Big in Japan

Reisezeit: April 2017  |  von Markus Bähr

Day 3 - Shinjuku

Das fast perfekte Picknick

Boahhhhh, bin ich am Arsch. Warum müssen Städtereisen eigentlich immer so anstrengend sein. Theoretisch braucht man nach 10 Tagen Urlaub vom Urlaub. Auf jeden Fall war heute wieder ein richtig cooler Tag (was sich leider auch auf die Temperaturen beziehen lässt) mit ordentlich Programm und vielen Neuen - typisch japanischen- Eindrücken.
Vielleicht beginne ich mal mit genau diesen 5 unnütze Fakten über Tokio:
1.) Japaner haben den Längsten. Ansonsten lässt sich nicht erklären warum die Pissoirs in den Toiletten hier auf Knöchelhöhe sitzen. Entweder haben die Japaner Angst Ihr Wienerchen in die Schüssel zu tunken, oder man will sicher gehen, dass auch der kleinste Japaner nicht zu kurz kommt.
2.) Japaner stehen auf hässliche Autos. Nicht das ich Opel oder VW für das Maß aller Dinge halte, aber in Sachen Design schlägt selbst mein Opel Astra Stufenheck hier die meisten Autos um längen. Die Vans sind zumeist sehr schmal (aufgrund der oftmals engen Gassen) und haben praktisch keine Schnauze. Wie darin noch ein Motor Platz finden soll, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Ira findet sie natürlich "kawaii" (süüüsssss).
3.) Japaner sichern "Baustellen" zu 1000 %. Ernsthaft. Ich kann mir nicht vorstellen wie sich hier jemand verletzen, geschweige den jemand überfahren werden sollte. Egal ob ein Loch gebudelt wird, Bäume zurückgeschnitten werden oder die Fenster geputzt werden sollen: Mindestens ein zäher Japaner steht bei Wind und Regen stramm davor und winkt die Passanten freundlich grüßend mit seiner Kelle vorbei. Natürlich nicht ohne vorher noch mindestens 20 beleuchtete Markierungskegel in Position zu bringen. Bei einer Fußgängerpassage hatte ich heute sogar ganze 5 Aufpasser gezählt, ein paar hundert Meter weiter (dort wurde der Boden aufgerissen) standen ca. 15 Personen um das Loch. Safty first sag ich da

4.) Gefühlt hat jeder Japaner mindestens einen Anzug im Schrank hängen, eher aber 5-10. Ich habe wirklich noch in keinem Land so viele Männer mit Anzug gesehen wie hier in Tokio. Mindestens genauso wichtig ist wohl für jeden Japaner (egal ob männlich oder weiblich) das Handy. Da sitzt dann der Schlipsträger in der U-Bahn und ballert dem Terroristen die Grütze aus dem Schädel während der nächste süße Katzen dazu bringt bunten Bällen hinterher zu jagen. Daumen hoch.
5.) Japaner stehen auf Automaten. Wenn es hier etwas zu kaufen gibt, dann kann man es höchstwahrscheinlich auch irgendwo aus dem Automaten ziehen. Das geht vom Essen über Spielzeug bis hin zu Regenschirmen. In Tokio zu verdursten ist praktisch unmöglich, da gefühlt alle 15 Meter der nächste Getränkeautomat steht. Recht praktisch und dazu noch günstig!

So, zurück zu unserem heutigen Tag. Nach unserem Frühstück gegen 11 Uhr (ja, wir sind extra früh aufgestanden) gings mit der Metro zügig nach Shinjuku. Insgesamt mussten wir nur einmal umsteigen, was die Fahrt recht einfach machte. Wir wollten uns zuerst den Hanzono Jinja Shrine anschauen und danach im Shinjuku Gyoen National Garden Picknicken. In meiner Naivität dachte ich Dödel, dass die zwei süßen Teilchen aus unserem Cafebesuch von heute morgen dazu ausreichen würden. Natürlich nicht! Also suchten wir noch einen Supermarkt und wurden fast erschlagen von all den unterschiedlichen Produkten und Gerichten, die dort angeboten wurden. Ira packte fleißig Sachen ins Körbchen, bis ich sie daran erinnern musste, das wir keine türkische Großfamilie zu versorgen hatten, sondern nur uns beide. Mit 2 vollen Tüten beladen gings dann zum Shrine, der natürlich promt der Falsche war. Statt vor dem Hanazone-Jinja Shrine standen wir vor dem Kumano-Jinja Shrine. Wir waren auch nicht im Gyoen National Park, sondern im Shinjuku Chuo Park. Dies hatte allerdings den Vorteil, dass hier (weil deutlich weniger bekannt) auch viel weniger Personen waren. Der Tempel war sehr schön und ein japanisches Brautpaar in traditioneller Kleidung war gerade beim Hochzeitsshooting.

Kumano Jinja Shrine

Kumano Jinja Shrine

Auf die Zettel werden Wünsche der Gläubigen geschrieben, die dann in Erfüllung gehen sollen

Auf die Zettel werden Wünsche der Gläubigen geschrieben, die dann in Erfüllung gehen sollen

Keep Smilling

Keep Smilling

Torii-Tor - sie dienen als Grenze zwischen Profanbauten (z.B. Hochhaus) und Sakralem (z.B. Tempel)

Torii-Tor - sie dienen als Grenze zwischen Profanbauten (z.B. Hochhaus) und Sakralem (z.B. Tempel)

Beautiful Girl

Beautiful Girl

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Da Ira aber unbedingt in den Gyoen Park wollte, gingen wir zügig weiter. Der dortige Shrine (diesmal standen wir am richtigen) ist derzeit leider in Restauration, so das es ausser viel Baustellengrüsten und hunderten von Touristen nicht viel zu sehen gab. Wir gingen deshalb zügig weiter Richtung Park um dort endlich Iras lang ersehntes "Picknick unter Kirschblüten" zu veranstalten. Schönen Platz raussuchen - check, Picknickdecke auspacken - check, Essen und Getränke richten - check, merken das die Temperatur gefühlte 10 Grad gefallen ist und man sich den Arsch verfriert -check! Was hätte ich für einen scheiß Pulli gegeben, aber der Wetterbericht hatte ja teilweise Sonne bei 15-16 Grad versprochen. Am Arsch! Es war grau in grau, nach 20 Minuten waren wir beide komplett durchgefroren. Also Sachen packen und wo hin, wo es einem warm (ums Herz) wird.

Die Kirschblüte in voller Pracht

Die Kirschblüte in voller Pracht

... das Wetter war leider nicht ganz so gnädig

... das Wetter war leider nicht ganz so gnädig

Picknicken zur Kirschblüte, ein Volkssport

Picknicken zur Kirschblüte, ein Volkssport

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Ich habe keine Ahnung wozu diese Ballen sind, aber schön anzusehen waren sie allemal

Ich habe keine Ahnung wozu diese Ballen sind, aber schön anzusehen waren sie allemal

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Japanisches Teehaus

Japanisches Teehaus

Auch auf diese Plättchen werden Wünsche geschrieben, die in Erfüllung gehen sollen

Auch auf diese Plättchen werden Wünsche geschrieben, die in Erfüllung gehen sollen

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Ultragefährliche Baustelle die mit 5 Mann Sicherheitspersonal gesichert werden musste.

Ultragefährliche Baustelle die mit 5 Mann Sicherheitspersonal gesichert werden musste.

Und wo würde das besser gehen als im Mocha Cat Cafe. Wie der Name schon verspricht, dreht sich hier alles um Katzen. Das Konzept ist denkbar einfach. Dämliche Touristen müssen dafür zahlen, gelangweilten Katzen beim Schlafen zuzuschauen. Punkt! Funktioniert aber wie eine Gelddruckmaschine. Wer sich noch etwas zu trinken bestellt, bekommt noch lustige Katzenohren gratis. Die Katzen selbst machen den Eindruck, als wollten sie die ganze Zeit sagen: "Lass deine Drecksgriffel von mir, ich werde schon den ganzen Tag gestreichelt". 10 Minuten kosten stolze 200Yen und der Mindestaufenthalt beträgt 30 Minuten. Unter 600 Yen geht somit niemand aus dem Cafe - wenigstens warm wars uns dann wieder und Ira war glücklich.

Lass mich in Ruhe du Arsch

Lass mich in Ruhe du Arsch

There´ s somebody happy

There´ s somebody happy

Voll Süüüüüssssss

Voll Süüüüüssssss

Ira hatte Spass

Ira hatte Spass

Sleeping Time

Sleeping Time

Danach waren wir uns etwas uneinig wie es weiter gehen sollte, entschieden uns dann aber für das Tokyo Metropolitan Government Building - das über eine kostenlose Aussichtterrasse im 45 Stock verfügt . Als wir am Infoplan der Metro schon längere Zeit standen bemerkte dies offensichtlich ein älterer Herr und fragte uns wo wir den hin wollten. Auf unsere Antwort hin, musste er selbst einmal nachdenken und den Plan studieren. Da er dann nicht wusste wie er es uns am besten erklären sollte, lief er mit uns im Stechschritt durch die gesamte Metrostation und dann noch mehrere Hundert Meter durchs Shinjuku-Viertel, bis wir die Türme in der Ferne sehen konnten. Hammer! Ich bin mir nicht sicher, ob mir das in Deutschland auch passieren könnte! Die Freundlichkeit und Höflichkeit der Menschen hier, sind wirklich nur schwer zu toppen.
Das Governmentbuilding hatte dann glücklicherweise noch offen, und wir konnten den Blick bei einsetzender Dämmerung über ganz Tokio genießen. Mega! Wirklich toll die Aussicht dort, und vor allem for free!
Danach wollten wir beide eigentlich nur noch zurück ins Hotel, Ira´ s Füße hätten geheult, wenn sie gekonnt hätten.
Für morgen war eigentlich ein Tagesausflug nach Nikko geplant, aber jetzt soll es morgen wohl den ganzen Tag regnen (8 Grad), so dass Nikko erst einmal gestrichen ist. Wir haben uns daher für Harajuku entschieden - ein weiteres Shopingviertel mit jeder Menge durchgeknallter Cafes, 100Yen Shops, Szeneläden usw.

Tokio by Night

Tokio by Night

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© Markus Bähr, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Konitschiwa...oder so ähnlich. Morgen geht es los nach Japan, dem Wollte-ich-schon-immer-hin-Fernwehziel meiner Frau. Neben unserem Hauptziel Tokio wollen wir auch 3 Tage in Kyoto verbringen und 2 Tagesausflüge nach Nikko und Kamakura unternehmen. Wir freuen uns auf Sushi, Mangas, Tempel, Cosplay, Shopping, und und und...
Details:
Aufbruch: 07.04.2017
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 17.04.2017
Reiseziele: Japan
Der Autor
 
Markus Bähr berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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