Jordanien-Reisebericht :Mit dem Motorrad nach Ägypten - über Zypern, Israel und Jordanien

Jordanien - über Jerash und Amman bis Petra

Wer behauptet, die israelische Einreise wäre auch nur ansatzweise kompliziert, der war wohl noch nie auf Zypern. Um 6 Uhr morgens erreicht unsere Fähre Haifa. Wir müssen ein kurzes Interview hinter uns bringen mit Fragen nach unseren Jobs, den Finanzen und vor allem danach, ob uns Fremde Geschenke mitgegeben haben, Bomben zum Beispiel. Die ganze Zollprozedur dauert keine 30 Minuten. Keiner der Security-Menschen macht auch nur Anstalten, unser Gepäck zu öffnen, oder fragt, ob wir was zu verzollen haben. Und das Ganze auch noch völlig umsonst, ohne Gebühren. Wahrscheinlich ist ihnen die 6-Uhr-Ankunft unseres Schiffes doch zu hart.
Und dann die Leute in Israel, so unglaublich freundlich. Anscheinend sprechen hier 2/3 der Menschen deutsch. Kaum stehst du fünf Minuten irgendwo rum, schon kommt jemand her und spricht dich auf das deutsche Kennzeichen an. Oft sind es alte Leute, die Deutschland als Jugendliche rechtzeitig verlassen haben. Im Internetcafé bekommen wir eine Live-Darbietung eines älteren Israeli: "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad ...". Wir sind begeistert.
Das einzige Problem hier ist tatsächlich die Schrift. Man kommt sich vor, als wäre man Analphabet. Von wegen: "Jaja, die schildern alles in Englisch aus ...".

Israel steht erst später an, jetzt erstmal Jordanien von Nord nach Süd.
Dabei besuchen wir insbesondere Jerash, Amman und Petra.

Israel steht erst später an, jetzt erstmal Jordanien von Nord nach Süd.
Dabei besuchen wir insbesondere Jerash, Amman und Petra.

So viel zu unserem Fünf-Minuten-Israel-Aufenthalt. Den eigentlichen Israel-Besuch planen wir für das Ende unserer Reise. Jetzt geht's weiter nach Irbid, Jordanien.

Am Abend überqueren wir die Grenze nach Jordanien an der Sheik-Hussein-Bridge und "gehen" nebenbei auch über den Jordan. Die Israelis warnen uns noch, manchmal sei es nicht möglich, Motorräder nach Jordanien einzuführen. Je nach Laune halt. Wir hingegen haben überhaupt keine Probleme damit, obwohl die freundlichen Grenzbeamten unser gesamtes Gepäck aufs Genaueste durchsuchen. Ziemlich aus dem Häuschen sind sie, als sie unsere "Notration" finden, die ich noch in Deutschland in einem Anfall von Organisationswut gekauft habe. Ein quaderförmiges, in Aluminium eingeschweißtes Stück Keks, das verdächtig nach irgendwelchen Drogen aussieht. Jetzt ist es eben nicht mehr eingeschweißt. So viel dazu.
Und dann passieren wir mit Gloria-Halleluja den Schlagbaum, auf dem in großen roten Buchstaben, die wir nicht lesen können, steht: "Fremder, ab hier bist du Analphabet". Fein, just like Grundschule. Aber eigentlich genau wie in Israel.

Endlich Wüste!!! Östlich von Amman.

Endlich Wüste!!! Östlich von Amman.

Nach knapp 2 Stunden sind wir also wieder unterwegs und fahren in Irbid ein, einer etwas größeren Stadt im Norden Jordaniens. Und die ersten Kontakte mit der dortigen Bevölkerung sind einfach nur krass. Sobald man anhält, kommen sofort Schaulustige und vor allem Hilfsbereite, halten sich aber diskret auf Distanz, winken und rufen einem ein von breitem Grinsen begleitetes "Welcome" zu. Ein hageldicht zugesoffener Moslem (!) ist da die einzige Ausnahme: Er beginnt ganz gemäßigt mit Begrüßungsformeln, steigert sich zu Umarmungen, versucht, uns rechts und links auf die Backe zu küssen (obwohl wir Helme aufhaben!) und ist letztendlich nur mit Mühe davon abzubringen, sich hinten bei mir draufzusetzen, um uns den Weg zu zeigen.
Da die Menschen so kontaktfreudig sind, sollte es also eigentlich überhaupt kein Problem sein, den Weg zu finden, aber eben auch nur, wenn der Gefragte selbst den Weg kennt. Das "Resthouse at King Abdullah Square" ist offenbar doch eher unbekannt, und so befinden wir uns kurz danach auf einer anderen Seite der Stadt, allerdings ohne zu wissen, auf welcher, denn die Sonne hat sich bereits ziemlich hastig so gegen 19 Uhr verabschiedet. Unser erster Versuch, schwarz zu campen, schlägt fehl, weil wir um uns herum immer näher kommendes Hundegeheul und Gebell hören. Ziemlich schnell sitzen wir wieder auf unseren Enduros, und ich könnte schwören, dass das, was beim Losfahren plötzlich vor mir steht, kein Hund ist, sondern eher ein Wolf. Naja, es ist spät ...
Letztendlich sind wir auf die freundliche Hilfe einiger Polizisten angewiesen, vor deren Hauptquartier wir unser Zelt aufschlagen dürfen, und die uns die erste Arabisch-Lektion erteilen: "ja" und "nein" sagen, ohne zu sprechen, also das, was bei uns Nicken und Schütteln ist. Strange.

Im Laufe des nächsten Tages verbringen wir einige Stunden in Jerash und der anhängigen Römermetropole Gerasa, einer riesigen antiken Stadt mit Stadttoren, Theater, Tempeln, Kirchen, einem Petersplatz-Verschnitt, Brunnen und einer Prachtstraße. Alles bestens erhalten.

Im antiken Theater von Jerash.

Im antiken Theater von Jerash.

Beim Bummeln durch den Souk von Jerash erleben wir auch folgende als "Chickenstory" in die Annalen dieser Reise eingehende kleine, malerische Szene: Ein Verkäufer bittet uns in seinen Laden, eine kleine Hühnerfarm, einfach nur, um uns kennen zu lernen. Er verkauft Hühner, die pro Stück für ungefähr 4-5 Mark zu erwerben sind. Das geht dann folgendermaßen:
(Bitte lest besonders schnell, um dem Tempo der Handlung gerecht zu werden):

  • gewünschte Lebendhuhnmenge auf die Waage stapeln

  • Preis festlegen

  • Kopf nach hinten, Messer, zack

  • Hals abdrücken, um der Sauerei vorzubeugen

  • Huhn kopfüber in ein Loch im Auffangbecken stecken

  • leeres Huhn (Vorsicht, blutig) leicht ankochen

  • angekochtes leeres Huhn (Vorsicht, heiß) in eine große rotierende Trommel stecken, die innendrin mit rotierenden Bolzen ausgestattet ist

  • Schleudergang

  • angekochtes, leeres und vor allem nacktes Huhn ruckzuck kleinhäckseln

  • kassieren

  • fertig.

Wir also völlig geschockt auf zum nächsten Falaffel-Händler Jerashs, der uns vegetarisch verköstigt.

10 Sekunden später, geschält und entkernt.
Links im Bild die Hühner, die gerade noch ausbluten.

10 Sekunden später, geschält und entkernt.
Links im Bild die Hühner, die gerade noch ausbluten.

Der Blumenhändler von Jerash, der sich standhaft weigert, mir den Preis von Blumen mitten in der Wüste zu nennen.
Da hilft auch kein Feilschen nicht.

Der Blumenhändler von Jerash, der sich standhaft weigert, mir den Preis von Blumen mitten in der Wüste zu nennen.
Da hilft auch kein Feilschen nicht.

Am Abend fahren wir von Jerash aus weiter in Richtung Amman. Auf dem Weg dorthin bricht Mios Kickstarter unter dem Ansturm brachialer Gewalt. Von da an ist es an mir, Abschleppdienst zu spielen. Da das Motorrad nicht mehr zu starten ist, muss ich ihn jedesmal anschieben, um das Teil zum Laufen zu bringen. Bei 35 Grad und in voller Motorradmontur macht so was ja besonders viel Spaß.

Amman hat nur 1,5 Millionen Einwohner, ist aber trotzdem vollkommen undurchschaubar und verwirrend. Der Verkehr ist eher angenehm, lang nicht so schlimm wie erwartet und sogar harmloser als auf Zypern oder in Israel. Wie durch ein Wunder finden wir unseren geplanten Campingplatz auf dem Gelände der Theodor-Schneller-Schule, deren Gründer (eben Theodor Schneller) das orientalische Pendant zu Albert Schweitzer war. Wir sind die einzigen Gäste. Neben perfekter Aussicht über Amman haben wir auch eine eigene Küche zu unsere Verfügung (ja, wir kochen!).

Mios Hexenküche in Amman - Zaubern mit Mangos.

Mios Hexenküche in Amman - Zaubern mit Mangos.

Der Souk in Amman ist auf jeden Fall ein Pflichtbesuch, keine weiteren Touristen, nur lustige und freundliche Menschen. Dort füllen wir unsere Rucksäcke mit allerlei Leckereien und "Schnäppchen" und machen unsere ersten Feilsch-Erfahrungen.

Stelldichein mit den versammelten Obsthändlern Ammans.

Stelldichein mit den versammelten Obsthändlern Ammans.

In Amman gestaltet sich die Suche nach einem neuen Kickstarter recht schwierig, aber nicht für uns, sondern für die unglaublich engagierten Leute einer Werkstatt, die die Sache in die Hand nehmen. In Jordanien sind Mopeds (nach unseren Informationen) nur den Touristen und der Polizei erlaubt, und die fährt ausschließlich Honda. Demnach gibt es auch keine Händler, die uns in Sachen Yamaha-Kickstarter helfen können. Aber tatsächlich ist wohl irgendwann mal ein Jordanier so dumm gewesen, eine Yamaha-Werkstatt zu gründen, die natürlich nach kürzester Zeit pleite ging, und der hat in der Tat noch einen Kickstarter. Geil.

Recht lustig gestaltet sich der Tages-Ausflug von Amman aus zum Toten Meer an meinem Geburtstag. Der Abstieg zum "Meeresspiegel" auf minus 400 m erzeugt einen ganz gewaltigen Druck auf den Ohren. Vom Berg Nebu, von dem aus Moses (angeblich) das Gelobte Land sehen durfte, zieht sich die Straße stetig fallend ins Tal hinab, wo man dann auf dieses riesige Salzloch - das Tote Meer - stößt. Nichts lebt dort, noch nicht einmal irgendwelche Amöben. Das Wasser ist tödlich, man darf es nicht in den Mund nehmen, denn das brennt. Man darf es nicht in die Augen bekommen, denn das brennt noch schlimmer. Und vor allem, in allererster Linie sollte man den Kontakt mit eh schon gereizten Mückenstichen vermeiden ...

Im/auf dem Toten Meer...

Im/auf dem Toten Meer...

Ich habe es ja nicht geglaubt, aber das Tote Meer erlaubt es tatsächlich, in schwimmender Weise zu lesen.

Ich habe es ja nicht geglaubt, aber das Tote Meer erlaubt es tatsächlich, in schwimmender Weise zu lesen.

In dieser Gegend, praktisch direkt am Ufer des Toten Meeres, treffen wir auch zum ersten Mal Tina und Michael, die eine etwas längere Reise vor sich haben. Sehr sympathische Leute.

Mit Tina und Michael am Toten Meer.

Mit Tina und Michael am Toten Meer.

Zurück am Campingplatz in Amman stellen wir fest, dass auch hier ein weiterer Deutscher aufgetaucht ist: Rudi, ein totales Original aus Landshut, der mit seiner BMW nach Ägypten unterwegs ist. Er fährt die gesamte Strecke über Land, 3 Wochen hin, 3 Wochen zurück. Sie alle werden wir später auf der Reise wieder treffen.

Eine sehr seltsame Art zu pfeifen haben die Leute hier in Amman:
durch die so weit wie möglich vorgezogene Unterlippe die Luft einsaugen - strange.
Schick geknöpftes Hemd übrigens!

Eine sehr seltsame Art zu pfeifen haben die Leute hier in Amman:
durch die so weit wie möglich vorgezogene Unterlippe die Luft einsaugen - strange.
Schick geknöpftes Hemd übrigens!

Von Amman aus führt uns unser Weg über den "King's Highway", eine absolute Traumstraße, weiter nach Süden.
Wir unternehmen einen Abstecher nach Kerak, eine uralte Stadt mit riesiger, beeindruckender Kreuzritterburg ... blabla, IN DER DIE TOURISTEN NACH STRICH UND FADEN AUSGENOMMEN WERDEN. In den Läden gibt es fast nur offene (mit Leitungswasser gefüllte) Wasserflaschen, die Touris zahlen prinzipiell das x-fache der eigentlichen Preise und man hat sogar dann die höchste Not, den Verkäufer vom korrekten Preis zu überzeugen, wenn dieser Preis auf arabisch direkt unter der Cola steht.
Denn welcher Tourist kann dort schon die Zahlen lesen?


Tatsächlich sind im arabischen Raum die indischen Zahlen in Gebrauch, währen wir hier die arabischen Zahlen verwenden - die dann wiederum arabische Touristen in Deutschland nicht entziffern können. Verrückte Welt.

Siesta in einer Highway-Oase, wir müssen uns gegen die zum-Tee-Einladungen wehren, vor allem ich, denn ich brauche dringend ein bisschen Schlaf.

Siesta in einer Highway-Oase, wir müssen uns gegen die zum-Tee-Einladungen wehren, vor allem ich, denn ich brauche dringend ein bisschen Schlaf.

Von Tag zu Tag geht die Sonne früher unter: So weit im Süden wird es jedes Mal innerhalb weniger Minuten schlagartig dunkel. So erwischt es uns auch heute, noch bevor wir unser Tagesziel erreicht haben. Weil wir beide keine Lust mehr haben, weiterzufahren, entschließen wir uns, in der Wüste zu schlafen. Leichter gesagt als getan. Meine mangelnde Fahrerfahrung wird zu purer Ahnungslosigkeit, sobald die Räder meines Motorrads den Sand durchwühlen. 2 Bar Reifendruck und 350 kg Gewicht graben sich ruckzuck richtig schön tief in den Staub. Wenigstens muss ich den Seitenständer nicht benutzen, das Teil steht von selbst.

Kurz nach Sonnenaufgang quer durch den sandigsten Campingplatz der Welt.

Kurz nach Sonnenaufgang quer durch den sandigsten Campingplatz der Welt.

Mio hat weniger Probleme und findet ein paar Hundert Meter von der Straße entfernt den idealen Ort zum Campen. Währenddessen nehme ich das Gepäck runter und gemeinsam hebeln wir mein Motorrad aus dem Sumpf. Ohne Gepäck fahre ich zum Lager, das geht schon besser, man lernt schnell. Tja, nach dem Abendessen (beste Tomatensauce-Nudeln, mitten in der Wüste) entscheide ich mich, doch noch mein Gepäck zu holen. Man weiß ja nie, die Wüste lebt. Es ist eine ganze Menge zu tragen, zusammen laufen wir zurück zur Straße. FEHLER! Das Gepäck ist scheiße schwer, die Taschenlampen verdammt dunkel und der Mond vergnügt sich gerade auf der anderen Seite. Natürlich verlieren wir die Spur unserer Mopeds und erst nach ungefähr einer Stunde Herumirrens zwischen irgendwelchen Felsen, die davor nicht da gewesen waren, finden wir unser Zelt wieder. Das soll uns eine Lehre sein, bei der nächsten derartigen Aktion in der Weißen Wüste (Ägypten) werden wir uns eine Kerze als Wegweiser anzünden.
Trotz allem lohnt sich das Schlafen in der Wüste, es ist genial. Leise, Sterne, Schnuppen.

Maserungen im Stein der ausgehauenen Tempel in Petra.

Maserungen im Stein der ausgehauenen Tempel in Petra.

Ganz, ganz früh am nächsten Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, machen wir uns auf den Weg in die alte Nabatäer-Stadt Petra. Wer jemals "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" gesehen hat, kennt Petra: Der in den Felsen gehauene Tempel vom Schluss des Films steht dort. Natürlich gibt es in Petra nicht nur ein Gebäude dieser Art zu sehen, sondern unzählige. Wir befinden uns in einem Gebirge, das verdächtige Ähnlichkeit mit einem Schweizer Käse hat: Tiefe, unglaublich lange Schluchten durchziehen die Berge Petras und bilden ein undurchschaubares Labyrinth. Die Stadt hat angeblich eine Ausdehnung von 10 km. Dafür beträgt der Eintritt auch 60 Mark!!!
20 Dinar!!!
30 Dollar!!!
90 LE!!!
120 NIS!!!,
jedenfalls genug, um eine kleine Abenteuertour rund um Petra mit einzuplanen. Wie wir es trotz aller Warnungen aus irgendwelchen Reiseführern (ohoh, die schlimme Tourismuspolizei!!!) schafften, umsonst reinzukommen, sei hier verschwiegen, ganz leicht war es jedenfalls nicht. Die Belohnung für unsere Aktion ist, dass wir uns vorerst ganz allein und ungestört von anderen Touristen Petra ansehen können, denn die stehen ja alle noch am offiziellen Eingang am anderen Ende der Stadt.

Auf der Rückseite des größten Monuments Petras, der Königswand, finden wir eine endlose Treppe, die wir bei unglaublicher Mittagshitze ersteigen.

Auf der Rückseite des größten Monuments Petras, der Königswand, finden wir eine endlose Treppe, die wir bei unglaublicher Mittagshitze ersteigen.

Nach ich-weiß-nicht wie vielen Stufen erreichen wir den Gipfel des Berges, wo uns eine unglaubliche Aussicht über Petra erwartet.

Nach ich-weiß-nicht wie vielen Stufen erreichen wir den Gipfel des Berges, wo uns eine unglaubliche Aussicht über Petra erwartet.

Hier in der Mitte das leider nur schwer erkennbare antike Theater Petras.

Hier in der Mitte das leider nur schwer erkennbare antike Theater Petras.

Den Rückweg machen wir dann allerdings abseits der Treppe, was uns nach einiger ziemlich krasser Kletterei auf das Dach des größten Königsgrabs bringt. In der Tat haben wir keine Ahnung, wie wir wieder runterkommen sollen, irgendwie sieht die Sache nach einer Sackgasse aus. Da entdecken uns ein paar Beduinen und auch ein kleines Beduinenmädchen, dessen Job es ist, irgendwelchen Nepp an die Petra-Touris zu verscherbeln. Und das kleine Mädchen zeigt nach Norden und ruft mit heller, panischer Stimme "This way, go this way!", zeigt dann nach Süden und ruft weiter: "If you go this way, you will fall and die!". Und das wiederholt sie die ganze Zeit, bis wir endlich weitergehen. Ihre Mutter kommt uns spontan einfach mal entgegengeklettert und zwar mit ganz miesen Plastikslippern an ihren Füßen. Und da steht sie dann auf der einen Seite der Schlucht (zusammen mit Mio, der schon drübergesprungen ist, der psychopathische Draufgänger) und ich auf der anderen. Mir ist es leider zu hoch und zu weit und es stellt sich als ein ziemlicher Kletterakt heraus, da rüberzukommen. Danach endlich wieder auf festem, horzizontalem Boden, das war schon was. Trotzdem geiles Erlebnis.

Mio auf dem größten der Königsgräber Petras.

Mio auf dem größten der Königsgräber Petras.

Innenansicht eines der Monumente, beeindruckend die Maserung der Felsen, die man so überall in Petra finden kann.

Innenansicht eines der Monumente, beeindruckend die Maserung der Felsen, die man so überall in Petra finden kann.

Petra.

Petra.

Das Ende der langen Schlucht.
Kommt man hier raus, dann sieht man als allererstes folgendes Bild:

Das Ende der langen Schlucht.
Kommt man hier raus, dann sieht man als allererstes folgendes Bild:

Die Schatzkammer Petras, bekannt aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug

Die Schatzkammer Petras, bekannt aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug

Perfekte Sitzgelegenheit: eine 1000 Meter lange Wasserleitung im Felsen. Folgt man der Schlucht, so gelangt man nach Petra.

Perfekte Sitzgelegenheit: eine 1000 Meter lange Wasserleitung im Felsen. Folgt man der Schlucht, so gelangt man nach Petra.

Wir verlassen das 2000 Jahre alte Petra durch den Siq, eine Schlucht, die zwar einen Kilometer lang, aber nur ungefähr 3 Meter breit ist. Noch heute sieht man die Überreste der alten Wasserleitung, die als Rinne in die Wand der Schlucht geschlagen ist.
Petra ist jedenfalls eine geniale Stadt und mit Sicherheit einer der Höhepunkte der Reise.
Und die 60 Mark würde ich jetzt mit einem Lächeln verdoppeln.

Am Tag darauf steht eine Motorrad-Safari im Wadi Rum, einem Wüstental im Süden Jordaniens, auf dem Programm. Angeblich geht so was ja nur mit einem Jeep, jedenfalls nach Auskunft eines Beduinen, der auch gleich einen zu vermieten hat. Doch wenn man den Reifendruck ein kleines bisschen senkt, ist es in der Tat überhaupt kein Problem (mit etwas Übung), durch tiefen Wüstensand zu fahren. Ein bisschen heiß ist es zugegebenermaßen. Dummerweise haben wir den Reifendruck zu sehr gesenkt, so steht nach einigen wenigen Kilometern der erste platte Vorderreifen auf dem Programm ... Man lernt halt nie aus.

Sandschlacht im Wadi Rum.

Sandschlacht im Wadi Rum.

Noch am selben Abend müssen wir Jordanien verlassen, die Versicherungen für die Mopeds laufen aus. Lustig ist dann doch der Zollbeamte, der uns ganz freundlich erzählt, wir hätten die Versicherung um einen Tag überzogen (was definitiv nicht stimmt) und müssten jetzt zahlen. Toll. Wenigstens lässt er mit sich verhandeln. Nachdem Mio ihm diverse Datumsangaben auf Arabisch aufs Blatt gemalt hat, was ihn ziemlich beeindruckt, ist er damit einverstanden, nur die Hälfte der Kohle zu aktzeptieren, so um die 10 Mark.

So erreichen wir Elat, die südlichste Stadt Israels, wo wir ein paar Tage verbringen werden, weil da dermaßen geile Korallenriffs direkt am Strand sind, wo einem die buntesten Fische in Schwärmen um die Taucherbrille schwimmen.
Ein weiterer Grund für unser Bleiben ist Montezuma, der bei Mio zugeschlagen hat. Ich bin natürlich ausgesprochen gespannt, wann ich so weit bin...

© Martin Gädeke, Mio Beck, 2002
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Herbst 2000: Noch schnell den Motorrad-Führerschein gemacht und dann auf ins Land der Pyramiden! 10 Wochen Sonne, Sand und Abenteuer.
Details:
Aufbruch: 01.09.2000
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 07.11.2000
Reiseziele: Zypern
Jordanien
Sinai
Katharinenkloster
Israel
Der Autor
 
Martin Gädeke berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Martin sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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