Ein Tag in Rottweil

Reisezeit: Oktober 2021  |  von Inge Waehlisch Soltau

Eine kleine Auszeit an einem sonnigen Tag.

Stadtrundgang

Schon lange wollten wir uns Rottweil mal näher anschauen, denn diese Stadt bietet einiges:
- die Stadtgeschichte geht bis in die Römerzeit zurück
- es gibt hier ein weitgehend intaktes mittelalterliches Stadtbild mit historischen
Gebäuden
- hier ist eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fastnacht
- weltweit bekannt ist die Stadt als Heimat der gleichnamigen Hunde
- in Rottweil gibt es die mit 232 m höchste Aussichtsplattform Deutschlands

Ein schönes Stadtbild

Ein schönes Stadtbild

Marktbrunnen

Marktbrunnen

Bereits im Jahr 74 n.Chr. liessen sich hier Soldaten des römischen Imperiums nieder, bauten Kastelle und eine Siedlung. Rottweil besass bereits zu dieser Zeit Stadtrecht.
Später kamen die Alemannen an den Neckar, Kaiser Karl III. besuchte den Ort im Jahr 887.
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts gründeten die Staufer das mittelalterliche Rottweil. Bis zum Dreissigjährigen Krieg war Rottweil freie Reichsstadt und Gerichtstandort. Es wurden eindrucksvolle Kirchen und prächtige Wohnhäuser gebaut.
Im heutigen Gewerbepark Neckartal kann man erfahren, dass Rottweil vom 16. bis 20. Jahrhundert eine bedeutende Pulverproduktion hatte.

Welch schöne Fassaden

Welch schöne Fassaden

Noch eine schöne Fassade

Noch eine schöne Fassade

Wir hatten uns wirklich einen wunderschönen Spätherbsttag ausgesucht, um endlich einmal die Stadt Rottweil zu erkunden. Und dann fanden wir auch noch direkt am Rande der Altstadt einen Parkplatz.
Wir liefen in die Hochbrückentorstrasse und kamen dann zur Kapellenkirche, deren Bau Anfang des 14. Jahrhunderts begann. Die ursprünglich gotische Kirche wurde im Jahr 1727 barockisiert. Die letzte Renovierung der Kirche fand zuletzt im Jahr 1983 statt.
Der 70 m hohe und mit spätgotischem Figurenschmuck versehene Turm ist ein Wahrzeichen von Rottweil. Besonders sehenswert ist das Relief über dem Hauptportal, welches Christus als Weltenrichter zeigt.
Der Turm wurde 1473 um zwei achteckige Obergeschosse mit je 8 hohen durchbrochenen Spitzbogenfenstern im spätgotischen Stil erweitert.

Kapellenkirche

Kapellenkirche

Vorbei am markanten Marktbrunnen - mit einem Schweizer Eidgenossen auf der Spitze - mit gotischen und Renaissance-Elementen kamen wir dann direkt zur Dominikaner- oder Predigerkirche.
Die Dominikanerkirche (Predigerkirche war ursprünglich eine Kirche der Dominikaner. Seit 1818 ist sie die evangelische Stadtpfarrkirche.
Nebenan befindet sich das Dominikanermuseum, wo man die römische Vergangenheit der Stadt mit spätmitelalterlichen Holzbildwerken anschauen kann.
Es gibt hier aber auch ein Gegenwartsmuseum.

Dominikanerkirche

Dominikanerkirche

Dominikaerkirche

Dominikaerkirche

In Rottweil befindet sich ein 246 m hoher Testturm für Aufzüge mit Deutschlands höchster Aussichtsplattform in 232 m Höhe.
Im Herbst 2017 wurde der 246 m hohe ThyssenKrupp Testturm für Schnellaufzüge eingeweiht. Das Innere des Turms beherbergt zwölf Aufzugsschächte für unterschiedliche Versuche u.a. mit Höchstgeschwindigkeitsaufzügen. Für die Tests steht eine maximale Fahrstrecke von 260 m zur Verfügung.
Der Turm besteht aus einer insgesamt 276 m hohen Stahlbetonröhre. Im Sockelbereich befindet sich ein kreisförmiger Eingangsbereich mit Besucher- und Kundenlobby.
Der Turm befindet sich ca. 15 km nördlich der historischen Altstadt und ist von überall her gut sichtbar. Die Konstruktion wurde mit verschiedenen Preisen bedacht.
Für eine Führung hätten wir uns anmelden müssen, war nicht möglich bei unserem Spontanbesuch. Aber wir werden das sicherlich irgendwann mal nachholen - hoffentlich bei ebenso gutem Wetter, um die Rundumsicht zu geniessen.

Testturm mit Aussichtsplattform in 232 m Höhe

Testturm mit Aussichtsplattform in 232 m Höhe

Die Lorenzkapelle wurde um 1580 in nachgotischer Form als Friedhofskapelle erbaut. Aber seit 1891 dient sie nur noch als Museum - vor allem für gotische Holzskulpturen. Diese Skulpturen sind mittlerweile im benachbarten Domikanermuseum zu sehen, und die Kapelle ist vor allem Ausstellungsraum für Rottweiler Steinmetzkunst.

Lorenzkapelle

Lorenzkapelle

Das Heiligkreuz-Münster ist eine katholische Pfarrkirche, die ursprünglich eine spötromanische Basilika war. Im 15./16. Jahrhundert erfolgten die Umbauten im gotischen Stil.
An der Stelle, wo sich heute das Heilig-Kreuz-Münster befindet, stand schon im Jahr 1122 eine romanische Kirche. Schon 100 Jahre später entstand die dreischiffige Heilig-Kreuz-Kirche im spätromanischen Stil. Erhalten seit dieser Zeit sind aber nur die unteren Geschosse des Turms mit seiner Rundbogenpforte und den romanischen Friesen sowie zwei frühgotische Bögen im Mittelschiff des Turms und das romanische Westportal. Im Jahr 1440 wurde der hochgotische Chor angefügt, der das Kirchenschiff überragt. Das Langhaus - eine spötgotische Stufenhalle mit Strebepfeilern wurde erst im 16. Jahrhundert vollendet.
Beim grossen Stadtbrand von 1696 wurde auch die Kirche stark beschädigt. Die letzte Renovierung war im Jahr 2017.
In einer Seitenkapelle befinden sich die Laternen der Rottweiler Zünfte, die an Christi Himmelfahrt und Fronleichnam in feierlichen Prozessionen durch die Strassen der Stadt getragen werden.

Heilig-Kreuz-Münster

Heilig-Kreuz-Münster

Heilig-Kreuz-Münster

Heilig-Kreuz-Münster

Das Schwarze Tor ist ein Bestandteil der staufischen Stadtbefestigung um 1230.
Auch der Hochturm aus Buckelquadern ist ein Wehrturm aus der Staufenzeit innerhalb dieser Stadtbefestigung.
Auf der linken Seite des Tors sieht man eines der originellsten Häuser von Rotweil "Hübscher Winkel".
.Der Begriff "Schwarzer Turm" lässt auf den früheren schwarzen Anstrich schliessen, der bei Sanierungen auch erneuert wurde und tauchte erstmal schon im Jahr 1566 auf. Um 1571 wurde der Turm um zwei Geschosse mit gotischen Stufenfenstern erhöht.
In der ersten Fensteretage des Tors wohnte der Türmer mit seiner Familie. Darüber auf der Ebene des zweiten Fenstergeschosses waren Gefängniszellen eingebaut.
Vor ca. 100 Jahren führte der gesamte Verkehr durch das Tor, und es wurde ein Durchgang für Fussgänger erschaffen.
Das Schwarze Tor ist an der Fasnet Ausgangspunkt des Rottweiler Narrensprungs.

Schwarzes Tor

Schwarzes Tor

Schwarzes Tor

Schwarzes Tor

Die Stadt Rottweil ist bekannt für ihre Fasnacht (Fasnet), die auf eine jahrhundertalte Geschichte zurückblicken kann. Sie zählt zu den prächtigsten Strassenfasnachten des schwäbisch-alemannischen Raums.
Der Anfang der Fasnacht datiert bereits aus dem 15. Jahrhundert mit Narrentanz und Narrenspiel. Die Fasnacht entwicklelte sich vor allem im 18. Jahrhundert zu einem glanzvollen Ereignis, das tausende von Zuschauern anzieht. Im 19. Jahrhundert verdrängte der Karneval das alte Narrentreiben. Aber als im Jahr 1903 die Narrenzunft erneut gegründet wurde, gab es wieder das traditionelle Rottweiler Fasnachtsbrauchtum .
Tausende Zuschauer erwarten am Fasnetmontag und Fasnetdienstag die grossen Umzüge der Narrensprünge - die Reiter mit der Reichsstadtstandarte und die Stadtkapelle in historischer Tracht.

Hauptstrasse

Hauptstrasse

Und noch eine schöne Fassade

Und noch eine schöne Fassade

Bei den Restaurants hat man in Rottweil "die Qual der Wahl". Wir suchten für unseren Lunch die bekannte Weinstube Grimm auf, wo wir glücklicherweise - ohne Voranmeldung - noch einen Tisch bekamen.
Hier holte uns auch die Wirklichkeit etwas ein. Man hatte beim Stadtrundgang mit den vielen interessanten Sehenswürdigkeiten fast die Covid Situation vergessen.
Aber im Restaurant wurde dann sehr genau auf die Einhaltung der 3G Regeln geachtet.
Rottweil hat auf jeden Fall "Appetit" auf mehr gemacht, vielleicht einmal zur Fasnet, wenn die Pandemie endlich überstanden ist.

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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 22.10.2021
Dauer: 1 Tag
Heimkehr: 22.10.2021
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Inge Waehlisch Soltau berichtet seit 3 Jahren auf umdiewelt.