Tunesien 2017: Wie Hitler mir half

Reisezeit: Dezember 2016 - Januar 2017  |  von Alfred Fuchs

Nachtrag

Die Mühlen der Justiz

März 2017:
Nachdem die Polizei meine Sachen aufgefunden hatte, ging es darum, sie zurückzubekommen. Man lud mich ein, sie doch selber abzuholen, aber das ist nun doch zu weit. Nach ein paar Wochen erfuhr die Botschaft von der Polizeistelle, dass man sie leider nicht nach Tunis schicken könne, das wäre nicht vorgesehen, die Sachen könnten verlorengehen etc.
Seltsam, dass nicht einmal die Polizei sichere Postwege hat.

Dann arrangierten wir eine Vollmacht für Wael, damit er sie übernehmen und zur Botschaft bringen kann. Das klappte auch und mit Kurierpost wurden sie nach Wien verfrachtet.
Kostenlos, Vergelt's Gott an die österreichischen Behörden und an Wael!

Zwar fehlte mir ein Rucksack mit privaten Briefen drin, aber die elektronischen Geräte waren komplettl und funktionierten.

Als ich die restlichen Fotos am Handy synchronisere, gibt es eine große Überraschung: Da sind Filme drauf, die ich gar nicht kenne, gar nicht gemacht habe.
Der gruselige Witz: Die Räuber haben sich während des Raubes versehentlich selber mit meinem geraubten iPhone gefilmt.
Da kann man wohl nur sagen: LOL!!
Nicht nur, dass sie sich von der Dashcam filmen lassen, sie doppeln auch noch selber nach.

Meine alten Eltern vermieten Zimmer. Wie der Zufall so spielt, ist einer der Mieter gebürtiger Tunesier. Er übersetzte mir die arabischen Selbstgespräche der beiden Gauner, als sie sich davonmachten, das erbeutete Geld zählten und die Aufteilung besprachen.
Nach Italien wollten sie sich aufmachen.

Mai 2017:
Die Polizei hat nach vier Monaten offenbar den ersten Täter festgenommen. Man lädt mich kurzfristig zu einer Verhandlung nach Feriana.
Geht natürlich nicht, und die Botschaft rät auch ab.

Über Wael erreicht mich noch die Anfrage der Eltern, ob ich bereit wäre, ein Papier zu unterschreiben, dass ich "verzeihe", damit die Gefängnisstrafe vielleicht kürzer ausfällt.
In der Tat habe ich meine Zweifel, dass tunesische Gefängnisse aus dummen Jugendlichen bessere Menschen machen.
Wenn da wirklich Reue ist, werde ich kein Unmensch sein.

Mit der tunesischen Botschaft in Wien habe ich auch einmal gesprochen, habe den Diplomaten diesen Reisebericht gezeigt. Der erste Eindruck war, dass man not amused ist. Dabei wollte ich nur konstruktive Tipps geben, wie die Sicherheit von Touristen zu erhöhen wäre.

Fortsetzung folgt, wenn sich noch etwas Interessantes ergibt.

© Alfred Fuchs, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit dem Wohnmobil in die Sahara. Dann ein Zwischenfall. Erst dadurch lerne ich das Land wirklich kennen.
Details:
Aufbruch: 29.12.2016
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 08.01.2017
Reiseziele: Tunesien
Der Autor
 
Alfred Fuchs berichtet seit 5 Jahren auf umdiewelt.