Kaiserstadt Speyer

Reisezeit: August 2008  |  von Mirjam & Nico L.

Ein Tag im schönen Speyer mit Besuch der wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Dom zu Speyer, Historisches Museum der Pfalz, Technikmuseum und mehr!

Kaiserstadt Speyer

Auf Speyer wurde ich zunächst aus einem ganz bestimmten Grund aufmerksam: In meiner frühen Jugendzeit war ich großer Fan der Kelly Family gewesen und im Frühjahr 2008 las ich durch Zufall, dass sich das ehemalige Hausboot der berühmten Band nun im Technikmuseum in Speyer befand. Mein Herz schlug sofort höher! Ich war kein wirklicher Fan der Band mehr, aber das Boot war eine Ikone meiner Teenie-Zeit, damals unerreichbar da durch die berüchtigte Mauer am Rhein von den Menschen abgeschottet... Und nun war es möglich, das Hausboot von Nahem zu sehen. Es war klar: Da musste ich hin! Eine kurze Recherche ergab, dass Speyer auch sonst ein wirklich lohnendes Ziel war und mit einem romanischen Dom aufwarten konnte, der sogar UNESCO Weltkulturerbe war, sowie einigen weiteren historischen Sehenswürdigkeiten. Das konnte nur ein fantastischer Ausflug werden!
Meine Mutter wollte gerne mit, also nichts wie den Zug gebucht, und Mitte August ging es dann in aller Herrgottsfrühe von Köln aus mit dem ICE los.

Köln HBF in der Frühe...

Köln HBF in der Frühe...

Speyer ist tatsächlich eine "Kaiserstadt". Seine Geschichte begann vor über 2000 Jahren. Im Hochmittelalter war die Stadt das Zentrum des Königreichs der Salier, und damit des Ostfrankenreiches und später des Heiligen Römischen Reiches. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde Speyer stark zerstört, der Dom wurde jedoch originalgetreu wieder restauriert.

Die Fahrt von Köln nach Speyer war an sich schon ein Erlebnis, denn wir fuhren die alte Rheinstrecke entlang - wunderschöne Blicke auf den Fluss und die kleinen Schlösser, die ihn säumen.
In Speyer angekommen, nahmen wir den Touristenshuttle (Bus 565), der alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in Speyer bedient und alle zehn Minuten fährt. Ein Tagesticket, mit dem man fahren kann so viel man will, kostete nur 1€! Was für ein Schnäppchen!
Als allererstes fuhren wir natürlich zum Technikmuseum, denn das war ja der Hauptgrund für unser Kommen.

Eingang des Technikmuseums

Eingang des Technikmuseums

Hier ging es genauso einfach und unkompliziert weiter, denn das Kelly-Boot war direkt ausgeschildert, so dass wir es sofort fanden. Ich war wirklich gerührt und beeindruckt. Ein "Traum" aus meiner Jugendzeit, hier imposant aufgebahrt und trocken gelegt... Von Weitem sah das Hausboot wirklich groß aus, von Nahem war es aber dann doch kleiner, als ich gedacht hatte. Es muss ganz schön eng gewesen sein mit so vielen Personen...

Die Kellys kauften das Boot 1989 in Amsterdam und benannten es nach ihrem Ururgroßvater, der in den 1850ern von Irland nach Amerika ausgewandert war. Ab da lag das Boot in Köln vor Anker und in den Erfolgszeiten wurde der Hafen von Hunderten von Fans belagert, bis die berüchtigte Mauer gebaut wurde... Ich war damals eh noch zu jung, und so war das Boot für mich unerreichbar. Es war ein verrücktes Gefühl, jetzt davor zu stehen! Zumal man auch tatsächlich raufdurfte und sich die Außenbereiche ansehen durfte! Das war wirklich fantastisch und ich konnte nicht fassen, dass ich tatsächlich gerade auf der Sean O'Kelley herumlief!

Die Familie verließ das Boot 1998 und zog nach Schloss Gymnich, 2004 verkauften sie es an das Technikmuseum und es wurde den Rhein entlang hierher gebracht. Ein ganz schön schwieriges Unterfangen!

Die Familie verließ das Boot 1998 und zog nach Schloss Gymnich, 2004 verkauften sie es an das Technikmuseum und es wurde den Rhein entlang hierher gebracht. Ein ganz schön schwieriges Unterfangen!

Gebaut wurde das Hausboot im Jahr 1923, es ist 34m lang, 6,3m breit und 8,3m hoch.

Gebaut wurde das Hausboot im Jahr 1923, es ist 34m lang, 6,3m breit und 8,3m hoch.

Im Inneren des Bootes hängen ein paar goldene Schallplatten

Im Inneren des Bootes hängen ein paar goldene Schallplatten

Man konnte nicht in die Innenbereiche, aber doch durch ein paar Bullaugen einen Blick wagen

Man konnte nicht in die Innenbereiche, aber doch durch ein paar Bullaugen einen Blick wagen

Das Boot zu sehen war schon ein wirkliches Highlight, aber ich staunte nicht schlecht, als ich plötzlich dahinter auch noch den Kelly-Bus entdeckte! Ich hatte nicht gewusst, dass der sich hier auch befand, wahrscheinlich war er erst seit sehr kurzer Zeit da!
Der Doppeldecker-Bus ist eigentlich eine noch größere Legende als das Boot. Die Familie kaufte ihn 1978 in Irland, und bis 1995 war er ihr Zuhause, mit dem sie quer durch Europa tourten. Somit war der Bus auch immer ein Symbol für das Unterwegs sein, für die Freiheit, für das Unkonventionelle... Und naja, ein bisschen kommt meine Reiselustigkeit ja vielleicht auch daher
Der Bus sah nun wirklich heruntergekommen aus, aber ich nehme an, dass er inzwischen restauriert wurde.

Ein weiteres Highlight des Museums ist eine Boeing 747, die 2002 von der Lufthansa ausrangiert wurde. Sie befindet sich nun auf einem 20m-hohen Metallgestell und kann von vorne bis hinten besichtigt werden. Man kann also nicht nur die Passagierbereiche anschauen, sondern auch das Cockpit und die Technikbereiche. Das war wirklich interessant, aber uns wurde sehr schwindelig, da das Flugzeug schief auf dem Gestell montiert ist und so der Gleichgewichtssinn komplett verwirrt wird!

In der Boeing 747

In der Boeing 747

Doch sehr gewaltig, so von Nahem!

Doch sehr gewaltig, so von Nahem!

Weiter ging es in einige große Hallen, die vollgestopft sind mit alten Flugzeugen und Autos. Das war nun typisch Technikmuseum! Wir liefen eher schnell durch, da das nicht so ganz unser Interessengebiet war.

Weiter ging es in einige große Hallen, die vollgestopft sind mit alten Flugzeugen und Autos. Das war nun typisch Technikmuseum! Wir liefen eher schnell durch, da das nicht so ganz unser Interessengebiet war.

Was ich mag, sind die alten, eleganten Fahrzeuge!

Was ich mag, sind die alten, eleganten Fahrzeuge!

The Tree - auf diesem selbstgebauten Floß überquerte Rüdiger Rehberg im Jahr 2000 den Atlantik, um auf das Schicksal der Yamomami-Indianer aufmerksam zu machen

The Tree - auf diesem selbstgebauten Floß überquerte Rüdiger Rehberg im Jahr 2000 den Atlantik, um auf das Schicksal der Yamomami-Indianer aufmerksam zu machen

In einer weiteren Ausstellungshalle befinden sich Karussells und Drehorgeln

In einer weiteren Ausstellungshalle befinden sich Karussells und Drehorgeln

Wir verließen das Technikmuseum und fuhren mit dem Shuttle in die Stadt. Inzwischen war die Mittagszeit schon fast durch und wir hatten noch viel vor... Wie also planen? Wir entschlossen uns, zunächst die zeitraubendste Sehenswürdigkeit anzugehen: Das Historische Museum der Pfalz.
Das Museum zeigt die Geschichte Speyers und der Pfalz von den Anfängen bis heute und es war wirklich sehr interessant - hier hätte man wirklich viel mehr Zeit gebraucht.
Das Highlight waren die Kronen der Salierkönige, die sehr beeindruckend in einem abgedunkelten Raum präsentiert wurden, zusammen mit einem Zepter, einem Goldring und einigen Textilien und Haarsträhnen. Wirklich ein beeindruckender Moment! Es hört sich vielleicht etwas gruselig an, aber ich war einfach nur berührt davon, so alte Dinge zu sehen, die sich so gut erhalten hatten.
Ebenfalls begeistert war ich von den Ausstellungen zur Steinzeit und zum römischen Speyer. Ein Highlight war auch eine der allerersten schwarz-rot-goldenen Fahnen, die vom Hambacher Fest stammte.

Das Historische Museum der Pfalz

Das Historische Museum der Pfalz

Nun plagte uns aber wirklich der Hunger, und wir hatten Glück, denn Essen gab es an diesem Tag in Speyer überall. Wir hatten es bei der Buchung gar nicht gewusst, aber heute fand hier ein Volksfest statt, die "Kaisertafel". Seit 1990 findet dieses Fest am zweiten Wochenende im August statt, damals zuerst anlässlich des 2000-jährigen Jubiläums der Stadt. Die Tradition reicht aber zurück bis zu Konrad III, der auf diese Art ein Mahl für Hunderte von Soldaten gab. Vom Dom bis zum Altpörtel, dem Stadttor, werden lange Tische aufgebaut und die Wirte und Restaurants verkaufen ihre Gerichte. Man kann sich also von einem Ende der Stadt bis zum anderen durchessen, wenn man möchte...
Ok, uns reichte ein kleiner Imbiss und eine kurze Pause am langen Tisch, dann ging es direkt weiter.

An der Kaisertafel

An der Kaisertafel

Sie reicht vom Dom...

Sie reicht vom Dom...

...bis zum Altpörtel!

...bis zum Altpörtel!

Das Altpörtel, Endpunkt der Kaisertafel, war unser nächstes Ziel. Dieses turmartige Stadttor ist eines der wenigen Überbleibsel des mittelalterlichen Speyer und mit 55 Metern eins der höchsten Stadttore Deutschlands. Der untere Teil stammt aus dem 13. Jahrhundert, der obere Teil wurde im frühen 16. Jahrhundert gebaut. Es lohnt sich wirklich, den Turm zu besteigen, weil man eine tolle Aussicht auf den Dom und die Stadt hat. Es befinde sich auch ein kleines Museum im Turm.

Altpörtel

Altpörtel

Vom Altpörtel aus erkennt man die Architektur der Stadt: Die Maximilianstraße führt vom Stadttor zum Dom. Auf dieser Prachtstraße konnten früher die Kaiser prachtvoll in ihre Stadt einziehen.

Vom Altpörtel aus erkennt man die Architektur der Stadt: Die Maximilianstraße führt vom Stadttor zum Dom. Auf dieser Prachtstraße konnten früher die Kaiser prachtvoll in ihre Stadt einziehen.

Von hier aus sieht man auch die Boeing 747 im Technikmuseum!

Von hier aus sieht man auch die Boeing 747 im Technikmuseum!

Als nächstes machten wir noch einen kleinen Abstecher ins alte jüdische Viertel der Stadt, das zum Glück nur wenige Minuten entfernt lag. Dieses Viertel entstand im 11. Jahrhundert und stand unter dem Schutz des Kaisers, so dass die Juden in Speyer recht sicher waren, im Gegensatz zu denen in anderen mittelalterlichen Städten. So entwickelte sich die jüdische Gemeinde zu einer der größten und wichtigsten in Mitteleuropa. Aus dieser Zeit stammen die Ruinen einer Synagoge und einer Mikwe, eines traditionellen Bads. Die Gebäude wurden im 17. Jahrhundert durch Kriege zerstört. Heute sind sie trotzdem die besterhaltenen ihrer Art in ganz Europa. Es gibt auch ein kleines Museum hier.

Die Mauern der alten Synagoge

Die Mauern der alten Synagoge

Fenster in der Mikwe

Fenster in der Mikwe

Das allerwichtigste hatten wir uns also bis zum Schluss aufgehoben: Den Dom! Beeindruckend steht er am Ende der Maximilianstraße, wuchtig, erhaben, und eine der größten romanischen Kirchen der Welt. Der Bau dauerte von 1030 bis 1106 und das Gebäude ist 134m lang, die Türme 71,2m hoch. Damit war der Dom zu seiner Entstehungszeit eines der größten Gebäude Europas. Der salische König Konrad II baute ihn aus machtpolitischen Gründen im damals sehr kleinen Speyer, aber weder er, noch sein Sohn Konrad III erlebten die Fertigstellung.
Viele Teile der ursprünglichen Gebäudes sind immer noch am Platze und intakt. Bis zum 17. Jahrhundert gab es gar keine großen Veränderungen, doch die Truppen Ludwigs XIV zerstörten Teile des Doms, und im 19. Jahrhundert wurde das Innere nach der damaligen Mode bemalt. Im 20. Jahrhundert wurde der Dom dann originalgetreu restauriert, so dass er jetzt wieder seine ganze Wirkung entfalten kann.

Ich liebe romanische Kirchen und ihre ganz besondere Atmosphäre. So auch der Dom zu Speyer: Die geballte Kraft, die er ausstrahlt, und gleichzeitig die Schlichtheit der Architektur machen ihn zu einem ganz besonderen Ort.

Das Westportal mit den Schutzheiligen des Doms: Die Jungfrau Maria, der Erzengel Michael, St Stephanus, Bernard von Clairvaux and Johannes der Täufer.

Das Westportal mit den Schutzheiligen des Doms: Die Jungfrau Maria, der Erzengel Michael, St Stephanus, Bernard von Clairvaux and Johannes der Täufer.

Das Paradies

Das Paradies

Im Paradies befindet sich eine Statur von Rudolf von Habsburg

Im Paradies befindet sich eine Statur von Rudolf von Habsburg

Im Inneren befinden sich auch übergroße Repliken der Salierkronen

Im Inneren befinden sich auch übergroße Repliken der Salierkronen

Der Dom war einfach nur beeindruckend, und so war es wirklich schade, dass wir nur noch so wenig Zeit hatten. Ich würde wirklich nochmal gerne wiederkommen und ihn mir mit mehr Muße ansehen.
Wir nahmen uns aber noch die Zeit und gingen von außen einmal um den Dom herum. Von den anderen Seiten fand ich ihn noch beeindruckender als vom Portal her - nun konnte man die Dimensionen noch einmal ganz anders einschätzen!

Mit dem Shuttle ging es dann zum Bahnhof zurück, und um 23.00 waren wir wieder in Köln. Der Ausflug nach Speyer war wegen der begrenzten Zeit ein wenig hektisch, aber er hat uns wirklich gut gefallen. Eine sehr schöne, kleine Stadt mit fantastischen Sehenswürdigkeiten, die trotzdem nicht zu "touristisch" wirkt und einfach sympathisch ist. Ein absolut lohnenswertes Ziel!

© Mirjam & Nico L., 2013
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 09.08.2008
Dauer: 1 Tag
Heimkehr: 09.08.2008
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Mirjam & Nico L. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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