Ägypten-Reisebericht :Mit dem Motorrad nach Ägypten - über Zypern, Israel und Jordanien

Ägypten: Die Wüste - Al Kharga, Farafra und Baharia

Von da an geht es ganz allein durch die Wüste nach El Kharga (ohne Wasserreserve! argh!). Diese erste Etappe ist ziemlich wüstenartig, stinklangweilig und abwechslungsarm, im Gegensatz zum Rest der Wüstenstrecke.
In El Kharga lerne ich (während Mio schon schläft) noch die örtliche Motorrad-Rockerband kennen. Die Jungs sind echt hart: zu dritt fahren wir auf einem uralten klapprigen Motorrad nach Downtown El Kharga auf 'ne Cola und'n Kuchen. Die armen Jugendlichen hier haben es auch nicht leicht, so ganz ohne Bier und so.

Auf dem Minarett in El Dakhla-Quasr.

Auf dem Minarett in El Dakhla-Quasr.

Die nächste Oase ist Dakhla, wo wir für zwei Nächte absteigen. Im Hintergrund der Oase, sozusagen am Horizont, erheben sich die Steilwände eines Hochplateaus, die teilweise von Sanddünen verdeckt werden. Das ist natürlich die ideale Voraussetzung für eine kleine Wüstenbergtour. Es ist in der Tat unglaublich anstrengend, mehrere Hundert Höhenmeter nur auf feinstem Sand zu überwinden. Um einen Meter vorwärts zu kommen, muss man 2 Meter laufen. Steckt man den Finger einen Zentimeter in den Sand und zieht ihn wieder raus, so kommt der Berg bis 3 Meter über dem Loch in Bewegung und alles beginnt zu fließen. Wahnsinn. Der Hochweg dauert auf diese Weise auch ungefähr 2 Stunden, während der Runterweg nur eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, und zwar rennend, rutschend, rollend, kugelnd, Purzelbaumschlagend. Ausgesprochen lustig.

Mio gegen die Sonne, auf unserer kleinen Dünenwanderung.

Mio gegen die Sonne, auf unserer kleinen Dünenwanderung.

Ortsschild in der Oase Farafra:
Welcome At The Land Of Hope And The Future Farafra City.

Ortsschild in der Oase Farafra:
Welcome At The Land Of Hope And The Future Farafra City.

Mio bei der Dattelernte.

Mio bei der Dattelernte.

Dann ist da noch die Nacht, die wir bei Vollmond in der "Weißen Wüste" verbringen, in vollkommener Einsamkeit, ungefähr 10 Kilometer von der Straße entfernt (mit viiiieeeel Wasser natürlich). Bei VOLLMOND ist es in der WEISSEN Wüste recht hell, also eigentlich so wie am Tag. Schauts Euch einfach mal an, lohnt sich!

Die "Weiße Wüste"

Die "Weiße Wüste"

Die Rückfahrt zur Straße ist auch recht interessant: wir stürzen immer mal wieder, sind ewig unterwegs und finden die Straße nach Baharia nur mit Glück:
die Fahrerei mit Gepäck und 2 Bar Reifendruck über Sand gehört mitunter zu den Dingen, die eine von den großen silbernen Motorradboxen (die vom Mio, nicht von mir) in die Knie zwingen können. In einer riesigen Staubwolke verschwindet er aus meiner Sicht und verstaucht sich zu allem Übel auch noch den Kickstarter-Knöchel (zusätzlich zu seiner Box, die in Fetzen runterhängt). Aber meinen Boxen geht's schließlich auch nicht allzu gut... (s. Sturz nach Edfu). Trotz allem bin ich der stolze Gewinner der Wüstensturzstatistik: schneller, höher, weiter und vor allem öfter. Wobei, schneller gestürzt ist eigentlich der Mio. Originalzitat:"Ich hab's jetzt raus, wenn Du schneller fährst, so um die 80, geht's ganz easy".

Mitten in der weißen Wüste - zwischen Farafra und Baharia.

Mitten in der weißen Wüste - zwischen Farafra und Baharia.

Die Straße wieder zu finden, ist eine ziemliche Herausforderung, denn sie kommt in dieser Gegend von Südosten, macht eine lange Kurve und verschwindet nach Nordosten. Wir haben sie an ihrer westlichsten Stelle verlassen. Würden wir also auf dem 10 km langen Rückweg um ein paar Grad in die falsche Richtung fahren, dann basta. Und Spuren-Verfolgen ist aus vielerlei Gründen auch nicht so recht möglich. Mio besteigt einen Berg, um die Straße zu suchen, die man aber auch von dort nicht sehen kann, sie ist immer noch recht weit weg. Aber just in diesem Moment kommt ein Auto auf der Straße vorbei, was hier höchstens alle 2 Stunden passiert, und so finden wir wieder zurück in die "Zivilisation". Der ganze Weg zurück hat aber auch 3 oder 4 Stunden gedauert.

Wieder auf der Straße und zwar lebendig! Weiter geht's nach Baharia.

Wieder auf der Straße und zwar lebendig! Weiter geht's nach Baharia.

Zum Frühstück gibt es Nudeln direkt auf der Straße unterm Sonnendach.

Zum Frühstück gibt es Nudeln direkt auf der Straße unterm Sonnendach.

Tanken in der Wüste.

Tanken in der Wüste.

Die letzte Nacht vor El Quahira (Kairo) verbringen wir in der Oase Baharia und nach 1400 Km (die Strecke Hamburg-Venedig mit nur 4-maligem Auftreten menschlicher "Zivilisation") erreichen wir die Stadt, die im Volksmund "Misr" heißt und damit auch dem Land seinen Namen gibt, denn Ägypten heißt auf Arabisch "Misr". Unser erster Halt ist dank Mio die östliche Niederlassung von "Kentucky Fried Chicken". Toll. McDonalds in Amman, McDonalds in Luxor und jetzt das. Mir! Der ich mich immer so gesund ernähre mit Falaffel und Pfefferminztee!

© Martin Gädeke, Mio Beck, 2002
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Herbst 2000: Noch schnell den Motorrad-Führerschein gemacht und dann auf ins Land der Pyramiden! 10 Wochen Sonne, Sand und Abenteuer.
Details:
Aufbruch: 01.09.2000
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 07.11.2000
Reiseziele: Zypern
Jordanien
Sinai
Katharinenkloster
Israel
Der Autor
 
Martin Gädeke berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Martin sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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