Test the West

Reisezeit: Dezember 2011 - Januar 2012  |  von Stefan O.

Die Eintrittskarte

Freitag, 16.12.2012

Das Beantragen meines Touristenvisums funktionierte gestern früh recht problemlos. Ich kann das zwar nicht aussprechen, habe aber der netten Beamtin einen eigens für diesen Fall vorbereiteten Fresszettel mit der Aufschrift "Visa des Pays de L'Entente" unter die Nase gehalten. Nach Abgabe meines Passes, zweier Fotos und 25000 CFA bekam ich eine Quittung und die Information, dass die Ausstellung des Visums einen Tag in Anspruch nimmt.

Heute soll mein Pass also zur Abholung bereit stehen. Ich mache mich früh um neun wieder auf den Weg zur Direction du Contrôle de la Migration. Der Unfall von vorgestern hat in meinen Gedanken Spuren hinterlassen und ich lasse beim Überqueren der Straßen äußerste Vorsicht walten. Den Weg hätte ich mir allerdings wieder einmal sparen können. Pässe und Visa werden nämlich nur nachmittags ausgegeben. Steht auch so auf meiner Quittung. Wer lesen kann, ist doch irgendwie im Vorteil!

Auf meinem Rückweg liegt das Terminal der Busgesellschaft STMB und da die Erteilung meines Visums nun außer Frage steht, will ich dort schon mal ein Ticket nach Niamey kaufen. Doch hier wartet schon die nächste Enttäuschung auf mich: Die Busse sind bis Mittwoch ausgebucht. So lange will ich aber nicht warten, doch die zweite bedeutende Busgesellschaft SKV hat ihr Buchungsbüro am Arsch der Welt.

Ich bitte das Personal des Pavillon Vert um Rat und erfahre, dass sich die Station der Rimbo Busgesellschaft gleich um die Ecke befände. Ich latsche die mir beschriebene Route ab und genau dort, wo sich der Busbahnhof von Rimbo befinden soll, befindet sich der, einer Busgesellschaft namens Sonef. Nie gehört, vielleicht haben die ja den Namen geändert oder es ist ein neuer Mitbewerber im Geschäft. Ist ja auch wumpe, jedenfalls können die mich morgen früh um halb sechs nach Niamey befördern.

Auf dem Weg zur Direction du Contrôle de la Migration

Auf dem Weg zur Direction du Contrôle de la Migration

Mein Mittagessen nehme ich heute zur Feier des Tages im L'Eau Vive ein, einem der besten und teuersten Restaurants hier. Es befindet sich im Herzen der Stadt und wird von einem Orden von Nonnen betrieben. Laut Lonely Planet wird hier abends vor Schluss im Chor das Ave Maria gesungen. Das Essen hier ist wirklich vorzüglich und es gibt auch ein eiskaltes Brakina dazu. Es ist in einem eher muslimisch geprägten Land beileibe keine Selbstverständlichkeit, dass es in Restaurants Bier gibt und schon gar nicht am Nachmittag.

Was die Orientierung angeht, bin ich so langsam im Bilde und habe keine Probleme von hier den Weg zur Direction du Contrôle de la Migration zu finden, ist quasi nur geradeaus. Mit meinem neuen Wissen kann ich mich auch gleich mal nützlich machen. An einer Kreuzung steht auf dem Gehweg ein Pärchen mit seinem Motorrad - Rucksacktouristen. Mit einem Lonely Planet auf dem Tank grübeln sie über Seite 140 und sehen ziemlich desorientiert aus.

Eintrittskarte für fünf Staaten

Eintrittskarte für fünf Staaten

Ich hole meinen Pass mit dem Visum ab und mache mich auf den Rückweg. Dann passiert etwas, das ich so schnell nicht vergessen werde: Ein älterer Herr auf einem klapprigen Mofa, in der linken Hand hält er seinen Krückstock zusammen mit dem Griff fest, hält neben mir an und fragt, ob er mich ein Stück mitnehmen kann. Da ich absolut keinen Bock mehr habe, in dieser gleißenden Hitze durch den Staub zu latschen, kommt mir der freundliche alte Mann wie gerufen und ich setze mich auf den Gepäckträger. Mit 25 km/h Topspeed fährt er mich dann direkt zum Pavillon Vert und als ich im dort eine Münze für seine Dienste geben will, lehnt er ab! Also nochmal zum Mitschreiben: Ein alter, eher ärmlicher Mann bietet mir ungefragt eine Mitfahrgelegenheit an und will dann noch nicht einmal eine kleine Entschädigung annehmen! Für mich die erste Stunde einer ganz neuen Lektion über Afrika.

© Stefan O., 2012
Du bist hier : Startseite Afrika Burkina Faso Die Eintrittskarte
Die Reise
 
Worum geht's?:
"Burkina Faso - Ist da irgendwas?", "Wo liegt Niamey?" und "Ist Lagos nicht die gefährlichste Stadt der Welt?" Diese und andere Fragen wurden mir gestellt, bevor ich los zog um nach Antworten zu suchen. Das Motto: "Travel and see"
Details:
Aufbruch: 13.12.2011
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 20.01.2012
Reiseziele: Burkina Faso
Niger
Nigeria
Togo
Ghana
Der Autor
 
Stefan O. berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors