Unleashed in the East - SouthEastAsia-Tour 2007/2008

Reisezeit: November 2007 - Februar 2008  |  von Mark Guttenbrunner

Thailand, Part III: Meditation Retreat

6.2. Heute ist es soweit ... nachdem ich mich vor etwa einer Woche im Netz schlau gemacht habe bezueglich Meditation Retreats in Thailand, mit dem Ziel, eines zu finden, dass
1. zwischen 3 und 7 Tagen dauert (ideal 5.)
2. zwischen dem 5. und 8. Februar startet (ideal 6.) und
3. auf meiner Reiseroute liegt (ideal Chiang Mai)
4. und das nicht erwartet, dass ich mir den Kopf rasiere ...

bin ich auf Wat Phra Doi Suthep gestossen ... den Tempel hatte ich im Dezember schon besucht (siehe Chiang Mai Part II), und er war sicher einer der beeindruckendsten auf meiner Reise. Auf 1080 Metern thront der Tempel ueber Chiang Mai und ist auch der bedeutendste in dieser Region (der beruehmte Emerald Buddha, der in Chiang Rai gefunden wurde, wurde von einem weissen Elefanten nach Chiang Mai getragen und dann einige Zeit in Doi Suthep aufbewahrt, bis er dann doch nach Wat Phra Keow in Bangkok gebracht wurde ...)
Nach ein paar Emails wurde mir mitgeteilt, dass am 6. Februar ab 12:00 ein Raum fuer mich reserviert ist und ich bis 10. Februar bleiben kann ... ideal

Vormittags kaufe ich noch alle notwendigen Utensilien ein (weisses Gewand (wer hat sowas schon ???) und einen Countdonw-Timer um die Meditationssessions zu stoppen). Dann gehts mittels oeffentlicher Verkehrsmittel auf den Berg und dann mitsamt meines Gepaecks diie 309 Stufen zum Tempel hoch.

Diese Treppen geht es hoch ... mitsamt allen Besuchern, die nach einer Stunde wieder runter duerfen

Diese Treppen geht es hoch ... mitsamt allen Besuchern, die nach einer Stunde wieder runter duerfen

Nach dem Ausfuellen meiner Anmeldung mit einem sehr schweigsamen Moench werde ich in mein Zimmer fuer die naechsten 4 Naechte gefuehrt. Der Raum ist erstaunlich gross (wie ich spaeter lerne, um darin auch Walking Meditation durchfuehren zu koennen) und sehr spaerlich eingerichtet ... auf dem Fliesenboden gibt es lediglich eine Matte, die nicht der Rede wert ist, ein paar Decken und sowas wie einen Polster - das werden harte Naechte ...

OK ... mehr gibts in dem Raum nicht ...

OK ... mehr gibts in dem Raum nicht ...

Um 15:00 werden wir 2 Neuankoemmlinge kurz in die Meditationstechnik und die Regeln des Klosters eingefuehrt. In diesem Kloster wird die Vipassana Meditation (oder auch Insight Meditation) gelehrt. Normalerweise dauert ein Beginner-Course 21 Tage, wo am Ende die sogenannte "Determination" (3 Tage und 3 Naechte Dauermeditation ohne Schlaf) steht, bei der der Geist gereinigt werden soll. In 5 Tagen lerne ich gerade mal die Grundzuege und ein paar Techniken ... Das Prinzip der Insight Meditation ist es, sich auf den Augenblick zu konzentrieren und den Geist im Koerper zu halten (sich also auf das zu konzentrieren, was man gerade tut, anstatt an Ereignisse der Zukunft oder Vergangenheit zu denken). Die Regeln stehen in Einklang mit der unterrichteten Methode: Kein Reden mit anderen Kursteilnehmern ("Noble Silence"), um sich z.B. beim Essen auf den Vorgang des Essens zu konzentrieren ("Mindfulness und Awareness"), da es sich um ein buddhistisches Kloster handelt, natuerlich nichts toeten (auch keine Moskitos !!) und nichts tun, was einen vom Meditieren ablenken koennte (wie Musik hoeren oder Buecher lesen).

Um 17:00 bekommen wir noch eine Opening Ceremony, wo wir den Lehrer auf PALI (eine Art Latein Asiens) darum bitten, unterrichtet zu werden (oder unser Hab und Gut dem Kloster und unsere Seele Daemonen aus der Unterwelt versprechen ... wer weiss das schon so genau ...). Es befinden sich uebrigens waehrend der Zeit, die ich hier verbringe, 16 Meditatoren in dem Tempel, hauptsaechlich deutschsprachig (9. davon 5 Schweizer) und ein paar Amerikaner, ein Kanadier und 2 Hollaender ...

Der typische Tagesablauf meiner naechsten drei ganzen Tage hier ist untenstehendem Bild zu entnehmen ...

jawohl, so siehts aus

jawohl, so siehts aus

4:30 aufstehen (ich weiss, oben steht 5:00, aber da soll man schon geduscht und Zaehnegeputzt zu meditieren beginnen ...)

Meditation Room

Meditation Room

6:30 gibts dann Fruehstueck, vegetarisch und entweder Nudelsuppe oder Reis. Natuerlich in totaler Stille ... jeder sitzt an seinem eigenen Tisch und sieht in die Ferne

Fruehstueck noch vor dem Sonnenaufgang

Fruehstueck noch vor dem Sonnenaufgang

Nach dem Fruehstueck wird wieder meditiert bis um
8:00 Dhamma Talk: der Teacher teilt mit uns Geschichten und Erfahrungen rund um den Buddhismus und das Meditieren. Dauert eine Stunde, dann wird wieder meditiert bis um
11:00 Lunch: wieder vegetarisch, aber ausgezeichnet ... 3 verschiedene Gerichte, und die koennen Tofu und Pilze zubereiten, dass sie fast wie Fleisch schmecken ...
Nach dem Essen gibts wieder Meditation ...

ok, das Bild ist gestellt ... aber so seh ich wahrscheinlich auch aus, wenn ich WIRKLICH meditiere ...

ok, das Bild ist gestellt ... aber so seh ich wahrscheinlich auch aus, wenn ich WIRKLICH meditiere ...

15:00 Report: Beim Report gibts eine One-on-One Session mit dem Teacher, wo man die Fortschritte reported und individuelle Tips bzw. weiterfuehrende Techniken bekommt - und auch die Moeglichkeit hat, Fragen zu allen Dingen des Buddhismus, Lebens etc. zu stellen. war immer SEHR interessant ! Der Teacher (wir haben seinen wirklichen Namen nie erfahren) ist wirklich die Liebenswuerdigkeit in Person und ein sehr weiser Mann trotz seiner erst 42 Jahre ...
Um 18:00 dann das Abendprogramm: Im Tempel chanten die Moenche und da wir nix anderes ausser zu meditieren zu tun haben, treffen sich fast alle Meditatoren dann oben ... dabei wird auch die Noble Silence meist gebrochen - wenn man den ganzen Tag schweigt, muss man einfach irgendwann mit anderen Menschen reden

Links der Abt nach dem Anzuenden der Kerzen

Links der Abt nach dem Anzuenden der Kerzen

Bis 21.30 wird dann wieder meditiert und um 22:00 sollte man dann schlafen gehen (ich war meistens spaetestens um 21:00 im Bett - ich brauch meinen Schlaf, und mehr als 3 Stunden konnte ich nie durchgehend auf dem Fliesenboden schlafen ... andere waren so intelligent, eine Isomatte mitzunehmen ...)

Nach 4 Tagen des Meditierens heisst es am 10.2. dann wieder Abschied nehmen, nach der Closing Ceremony und dem Dhamma Talk packe ich um 9:00 meine Sachen und gebe noch eine Spende an den Wat (der Aufenthalt mit Essen und allem ist gratis, aber eine Spende am Ende wird doch erwartet, "damit fuer andere das gleiche finanziert werden kann") und mache mich auf zurueck in die Zivilisation nach Chiang Mai ...

Alles in allem eine tolle Erfahrung, ich wuenschte, ich haette laenger bleiben koennen, da man in 5 Tagen gerade mal eine Ahnung davon bekommt, was es heisst zu meditieren und "den Geist zu reinigen", und wann hat man schon die Moeglichkeit, ganze Tage lang nur Meditation zu ueben ? Naja, wer weiss, vielleicht komme ich ja wieder (wie der Teacher bei der Closing Ceremony gesagt hat: You are always welcome to come back")

Einer der Tempelhunde, die ich adoptiert hatte ... sie ist mir ueberall hin gefolgt, hier sind wir oben im Tempel ...

Einer der Tempelhunde, die ich adoptiert hatte ... sie ist mir ueberall hin gefolgt, hier sind wir oben im Tempel ...

Du bist hier : Startseite Asien Thailand Meditation Retreat
Die Reise
 
Worum geht's?:
am 24. November gehts los: für drei Monate wage ich mich mit dem Rucksack und ganz alleine auf die Reise quer durch diverse Länder Südostasiens - Thailand, Kambodscha, Laos, Malaysien, Singapur, Indonesien ...
Details:
Aufbruch: 24.11.2007
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 28.02.2008
Reiseziele: Thailand
Kambodscha
Laos
Der Autor
 
Mark Guttenbrunner berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors