Begegnungen mit Pandas, Hot Pot, Buddhas

Reisezeit: März / April 2019  |  von Annette Senn

Eine Reise in den Südwesten von China. Wenn ich erzählte, dass ich demnächst nach China reise, kam meistens die Frage: Wohin fliegst du? Nach Peking, Shanghai, Hongkong, Große Mauer?
Nein, nichts von alle dem. Mein Ziel ist Chengdu, die Hauptstadt der Provinz Sichuan. Von dort aus sind Ausflüge in die Umgebung und außerdem mehrtägige Abstecher in die Provinzen Guangxi und Yunnan geplant.
Chengdu? Kennt in der Regel keiner. Sichuan? Kommt da dieser Pfeffer her?

Sichuan: Chengdu und Ausflug nach Dujiangyan

Chengdu, Ankunft in der Heimat von süßen Pandas und scharfem Essen

Die Pandas empfangen mich bereits am Flughafen – in Form von Plüschtieren, Mützen, T-Shirts, Keksen und vielem mehr. Nach halbwegs überstandenem Jetlag tauche ich mit meiner Freundin Helen ein in das nächtliche Leben von Chengdu: in der Kuan und Zhai Alley – der breiten und schmalen Gasse - wird es mir fast schwindlig von den vielen Gerüchen aus den Garküchen entlang des Weges. Ich probiere allerlei Typisches, das laut Helen wohl auch für meinen Gaumen geeignet ist. In Sichuan isst man keine Hunde und Katzen, aber man liebt „spicy food“, also richtig scharfes Essen. Die Kleinigkeiten werden meist am Spieß gereicht und sind mit mehr oder weniger Chili gewürzt ist. Auf die Kaninchenköpfe, die von den Einheimischen als absolute Delikatesse empfohlen werden, verzichte dann aber doch. Gut gestärkt geht es weiter in die „Lan Kwai Fong“ am Ufer des Jinjiang Flusses, der Wasserader durch Chengdu. Im Wasser spiegelt sich die Jiuyanqiao Brücke, gegenüber liegt das Shangri-La Hotel. Hier reiht sich eine Musikbar an die andere, in denen Live-Musik gespielt wird – fast ausschließlich von chinesischen Musikern. Sie reicht von Folksongs über Pop bis zum Rock. Von mir vertrauter westlicher Musik unterscheidet sie sich nur durch die chinesischen Texte. Auch an einem Sonntagabend sind die Lokale belebt. Wie übrigens auch die zahlreichen Karaoke-Lokalitäten, die sich im ganzen Land vorfinden. Die Chinesen lieben Musik, und das besonders, wenn sie selbst mitsingen können. Die bekannte Sichuan-Oper erlebe ich nur in einer Kurzversion in einem der Lokale auf unserem Weg. Diese halbe Stunde aber genügt mir um zu erkennen, dass diese Oper nichts Dramatisches an sich hat, sondern eher unserem Kabarett gleicht – vorausgesetzt man versteht die Sprache.

Dem Chilli entkommt man nicht.

Dem Chilli entkommt man nicht.

Historie trifft auf MOderne.

Historie trifft auf MOderne.

Streetfood in Chengdus Altstadt

Streetfood in Chengdus Altstadt

Besuch bei den berühmtesten Einwohnern Chengdus

Tags darauf stehen dann die berühmtesten Einwohner Chengdus auf meinem Besuchsprogramm: die Giant Pandas in der „Panda Research Base of Giant Panda Breeding“. Die schwarz-weißen knuffigen Tiere sind größer als von mir erwartet. Sie ernähren sich ausschließlich von Bambus, was man in dem Tierpark anschaulich in jeder Ecke miterleben kann. Der Park ist weltweit die einzige Aufzuchtstation in einer großen Stadt für diese große Pandaart. Meine Begleiterinnen sind Sophie und Johanna, zwei 17jährige Teenager, die Deutsch lernen und daher auch einen deutschen Vornamen haben. In dieser bekanntesten Touristenattraktion Chengdus treffe ich an diesem Tag auf keine andere „Laowaí“ – so nennen die Chinesen alle Ausländer. Ich bin also dort während meines Besuchs eine seltenere Art als die vom Aussterben bedrohten Pandas. Dieses Privileg, nämlich die einzige „Laowaí“ weit und breit zu sein, wird mich während meiner gesamten Reise im Südwesten Chinas begleiten.

Pandas in allen möglichen Formen

Pandas in allen möglichen Formen

Die echten schlafen oder fressen Bambus.

Die echten schlafen oder fressen Bambus.

Johanna und Sophie

Johanna und Sophie

Dujiangyan - 1. Höhepunkt meiner Reise

Ein UNESCO-Weltkulturerbe (seit 2000) erwartet mich am nächsten Tag in Dujiangyan, etwa 60 km nordwestlich von Chengdu. Dieses Mal bin ich in Begleitung meiner Freundin Helen, Christina, 17 und Deutschschülerin und ihrer Mutter Ying. Die Bewässerungsanlage wurde um 250 v. Chr. von Li Bing angelegt und gilt als eine der ältesten Wasserregulierungsprojekte China. Die imposante Anlage schützt einerseits das Rote Becken vor Überflutungen, sorgt andererseits für die kontrollierte Bewässerung der Felder. Beides trägt seit fast 2000 Jahren zur wirtschaftlichen Blüte der Region rund um Chengdu bei..

Ein erster Tempel erwartet uns bereits beim Betreten der parkähnlichen Anlage

Ein erster Tempel erwartet uns bereits beim Betreten der parkähnlichen Anlage

Nach Überquerung der Anlan-Brücke, einer schaukligen Hängebrücke, treffen wir im weitläufigen Gelände auf Türme und weitere Tempel.
Der Weg steigt langsam an und beschert uns herrliche Ausblicke auf den Fluss und die naheliegenden Berge. Hier bekomme ich bereits eine Ahnung davon, dass etwa die Hälfte der Fläche von Sichuan von Bergen eingenommen wird, darunter auch 7000er, dort wo Sichuan an Tibet grenzt.

© Annette Senn, 2021
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 15.03.2019
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 01.04.2019
Reiseziele: China
Der Autor
 
Annette Senn berichtet seit 5 Monaten auf umdiewelt.
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