Bolivien-Reisebericht :Von Pattaya nach Zittau

La Paz: Yungas Road, die gefährlichsten Straße der Welt?

Nachdem sich mein Magen wieder beruhigt hat, habe ich gestern einen Ausflug zum Muela del Diablo ( Zahn des Teufels) gemacht. Er liegt nur 10 km außerhalb der Stadt.

Seit einigen Tagen klappert irgendetwas am Motorrad, aber ich kann es nicht finden. Heute blieb die Maschine vor der Russischen Botschaft stehen. Die Hupe war abgebrochen, hatte sich verklemmt und die Isolation der Kabel war am Auspuff geschmolzen. So ist ein Kurzschluss entstanden und die Hauptsicherung ging kaputt. Intelligenter Weise hat der Hersteller eine Ersatzsicherung beigelegt, sonst hätte ich die Stelle überbrücken müssen.

Heute soll es nun auf die Yungas Road gehen.

Die Straße besteht eigentlich aus mehreren Routen. Zum Einem gibt es eine sehr gut ausgebaute Strecke, hier gelb eingezeichnet und es gibt die traditionelle Route, hier schwarz gekennzeichnet. Ich fahre zuerst die gelbe Straße und dann auf der Schwarzen zurück. Das hat einen einfachen Grund, auf der Death Road herrscht Linksverkehr und ich möchte beim Zusammentreffen mit Lastwagen nicht auf der Abgrundseite fahren müssen. Ich gestehe auch, dass ich etwas Bammel habe. Die Bilder im Netz haben mir schon Respekt eingeflößt und ich habe auch immer etwas mit Höhenangst zu kämpfen.

Vor allem wird dies ein Tag der Höhenunterschiede. Ich starte in La Paz bei 3600 m. Zunächst geht es an die höchste Stelle bei 4600 m. Danach fällt die Straße um 3500 m auf reichlich 1000 Höhenmeter. Die Temperaturen steigen enorm an, es wird wieder tropisch. Die Natur verändert sich. Eine karge Staubsteppe verwandelt sich in einen immergrünen Regenwald. Vom tiefsten Punkt steigt die Straße natürlich wieder auf 4600 m an und bis La Paz geht es wieder 1000 m runter.

Der höchste Punkt der Strecke

Der höchste Punkt der Strecke

Hier bin ich etwas überrascht. Während ich auf der höchsten Straße der Welt alleine war, scheint die gefährlichste Straße der Welt ein massentouristisches Highlight zu sein. Ich erkundige mich noch mal bei einen der Guides, wie das mit dem Linksverkehr ist und bekomme das bestätigt.

Na dann, Glück auf.

Na dann, Glück auf.

Es geht bergab, durch ein atemberaubendes Tal. Am Ende des Tages bin ich schätzungsweise an die 100 km ohne Motor gerollt.

Es geht bergab, durch ein atemberaubendes Tal. Am Ende des Tages bin ich schätzungsweise an die 100 km ohne Motor gerollt.

Die Straße über den Wolken.

Die Straße über den Wolken.

Es gibt immer wieder herrliche Ausblicke.

Es gibt immer wieder herrliche Ausblicke.

Ich fahre durch mehrere Tunnel.

Ich fahre durch mehrere Tunnel.

Nach dem Mittagessen geht es ans Eingemachte.

Nach dem Mittagessen geht es ans Eingemachte.

Zunächst ist aber nichts gefährliches zu befürchten. Die Straße ist breit und es gibt keine Abhänge. Also gebe ich meinem Affen etwas Zucker und lasse die Maschine laufen. Die Luft ist dicker und ich merke, wie der Motor wieder Power entwickelt. Nach einigen Kilometern komme ich an eine Schranke. Ein freundlicher Mann kassiert 25 Bol, na gut.

Mit dem Rasen ist es schnell vorbei, denn die anderen Touris mit ihren Mountainbikes nehmen die Gegenrichtung. Nur scheinen sie mit dem Begriff Linksverkehr nichts anfangen zu können und so muss ich höllisch aufpassen, um nicht einen von diesen Deppen aufzugabeln.

Zur Erklärung, die beiden Steine sind die Abgrundkannte, davor befindet sich eine Reifenspur und dahinter geht es einige hundert Meter steil bergab.

Meine ursprüngliche Aufregung hat sich doch deutlich gelegt. Ich finde einen vietnamesischen Highway für Motorradfahrer bedeutend gefährlicher, wie diese Straße. Allerdings möchte ich mit einem LKW hier nicht runter fahren und schon gar nicht bei Nässe. Manche Bilder sehen zwar recht spektakulär aus, aber es ist immer genügend Platz und an den meisten Abhängen befindet sich Vegetation.

Nach einer Stunde ist es geschafft.

Nach einer Stunde ist es geschafft.

Es wird wieder kalt und ich krame die dicken Sachen heraus. Dabei sehe ich, oh verdammt, mein Nummernschild ist weg. Was nun? Zuerst schau ich mir meine Fotos an, um herauszufinden in welchen Abschnitt es noch dran war. Aber die Bilder in der Kamera sind zu klein und ich kann nichts erkennen. Gut, es ist 15 Uhr, also noch drei Stunden hell und so beschließe ich zurück zu fahren. Wie groß ist die Chance das Ding wieder zu finden, Null? Ich frage Jeden, denn ich unterwegs treffe, aber keiner hat was gesehen. Ich fahre ohne Brille, um besser sehen zu können und prompt bekomme ich irgendein Insekt ins Auge, das wahrscheinlich auch gleich zu gestochen hat. Jedenfalls brennt es mörderisch und ich muss erst mal pausieren. Nach einer halben Stunde fahre ich mit einem zugeschwollenem Auge weiter.
Am Ende des Tages habe ich das Schild nicht gefunden. Komme ich ohne über die Grenze, wird das meine Reise beeinflussen, soll ich mir ein neues bauen oder alles ignorieren, ich weiß nicht? Schau ma mal.

© Bernd Feurich, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Insgesamt habe ich in den letzten 20 Jahren 5 bis 7 Jahre in Thailand gelebt und gearbeitet. Die letzten zwei Jahre war ich fast am Stück dort gewesen. Jetzt ist das Ende des Geldes abzusehen und ich reise in östliche Richtung über die Pazifikinseln und Südamerika nach Deutschland zurück.
Details:
Aufbruch: 04.01.2016
Dauer: 11 Monate
Heimkehr: 15.12.2016
Reiseziele: Thailand
Philippinen
Fidschi
Neuseeland
Französisch Polynesien
Chile
Argentinien
Bolivien
Peru
Brasilien
Der Autor
 
Bernd Feurich berichtet seit 25 Monaten auf umdiewelt.
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