Mit der 2 CV-Ente auf dem Weg nach Kolumbien

Reisezeit: August - Dezember 2011  |  von Wolfgang Glück

Rückblick auf die BR 319

Als wir auf der BR319 liegengeblieben sind musste ich feststellen, dass das Achsrohr, worin Lenkung untergebracht ist gebrochen ist. Das alles ohne Vorankündigung, plötzlich ging die Lenkung schwer , und die Vorderräder standen total schief. Und das alles mitten im Nichts! Dort wo es auf mind. 450 km keinerlei Zivilisation gibt. In brütender Hitze fange ich an, die Vorderachse auszubauen, denn irgendwas muss ich ja tun. Domi fächelt mir mit einem Handtuch die Millionen Insekten aus dem Gesicht, und kühlt mir mit einem feuchten Handtuch den erhitzten Kopf.
Hier ist kaum damit zu rechnen das wirkliche Hilfe kommt. Dann zwei Fahrzeuge, aber in die falsche Richtung, außerdem vollbesetzt. Wir hatten zwar genug Proviant dabei, bekommen von den Leuten noch Trinkwasser, ein paar Dosen Fisch und Früchte.
Wir verbringen die Nacht im Auto und hoffen, am nächsten Tag irgendwie weiter zu kommen. Ich versuche das Achsrohr mit Montier Eisen zu schienen, allerdings ohne sichtlichen Erfolg. Wir können den Amazonas Urwald mit seinem vollen Programm erleben. In anderer Situation hätten wir das auch richtig genießen können. Wir hatten ja schon einige schwierige Brücken passiert und ausserdem muss es ja irgendwie weitergehen. Dann gegen Abend hören wir wieder Motorengeräusch. ein kleinerer LKW 4x4 hält an und die zwei jungen Brasilianer wollen uns retten.
Kurzerhand bauen wir auch noch Motor und Getriebe aus und verzurren den vorderen Rahmenteil auf der Quertraverse des LKW's. Alles Gepäck kommt auf die Ladefläche inkl. wir beide. Bei einigen Rueckfahraktionen im Schlamm leidet auch noch mein Rahmen ganz fürchterlich. So im Schlepp treffen wir dann nach zweieinhalb Tagen in Manaus ein. Richtige Supertypen, die beiden Brasilianer Gerardo und Meico. In den schwierigsten Situationen wird erst mal die Samba auf volle Lautstärke gedreht, und dann geht's los, mit Auto ausgraben und so. Kein schimpfen und nörgeln war von den beiden zu hören.

Wir kommen in Manaus an und "la Gordita" wird bei Tommy (www.amazontommytours.de) abgeladen. Tommy lebt seit 18 Jahren in Manaus und stammt, so wie ich, auch aus Hessen. Hier haben wir es gut getroffen. Wir sind gut untergebracht in familiärer Atmosphäre. Tommy und seine brasilianische Frau sind sehr Hilfsbereit und lieb. Auch zwischen Domi und Balgjira entwickelt sich spontan eine schöne Freundschaft.

Am nächsten Tag find ich eine Werkstatt in der Nähe, zu der ich zu Fuß hingehen und auch mitarbeiten kann. Das Achsrohr bringen wir in eine Dreherei, wo es dann auf der Drehbank gerichtet, geschweißt und verstärkt wird. Am nächsten Tag ist das teil fertig. Aaaaaaber mein Rahmen sieht furchtbar aus. Hier muss geflext, geschweißt, gezogen und gerichtet werden. Das dauert fast eine Woche, womit wir dann in Manaus einen dreizehntägigen Aufenthalt hatten. Ich selbst hab nicht viel von Manaus mitbekommen, außer Werkstatt, Dreherei, Auspuffbauer. Und immer wieder zwischendurch den Geldautomat besucht. Brasilien, speziell Manaus, ist sehr teuer. Und so haben wir doch in dieser Zeit unser Tagesbudget um einiges überschritten. Tommy ist uns preislich noch um einiges entgegengekommen. Hierfür noch mal vielen Dank an ihn und seine Frau. Wer irgendwann mal nach Manaus kommen sollte, da kann ich Tommytours nur empfehlen. Denn man ist bei Freunden untergebracht.

Endlich ist "La Gordita" wieder einsatzbereit. Wenn auch Motorhaube und Kotflügel nicht mehr so richtig passen, das Auto fährt geradeaus und die Mechanik funktioniert wie eh und jäh. Wir fahren so gegen Mittag am letzten Mittwoch los. Wir haben nochmals Probleme mit dem Kondensator, der dritte jetzt. Die waren allesamt neu und aus DE mitgebracht. Ich hatte mir schon 2 neue gekauft, vom VW Käfer. Ich hab ihn einfach an das Minuskabel der Zündspule dazu geklemmt, seitdem funktioniert alles wieder. Doch dann noch einen kleinen Kabelbrand noch in Manaus, der aber keinen größeren Schaden angerichtet hat. Jetzt haben wir halt kein Radio mehr. Und so fahren wir weiter in Richtung Norden. Am nächsten Tag schaffen wir gerade mal 300km, da die BR174 zwar asphaltiert ist, jedoch nur aus Kratern besteht. Wunderschöne Landschaften schaffen den Ausgleich zu den Strapazen. Und so fehlen uns am Abend noch zweihundert km bis zur venezolanischen Grenze. Wir ziehen es aber vor noch mal im Hotel zu übernachten und das letzte Stück Brasilien am nächsten Tag (Freitag) in Angriff zu nehmen. So war's dann auch.

Noch am gleichen Tag durchfahren wir auf der BR 174 das Indianerschutzgebiet Waimiri Atroari, wo man die Durchfahrterlaubnis nur von 6 bis 18 Uhr erhält. Nachts sind die Schranken geschlossen. Es ist verboten anzuhalten, zu fotografieren und zu filmen. Parkwaechter hatten uns praktisch auf der ganzen Strecke mehr oder weniger im Auge, damit das auch eingehalten wird. Man gibt vor, das die Waimiri gefährlich sind. Ich denke aber, dass man sie einfach vor der sogenannten Zivilisation schützen will. Ich will mich dann später besser informieren, was es da wirklich auf sich hat. Wir durchfahren dieses Gebiet und kommen dann kurz vorm dunkel werden auf der anderen Seite raus, wo exakt die Äquatorlinie verläuft. Da gibts ne Tankstelle und ein kleines Fernfahrer-Restaurant.
Wo gibts hier ne Unterkunft? fragen wir den Kantinero. Er geht mit mir hinters Haus und zeigt mir ein Iglu-Zelt mit zwei Matratzen drin, welches er uns gerne fuer 20 Real die Nacht vermieten würde. Wir schlagen zu, mangels Lust am Bettenbau in der "Gordita". Außerdem ist was Essbares und ein frisches Bier erst mal wichtiger.

An der Grenze bemerke ich, dass ich die Menschen wieder richtig verstehe. Muss wohl an der Sprache liegen, die die Venezolaner hier sprechen! Für Venezuela muss ich eine Versicherung abschließen, was jetzt am Wochenende nicht mehr so richtig klappen will, denn im Computersystem der Versicherungsgesellschaft existiert kein Citroën 2cv AZU. Wird also auf Montag verschoben. Wir erhalten die Erlaubnis, nach Santa Elena, der Grenzstadt auf venezolanischer Seite zu fahren und kommen bei Erik unter. Erik ein Deutscher aus Köln. Er veranstaltet Touren in Venezuela und betreibt eine Posada. Wunderschön! Er und seine venezolanische Frau, seine Kinder (2) sind fantastische Menschen und nehmen uns herzlich auf. Und das Schönste an diesem Land, ich weiß, es wird mir niemand glauben!!!!!!
Ich kann beobachten wie jemand in seinen Monstertruck 150 Liter feinstes und gutes Benzin tankt ... der Preis?? Für sage und schreibe wirklich 150 Liter = 10.- in Worten: zehn Bolivars (1 Euro = 10.- Bolivars). Auf die Gefahr hin, dass Ihr mich für verrückt erklärt (was wahrscheinlich auch irgendwie stimmt) ES IST WIRKLICH WAHR! Als ich vor 32 Jahren mal in Venezuela zum Arbeiten war, hatte damals das Benzin schon fast nichts gekostet und ist bis heute immer nur noch billiger geworden. Der Preis für einen Liter ist also selbst in Euro-Cent fast nicht erfassbar. So, das war's erst mal für heute...

Hier noch ein paar Fotos

© Wolfgang Glück, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Hallo liebe Freunde, Heute früh geht's jetzt endgültig los, Richtung Karibik... Ein lange gehegter Traum, über Land von Paraguay aus Richtung Venezuela und Kolumbien zu fahren... und zwar mit unserer 2cv-Ente "la gordita" beginnt jetzt endlich.
Details:
Aufbruch: 30.08.2011
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 18.12.2011
Reiseziele: Paraguay
Brasilien
Venezuela
Kolumbien
Ecuador
Bolivien
Der Autor
 
Wolfgang Glück berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.