Schweden-Reisebericht :Norwegens wilder Osten - Die Femundsmarka

Glaskogen Naturreservat

Ankunft in Lennungshammar

Nach kurzen Formalitäten in der Parkverwaltung konnten wir unser Lager schließlich auf einer einsamen Waldlichtung am Stora Gla - dem größten See im Reservat - errichten.

Die Strapazen der langen Fahrt saßen uns noch im Nacken. Nach ein paar Stunden am Lagerfeuer, einem Bier und einer Mahlzeit mit Mückeneinlage beschlossen wir ins Zelt zu kriechen.
Mit Erschrecken stellten wir fest, dass die sonst verlässliche Moskitogaze die "Knots" - so heißen die kleinen mückenähnlichen Plagegeister in Skandinavien - nicht abgehalten hatte. Sind einfach zu klein diese Mistviecher. Die folgende Nacht werden wir - aber vor allem Olli - wohl nicht vergessen.

In den nächsten Tagen bestätigte sich schließlich, dass neben Autan und Antibrumm Ollis bloße Anwesenheit die beste Waffe gegen die vielen Mücken war. Danke an Olli, dass die anderen der Fahrtenteilnehmer weitestgehenst von Mückenstichen und juckenden Knotbissen verschont blieben.

Lagerplatz am Stora Gla

Lagerplatz am Stora Gla

Am Stora Gla

Am Stora Gla

Unterwegs auf dem Stora Gla

Früh am nächsten Morgen waren die Anstrengungen der langen Anreise vergessen und wir bereiteten unser erstes Frühstück in freier Wildbahn. Es gab leckere Pfannkuchen, die mir auf der beschichteten Pfanne meines Trangiakochgeschirrs auch hervorragend gelungen waren.
Nach einem zweiten Tässchen Kaffee machten wir und auf, den Stora Gla, den größten See des Reservates zu umrunden.

Die Tour begann unter einem wolkenverhangenem Himmel. Die Wetterlage wurde aber bereits im Laufe der ersten Paddelkilometer deutlich besser und zeitweise zeigte sich auch mal die nordische Sonne.
Wir wählten den Kurs gegen den Uhrzeigersinn, erkundeten zahlreiche Buchten und kamen zur Mittagszeit in der Inselwelt im südöstlichen Teil des Sees an.
Auf einer kleinen Insel mit Traumausblick legten wir schließlich eine längere Rast ein. Nach ca. einer Stunde paddelten wir weiter, erforschten noch diverse Inselchen und machten uns dann auf zum Ostufer des Sees. Als wir den Schutz der vielen Inseln verließen, hatte der Wind deutlich aufgefrischt und schnell bauten sich große Wellen auf, die uns ziemlich schnell in eine Bucht am Seeufer trieben. Hier war es weniger turbulent und wir legten ein kurze Rast ein.

Insel im südöstlichen Stora Gla

Insel im südöstlichen Stora Gla

Da wir nun am Ostufer des Stora Gla in Richtung Norden paddeln wollten, mussten wir in kauf nehmen, dass uns die Wellen, die zwischenzeitlich eine stattliche Größe erreicht hatten, von der Seite trafen. Zum Glück waren unsere Hüften beweglich genug, um von Bucht zu Bucht und im Schutze der zahlreich vorhandenen Inseln weiter den geplanten Kurs zu halten.
Am späten Nachmittag, während einer kurzen Auszeit riss die Wolkendecke auf. Innerhalb von Minuten schwächte der Wind ab und es zeigte sich wieder die Sonne. Bis zum frühen Abend hielten wir uns noch im nördlichen Teil des Sees auf und fanden sogar noch einen wunderschönen Sandstrand, der abermals zum Verweilen einlud. Wieder in der Bucht angekommen, in der sich unserer Camp befand, zeigte mein GPS eine zurückgelegte Strecke von 34 km. Das sollte reichen für den ersten Tag.

Ein kleiner Sandstrand im Stora Gla lädt zum Verweilen ein

Ein kleiner Sandstrand im Stora Gla lädt zum Verweilen ein

Bucht im nördlichen Stora Gla

Bucht im nördlichen Stora Gla

Im Gegensatz zu Norwegen sind in Schweden auch während der Sommermonate Lagerfeuer erlaubt, sofern rotgelbe Flaggen dieses nicht wegen Trockenheit ausdrücklich untersagen

Im Gegensatz zu Norwegen sind in Schweden auch während der Sommermonate Lagerfeuer erlaubt, sofern rotgelbe Flaggen dieses nicht wegen Trockenheit ausdrücklich untersagen

Noch lange saßen wir an diesem Abend am Lagerfeuer und redeten über die Erlebnisse dieses schönen Tages. Die folgende Nacht war für uns dann auch erträglicher als die Erste, denn wir hatten im Eingangsbereich des Zeltes eine Mückenspirale angezündet, deren Rauch auch einen großen Teil der Knots vertrieben hatte.

Ein Tag auf dem Övre Gla

Der nächste Tag begann wieder grau und wolkenverhangen. Nach einem kurzen Frühstück verzurrten wir die Kajaks auf den Dachträgern unserer Autos und fuhren das kurze Stück zurück nach Lennungshammar. Hier befindet sich die Einsetzstelle in den Övre Gla. Schon beim Abladen der Boote wurden wir wieder von zahlreichen Mücken, Knots und blinden Fliegen umlagert. Erst auf dem Wasser, einige Meter vom Ufer entfernt, ließen die Quälgeister von uns ab. Um zum eigentlichen Övre Gla zu kommen sind zunächst kleinere Seen zu durchqueren. Da diese sehr geschützt liegen und an den Rändern von zahlreichen Pflanzen und Röhricht dominiert werden, ist auch die Anzahl der hier brütenden Vögel sehr groß. Auf kleinen Felsen fütterten Möwen Ihren Nachwuchs. Obwohl wir ca. 50 m von den Brutstätten entfernt waren, kam es zu dem einen oder anderen Scheinangriff. Wir paddelten also zügig weiter und nach einer halben Stunde fuhren wir durch eine kleine Seenverbindung hinaus auf den Övre Gla.

Einer der kleineren Seen vor dem Övre Gla

Einer der kleineren Seen vor dem Övre Gla

Kurz hinter der Zufahrt in den Övra Gla

Kurz hinter der Zufahrt in den Övra Gla

Bereits am Morgen war es leicht windig. Mit 3 bis 4 Beaufort aus nordwestlicher Richtung entschieden wir uns wieder für eine Seeumrundung entgegen des Uhrzeigersinns, wie auch am Vortag auf dem Stora Gla. In der ersten Hälfte unserer Fahrt kamen wir nur mäßig voran, da der aus Norden kommende Wind eine große Strecke hatte, entsprechende Kraft aufzubauen, die unserem Vortrieb entgegenwirkte. Erst in der Nordhälfte des Sees wurde es ruhiger. Es war Mittag geworden und so pausierten wir auf einer kleinen felsigen Landzunge die in den nördlichen Övra Gla ragte.

Mittagspause im nördlichen Övre Gla

Mittagspause im nördlichen Övre Gla

Gestärkt stiegen wie wieder in unsere Kajaks und paddelten noch bis in die Nordspitze des Övre Gla. Nun sollte es am Westufern entlang wieder in Richtung Süden gehen. Es klarte zunehmend auf und die Sonne zeigte sich immer öfter. Leider frischte auch der Wind wieder auf. Nur hatte dieser sich nun ganz anders entschieden und wehte stark aus östlicher Richtung. Der See wurde wieder breiter und Wind und Wellen kamen von der linken Seite. Aber es wurde noch schlimmer. Nach wenigen Minuten war der See mit weißen Schaumkronen gespickt und wir hatten alle Mühe den eingeschlagenen Kurs zu halten. Wellen überspülten unsere Kajaks seitlich und das vom Wind aufgewirbelte Wasser sorgte dafür, dass wir ordentlich nass wurden. Zum Glück hatten wir unsere Paddeljacken nicht ausgezogen als die Sonne sich entschied die Gegend in ein freundlicheres Licht zu tauchen. Der Wind blieb uns erhalten bis wir wieder das südliche Ende des Övra Gla erreichten. Es war zwar anstregend, unter diesen Umständen am westlichen Ufer des Sees zurückzupaddeln, aber wir hatten eine Menge Spaß. Wieder in einem der kleineren Seen zurück, erblickten wir hoch in einem Baum auf einer Insel einen Adlerhorst. Mit Ollis Fernglas konnten wir sogar die Köpfe der Jungen erkennen, die abwechselnd von den Eltern gefüttert wurden. Es war schon beeindruckend wenn diese großen Vögel nach jeder Fütterung ihre Flügel ausbreiteten und kreischend wieder auf Beutezug gingen. Natürlich hielten wir bei unserer Beobachtung einen gebührenden Abstand zu der Adlerinsel, da die Tiere sehr scheu sind und Störungen jeglicher Art dazu führen können, dass eine Folgebrut im nächsten Jahr nicht mehr in den gleichen Gefilden stattfindet.

Fischadler am Övre Gla

Fischadler am Övre Gla

Wir nahmen wieder Fahrt auf und fanden auf einer kleinen Insel ein nettes sonniges Plätzchen zum pausieren. Nur war das Aussteigen hier nicht ganz einfach, da Steine im und am Wasser das Anlanden erschwerten. Ich kam zwar ohne Hilfe des Paddels und ohne zu kentern aus dem Boot, stand aber bis über die Knie im Wasser, dass noch recht frisch war. Aber die Sonne sorgte dafür, dass wir unsere nachmittagliche Pause genießen konnten.

Am nachmittaglichen Pausenplatz

Am nachmittaglichen Pausenplatz

Wieder in den Booten hatten wir noch keine Lust nach Lennungshammar zurückzukehren und so wurden die kleinen, dem Övre Gla vorgelagerten Seen, noch ausgiebig erkundet.

Olli genießt die Stille

Olli genießt die Stille

Kurz vor der Rückkehr in Lennungshammar

Kurz vor der Rückkehr in Lennungshammar

Als wir wieder am Anlegesteg in Lennungshammar ankamen war es bereits Abdend geworden. Nachdem die Boote wieder auf den Dachträgern befestigt waren, fanden wir uns noch in dem keinen Gebäude der Parkverwaltung ein - hier gibt es auch einen kleinen Laden, in dem sich der Naturfreund mit dem Nötigsten versorgen kann - und holten für jeden ein leckeres Eis. Zurück im Lager genossen wir den schönen sonnigen Abend. Unseren Letzten im Glaskogen Naturreservat.
Hinter uns lagen zwei wunderschöne Tage mit zusammen gut 70 gepaddelten Kilometern.

Abschließend kann ich nur sagen, dass der Glaskogen allein bereits ausreichend ist, um einen schönen Urlaub zu verbringen. Denn mit nahezu 300 km Wanderwegen und ca. 80 größeren und kleineren Seen gehen die Möglichkeiten in einem 14-tägigen Urlaub hier wohl kaum aus.

Am nächsten Morgen war wieder packen angesagt. Irgendwie mussten die Autos in den letzten Tagen kleiner geworden sein, denn wir hatten ein wenig Mühe, alles wieder unterzubringen. Aber nach ein paar Umpackmaßnahmen fand dann doch jeder Ausrüstungsgegenstand seinen Platz und wir brachen auf nach Norwegen, dem Femundsee entgegen. Vor uns lagen knapp 500 km Autofahrt.

© Peter Wietbrock, 2011
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Femundsmarka. Eine Landschaft, die sich seit mehr als 10.000 Jahren kaum verändert hat. Eine der kältesten und entlegensten Regionen Europas. Drei Kanuten brechen auf, um diese Region mit dem Kajak zu erkunden. Eine spannende Reise die belegt, dass auch im europäischen Norden noch Abenteuer zu finden sind und es nicht immer Nordamerika sein muss um besondere Erlebnisse zu haben oder aber seine eigenen Grenzen kennenzulernen.
Details:
Aufbruch: 16.06.2011
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 02.07.2011
Reiseziele: Schweden
Norwegen
Der Autor
 
Peter Wietbrock berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Jahrgang 1970, motorraderfahrener Outdoorer und Nordlandreisender, der vor einigen Jahren von einem sehr schlimmen Paddelvirus befallen wurde und nun ganzjährig Gewässer aller Art mit den Kanu unsicher macht.