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  • Auroville, Stadt der Morgenröte

Auroville-Reisebericht :Auroville 1999/2000

Milleniumsfeier in Auroville, der Stadt der Zukunft

Auroville, Stadt der Morgenröte

gelegen in Südindien, in der Nähe des kleinen, französisch geprägten Ortes Pondicherry, 100 km von Madras und 5 km vom bengalischen Ozean entfernt, ein einmaliges Projekt auf dieser Welt. Ich will versuchen, den Sinn dieses Ortes zu erklären, in dem ich die beeindruckendste Sylvesterfeier meines Lebens erlebt habe.

Unterkunft in Auroville Unterkunft in Auroville

Wie hat es angefangen?

Der Impuls zu dieser Stadt kam in den 60er Jahren von einer Frau, der Französin Mirra Alfassa, genannt "Die Mutter". An der Seite des indischen Evolutionsphilosophen und Yogi Sri- Aurobindo leitete sie den Sri Aurobindo Ashram in Pondicherry, doch sie wollte mehr als diese Schülergemeinschaft. Sie wollte eine universelle Stadt bauen, in der Männer und Frauen aller Länder in Frieden und zunehmender Harmonie leben können, jenseits aller Glaubensbekenntnisse, politischer Richtungen und Nationalitäten. Auroville's Aufgabe sollte darin bestehen, menschliche Einheit zu verwirklichen. Am 28.02.1968. versammelten sich 15.000 Menschen aus 124 Ländern auf dem Auroville-Plateau. Sie alle deponierten Erde aus ihrer Heimat in dem neu errichteten Amphitheater in einem Gefäß, welches die globale Verbundenheit symbolisieren soll.

Auroville 1968 Auroville 1968
Das grüne Land mit Meer im Hintergrund Das grüne Land mit Meer im Hintergrund

Wie sieht Auroville heute aus?

Aus der vertrockneten Einöde wurde ein üppiges Biotop und die 2 Millionen gepflanzten Bäume wurden zum Symbol für organisches Wachstum.

Heute leben und arbeiten hier ca. 1400 Menschen aus rund 28 Ländern. Es gibt imposante Lehmbauten und solide Häuser, in denen einheimische Techniken, ökologischer Pragmatismus und blühende Phantasie eine gelungene Verbindung eingegangen sind. So manch Architekt lebt hier seine Phantasien aus, meistens mit dem Gedanken des gemeinsamen Geistes von Auroville. Viele Häuser sind vorbildlich mit Solartechnik, Biogasanlage und Brauchwassernutzungssystem ausgestattet. Mehrere Biofarmen und die privaten Gemüsegärten ackern auf das Ziel der Selbstversorgung zu. Etwa die Hälfte des Bedarfs an Obst, Gemüse und Getreide kommt inzwischen aus dem Eigenanbau.

Weg zum Meer Weg zum Meer
"Urwald" in Auroville "Urwald" in Auroville

Für die Gesundheit sorgt ein Zentrum, das ständig wächst und kostenlos allen zur Verfügung steht. Von klassischer Schulmedizin über Homöopathie bis zu Reiki, Massage und der traditionellen indischen Aryuveda-Medizin ist alles vertreten.

Um die Bildung kümmern sich Kindergärten und 3 Schulen. Die höheren Schulabschlüsse werden in Pondicherry im französischen Gymnasium absolviert, studiert wird oft im Ausland.

Center for further Learning / Kids and Teachers Center for further Learning / Kids and Teachers
Inderinnen bei der Arbeit Inderinnen bei der Arbeit
Berufsverkehr Berufsverkehr
Financial Service von Auroville Financial Service von Auroville
D e r     Baum am Matrimandir D e r Baum am Matrimandir

Wirtschaftliche Situation von Auroville:

Die Stadt ist von zusätzlichen Spenden abhängig und bekommt sie vor allem für die ökologischen Projekte und die Entwicklungshilfe. Öffentliche Geldgeber von Auroville sind u. a. UNESCO, EG, nationale und internationale Stiftungen, französische und andere Ministerien, Unternehmen, Institutionen und Verbände.
Die indische Regierung finanziert einen großen Teil der Wiederaufforstungskosten. Doch die Auroville-interne Landwirtschaft trägt sich selbst. Rundgerechnet kann etwa ein Drittel der Aurovillianer ganz von hiesiger Arbeit leben, ein weiteres Drittel lebt teils von Auroville, teils von Erspartem oder Dazuverdientem und das letzte Drittel braucht überhaupt kein Geld von Auroville und lebt aus Zinserträgen, Erbschaften, Renten u. ä. In den Betrieben herrscht weitgehende Finanzautononomie und nicht nur das Einkommen wird untereinander ausgehandelt, sondern auch, was an Auroville abgegeben wird. Angestrebt ist zwar, 30 % des Gewinns abzugeben, doch die Abgaben bleiben freiwillig. Aurovillianer zahlen einen geringen Beitrag monatlich in einen zentralen Fond, in den auch die Abgaben von Gästen , die Beiträge der Newcomer, die Abgaben der Produktionsstätten sowie zweckungebundene Spenden fließen. Aus diesem zentralen Fond werden außer der Infrastruktur und den Serviceleistungen wie Strom und Wasser auch die Unterhaltszahlungen bestritten. Zusätzlich gibt es eine Art Kindergeld und für individuelle Notfälle bleibt ein Sondertopf.

Kommunikationsmittel sind interne monatl. Zeitschriften, Telefone sowie - forciert durch die eigene Elektronikfirma Aurelec - viele Computer einschl. Internet sowie Fax-Geräte. Wichtigstes Medium aber sind die zahllosen Meetings und Arbeitsgruppentreffen.

Arbeitsplätze bietet Auroville sowohl im Rahmen der Entwicklungshilfe als auch in der ökologischen Forschung oder in der Bildungsarbeit.

Außerdem gibt es mittlerweile 60 Betriebe, vom Ein-Frau-Betrieb bis zum mittelständischen Unternehmen mit Hunderten von Mitarbeitern. Produziert wird Kunsthandwerk und Kleidung sowie Nützliches für Auroville und Indien: Bautechnik, Windmühlen, Ziegelpressen, Elektronik, Elektroteile, aber auch Räucherstäbchen, Lampenschirme, Holzspiele und Hängesitze.

Wohnhaus Wohnhaus
selbstgebautes Tretmobil selbstgebautes Tretmobil
Ohne Fahrrad geht gar nichts in der Hitze Ohne Fahrrad geht gar nichts in der Hitze

Geliebt und gelebt wird hauptsächlich in Zweierbeziehungen und das Modell der Kleinfamilie hat hier keineswegs ausgedient. Das Familienleben erweitert sich durch den Faktor Gemeinschaft, in der die Kinder überall ein- und ausgehen.

Den Mittelpunkt von Auroville bildet die Zone der Ruhe, des Friedens und der Meditation und da, wo sich sonst Rathaus und Kirche befinden, steht das Matrimandir - die Meditationskugel. Sie ist die Seele des Ganzen. Das Innere dieses Bauwerkes besteht aus einem beeindruckenden Hauptraum mit einer leuchtenden Kugel im Zentrum - ein Platz der Konzentration und Stille, in dem ich zu meinem eigenen Erstaunen seit langer Zeit mal wieder richtig zu mir selber gefunden habe. Da , wo Leute sonst durch Einkaufszentren hetzen, kann man hier durch die Gärten wandeln , im Amphitheater verweilen oder Ruhe und Konzentration üben. Um dieses Zentrum drehen sich die vier Zonen spiralförmig nach außen, die Wohnzone, die Arbeitszone, die Kulturzone und die internationale Zone.
Ich möchte unbedingt betonen, dass Auroville keineswegs eine Art New-Age-Zentrum ist. Angeboten werden allenfalls Yoga-Kurse, energetische Heilmethoden wie Reiki und Tanzgruppen. Die Stadt will kein therapeutisches Reiseziel werden. Oft bieten Gäste ein besonderes Seminar an und sind froh, aktiv etwas beitragen zu können. Das ist eine gute Form, Auroville für sich zu erobern. Allgemein gilt: In Auroville geht jeder seinen Weg individuell und trägt sein Päckchen allein.

Gast sein
Charakteristisch für den Gast in Auroville ist, hin- und hergeworfen zu sein zwischen Verzweiflung und Begeisterung. Verzweiflung über all das, was nicht klappt, über lähmende Hitze oder zermürbenden Dauerregen, Begeisterung, weil man gerade eine spontane Einladung von einem überaus netten Aurovillianer bekommen hat, weil alles so weit, großzügig und herrlich urspünglich ist, ohne Ampeln, Schilder und Regeln, Begeisterung über die wunderbare Natur mit all den Streifenhörnchen, Vögeln, Pferden und Ochsen, über lange Abende unter klarem Sternenhimmel. Begeisterung über den Strand und das Meer, das sich - wie Auroville - täglich von einer anderen Seite zeigt. Ich wohne in einem eigenen kleinen Guesthouse mitten zwischen Wald-, Wild- und Obstbäumen, umrundet von Wasser und während des gemeinsamen Frühstücks und Abendessens an einem langen Tisch unter Bananenbäumen neben dem Swimmingpool wird ausgelassen gelacht und gescherzt - man macht sich auch oft über Auroville lustig, denn glücklicherweise wird auch hier nicht alles so bierernst gesehen. Wenn man sich wie ich mit dem Moped auf den roten Sandstraßen fortbewegt, ständig von irgend jemanden, den man gerade kennengelernt hat, gegrüßt wird, sich mittags in der Solar-kitchen trifft, nicht urlaubstypische, sondern tiefe Gespräche führt, nette Menschen aus aller Welt trifft, dann bekommt man schon das Gefühl der Wärme und des Familienlebens, das sich hier so anders gestaltet. Diese Lebensform ist ohne heimatlichen Berufsstress, ohne den üblichen Konkurrenzkampf und das Gefühl des Geborgenseins macht sich immer mehr breit. Ich stelle fest, dass es noch etwas Anderes gibt als Weltreisen und das Abhaken von Sehenswürdigkeiten. Meine anfänglichen Bedenken, nämlich dass dies ein Ashram bzw. eine Sekte sein könnte, wurden zerstreut. Mir wurde klar, dass dies wirklich ein Ort jenseits aller Glaubensbekenntnisse ist und für mich "Die Mutter" sowie Sri Aurobindo lediglich eine Art Schutzheilige dieses Ortes sind.

Feierabend in Auroville Feierabend in Auroville

Die Milleniums-Feier habe ich in besonders liebevoller und warmer Erinnerung. Nach einem recht unterhaltsamen und lustigen Essen mit Freunden wurde dann die ganze Nacht unter sternenklarem Himmel gefetet und getanzt. Gegen 5.00 Uhr wurden wir im Amphitheater mit einer Blume begrüßt, um uns herum ein Meer von Kerzen und riesige, liebevoll arrangierte Blütengebilde auf dem Boden. Es wurde ein Lagerfeuer entfacht, viele Einwohner von Auroville, Gäste sowie ca. 600 indische Besucher aus der Umgebung waren mucksmäuschenstill, sehr schöne ruhige Musik untermalte die feierliche Stimmung und jeder gab sich seinen eigenen Gedanken zum Jahrtausendwechsel hin. So langsam kroch dann gegen 6.00 Uhr der Morgen hervor und es wurde hell. Die Sonne des nächsten Jahrtausends erschien langsam am Horizont. Ein einmaliges Erlebnis, das ich nie vergessen werde!

Was es ist

Es ist die Stille mitten im Trubel des Ganzen
es ist das Gefühl des Friedens
es ist der gemeinsame Geist
es ist die Suche nach Sinn
es ist Geborgenheit und Gelassenheit
es ist ein Ort der den Sinnen schmeichelt
es ist ein Ort des gedanklichen Austauschs
es ist ein Ort der uns der Erkenntnis ein Stück näherbringt
es ist ein Ort der Meditation und Versenkung
es ist ein Ort der Hoffnung gibt
A u r o v i l l e - eine Vision wird wahr
(Gedicht Annette Weirich)

Nähere Infos unter: http://www.auroville.org

eMail: info@auroville-international.org

Auroville International Deutschland (AVI)
Solmsstr. 6
10961 Berlin
Tel.: 030/42803150
Fax 030/92091376

http://www.auroville-international.org/germany/aktuell/index

eMail:info@auroville.de

Matrimandir von oben Matrimandir von oben
der Schelm schaut ihr aus den Augen der Schelm schaut ihr aus den Augen
glückliches Aurovillemädchen glückliches Aurovillemädchen
© Kamala H., 2005
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Die Reise

 
Details:
Aufbruch: Dezember 1999
Dauer: circa 5 Wochen
Heimkehr: Januar 2000
Reiseziele:
Auroville

Der Autor

 
Kamala H. berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Kamala sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors
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Kamala über sich:
Hi liebe Welterforschende!

Mein Lebensmotto lautet:

Es gibt nichts Schöneres, als ins Unbekannte aufzubrechen!

Bin eine humorvolle, bisschen ver-rückte, sehr gerne auch provozierende und durchgeknallte Frau. Ich liebe Musik, Musik, Musik und abenteuerliche, nachdenkliche und interessante Expeditionsreisen in die abgelegensten Ecken der Welt sowie mein "Hexenmobil". Ich reise gerne alleine oder auch mit anderen Weltliebhabern mit Rucksack durch die Gegend. Ich finde junge und jung gebliebene Menschen klasse, die ähnlich denken und reisen. Freu mich auf einen Gedankenaustausch mit euch!



Ständig werde ich gefragt: Hast Du keine Angst? - Bist Du nicht einsam? - Woher nimmst Du Deinen Mut? - Warum reist Du alleine? usw. usw.:

Mit diesem Bericht möchte ich nun andere Frauen, vielleicht auch nicht mehr so ganz jung an Jahren wie ich, ermutigen, diesen offensichtlich noch immer ungewöhnlichen Schritt zu unternehmen - und gleichzeitig Männern aufzeigen: Es geht auch mal ohne Euch!!

Die Welt des Reisens hat mich schon seit Jahren gepackt. Bereits vor 16 Jahren habe ich zusammen mit meinem damaligen Mann, ausgehend von Australien mit Frachtschiff, Neuseeland durchstreift. Doch meine wahre Liebe galt immer dem Urwald und dem Abenteuer. 1990 enschloss ich mich spontan, einen 6-wöchigen Trip nach Indonesien zu unternehmen und flog kurzerhand nach Singapur, ohne KKM: Kind, Kegel, Mann. Nach den ersten stark gewöhnungsbedürftigen Nächten an einer 8-spurigen Straße im "Why not homestay"-Guesthouse in einem ca. 20-Männlein-Weiblein-Schlafsaal und dem ersten "Schock" des Exotischen ging's weiter mit Flugzeug nach Sumatra, anschließend per Bus, Schiff, Zug, Motorrad, etc. nach Java, Bali, Lombok - und (für Kenner) Gili Travangan. Meine Erfahrungen mit Urwald, mit dem ich das erste Mal zus. mit meinen beiden indonesischen Führern für ein paar Tage Kontakt hatte, mit der einheimischen Bevölkerung und dem Alleinreisen waren durchweg positiv . Fast überall wurde ich bestaunt und immer wieder gefragt: Warum reist Du allein? Auf diese Frage muß frau situationsbedingt antworten: allein unter Frauen, was selten der Fall ist: die Wahrheit, allein unter Männern: Interesse am Land, schreibe ein Buch, Ehemann hütet zu Hause die beiden Kinder (Bilder immer in der Tasche) ! Resultat: Alle sind zufrieden und ich kann beruhigt meiner Wege gehen. Auf dieser Reise traf ich auch eine ganze Menge Traveller aus aller Welt, die ich dann im weiteren Verlauf manchmal wiedergetroffen habe. Ab und zu sind wir zusammen weitergereist, dann mal wieder alleine weiter, usw.

Nach diesen erfolgreichen Wochen bekam ich noch mehr Mut und plante meine nächste Reise nach Borneo unter dem Motto: Allein unter Kopfjägern! Ausgehend von Kuala Lumpur startete ich in Sabah, Kuta Kinabalu, dem malaysischen Teil von Borneo. Von dort ging es mit Bussen weiter in den Norden der Insel, anschließend auf dem Seewege in den indonesischen Teil Kalimantan. Die Reise führte mich weiter in den Süden. Es folgte ein kurzer Abstecher nach Sulawesi zum Tauchen. Auf dieser 2 1/2-tägigen Schiffsfahrt traf ich den einzigen Europäer unter ca. 300 Indonesiern, nämlich Erich, den deutschen Schiffssicherheitsingenieur, der sich freute, mir das einzige freie Plätzchen in seiner Kabine zur Übernachtung anbieten zu können und (ausschließlich!) glücklich war, endlich mal wieder Deutsch sprechen zu können, was er dann auch fast ununterbrochen tat. Sobald ich mich aus meiner Kabine herauswagte, sprach es sich auf dem Schiff wie ein Lauffeuer herum, daß "die Fremde" draußen wäre, und innerhalb von 5 Minuten war ich umringt von ca. 30 Leuten, die mich bestaunten. Dann weiter auf Borneo per Bus und Mini-Flugzeug (4 männl. Passagiere, 1 Pilot) wieder aus dem indonesischen Teil in den malaysischen Staat Sarawak. Meine beiden Trips auf einem der zahlreichen Wasserstraßen ins Landesinnere mit jeweils einem indonesischen Führer verliefen auch sehr positiv und abenteuerlich. Die Familie wurde mir vorgestellt, ich wurde zusammen mit allen fotografiert, hinterließ ein paar deutsche "Andenken" und alle waren glücklich. Von dieser Reise muß ich allerdings sagen, daß ich zu oft alleine nur mit den Einheimischen war und ich sehnte mich nach den meist sehr lustigen und netten Zusammentreffen mit anderen "back-packern". Wo ich auftauchte, erregte ich Aufsehen und wurde bestaunt, was einem nach einer Zeit doch sehr auf den Nerv gehen kann. Die fehlenden Englisch-Kenntnisse der Insulaner waren dann auch manchmal zeitraubend und anstrengend, worauf ich beschloss, vor der nächsten Reise die entspr. Sprache einigermaßen zu erlernen.

Meine weiteren Erfahrungen in Marokko waren manchmal sehr nervend, da die arabischen Männer doch recht aufdringlich sind, besonders wenn sie mitbekommen, daß frau Französisch spricht. Mir wurde auch einmal nach längeren Diskussionen mit einem marokkanischen Mathematiklehrer gesagt, daß er es nicht gutfände, wenn selbstbewußte, alleinreisende und dann noch in seinen Augen feministische Frauen "aufrührerisches Gedankentum" in sein Land brächten und er wolle sich nicht länger mit mir unterhalten. Anderseits war ein Hotelbesitzer total begeistert, wollte mich heiraten und hatte die Idee, daß ich marokkanische Frauen selbstbewußter in ihrer Eigenschaft als Frau unterstützen solle.

Die Gründe für meine alleinigen Unternehmen sind pragmatischer Art: Reisen ist meine absolute Leidenschaft. Ich habe nichts dagegen, mit einem Freund oder Freundin zusammen zu reisen. Dieses scheiterte meistens jedoch an der bei manchen noch vorh. Familie, Geld, Mut, Zeit oder auch mangels Masse an entspr. Leuten. Dadurch dachte ich: Wat mut, dat mut, reise alleine, wenn Du die Welt kennenlernen willst und warte nicht auf Mitreisende, denn dafür ist das Leben zu kurz und Leute trifft frau unterwegs meistens genug! Was den Mut anbelangt, so wächst er mit der Zeit immer mehr. Wenn frau selbstbewusst auftritt, weiß, was sie will, ebnet Mann ihr wirklich den Weg. Zum Thema Einsamkeit muß gesagt werden, daß man unterscheiden muß zwischen Alleinsein und Einsamsein. Voraussetzung für das Alleinsein auf Reisen sind psychologische Kenntnisse der eigenen Persönlichkeit, das Wissen, auch mit schwierigen Situationen allein fertigwerden zu können , wunderschöne Erlebnisse auch alleine genießen zu können sowie gutes Informationsmaterial für entspr. Rucksackreisen. Einsamkeit stellt sich manchmal an blau-grünem Wasser, einsamen Korallenstränden, wunderschönen rauchenden Vulkanen und bei phantastischen Erlebnissen ein, wenn dann gerade nicht der (die) entsprechende Freund/in da ist, um das mit einem zu teilen. Doch diese Momente vergehen meistens schnell, da ich weiß, daß zu Hause genügend Freunde da sind, die später intensiv an den Erlebnissen Interesse haben werden. Erwähnen möchte ich noch, daß ich mich seit jeher bemühe, einen sanften Tourismus zu praktizieren, d.h. mich in einer umweltverträglichen und sozialverantwortlichen Art und Weise in den jeweiligen Ländern zu verhalten.

Also auf, Frauen: Fehlen die entsprechenden Mitreisenden und Ihr habt Lust, die Welt zu entdecken, reist, reist!! Es ist ungefährlicher als Ihr denkt! Doch bemüht Euch auch, dieses in einer integrativen Form zu tun.



Kamala H.(1996)
Aus dem Gästebuch (3/30):
Ulrike 1405606886000
Hal­lo,­
ich bin auf der Suche nach dem Sinn meines Lebens. Wer lebt in Au­ro­vil­le und kann davon berich­ten. Habe so viel über diesen schönen Ort gelesen und würde gerne auf Dauer dort leben. Ist das möglich? Eine Wärme durchströmt mich wenn ich an diesen Ort denke. Wer kann mir hel­fen­?
Über mails auch an meine adresse würde ich mich sehr freu­en­.
Lie­be Grüße, Ulrike
nievergelt 1392314003000
hallo an al­le.­..nun­..bin seit wochen besch­äftigt und am recher­chier­en­..den ich plane eine ca. 2 mo­na­ti­ge aus­zeit. mit dem ziel verschi­e­dene wor­kshop zu machen. be­we­gung, tanz, (yoga) ich bin von au­ro­vil­le ziem­lich an­ge­tan. möchte aber um­be­dingt noch mehr in­for­ma­tio­nen dazu.
hätte mir jemand tipps ? auch evtl. eine guest­hou­se em­pfeh­lung ?
ger­ne via mail. liebe grüsse!!
Kaycee 1382930604000
Ich bin Mitte 50 und stecke mitten in einer Sin­nkri­se.­...
Jetzt habe ich von diesem schönen Ort er­fah­ren und bin ganz be­geis­ter­t.
Wer war (oder ist) aktuell dort und kann mir ein paar Infos geben über die der­zei­ti­ge Wohn- und Ar­beits­si­tua­tion vor Ort? Kann ich als "älte­re" Frau dort Fuß fassen? Wieviel Geld brauche ich und wie kann ich dort auf Dauer über die Runden kommen? Über ein paar In­si­der-­Tipps wäre ich sehr dan­kbar, gerne auch an meine Mai­lad­res­se!­
Lie­be Krüße, KC