auf dem Radar haben, es ist einfach zu weit weg.
Die kürzeste Strecke hat noch ein Freiburger, bis Braganca im äußersten Nordosten Portugals sind es 1.700km. Ein Reiselustiger Greifswalder hat es da schon schwerer, er muss auf kürzestem Wege 2.400km abfahren. Wer macht denn so was, wozu sollte man? Heimat ist wo das Herz ist, und das Herz ist nun mal oft beim deutschen Körnerbrot und nicht diesen ungenießbaren südeuropäischen Alibi-Brötchen.

Das Navigationsgerät war auf eine "MAUTFREIE" Fahrt eingestellt. Der nördliche Pass von Spanien in den portugiesischen Nationalpark Peneda-Geres (unser erstes Ziel in Portugal) verlief jedoch über eine Mautstraße. Wir (eigentlich Daria, aber wer gibt das schon gerne zu) merkten den Fehler erst, nachdem das Navi mehrmals versuchte uns irgendwelche Trampelpfade hoch zu schicken. Doch nun war alles klar, Portugals Tore standen uns offen und wir krochen im zweiten Gang hinein.

Drei Kilometer vor unserem Ziel, nach über 2000 Kilometern Fahrt, machten wir zunächst Rast an der Portela de Homem, einem Fluss, der sich in Kaskaden aus dem Gebirge seinen Weg in Richtung Tal bahnt. Was für ein schönes Plätzchen, um die Anstrengungen der Fahrt abzuwaschen. Und was für ein schönes Plätzchen ... unabhängig davon.

Geres ist herausgeputzt, ein Kurort mit Thermalquellen und dazu das Zentrum des Nationalparks. Hier kommen Portugiesen hin, die keine Lust haben auf Surfen und Sonnenbaden. Und Hochzeitsreisende auf der Durchfahrt gen Süden.
Wir kochten unser Essen auf einem von der Straße nicht einsehbaren Parkplatz. Dazu der erste Versuch, den Kühlschrank mit Gas zu betreiben - Fehlschläge härten ab.

Dann kam ein kleiner Spaziergang durch das beschauliche Städtchen. Der Supermarkt hatte kaltes Bier, ein tolles Land.
Als wir merkten, dass das kalte Bier das interessanteste örtliche Angebot war, kehrten wir zurück zu dem kleinen Park vor den Thermen und tranken in Ruhe aus. IN RUHE. Zum ersten mal seit nunmehr 5 Tagen keine Uhrzeiten, kein Sollen. Einfach sitzen und dem kleinen Brunnen vor uns beim Plätschern zuhören.

Und weil das so schön war und weil der Abend noch jung war und weil es in Geres weder Casinos noch Stripclubs gibt, blieben wir in dem Park sitzen.... bis Geres irgendwann müde wurde und sich ins Bett verabschiedete.

2. Tag - Geres und Fisgas do Ermelo
Nein, laut war es in der Nacht nun wirklich nicht gewesen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir in einer Parklücke an der Hauptstraße übernachtet hatten, was jedoch über das Verkehrsaufkommen wiederum auch nur sehr wenig aussagt, da es kein Verkehrsaufkommen gab.

Eigentlich war für heute eine Wanderung geplant, eine Wanderung im einzigen Nationalpark Portugals. Doch der Ausgangspunkt dieser Wanderung, ein Forsthaus an der Hauptstraße, wollte sich einfach nicht zeigen. Und nach einigen Nachfragen und freundlichem Kopfschütteln seitens der Gefragten war auch unser Wanderelan verflogen, aber auf angenehme Art und Weise. Wir hatten es versucht. Mehr konnten wir nicht machen. Zudem lag schon seit kurz hinter Geres die passende Wanderalternative direkt vor uns, tiefblau, in der Sonne schimmernd.

Der Tag am See war klasse.
Wir bruzzelten ein wenig, Daria mehr als ich.
Wir schwammen ein wenig, ich mehr als Daria.
Wir lasen ein wenig, Daria mehr als ich.
Wir aßen ein wenig, ich mehr als Daria.
Wir waren beide gleichermaßen überrascht, dass der Bullie nicht aufgeknackt war, als wir zu Parkplatz zurück kamen. Es hatte sich scheinbar ausgezahlt, vor der Reise noch ein paar Schrammen reinzufahren.

90 Minuten dauerte die Fahrt in den Naturpark do Alvao, 90 Minuten über Straßen die so eng und steil waren, dass ... die Fahrt einfach Spaß machte.
Gut, es war anstrengend. Und die Anwohner der kleinen Bergdörfer guckten staunend bis skeptisch auf das graue Raumschiff, das sich im ersten Gang den Weg durch ihre schlecht gepflasterten Gassenlabyrinthe bahnte. Aber es war alles interessant. Vielleicht auch deswegen, weil die Dinge immer etwas interessanter werden, wenn man sich sicher sein kann sie nie wieder unter keinen Umständen irgendwann noch Mal zu sehen. Und bei dieser Gegend hier waren wir uns sicher. Also hieß es Augen weit auf. Und immer schön bremsen.

Im Naturpark Alvao fällt der höchste Wasserfall Portugals in die Tiefe, und hier sind bisher nur eine handvoll Reisejournalisten gewesen, sonst niemand (außer den Iberern selber), weshalb im deutschsprachigen bisher die Infos dazu recht spärlich gesät waren.
Schade, der Ausblick auf den Wasserfall und den Canyon davor ist erinnernswert.
Und da eine Schotterpiste vom Wanderparkplatz zum Wasserfall abzweigte und wir am folgenden Tag sowieso wandern wollten war der Plan für den Folgetag fertig. Einfach mal losgehen und gucken, wie nah man dran kommt an das Naturschauspiel.

Dann bezogen wir in einem Ahornhain 900m weiter unser Nachtquartier.
Und hier hatten wir nun ein perfektes Nachlager ganz für uns alleine.
Angst, das wir abends Besuch bekommen könnten, hatten wir aber nicht.
Wir hatten unseren eigenen, privaten Berg in einem wunderschönen grünen Gebirge garniert mit einem filmreifen Sonnenuntergang zur besten Sendezeit. Auf so einem Sender läuft kein Hitchcock.

3. Tag - Wanderung um den Fisgas do Ermelo und Guimaraes

Das ist doch auch mal etwas Neues. Zuhause wird man wach vom Bimmeln des Weckers. Hier weckte uns eine Herde Steinböcke, die der Hirte den Hang neben unserem Schlafplatz hinauf trieb. Das portugiesische Tourismus-Ministerium muss äußerst kreativ sein.

Die Wanderutensilien hatten sich schon auf ihren ersten Einsatz gefreut, doch wer konnte es ihnen in so einer Landschaft auch verübeln. Also Rucksack, Wanderschuhe und Sonnenhut raus, und los ging's.
Zunächst noch gemächlich auf einem breiten Forstweg, bis wir rechts den Fluss bzw. an manchen stellen auch nur noch das trockene Flussbett erblickten, aus dem sich Portugals höchster Wasserfall speist. Wir kraxelten zum Fluss hinunter.

Einige junge Portugiesen planten den Wasserfall in voller Canyoning-Montur hinabzuklettern. Wir schauten uns das Spektakel aus sicherer Entfernung an, wanderten anschließend um den Wasserfall herum und kehrten nach noch nicht Mal drei Stündchen zum Wagen zurück.

Normalerweise hätte man diesen Tag mit dem Wasserfall, den Schluchten, und den Trampelpfaden drum herum prima ausfüllen können. Doch Guimaraes, die Wiege der portugiesischen Nation, rief uns lauthals zu, wir sollten keine Zeit mit Nebensächlichkeiten vergeuden und schnell zu ihr kommen.
Wenn die Europäische Kulturhauptstadt 2012 einlädt, lässt man sie natürlich nicht warten. Und so standen wir zwei Stunden später im Kern einer des am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Europas. Alles sehr alt, wie anzunehmen war, alles aber auch sehr schön, was nicht zwangsläufig anzunehmen war.

Wenden wir uns nun einem kleinen kulturtheoretischen Rätsel zu: Man stelle sich eine Burgruine vor, deren Außenmauern vollständig erhalten sind, zudem sind die Ausgucke auf der Innenseite der Burg begehbar, und zwar derart, dass man nach innen eine abfallende Mauer von 4 -7 Metern hat.

Und wenn man dort herunterfällt bricht man sich im besten Fall das Genick, im schlimmsten Fall bricht man sich das Genick und noch vieles mehr. Diese Abrisskante, an der permanent Besucherscharen vorbeigehen und Kinder vorbeitrollen ist jedoch nicht durch eine Absperrung gesichert. Das ist unnötig, denn schließlich hängt am Eingang ein Schild, welches jedem Besucher mithilfe einer Strichzeichnung verdeutlicht, dass ein Absturz beim Besichtigungsgang den bereits angesprochenen Genickbruch zufolge hat. Nun lautet die Frage: In welchem Land steht so eine Ruine:
a.) Deutschland b.) Portugal c.) niergendwo, das wäre ja auch ein starkes Stück

PS: Aber der Ausblick: toll!

Schließlich ging's zum Campingplatz hoch auf einen Wahlfahrtsberg. Die Dusche war prima. Die Tatsache, dass der mit dem Bullie mitgekaufte Gaskocher offenbar ein Leck hatte, beim ersten Feldversuch im Freien sofort in Brand geriet und uns eine halbvolle Butanflasche nur mit viel Glück nicht um die Ohren flog, war weniger prima. Der Wein, den wir auf den Schreck trinken mussten, war hingegen wieder prima. So pendelt sich der Abend irgendwo zwischen Schock und trauter Zweisamkeit gemütlich aus.

4. Tag - Porto
7.10 Uhr morgens... nichts gegen Europe, eine tolle Band. Aber wer drehte jetzt auf volle Lautstärke "Final Countdown" auf?? Verdammt! Aber, ein toller Hit es auf jeden Fall, ja wirklich. Toll.
Let it Be... was für ein Sprung. 7.15Uhr, Mother Mary müsste uns in ihrer Weisheit mal verraten, wer bloß an diesem Lautstärkeregler sitzt. .... 7.40Uhr... Wir beschließen und eine Best-of-CD der 70er zu kaufen! "Africa" von Toto hat uns nun vollends überzeugt.

Es ist eine alte Bergsteigerweisheit, dass zum Erklimmen eines Berges nicht nur der Weg nach oben gehört, sondern auch der geordnete, souveräne Abstieg.
Davon konnte an diesem Morgen keine Rede sein. Als wir den Campingplatz auf dem Tags zuvor erklommenen Wahlfahrtsberg wieder verlassen wollten, waren alle Ausfahrtswege abgeschnitten. Offensichtlich war an diesem Tag Startschuss für eine Aktivitätswoche des portugiesischen Pfadfinderverbandes, denn überall marschierten in einem heillosen Durcheinander hunderte kleiner Naturfreunde, angeführt von wild gestikulierenden Hirten.
Eine tolle Idee auf jeden Fall, die Kleinen waren alle putzmunter und in ihren Gesichtern stand die Vorfreude. Wir wollten das schöne Bild nicht übermäßig stören und versuchten zunächst ganz friedvoll aus dem Gedränge herauszufinden. Allerdings hatten die Organisatoren das gesamte, sowieso schon unübersichtliche Parkplatzgelände abgeriegelt, sodass ich irgendwann doch ganz ruhig einen Mitinitiator fragen musste, wo (zur Hölle) denn der Ausweg (aus diesem Irrenhaus) sei.
Souverän war dieser Abstieg vom Berg nun eigentlich nicht, aber mit welchem Maßstab will man das eigentlich messen. Als ob Reinhold Messner noch alle Zähen hätte.

Wir stellten unseren Wagen auf einem Campingplatz und fuhren von da mit dem Bus in das 10km entfernte Porto. Fuhren? Heißt das so, wenn der Busfahrer mit 60 Sachen durch ein Nadelöhr nach dem anderen rast, so dass man sich unweigerlich fragt, ob man da vorher ein Busticket gekauft hat oder die Eintrittskarte für eine aus den Fugen geratene Achterbahn?
Aber die Portugiesen haben unglaubliche Reflexe und eine Sprungkraft, die ihres gleichen sucht. So kam es, dass - zumindest an diesem Tag - unser Busfahrer keinen einzigen Passanten erwischte. Wir überlegten kurz unser Geld zurückzufordern, ließen es dann aber bleiben. Auch ein Busfahrer kann mal einen schlechten Tag erwischen.

Porto machte Eindruck. Nicht ein bestimmtes Gebäude, nicht eine bestimmte Brücke, auch nicht einer besonders herauszuhebende Kirche. Das Arrangement machte es aus. Alles war bunt, irgendwie schief, irgendwie beschwingt, und dazu dieses Wetter. Es gab sicherlich schlechtere Orte, um seine Zeit zu verbringen.

Zunächst machten wir eine Bootstour zu den "sechs Brücken", von denen aber keine besonders hübsch war, außer jener ersten Brücke, von der aus die Bootstour angeboten wurde. Spannender war etwas anderes: Mitten im Zentrum standen 7-10 kleine vor Freude und Aufregung strahlende Kinder (10?12 Jahre alt?) auf dem Außenträger der Hauptbrücke. Und während die Kameras der männlichen Touristen blitzten, und die Damen sich in ihren Ohnmachtsausrufen zu überbieten versuchten, sprangen die Kleinen einer nach dem anderen die 8-12 Meter hinab in den Duoro. Ein Plumms, das Wasser spritzte, und kaum hatten sie das Ufer erreicht ging es schon wieder hoch zum nächsten Sprung.
So etwas bleibt in Erinnerung.

Wir stiegen aus dem Boot und schauten uns Porto an. Gingen die breiten Touristenalleen und die verwinkelten Seitengässchen gleichermaßen ab. Dabei wären wir fast einer Puffmutter ins Dekolletee gestürzt, die mit unmissverständlichen Blicken um Kunden warb. Das ganze war auch deshalb so ein herrlicher Anblick, weil schräg gegenüber des zünftigen Etablissements eine Kirche stand... hier gab es somit einen Wettstreit um jene, die sich nach Liebe und Trost sehnten. Allerdings konnten wir nicht beurteilen, wer in dem Rennen die Nase vorn hatte.

Die Rückfahrt zum Campingplatz stand der Hinfahrt übrigens in keiner Weise nach, ganz im Gegenteil. Auch diesmal hatten die Passanten unseren Busfahrer clever ausgetrickst, aber einige Male war es so knapp gewesen, dass wir erneut nicht bereuten den Eintrittspreis bezahlt zu haben.

5. Tag - Der Wald von Buçaco

Was bleibt von dieser Hochzeitsreise in Erinnerung? So viele tolle Eindrücke, dass man damit drei andere Urlaube bestücken könnte. Aber, auch einige weniger ansprechende Eindrücke werden bleiben: In Portugal kosten 70 Kilometer holpriger Autobahn 10,40€ Maut!!!

Der Wald von Buçaco beherbergt 700 verschiedene Pflanzenarten. Wir kamen uns vor, als hätten wir ein paar Ausfahrten verpasst und seien im peruanischen Regenwald gestrandet. Der Regen, der nun ordentlich runterprasselte, verdampfte in weißen Nebelschwaden, sobald er den aufgewärmten Boden erreichte. Die Bäume kämpften in wilden Verrenkungen darum zumindest den Kopf aus dem Grün herauszustrecken, um ein paar zusätzliche Sonnenstrahlen zu erhaschen. Ein tolles Erlebnis das ganze.
Die Wege waren verschlungen, die Atmosphäre märchenhaft. Und wir schon wieder nach zwei Stunden mit allem fertig.
Entweder wir gingen zu schnell, oder der Park war zu klein. Wir tippten auf letzteres, aber leichte Zweifel blieben.

Kurz vor der Abfahrt dann doch noch eine unerfreuliche Szene.
Papa, Mama und zwei Kinder auf dem Rücksitz rollten in einer alten Rostlaube auf den sonst völlig leeren Parkplatz und parkten unweit von uns ein. Sodann fingen sie damit an, die ganzen Vorurteile über das fehlende Umweltbewusstsein der Südeuropäer zu bestätigen, indem sie einen ganzen Karton mit leeren Plastikflaschen und Haufenweise Papierrollen auf dem Parkplatz abluden. So dreist muss man erst mal sein.
Hmmm... nur warum verteilte der Kerl den Plunder auch noch über den ganzen Platz, reichte es nicht ihn schon einfach dort abgeladen zu haben? Und warum kam da die Großtante mit fünf weiteren Rackern im Anhang? War illegale Müllentsorgung hier so ein Art Familienspektakel?
Während wir noch auf unserem hohen Ross darüber sinnierten, baute der Vater aus dem mitgebrachten Müll einen Hindernisparcour auf, packte ein Klappfahrrad aus dem Kofferraum und machte alles startklar für die nun folgenden Spiele auf dem Kindergeburtstag seiner Tochter... hat die BILD da in ihren Länderreportagen ein paar Kapitel vergessen?

Bis zum Campingplatz in Coimbra mussten wir daran denken, wie schön der Wald von Buçaco war. Auf dem Campingplatz in Coimbra wollten wir, angesichts der dortigen Tristesse, nur noch daran denken, wie schön der Wald von Buçaco war.

6. Tag - Coimbra, die Peniche-Halbinsel und das Cabo Roca

Was bleibt von Coimbra? Zunächst hatten wir das Vergnügen von einem sehr eifrigen, selbsternannten Platzeinweiser auf einem eigentlich kostenlosen Großparkplatz lautstark in die Parklücke hineingestikuliert zu werden.
Wir sahen anschließend den Großteil des Unigeländes. Wir sahen einige kitschig-schöne, enge Sträßchen. Und die Kirchen machten optisch auch richtig was her.
In einem wunderbar aufgemachten Touristenladen versuchte uns die Verkäuferin für die Feinheiten der portugiesischen Töpferkunst zu begeistern und uns eine prächtige, bunt bemalte Karaffe anzudrehen. Und jedoch interessierten andere portugiesische Künste und so verließen wir den Laden mit einem Fläschen Portwein. Das wars, wir hatten ordentlich Kulturpunkte gesammelt.
Und nach einer Stadtbesichtigung gibt es nichts erholsameres, als eine zweistündige Autofahrt.

Die Peniche-Halbinsel hat alles, was ein portugiesisches Kap haben muss.

Leuchtturm, Restaurant, hohe Klippen und ein ameisenartiges Touristengewusel. Wir wanderten zwei Kilometer an den Klippen entlang und schossen Fotos.

Am Ende angekommen blieben wir hinter einem Angler stehen und schauten ihm dabei zu, wie er immer wieder die Angel in das brodelnde Meer 30 Meter unter ihm auswarf...

Wieder 2 ½ Stunden im Auto, und nun war es so weit. Wir hatten im Grunde das Ziel unserer Reise (zumindest das geografische) erreicht und standen am Cabo Roca, dem westlichsten Punkt Kontinentaleuropas.
Hier würden wir übernachten. So einen Ort konnte man nicht einfach wieder verlassen, als wäre nichts gewesen.

Der Ort wurde ein Mal mit den Worten beschrieben: "Wo die Erde endet und das Meer beginnt"... das schien uns beiden im großen und ganzen zutreffend!

Auf dem westlichsten Parkplatz Kontinentaleuropas kochten wir unsere Nudeln, gingen mit ihnen und etwas zu trinken zum bereits von Touristen verlassenen Aussichtskap und schauten uns den Sonnenuntergang an im Wissen, dass wir von 450 Millionen Europäern heute den längsten Tag gehabt hatten. (Lassen wir mal die westirischen Spaßverderber außen vor)

7.+8. Tag - Cabo Roca, Boca do Inferno und Lissabon

Die Nebelschwaden, die morgens an uns vorbeizogen, waren so dick, dass die Sicht nicht mehr als zehn Meter betrug. Es war 8.20 Uhr und man konnte gerade so die Hand vor Augen sehen. War das noch das Cabo Roca, oder standen wir am Kap Horn?
Auf diese Frage erhielten wir zunächst keine Antwort, schließlich konnte man nichts sehen.
Glücklicherweise machte irgendwann jemand die Nebelmaschine aus und so stand einem sonnigen Tag doch nichts im Wege.

Weg von den Touristenscharen, die mit Reisebussen ab 9 Uhr angekarrt wurden, wanderten wir zunächst 45 Minütchen gen Süden die Steilküste runter und wieder... nein, hoch war unmöglich, wir hatten nur loses Schuhwerk an und der Pfad war dafür viel zu steil
Naja, summm gelaufen, aber hier waren wir ja definitiv nicht zum letzten Mal gewesen, also gab es auch keinen Herzschmerz.

Boca do Inferno, der "Höllenschlund", soll ein sehr imposantes Naturschauspiel sein. Wellen klatschen hier meterhoch gegen die vom Wasser zerfressenen Felswände. Leider war gerade Ebbe, als wir dort ankamen, deshalb präsentierte sich uns der Höllenschlund als eine ziemlich zahme Tropfsteinhöhle. Große Schnauze, nichts dahinter, das kennt man ja. Die Fahrt ins nur noch 20km entfernte Lissabon ging weiter.

Man denkt immer, toll, diese Burgen hier in Portugal. Auf manchen Straßen, und insbesondere vor Lissabon, fährt man alle fünf Minuten an einer Burg vorbei. Nur sind diese Burgen immer weit weit weg, denkt man, weil sie doch so klein sind. Aber das sind sie nicht, man steht dann plötzlich direkt vor einer solchen Burg mit einem biederen Holzlattenzaun drum herum und kommt aus dem Staunen nicht heraus. Da setzen sich betuchte Portugiesen tatsächlich eigene kleine Burgen auf ihre Grundstücke, graue grobe Steinfassade mit Ausgucken, Wachtürmen, das ganze Programm. Ob das noch unter dem Motto "Träume leben", oder schon "Größenwahn. Lektion für Fortgeschrittene" läuft, weiß man nicht.
Jedenfalls ist die Größe vollig irrelevant, wie wir von Mo Asumang gelernt haben.

Um gar nicht erst in Versuchung zu geraten, Lissabon an einem Tag abzuhaken, buchte ich auf dem teuersten Campingplatz unserer Hemisphäre gleich zwei Nächte.
Mit wenig Not aber trotzdem viel Mühe fanden wir anschließend die Bushaltestelle, von der aus man ins Zentrum Portugals gelangen konnte.

Lissabon: Was für eine berauschende Reizüberflutung. Es gibt keine Motive, keine Ausschnitte, Versuche die Stadt auf ein rechteckiges Stück Papier bleiben vergebliche Mühe. Aber die Art und Weise, wie das Leben sich hier in so kumulierter und verschwenderischer Form Bahn bricht, das ist einzigartig.

Meine Damen und Herren: Die Stadt Lissabon wird ausgezeichnet mit der Höchstpunktzahl: 10 Punkte! Herzlichen Glückwunsch!

Ein Reisejournalist, der uns bei den Reisevorbereitungen tatkräftig unterstützt hat, schrieb:
"So wie Paris die Stadt der Intellektuellen ist, so ist Lissabon die Stadt der Süßigkeiten. Paris produziert Ideen, Lissabon produziert Törtchen".
Und war für welche! Man bedauert nur 10 Finger zu haben, die man sich nach so einer Zuckerorgie ablecken kann.
7 Punkte bekam Lissabon allein für die Atmosphäre, die zahlreichen architektonischen Hingucker brachten nochmals 1 Punkt, aber die noch fehlenden 2 Punkte zur Gesamtpunktzahl, ja die haben sich die Lissabonner schlicht und ergreifend erbacken! Ehre wem Ehre gebührt.

Entgegen unserer sonstigen Tradition kauften wir in Lissabon gleich am ersten Tag ein Zwei-Tages-Ticket für die Hopp-on-Hopp-off-Busbe. Gedacht als Busservice, bei dem man nach belieben zu- und absteigen kann, beschränkten wir uns auf das zusteigen, aussteigen war nicht vorgesehen, wir fuhren die kompletten Routen und schauten und alles an! Insgesamt sind wir fünf Stunden lang Bus gefahren, am ersten Tag zwei Stunden, am Folgetag drei. Das Geschäftskonzept ist darauf eigentlich nicht ausgerichtet, was man sehr schön daran erkennen konnte, dass die Busse nur mit vier traditionellen portugiesischen Liedern bestückt waren, die in einer Endlosschleife liefen und sich alle 15 Minuten wiederholten. Womöglich war die Musik auch nur Mittel zum Zweck, um redundante Passagiere nach einigen Haltestellen wieder ins Freie zu treiben. Aber nicht mit uns. Wir fuhren weiter, immer weiter. Ich habe jetzt zwar einen portugiesischen Ohrwurm bis zum St.-Nimmerleinstag, aber das ist egal! Wir haben durchgehalten. HA!

Hmmm......Warum landen wir in jeder Stadt, die wir uns ansehen wollen, früher oder später im Rotlicht-Viertel? ....Hmmm.....

Das wars. Eine herrliche Stadt.
Lissabon... auf ein baldiges Wiedersehen!

9. Tag - Der Strand von Meco und Cabo Espichel

Das war's...DAS war's.
Die letzten 8 Tage waren das Ende. Wir hatten so viel gesehen, so viel wahrgenommen, dass man schwerlich mit dem Verarbeiten hinterherkam. Die Bilder erreichten zwar noch das Hirn, aber sie blieben dort, sie wurden nicht mehr weiter verarbeitet und lösten nur noch vereinzelt Emotionen aus.
Ab jetzt mussten wir mehrere Gänge runterschalten oder die Fortbewegungsmethode ganz ändern... wandern bot sich (wie immer) als ideale Alternative an!

Doch dieser eine Tag sollte ein Faulenzertag werden, auch um zu überprüfen, ob wir das Stillsitzen noch nicht verlernt hatten.
Der Strand von Meco war dafür ideal und ungeeignet zugleich. Ideal, weil eine sehr entspannte, unverkrampfte Strandatmosphäre vorherrschte, was aber oft der Fall ist, wenn man genau auf der imaginären Grenze zwischen Normalo-Bereich und FKK-Bereich liegt.
Ungeeignet, weil mich das Betrachten des Wellengangs unablässig dazu zwang alle Schiffsunglücke, von denen ich jemals gehört hatte, immer und immer wieder geistig durchzukauen.

Zudem war der meeresseitige Wind derart auf Krawall gebürstet, dass wir unsere Strandmuschel drehen mussten, bis wir zwar einen perfekten Ausblick auf die Klippen oberhalb des Strandes hatten, dafür aber das Meer nicht sahen. Aber vielleicht war gerade das jetzt auch mal nötig, einfach mal nichts sehen. Zur Abwechslung.
Na gut....was heißt schon nichts sehen.

Frei von schlechtem Gewissen schauten wir uns noch das Capo Espichel an!
Normalerweise haben Produzenten und Regisseure wohl erst eine Filmidee und suchen sich danach die passenden Drehorte. Hier was umgekehrt. Dieser grandiose Klostervorhof schrie uns an: Erbarmt euch, macht etwas mit mir, lasst mich nicht einfach nutzlos meinem Verfall entgegen gehen. Schaut mich an!". Wir erhörten die Rufe und schossen einige Fotos.

Bevor wir zum Campingplatz bei Meco fuhren drehten wir jedoch noch eine Runde entlang der Steilküste gleich hinter dem Kloster... wieder imposante Absturzgefahr, wieder imposante Ausblicke. Wir versuchten einen gesunden Mittelweg zu finden.

10. Tag - Arrabida-Gebirge und Vila Nova de Milfontes

Damit etwas zustande kommt, müssen zwei Bedingungen gegeben sein: Man muss es selber wollen, und die Umstände müssen es wollen. Je nach dem kann man durch seinen eigenen Willen die Umstände etwas zurechtbiegen, aber auch dies geht nur in Maßen.
Wir wollten an diesem Morgen im Arrabida-Gebirge wandern, aber: Es fanden irgendwie keine Wanderwege, es regnete und in dem kleinen Ort Portinho war kein einziger Parkplatz mehr frei! Wie will man da noch etwas zurechtbiegen?
Also wieder rauf auf den Bergkamm und ab in Richtung Süden.

...Alcacer do Sal ist bekannt für seine allgegenwärtigen Storchnester. Doch das sogar auf Autobahnschildern in der Umgebung Störche sitzen und ihre Brut mit Fressen versorgen, das hat schon Seltenheitswert...

Als wir in Vila Nova de Milfontes ankamen, war der Eindruck zunächst ernüchternd, es war eine aus dem Boden gestampfte Partymeile. Lauter vor allem junge Leute waren auf Feiern programmiert, wir überdachten kurz unsere Lage. Wenn du nicht gegen den Wind segeln kannst, segle mit ihm, dachten wir schließlich.
Entsprechend hatten wir am nächsten Tag einen Schädel vom Cabo Roca bis nach Hause.

11. Tag - Wanderung zur Ponta de Atalaia

Wir waren in einem Wander-El-Dorado. Nicht deswegen, weil alles perfekt auf Wanderer abgestimmt war. Sondern deswegen, weil gar nichts auf Wanderer abgestimmt war - und wir daher alleine waren. Im ganzen Urlaub hatten wir keinen einzigen Wanderrucksack außer dem unseren gesehen! Paradiesische Zustände verglichen mit den Wanderautobahnen in den Alpen.

Die Wanderung war nicht ohne. An der Küste ging es nach einer ersten lockeren Stunde permanent auf und ab, auf Sand, Geröll abschüssigen Steinplatten. Da der Wind aber wieder in Hochform war, kamen wir nicht ins Schwitzen. Wo in Europa kann man sonst in solchen Breiten an der Küste wandern, ohne ins Schwitzen zu geraten? Die Antwort endet wahrscheinlich auf "iergends".

Die Felsformationen waren toll, Schiefer, der in einem Winkel zwischen 45°-80° ins Wasser abfiel, tosende Brandung. Das fand wohl auch der Angler, der, als weißer Punkt, auf einem Felsvorsprung in den Fluten stand und seine Angel auswarf, während die Wellen ihm bis zu den Oberschenkeln schlugen. In jedem Fall hatte der Kerl einen beneidenswerten Gleichgewichtsinn... oder man hatte ihn dort in den Feldvorsprung einbetoniert und er angelte, um nicht zu verhungern. Vor allem Daria machte sich nachdrücklich für Erklärung 2 stark.

Die Uhr zeigte 18.26, als wir wieder zum Wagen zurückkamen. Wir waren seit kurz vor 12 unterwegs gewesen, inklusive eines kleinen "Umweges" über nicht mehr vorhandene Straßen und zugewucherte Pfade. Wir hatten unser Wander-Soll auf dieser Reise erfüllt, hatten jetzt auch eine lange, anstrengende und wunderbare Wanderung hinter uns. Jetzt ging es nur noch darum Boni einzusacken.

12. Tag - Wanderung um Carrapateira

Der Wandertipp, den ich im Internet herausgesucht hatte, machte es sich ziemlich einfach:
"Von Carrapateira auf der Ausfahrtsstraße in Richtung des Flüsschens Ribeira da Carrapateira wandern und an seiner Seite entlang weiter bis zur eindrucksvollen Felsküste."

Den Fluss gab es, zugewuchert unter zwei Meter hohem Bambus stand er in der brütenden Hitze und hielt Siesta. Aber ein Weg an seiner Seite? War das hier versteckte Kamera, wo sollte hier ein Weg sein?
So beschlossen wir kurzerhand uns eine eigene kleine Wanderung zusammenzustellen.
Auf Holzplanken gelangte man hier von einer Schotterpiste aus stichweise zu Aussichtspunkten am Meer - die Balustraden waren nagelneu und scheinbar einzig und allein dazu da, die Touristen-Absturz-Statistik aufzubessern, weil dieser Aufwand sonst in keiner Weise gerechtfertigt wäre.

Als wir drei Stunden später von der anderen Seite wieder in den Ort hineinkamen, hatten wir nicht nur tolle Klippen gesehen, sondern auch tolle mögliche Stellplätze für unseren Bullie.

Und so kam es: Den Nachmittag und die Nacht verbrachten wir auf einer prächtigen Klippe, 6,7 Meter von der Abrisskante entfernt, 40,50 Meter über dem Wasser.
Vor uns lag unser ureigenes Stück Meer, das langsam die Sonne schluckte. Wir hatten Gutes zu trinken und zu essen. Es war ... perfekt. Zum Teufel mit einer Hochzeitsreise auf den Malediven.

13. Tag - Wanderung bei Vila do Bispo

Wir fanden den Wanderparkplatz ohne Schwierigkeiten. Das erste Zwischenziel dieser Wanderung sollte ein Obelisk sein, der als höchte Erhebung der Costa Vicentina auf einer kleinen Anhöhe insgesamt 156 Meter über dem Meer thront und den imposanten Namen "Torre de Aspa" trägt.
Also, der Ausblick war ganz nett, der schmuddelige schwarz-weiße Obelisk uns nicht mal ein Foto wert. Aber unsere sowieso schon gute Laune wurde durch diesen architektonischen Fehltritt nur noch besser. Warum dieses Ding übrigens von einem Typen in Arbeitskleidung und mit Funkgerät bewacht werden musste, das konnte man nur erahnen.
Vielleicht hatten die Verantwortlichen Befürchtungen, der portugiesische Bund der Steuerzahler könnte das hässliche Ding in die Luft sprengen, wer weiß.

Nun ging es über völlig ausgesetzte Pfade hinunter zum Strand und dann barfuss drei Kilometer lang an einer völlig irre gewordenen See vorbei, die die Wellen gegen die Felsen warf, als gäbe es kein morgen mehr. Der für die Algarve relativ leere Strand war daher auch von einem Nebel aus Meerwasser umgeben.
Zum Baden flop, zum wandern top!

Anschließend ging's laut Wanderführer durch einen "schattigen Pinienwald" zurück zum Ausgangspunkt, wobei sich der Weg hauptsächlich dadurch auszeichnete, dass es keinen Schatten gab. Wenigstens Daria war froh drum.
Nach einem letzten, harten Anstieg gemäß dem Motto "kurz und schmerzvoll" standen wir schließlich wieder vor unserem, weiterhin nicht aufgebrochenen Fahrzeug.
Weiterfahrt an die Südküste, zum Cabo Sao Vicente, dem südwestlichsten Zipfel Portugals.
Was mir neben den Ausblicken besonders imponierte war die bereits berühmte Imbissbude, die mit dem Slogan wirbt: "Die letzte Bratwurst vor Amerika".
Ich war nun in der Zwickmühle, da ich per se lieber hungern würde, als auf Reisen eine deutsche Bratwurst zu essen. Andererseits ist das schon eine geniale Idee. Schlussendlich einigte ich mich mit meinem Über-Ich darauf beim nächsten Besuch des Kapps eine Wurst zu essen.

Und dann, auf dem letzten Camping-Platz unserer Reise angekommen, erhielt der Trip sein I-Tüpfelchen.
Ich wollte eigentlich nur duschen gehen, machte hierzu die letzte Kabine ganz hinten auf und da bot sich mir ein Bild, wie man es sonst nur aus Tierfilmen kennt: Eine zweispurige Ameiseautobahn, eine Spur für jede Richtung, kam auf meiner Kopfhöhe aus der linken Nachbardusche in die meine, lief die komplette Stirnseite ab und dann die ganze rechte Wand entlang, weiter konnte ich nicht sehen.
Ich duschte natürlich in diesem Safari-Camp und beobachtete dabei die ganze Zeit die fleißigen Arbeiter auf ihren Wanderungen. Mit Duschgel musste ich lediglich einen Verteidigungsring um meine Duschutensilien, Handtuch etc. ziehen, weil einige Fernspäher schon Witterung aufgenommen hatten, aber diesem Bollwerk aus Zitronen- und Minzearoma hatten sie denn auch nichts mehr entgegenzusetzen und kehrten wieder um auf die Autobahn.

14. Tag - Wanderung von Luz nach Burgau

Unsere (vorerst) letzte Wanderung in Portugal führte als Rundwanderung von Luz nach Burgau, das erste eine kleines, aber vor lauter Tourismus berstendes Städtchen, das zweite genauso, nur ohne das Bersten und den Tourismus.
Es war klasse und wir knipsten wie blöde.

Wieder zurück auf dem Campingplatz packten wir unseren Kram, misteten ...ehh..kehrten den Wagen aus und versuchten dann letzten Abend vor der langen Heimreise entspannt ausklingen zu lassen.

15.+16. Tag - Rückreise

Wir fuhren in Sagres am Donnerstag um 9Uhr los und kamen um 20 Uhr am Freitag im trauten Heim an. 35 Stunden waren wir unterwegs gewesen, von denen wir allerdings nur 3 Stunden beide geschlafen haben - ansonsten war immer einer von uns gefahren. Dabei hatten wir 2.600km zurückgelegt.

Schön und daher kurzweilig war die Fahrt durch die spanische Extremadura, weite Landschaften wie in den USA, 300,400 Kilometer lang immer das gleiche (aus meiner Sicht schöne, aber das geschmackssache) Bild.
Angenehm war zudem das Umfahren der Region zwischen San Sebastian und Bayonne via Autobahn, unglaublich gut investierte 12€.

Am nervigsten waren die Kreisverkehre in Frankreich, die uns auf den letzten 700 Kilometern nicht mehr von der Seite wichen und alle 2-5 Kilometer den Fahrrhythmus bzw. den Schlaf unterbrachen.

Interessanterweise waren die letzten 200 Kilometer durch Belgien die schlimmsten des ganzen Urlaubs. In Portugal sind wir in der Regel auf ordentlichen Straßen gefahren, zudem herrschte eine unglaublich gesittete, geradezu zuvorkommende Fahrkultur vor.
Nun, quasi direkt vor unserer Haustür, hielt uns ein Stau 40 Minuten lang auf und permanent versuchten Drängler auf dem Standstreifen einige Meter gut zu machen, Umleitungen erschwerten die Orientierung, und Platzregen fiel in die Krater auf den Flickenteppichen, sodass man sie nicht mehr sehen konnte und ich einige mal Angst hatte, dass wir uns so kurz vorm Ziel noch die Achse brechen.
Bei solch einer Begrüßung in den heimischen Breiten erscheinen einem natürlich die Erinnerungen an Portugal 2011 noch sonniger, als sie ohnehin schon waren.

Was bleibt von der Reise?
1. Wozu sich fremde Burgen anschauen, wenn man sich eine eigene bauen kann!
2. Rotwein schmeckt gut zum Essen, aber auch ohne Essen schmeckt er ganz gut.
3. Was aussieht wie verantwortungsloses, faules, südeuropäische Schnorrerpack kann auch ein liebevolle Familie sein, also bitte aufpassen liebe BILD-Redaktion.
4. Ein T-4-Motor ist der absolute Zenit menschlicher Ingenieurskunst
5. EineT-4 Innenpolsterung ist der absolute Zenit menschlicher Webekunst, sogar acht Stunden alte Rotweinflecken lassen sich wieder problemlos herauswaschen.
6. Zum Glück braucht es nicht zwangläufig ein All-inklusive-Paket aus Haus, Garten und Zweitwagen. Manchmal reicht auch der Sprung von einer hohen Brücke ins kühlende Nass.
7. Nicht Schilder entscheiden, wo FKK ist, Menschen entscheiden, wo FKK ist.
8. Lissabon...wir kommen wieder.
9. Portwein... wir kommen wieder.

© Matthes Jansen, 2011
Du bist hier : Startseite Europa Portugal Portugal: Ein mal von Nord nach Süd, 2 Wochen, 6150 km!
Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 27.07.2011
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 13.08.2011
Reiseziele: Portugal
Der Autor
 
Matthes Jansen berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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