Colca Canyon und Kondore

Reisezeit: August 2006 - Juli 2007  |  von Markus Steininger

Peru: 3 Tage im Colca Canyon

11.-13.9.06
Der Colca Canyon liegt etwa 150 km noerdlich von Arequipa. Wir hatten lange ueberlegt, wie wir den Ausflug gestalten sollten. Letztlich entschieden wir uns fuer eine kombinierte Besichtigungs-Trekkingtour. Das war, wie sich herausstellte, leider ein Fehler. Doch davon spaeter mehr.

Morgens wurden wir von einem Kleinbus bei unserer Hostal abgeholt. Danach gings raus aus der Stadt und staendig bergauf. Nach etwa einer Stunde war die Hochebene erreicht. Hier befindet sich ein Nationalpark fuer Vicuñas und andere Tiere. Der Stop fiel sehr kurz aus und wir durften uns vom Wagen kaum entfernen.

Was, du auch hier ?!

Was, du auch hier ?!

Das naechste Mal wurde die Fahrt zum Cocateetrinken unterbrochen, denn anschliessend gings bis auf 4910 m hinauf. Angeblich hilft der Genuss von Mate de Coca die grosse Seehoehe besser zu verkraften. Am Patapampapass hatten wir einen kurzen Stop. Die Aussicht auf die umliegenden mehr als 6000 m hohen schneebedeckten Vulkane war toll.

Am Patapampapass bliess uns der kalte Wind um die Ohren.

Am Patapampapass bliess uns der kalte Wind um die Ohren.

Im Anschluss fuhren wir mit einem kurzen Halt hinunter nach Chivay, dem Hauptort des Colca Tales. Dieses ist von den Terrassen der Inka-, aber auch der Praeinkazeit gepraegt.

Die Voelker der Praeinkzeit hatten grosse Terrassen nahe am Rio Colca angelegt.

Die Voelker der Praeinkzeit hatten grosse Terrassen nahe am Rio Colca angelegt.

Die Inkas legten die Terrassen weit hinauf an die Haenge, um das unterschiedliche Mikroklima fuer verschiedenste Feldfruechte nutzen zu koennen.

Die Inkas legten die Terrassen weit hinauf an die Haenge, um das unterschiedliche Mikroklima fuer verschiedenste Feldfruechte nutzen zu koennen.

Den Nachmittag verbrachten wir mit einem individuellen Spaziergang ueber den oertlichen Markt.

Am Markt von Chivay tragen die Frauen die typischen Huete ihres Stammes.

Am Markt von Chivay tragen die Frauen die typischen Huete ihres Stammes.

Anschliessend brachte uns der Tourbus zu den heissen Quellen von La Calera. Das Wasser hatte 37 Grad, was uns zunaechst extrem heiss vorkam. Das lag natuerlich daran, dass am Abend die Aussentemperatur auf 3650 m nur bei etwa 12 Grad lag. Jedenfalls tat die Stunde im warmen Thermalwasser meinem zuletzt schmerzenden Ruecken sehr gut.

Am naechsten Morgen ging es um 6:00 los. Zunaechst ein Stop vor einer Dorfkirche, dann weiter ca. 2 Stunden ueber eine Schotterpiste zum "Cruz del Condor". Da wir erst nach 8:30 hier ankamen, war der Touristenrummel schon voll im Gange. Ueberall wollten Frauen in traditionellen Kleidern ihre Souverniers an den Tourist bringen.

Am Cruz del Condor wird von Bettdecken bis Ansichtskarten alles verkauft.

Am Cruz del Condor wird von Bettdecken bis Ansichtskarten alles verkauft.

Die Kondore dagegen liessen sich bitten! Gerade mal 3 Exemplare zeigten sich in grosser Entfernung.

Da wir eine kombinierte Tour gebucht hatten, wartete unser Trekkingguide, der 18-jaehrige Ivan, bereits auf uns. Wir sollten mit dem oeffentlichen Bus um 9:00 nach Cabanaconde weiter fahren. Bloss der kam nicht! Um 11:00 nahm uns dann ein Pickup auf der Ladeflaeche mit.

Von Cabanaconde fuehrte der Weg 1100 Hoehenmeter hinab in den Canyon. Nach 2,5 Stunden war die Haengebruecke ueber den Rio Colca erreicht, nach weiteren 30 min. San Juan de Chuccho. Dort gabs frische Forellen aus dem Fluss als verspaetetes Mittagessen. Nachdem wir uns im weichen Gras in der Sonne ausgeruht hatten, folgte der zweite Teil des Marsches.

Die Waende des Canyons fallen teilweise in Form senkrechter Basaltsaeulen viele hundert Meter hinab. Von unten konnten wir uns gar nicht vorstellen, dass es auf einem Weg moeglich war die Sohle des Cayons zu erreichen! Hier unten bot sich ein ganz anderes Bild. Das Wasser wird ueber Kanaele geschickt auf die Felder des fruchtbaren Talbodens verteilt. Alles ist wunderbar gruen. Es wachsen verschiedene Gemuese- und Kartoffelsorten. Einige Hundert Menschen leben in insgesamt 5 Doerfen ohne Strom und Kommunikation.

Der schmale Talboden kann dank Bewaesserung landwirtschaftlich intensiv genutzt werden.

Der schmale Talboden kann dank Bewaesserung landwirtschaftlich intensiv genutzt werden.

Wir hatten uns entschieden die kuerzere Route entlang des Flusses nach Sangalle zu nehmen. Bloss hatte unsere Fuehrer Probleme den richtigen Weg zu finden! Nach mehren Umwegen und unter Zuhilfenahme eines Bauern gelang es uns doch einigermassen geschafft um 17:30 die Oase Sangalle zu erreichen. Da es bereits so spaet geworden war und es hier im Canyon um 18:00 finster ist, war nichts mehr mit Baden in den Pools!

Am Gleithang einer Biegung des Rio Colca liegt Sangalle.

Am Gleithang einer Biegung des Rio Colca liegt Sangalle.

Leider hatten sich in den vergangenen Stunden Verdaungsprobleme bei mir eingestellt, weshalb nur Marion die Spaghetti samt Salsa genoss. Ich beschraenkte mich auf blosse Nudeln um den folgenden Aufstieg gefahrlos in Angriff nehmen zu koennen. Trotzdem war das Abendessen bei Kerzenschein unter dem suedlichen Sternenhimmel richtig romantisch. Unsere Unterkunft bestand aus einer Schilfhuette mit einer Pritsche und 4 Decken. Da es auch hier keinen elektrischen Strom gab lagen wir um 19:45 flach!

Dies war auch gut so, denn um 2:45 laeutete der Wecker! Danach gings in 3 Stunden im Schein des Mondes von 2100 m hinauf nach Cabanaconde auf 3200 m. Zunaechst war uns beim Marschieren noch recht warm, doch mit zunehmender Hoehe wurden die Finger immer eisiger.

In Cabanaconde gabs schnell heissen Tee und frische Semmeln, dann ab in den hoffnungslos ueberfuellten Morgenbus zum Cruz del Condor. Mit diesem fuhren vor allem die Frauen, die am Mirador ihre Souveniers verkaufen wollten. Die letzten Fahrgaeste fanden nur noch am Dach des Busses Platz!

Diesmal waren wir wesentlich zeitiger am Aussichtspunkt und wurden durch die Anwesenheit mehrerer Kondore in unmittelbarer Naehe belohnt. Wie diese riesigen Voegel mit bis zu 3,20 m Spannweite die Aufwinde aus dem Canyon zum majestaetischen Segeln benutzen war hoechst faszinierend.

Scheinbar schwerelos gleiten die riesigen Voegel in den Aufwinden des Canyons.

Scheinbar schwerelos gleiten die riesigen Voegel in den Aufwinden des Canyons.

Einfach...

Einfach...

...zum...

...zum...

...Geniessen!

...Geniessen!

Um 9:20 wurden wir von einem neuen Tourguide uebernommen, mit dem es dann bis nach Arequipa zurueckging. Hier trafen wir um 16:30 todmuede ein. Der naechste Tag war von Jammern ueber den Muskelkater gepraegt!

Muede feierten wir auf der Terrasse vor unserem Zimmer unseren 10. Hochzeitstag.

Muede feierten wir auf der Terrasse vor unserem Zimmer unseren 10. Hochzeitstag.

Warum war diese kombinierte Tour nun ein Fehler? Der Informationsgehalt waehrend der Fahrt war eher gering, die Unterbrechungen viel zu kurz, noch dazu durften wir manchmal nicht mal aussteigen. Und wenn doch, konnten wir uns nur wenige Meter vom Wagen weg bewegen. Dazu blieben alle Tourbusse, und davon gabs mehr als reichlich, an den selben Aussichtspunkten stehen. Und schliesslich war der Preis mit 75 US-Dollar pP viel zu hoch. Aus heutiger Sicht wuerden wir mit dem oeffentlichen Bus nach Chivay fahren und dort in die Therme gehen. Nach der Uebernachtung mit dem Bus zum Cruz del Condor und 2 Stunden spaeter weiter nach Cabanaconde. Hier kann man sich in Ruhe einen geeigneten Fuehrer organisieren oder Erkundigungen einholen, wie die Trekkingtour auf eigene Faust zu machen ist. Danach gehts mit dem oeffentlichen Bus wieder zurueck nach Arequipa oder gleich weiter nach Cusco. Das Ganze wuerde zwar etwas weniger Komfort und etwas laengere Fahrzeiten bedeuten, aber auch ungleich billiger sein!!!

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Der Autor
 
Markus Steininger berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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