Tibet-Reisebericht :Jambo, namaste und namskaar

10 Tage Tibet

Wir sind also zurueck.
Und zuerst einmal: Herzlichen Dank fuer all die tollen Gaestebucheintraege. Es freut uns sehr, dass wir einige treue Leser haben und einige davon auch noch so begeistert berichten. Das motiviert uns doch wieder, weiter zu schreiben. Also dann mal los....

Tibet war unglaublich schoen: Faszinierende Landschaften, hohe verschneite Berge, vereiste Fluesse, freundliche Menschen, beeindruckende Religion, die den Alltag der meisten Menschen praegt,...

Es gab auch einige negative Aspekte (mal abgesehen, dass eine Tour durch den Tibet wirklich viel Geld kostet): Es war immer wieder enorm kalt (vorallem die Naechte) und die angespannte Atmosphaere durch die politische Lage.

Das war mal Tibet in einer Schnellbleiche. Ich (Beat) werde nun versuchen, auf einige Aspekte noch naeher einzugehen. Ich muss dabei allerdings betonen, dass dies vorallem meine eigene Sichtweise und Gedanken sind, die bestimmt nicht die ganze Wirklichkeit spiegeln. Ich will hier auch nicht den Geschichts- und Religionslehrer spielen. Also seid mir nicht boese, falls etwas nicht stimmen sollte.
Fuer all die, die ich jetzt schon langweile: Ueberspringt dieses Kapitel einfach und schaut euch die Bilder der Unterkapitel an. Denn in diesem Kapitel werdet ihr keine finden - aber so oder so viel Spass beim Lesen und/oder Bilder anschauen!

Schon beim Ankommen am Flughafen fuehlten wir uns wie in einer anderen Welt also in Nepal: Ein glaenzender Boden, modernste Geraete beim Sicherheitscheck. Ausserhalb dem Gebaeude standen neuaussehende Autos, die meisten so richtig grosse PW's und Jeeps. So anders als in Nepal, keine kleine rostige Blechkisten, kein Gehupe auf den Strassen.

Im Moment sitze ich in einem Internetkaffee bei der Boudhanat in Kathmandu, und gleich hinter meinem Bildschirm laechelt mir ein grosses Portraet vom 14. Dalai Lama entgegen. Auch das ist ein grosser und fuer mich so unverstaendlicher Unterschied zum Tibet. Der 14. Dalai Lama ist in ganz China (und damit gehoert also auch Tibet dazu) ein absolutes Tabu. In keinem Kloster ist ein Bild von ihm zu sehen, es darf nicht von ihm gesprochen werden. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass dieser Mann einen Friedensnobelpreis gewonnen hat.
Auch Esther bekam diese Haltung am Flughafen zu spuerren. Nach dem ueblichen Durchleuchten des Gepaecks musste sie das Handgepaeck noch von einem Grenzwaechter durchsuchen lassen. Dieser schaute sich alle Hefte und Papiere an. Wir vermuten, dass er sie auf irgendwelche chinakritischen (wie zum Beispiel ein Bild vom 14. Dalai Lama) Berichte durchsuchte. Er fand aber nichts und so durften wir einreisen.

Das Tibet (nicht freiwillig) zu China gehoert, war immer wieder zu spueren. Vorallem in Lhasa: Beim bedeutesten Kloster, dem Jokhang, hatte es eine so hohe Polizei- und Militaerpraesenz, so viele Ueberwachungskameras, dass ich immer wieder ein mulmiges Gefuehl kriegte.
Als ich von unserer Hotelterrasse einige Bilder knipsen wollte, wurde ich von einem Posten auf dem gegenueberliegenden Dach weggeschickt. Wahrscheinlich hatte er das Gefuehl, dass ich irgendetwas fotografieren koennte, dass nicht andere Personen sehen sollten.
Um den Jokhang-Tempel pilgern viele Tibeter und andere glaeubige (tibetische) Buddhisten. Dies passiert immer im Uhrzeigersinn und alle Leute, auch die Touristen halten sich an diese Regel, alles andere empfinde ich als respektslos. Und dass dann ausgerechnet die Militaerpatroullien gegen den Uhrzeigersinn marschieren, kann ich schlicht und einfach nicht nachvollziehen.

Ein anderes Beispiel der chinesischen Macht und der Auswirkungen davon erlebten wir in Tsamda (am 8. Tag). Wir uebernachteten da in einem Hotel mit heisser Quelle und auch einige tibetische Familien machten gerade dort Ferien. Unser Guide erklaerte uns, dass die Tibeter der Meinung seien, dass es gut sei, nach dem Baden zu trinken und dies war deutlich sehen. Was diese Familien an Bier vertilgten, das errinnerte mich doch an Open Airs in der Schweiz. Die Stimmung war toll: Kinder badeten und spielten im heissen Wasser, Frauen und Maenner tranken, sangen und spielten eifrig um Geld. Die Atmosphaere im Speisesaal war grossartig und wir freuten uns auf einen ausgelassenen Abend mit direktem Kontakt zu Tibetern.
Tja, leider kam es nicht soweit, denn fuer diesen Abend war eine Gruppe Funktionaere angemeldet. Und als diese Essen wollten, mussten die meisten Tibeter (vorallem die Frauen) den Essraum verlassen. Die Stimmung im Essraum war dahin und nichts wurde es mit einem spannenden Abend.
Ich will damit nicht sagen, dass diese Herren unfreundlich waren, aber es zeigt halt doch deutlich die Stellung dieser Herren auf.
Beruhigend dabei war, dass sich die Frauen ihr Fest nicht nehmen liessen. Sie feierten einfach in ihren Zimmern weiter.

Eine weitere Tatsache ist, dass durch den Konflikt mit China und der damit verbundenen Kulturrevolution (1966 - 1976) ganz viele, vorallem religioese Bauten, zerstoert wurden. Viele davon wurden wieder aufgebaut, aber die Bedeutung derer ist wohl nicht mehr die selbe.
Nicht zu uebersehen ist auch, dass China viel Geld in die Infrastruktur vom Tibet investiert hat. Dies faellt auf durch die guten Strassen, durch die modernen Autos und durch die Eisenbahn. Davon profitiert auch der Tourismus: relativ gute Hotels, breites Angebot von Waren und bequemes vorwaertskommen auf den Strassen. Ob diese Infrastruktur wohl eher fuer den bequemeren Abbau von Rohstoffen (Uran, Gold, Kupfer, Zink, Eisenerz, Chrom, Salze) erstellt wurde, als fuer das Wohl der Tibeter? Ich habe meine Meinung darueber gebildet. Ich hoffe, dass wenigsten einige Tibeter davon profitieren.

Sehr beeindruckend war, vorallem wenn man die Umstaende bedenkt - oder ist das vielleicht gerade eine Art des Protestes der Tibeter gegen China?, wie die Religion zelebriert wird. Pilgern, beten, Niederwerfungen, Gebetsmuehlen antreiben, Kettenperlen in der Hand verschieben - dies alles sind allgegewaertige Handlungen, die zu entdecken und zu bestaunen sind.
Am eindruecklichsten erlebte ich die Bedeutung der Religion fuer die Tibeter beim Besuch des Sera-Klosters am zweiten Tag. Dort standen Glaeubige schaetzungsweise 2-3 Stunden an, um vor einer Goetterstatue mit Pferdekopf einen Knick zu machen und dafuer von einem Moench einen schwarzen Punkt zu kriegen. So konnte ich erahnen, wieviel diese Handlung den einzelnen bedeutet.

Erwaehnen moechte ich hier noch, dass es nach wie vor nicht erlaubt ist, als Individualtourist in den Tibet zu reisen. Man muss mit einem Guide unterwegs sein und dieser muss mit einer Reiseagentur verknuepft sein.
Wir waren mit unserem Guide (Lobsang war sein Name) und unserem Fahrer (Tsampa) sehr zufrieden. Sie waren sehr nett und zuvorkommend und gingen auf unsere Spezialwuensche ein. Es klappte alles hervorragend, was auch der Agentur "Green Hill" von Kathmandu, Thamel zu verdanken ist.
Unser Guide erleicherte uns aber auch die Verstaendigung mit den Leuten. Nur wenige Leute sprechen Englisch, auch in den Hotels war nicht immer eine englisch sprechende Person zu finden. So waren wir auch sehr froh um die einigen chinesischen Worte, die Peter sprechen konnte.
Sehr positiv erlebte ich, dass wir nicht eine komplettes Angebot gebucht haben. Nicht nur weil wir Geld sparten, sondern vorallem, weil wir so unsere Hotels selber waehlen konnten. Dies lies doch ein bisschen Freiheit in der Reiseplanung zu.
Wir waren also vom 8. bis 17. November 2008 im Tibet. Das ist schon reichlich spaet und dadurch teilweise auch schon unangenehm kalt. Nur am spaeteren Nachmittag (ca. 15-16Uhr) vermochte die Sonne so richtig aufzuwaermen. Wir waren also einmal mehr dankbar, dass wir genuegend warme Kleider und einen warmen Schlafsack mit dabei hatten. Das gute an der spaeten Reisezeit: Es hatte fast keine Touristen mehr unterwegs.

Abschliessend moechte ich einfach noch mal auf die wunderschoene Landschaft und die freundlichen Menschen verweisen. Wir haben unzaehlig viele Fotos gemacht, so schoene Panoramen gab es zu bestaunen. Auf den teilweise langen Fahrten im Jeep wurde es einem nie langweilig, da immer wieder praechtige Bilder an uns vorbeizogen. Bereichert wurde die tolle Landschaft durch Strassenkreuzende Schaf- und Ziegenherden, Yaks oder dem Verkehr auf den Strassen.
Mit Verkehr auf den Strassen meine ich Fuhrwerke, die von Maultieren oder kleinen Pferden gezogen werden oder kleine Traktoren mit Anhaengern. Sonst gab es eigentlich nur einige Jeeps (Touristen) und noch weniger Lastwagen zu sehen (ausgenommen Lhasa, wo es doch auch betraechtlich Verkehr hat).
Die Menschen haben meistens ein Laecheln fuer einen uebrig. Gruesst man sie mit "Tashi delek" (auf tibetisch hallo) wirken sie ganz entzueckt und erfreut.
Die 10 Tage waren wirklich ein Erlebnis und ermoeglichte uns einen kleinen Einblick in ein (manchmal wortwoertlich, wegen der Hoehe) atemberaubendes Land!

© Esther Wallimann Beat Zurfluh, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
6 Monate Tansania, Nepal und Indien: 2neugierige Menschen mit 2Rucksäcken, 3Reiseführern, 3gebuchten Flügen und einigen Tipps von Freunden im "Handgepäck" sind selber gespannt, was sie in den 6 Monaten alles erleben werden... Fliegende, staunende,lesende, wandernde, fahrende, überraschende Planung von Tag zu Tag:Jambo, namaste & namskaar!!!
Details:
Aufbruch: 01.08.2008
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 30.01.2009
Reiseziele: Tansania
Nepal
Tibet
Indien
Der Autor
 
Esther Wallimann Beat Zurfluh berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.