Mongoleireise 2012

Reisezeit: September 2012  |  von Manfred Haas

Arbeiten in der Klinik

nicht ganz korrekte Verwendung einer Steckdose!

nicht ganz korrekte Verwendung einer Steckdose!

Schon bei der ersten Besichtigung des Kontrollraums für den CT fiel mir ein Haufen Kabel in der Eckes des Raumes auf. Bei genauer Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich um sechs Verbindungskabel vom Alt- in den Neubau handelte. Da die Leitungen unterschiedlich lang waren und in den Zugrohren total verschlungen, konnte man sie nicht mehr auf eine einheitliche Länge nachziehen und lies sie einfach so liegen. Das ist eben mongolische Technik. Nun lagen hier am Boden mehrere Kabelenden mit 25 bis 35 Meter herum, die aber niemanden störten. Meine Recherchen ergaben, dass dies der aktuelle Bauorganisator "verbrochen" hatte. Eine Nachfrage zeigte, dass dieses "Missgeschick" ihn mehr oder weniger gar nicht beeindruckte. So entschloss ich mich die Sache in Ordnung zu bringen, was ich dann auch mit hauptsächlicher Hilfe durch Sarnai, der IT-Ingenieurin im EMJJ, machte. Es war für uns beide eine schwere Plaggerei. Aber auch anschließend, wenn alles wunderbar gemacht ist, imponiert das Niemanden. Leider kann man diese Auffassung von Arbeit in der Mongolei sehr oft antreffen. Schönheit und ordentliche Arbeit spielen meist keine Rolle. Schnell muss es gehen und die Funktionalität halbwegs sichergestellt, alles andere ist mehr oder weniger uninteressant. Genau dies versuche ich aber, den Leuten auszutreiben, mit denen ich immer wieder zu tun habe. Organisation, ordentliche Planung und Zuverlässigkeit, sind leider immer noch von sozialistischem Denken geprägt. Unsere Gedanken und auch unser Tun stößt oftmals auf vollkommenes Unverständnis. Selbst wenn wir denken, jetzt haben wir es endlich geschafft, kann man ein Jahr später sehen, dass wir es doch nicht geschafft haben. Manchmal ist es wirklich frustrierend. Hinzu kommen die großen Materialbeschaffungsprobleme. Eine Waschmaschine, Stereo- oder Computeranlage oder sonstige techn. Geräte, sind überhaupt kein Problem in UB zu besorgen. Es ist alles da, wenn man die notwendigen Mittel hat. Ein paar M4er-Muttern aber zu besorgen oder eine kleine Kunststoffplatte, stellen dich vor größte Probleme. Die Fahrt zu den Geschäften ist bei dem irrsinnigen Verkehr bereits eine gewaltige Herausforderung. Um diese Situation zu verbessern, dürfen seit Sommer 2012 abwechselnd nur noch Autos mit geradzahligem- oder ungeradzahligem Nummernschild fahren. Trotz dieser Vorschrift, konnte ich keinerlei Entspannung des Verkehrs feststellen. Wir fuhren los, um ein paar Teile zur Montage einer Mehrfachsteckdose zu besorgen. Dazu benötigten wir 7 Stunden, hatten aber nachher besagte M4er-Muttern nicht bekommen und auch keine benötigte Kunststoffplatte. Stattdessen schlachtete ich eine defekte China-Steckdose aus d.h., ich entnahm dort die besagten Muttern und für die Kunststoffplatte kaufte ich ein Maurer-Reibebrett aus PVC. Den Griff sägte ich ab und nun hatte ich die genau passende Kunststoffplatte. Auch das ist Erfindergeist! Nötig war dies geworden, weil eine Ärztin zu mir kam und beinahe schon weinte, weil sie keine EKG's mehr schreiben konnte. Vor über 3 Wochen schon, war wohl ein Elektriker in ihrem Zimmerchen. Er begutachtete die defekte Unterputzsteckdose und versprach in Kürze wieder zu kommen und die Steckdose zu reparieren. Nun mit der Kürze ist das so ähnlich wie mit orientalischen Minuten. So was kann sich manchmal lange, wenn nicht gar endlos hinziehen. Nachdem sie mehrere Male reklamiert hatte, weil immer noch nichts passiert war, hörte sie von unserem Besuch. Sie kam daher zu mir und schilderte ihren Kummer. Ich schaute mir ihr Problem an und sah, dass die Steckdosen noch in Betrieb waren. Sie hingen aus der Wand, die eine Dose war ohne jeden Berührungsschutz, da die Kunststoffabdeckung verloren war. Die Frau versuchte vergeblich ihr EKG zum Laufen zu bringen, was ihr aber auf Grund des fehlenden Schutzleiters nicht gelang. Dieser ist aber zur Funktion eines EKG-Gerätes zwingend erforderlich. Es stellte sich heraus, dass die Frau vorher in einem anderen Zimmer ihre EKG's schrieb. Da es sich bei dem EKG-Gerät um eine Spende aus Würzburg handelte, hatte das Gerät auch einen Schuko-Anschluss, den im Übrigen auch sehr viele andere med. Geräte hier haben. Nun machte die Ärztin das, was viele andere hier auch tun (es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig), sie adaptierte ihre chinesische Steckdose zunächst einmal in das koreanische System und von hier in Schuko. Leider sind hiermit auch ewige Wackelkontakte verbunden und den Schutzleider hatte sie auch nicht. Wie sollte es anders sein, ich entschloss mich der Frau zu helfen und diese Steckdosengeschichte in Ordnung zu bringen. Dazu möchte ich noch sagen, dass die "alten" Unterputzeinsätze der Steckdosen, sich bei Berührung total auflösten. Sie konnten also die eigentlichen Steckdosen gar nicht mehr halten und das, obwohl die Installation dieser Steckdosen erst vor 8 Jahren beim Bau der Klinik erfolgte. Schutzleiteranschlüsse gehören grundsätzlich nicht zur Standardinstallation. Das Eigenartige ist, dass oftmals zwar FI-Schutzschalter eingebaut werden, die Steckdosen- und Geräteanschlüsse aber meist nur zwei-adrig erfolgen. Ein FI-Schalter kann daher gar nicht funktionieren. Ich gehe dabei auch davon aus, dass eine Kenntnis zur Funktion gar nicht vorhanden ist. So stellte ich auch im Neubau (der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht fertig war) fest, dass die Zuleitungen zu Lampen etc., wieder alle nur 2-adrig ausgeführt wurden. Mir schwoll der Kamm. Auch alle Steckdosen waren wieder nach chinesischem System ausgeführt. Zumindest diese waren 3-adrig gemacht. Ob der Schutzleider nun wirklich in Betrieb ist konnte ich nicht prüfen, da das installierte Netz noch nicht so weit war. Dabei hatte ich Erka vorher extra darauf hingewiesen, dass er Schuko-Steckdosen einbauen lassen soll und alle Anschlüsse mit Schutzleiter. Diese Steckdosen gibt es ohne Probleme zu kaufen. Jetzt kann er wieder adaptieren und die damit verbundenen Wackler in Kauf nehmen. Ich gehe mal davon aus, dass Erka die Steckdosen mir gegenüber zwar bejahte, im Grunde aber nicht verstanden hatte, um was es ging. Leider ist das oft so und nicht nur bei ihm. Jedenfalls machen sich die Mongolen (und viele andere Dritte-Welt-Länder) so das Leben unnötigerweise sehr schwer. Sie sehen zwar auf der einen Seite, dass bei uns alles mehr oder weniger gut funktioniert. Das imponiert ihnen auch. Dass man dafür aber auch etwas tun muss, dass ist in den Köpfen noch nicht so richtig angekommen. Oftmals kann man mit einem Lächeln hören "ach, das muss man in der Mongolei nicht so gut machen, das geht hier auch einfacher". Genau das ist aber der Punkt. Diese Einstellung zur Arbeit verhindert eine ordentliche Ausführung. So viel vorerst mal zu den Grundsatz-Problemen.

Am zweiten Tag fuhren wir zwecks Information und Bestandsaufnahme zusammen mit Erka und unserem techn. Dolmetscher Damy, zum Lager des EMJJ-Krankenhauses. Ich war noch nie da, obwohl ich wusste, dass da irgendwo ein Lager existiert. Mein Schrecken war gewaltig. Uns empfing ein heilloses Chaos, wie es aber eigentlich auch nicht anders zu erwarten war. Von System nicht die geringste Spur. Alles durcheinander. Sensible Geräte mit eingebauten Akkus und anderen empfindlichen Teilen lagen hier herum, wo es im Winter durchaus 40 Grad Minus und im Sommer locker 50 Grad Plus bekommen konnte. Unsere Geräte, mühsam in Würzburg gesammelt, fristeten ein elendes Dasein. Ich wurde böse, was ich auch Erka gegenüber sofort zum Ausdruck brachte. Er gelobte Besserung und versprach eine ordentliche Einrichtung. Inzwischen hat er mir geschrieben, dass einige Leute dort wohl mehrere Tage gearbeitet haben und das Lager jetzt deutschem Niveau entspricht. Warten wir mal bis zum nächsten Jahr ab.
Anschließend fuhren wir zu einem sozialistischen Denkmal, um von hier aus das neue Stadtbild von Ulan Bator zur sehen. In der Tat, hat sich sehr viel getan. Überall schießen moderne Hochhäuser aus dem Boden. Die früher so oft vorkommenden Jurten mit Bretterzaun sind verschwunden. Praktisch alle Neubauten werden von den Chinesen gebaut. Für mich unverständlich, auf den Baustellen findet man kaum mongolische Arbeiter. So entwickelt sich natürlich in der Mongolei keinerlei know how. Das Wissen bleibt alles in China und das Geld das die Chinesen hier verdienen, wandert alles in deren Heimat ab. Das kann langfristig nicht gut gehen. Hinzu kommt, dass die entstehenden Wohnungen sich ein durchschnittlich verdienender Mongole niemals leisten kann. Bei näherem Hinschauen bestätigte sich das auch, dass weitaus der größte Teil dieser Wohneinheiten, leer steht. Alles in Allem, eine nicht befriedigende Aussicht.

Im EMJJ-Gerätelager

Im EMJJ-Gerätelager

© Manfred Haas, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
...und wieder viel Arbeit, viel Ärger aber auch viel Spaß. Dieser Bericht beschreibt keine großartigen Reiseerlebnisse, sondern meine Arbeit in diesem großartigen Land mit seinen liebenswerten Bewohnern. Diesmal handelt es sich nicht um einen Reisebericht in dem Sinn, als viel mehr um einen Tätigkeitsbericht, da die Erlebnisse und Abenteuer unserer diesjährigen Reise sehr begrenzt waren. Auf Grund gesundheitlicher Probleme kommt dieser Bericht auch um ein Jahr verspätet.
Details:
Aufbruch: 05.09.2012
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 26.09.2012
Reiseziele: Mongolei
Der Autor
 
Manfred Haas berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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