Mit der 2 CV-Ente auf dem Weg nach Kolumbien

Reisezeit: August - Dezember 2011  |  von Wolfgang Glück

Das Orinoko Delta

Ich muss feststellen, dass die Reparatur von meinem Achsrohr doch nicht optimal war. Hier muss unbedingt nachgebessert werden.
Ich lerne durch Lobo, Christoph Stockhausen kennen, der mir die Reparatur nochmals nachbessern will. Er hat von seinem Vater einen Spezialbetrieb für Schweißtechnik übernommen. Außerdem bietet er mir an, ein neues Teil (falls ich jemand kenne der eins hat) auf den Namen seiner Fa. über DHL schicken zu lassen. Also noch mal die Achse ausgebaut und in seinen Betrieb gebracht. Sowie ein neues Achsrohr bei unserem Freund Andre Poeschel in Deutschland bestellt.
Nachdem die alte Achse neu geschweißt ist, baue ich alles wieder zusammen, um uns die Wartezeit auf die andere Achse in der Gegend um Puerto Ordaz mobil zu vertreiben. Nur der Auspuff muss erneut geschweißt werden und einen ausgelaufenen Stoßdämpfer wieder von der Reparatur abholen. Dann kann's am Samstag losgehen zu einer Boots- und Angeltour auf dem Guri.

Christoph und seine Fam. haben uns eingeladen, das Wochenende in ihrem Landhaus in Pao Nueva Fortuna zu verbringen. Die "Angeltour am Guri" war ein tolles Erlebnis. Wir hatten den See, der ja riesig groß ist, erkundet und dabei auch einige schöne Fische gefangen. überhaupt dieser sehr schöne Fisch dessen Namen ich vergessen habe, war ein Erlebnis pur.

ANACONDA:
Wir hatten an einem Baumstumpf unser Boot festgemacht und warteten das noch ein paar Fische beißen. Ruhiges Wasser und auch sonst nichts los. Was ist denn das da hinter uns sagt Christoph? Plötzlich leichter Wellengang der mitten aus der Wasseroberfläche entsteht. Sieht irgendwie so aus, als würde da gleich so ein Mini-U-Boot auftauchen. Kommt aber nichts aus dem Wasser raus, sondern das ganze bewegt sich ziemlich rasch von alleine in Ufernähe. Am Ufer, das mit viel Unkraut bewachsen ist, ist dann der Spuk vorbei. Christoph und MiMi kommen zu dem Schluss, das das wohl nur eine riesen Anakonda gewesen sein konnte. Am Abend, dann wieder in Nueva Fortuna noch schön gegrilltes Fleisch gegessen und der Tag war ein voller Erfolg.

Am Montag den 12. Oktober fahren wir nach Ciudad Bolivar, weil wir da eine Adresse haben, wo wir zum Schwarzmarktpreis Geld wechseln können und übernachten in der schönen, fast luxuriösen Posada "la Casita" von Peter Rothfuss. (www.posada-la-casita.com) Wir schlafen wieder mal in der Gordita. Unser nächstes Ziel ist Piacoa am Orinoko-Delta. Dann, so 20 km vor dem Ziel: ein Knall und ein Reifen hat sich für immer verabschiedet. Ich montiere unser letztes Reserverad und fahre noch bis zur nächsten Gomeria, um zu sehen ob wir da wenigstens vielleicht einen gebrauchten Reifen erstehen können. Bei der Frage: habt ihr so einen Reifen? ernten wir nur mitleidiges Lächeln. So eine Größe braucht in Venezuela kein Mensch. Die sehen ja so ähnlich aus wie "Spalt-Tabletten". Keine von den nachfolgenden Gomerias kann sich vorstellen dass es solche Reifen in diesem Land zu kaufen gibt. Also fahren wir nicht nach Piacoa, sondern zurück nach San Felix wo es jede Menge Reifenhändler gibt und versuchen da unser Glück. Immer das mitleidige Lächeln "no hay" es wird schon dunkel und wir beschließen zurück nach Puerto Ordaz zu fahren um da noch mal bei Lobo zu übernachten. Morgen sieht's vielleicht anders aus. Dann ein großer Reifenhandel der Marke Firestone. Die machen grad den Laden dicht, ich schaffe es aber doch noch den Chef nach unseren Reifen zu fragen. Der fragt: Wie viele brauchst du denn? Na ja, mindestens einen oder besser zwei. So erstehe ich doch noch zwei Firestone neu hergestellt in Venezuela 155x15. War doch noch ein guter Tag.

Zweiter Versuch nach Piacoa geht super gut und wir können am Hafen, da wo jede Land-Verbindung aufhört, leckeren Flussfisch in einer Hafenbude genießen. Weil wir viel Zeit haben, an diesem Tag, beobachten wir das Treiben am sogenannten Hafen wo es eigentlich nur kleine Boote gibt, die ununterbrochen Benzinfässer verladen und ins Delta rausfahren. Hier geht es um Benzinschmuggel nach Britisch Guyana. Benzin für Britisch Guyana und alles Mögliche von da nach Venezuela. Das Delta von einer Fläche ungefähr so groß wie Belgien und tausenden Nebenarmen des Orinoko ist für die Behörden unkontrollierbar. Außerdem denke ich, dass Polizei sowie Militär bei der Schmuggelei erheblich dabei sind. Roger, ein Franzose (der kein Wort französisch spricht) und das Posada-Camp Oridelta leitet, holt uns dann am Hafen ab und wir übernachten in seinem Camp. Wir verbringen einen sehr interessanten Abend mit Roger, der auch sehr viel über das Leben in Venezuela erzählen kann. Zurück nach Puerto Ordaz wo wir, ich weiß nicht zum wievielten Mal bei Lobo einlaufen, wo wir dann auch übernachten weil unser Achsrohr bereits in Puerto Ordaz angekommen ist.
Morgen kann es also weiter gehen in Richtung Norden und dann immer gerade aus. Gegen Mittag bekomme ich die Lenkung mit Achsrohr auch dann ausgehändigt, und ich beschließe diese erst mal nur auf das Dach zu schnallen, weil die reparierte Lenkung bis jetzt ja ganz gut durchhält.

© Wolfgang Glück, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Hallo liebe Freunde, Heute früh geht's jetzt endgültig los, Richtung Karibik... Ein lange gehegter Traum, über Land von Paraguay aus Richtung Venezuela und Kolumbien zu fahren... und zwar mit unserer 2cv-Ente "la gordita" beginnt jetzt endlich.
Details:
Aufbruch: 30.08.2011
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 18.12.2011
Reiseziele: Paraguay
Brasilien
Venezuela
Kolumbien
Ecuador
Bolivien
Der Autor
 
Wolfgang Glück berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.