Albanien-Reisebericht :ALBANIEN - Unbekanntes Land zwischen Shkodra und Saranda

Ein (Erfahrungs-)Bericht von Gerd Birnzain.
Vielleicht interessieren Sie m e i n e Eindrücke aus einem 9monatigen Aufenthalt im Land der Shkipetaren.
Der albanische Schriftsteller Ismail Kadare hat einmal die herausragende Gastfreundschaft in Albanien mit den Worten umschrieben: "Das Haus des Albaners gehört ganz nach dem Kanun zuerst Gott und dem Gast und dann erst den Bewohnern". Gilt das auch noch nach dem Zusammenbruch der sog. Pyramidengesellschaft am Ende des 20. Jahrhunderts?

Albanien - erste Berührungen

Statement

Es handelt sich bei meiner Niederschrift nicht um einen klassischen (Urlaubs-)Reisebericht. Ich werde hier den Versuch wagen,
- aus dem Blickwinkel eines Missionsangehörigen
- mit den Augen eines Touristen und
- als zeitweiliger "Bewohner" des Landes
meine urpersönlichsten Eindrücke, Erfahrungen und Empfindungen widerzugeben.
Dementsprechend werden Sie hier keine Passagen aus einem Reiseprospekt, keine offiziellen Stellungnahmen und keine diplomatisch ausgewogenen Verlautbarungen lesen.

Einführung

Als Berater der albanischen Regierung habe ich das geheimnisvolle Land "Der Soehne des Adlers" erstmals 1999 bereist und im dortigen Innenministerium, aber auch auf dem "flachen Land" intime Eindrücke sammeln können.

Als Stabschef der europäischen "Multinationalen Polizei- mission" (MAPEXT-Mission) war ich anschließend von Mai 2000 bis Februar 2001 für weitere neun Monate nochmals in Albanien und konnte Land und Leute noch etwas besser kennen lernen.

Die "MAPEXT-Mission", eine Mission in der bis zu 170 Polizeibeamte aus 27 Staaten Europas eingesetzt waren.

Die "MAPEXT-Mission", eine Mission in der bis zu 170 Polizeibeamte aus 27 Staaten Europas eingesetzt waren.

Ich konnte das Land kennen lernen, von dem ein Sprichwort sagt, dass Gott bei der Erschaffung der Welt einen Erzengel rund um die Welt sandte, um alle Schönheiten gerecht auf dem Erdenrund zu verteilen. Als der Erzengel aber über das heutige Gebiet Albaniens flog zerriss plötzlich sein Rucksack und all die mitgeführten Herrlichkeiten fielen auf das winzige Gebiet des "Land der Shkipetaren".

Dabei handelt es sich um Land, in dem auf etwa 28 748 qkm nur rund 3.5 Millionen Einwohner leben. Das bedeutet laut einer Schätzung aus dem Jahr 1997, dass auf 1 qkm nur ca. 119 Einwohner zu Hause sind. Diese Zahl relativiert sich nochmals, wenn man bedenkt, dass allein in der Hauptstadt Tirana ungefähr 900 000 Menschen zusammenleben.
So genau weiss das allerdings niemand, denn nach den bürgerkriegsähnlichen Unruhen 1996/1997 zog es viele der ärmeren Bevölkerungsschichten - vor allem aus den abgelegenen Bergregionen - in die Stadt. Alle wollten hier ihr Glück machen und so schossen an den Stadträndern völlig unkontrolliert und unstrukturiert eine Unzahl sog. Schwarzbauten (von einfachsten Wellblechhütten bis zu mehrgeschossigen Wohnhäusern) aus dem Boden und um Tirana herum findet sich ein Gürtel, der freundlich gesagt, einer Schrebergartenkolonie gleicht und weniger poetisch ausgedrückt, durchaus an einigen Stellen den Slums grosser Städte in der Dritten Welt gleicht.

Abenteuerliche Baukonstruktionen... Trotzdem habe ich nie gehört, dass eines dieser Bauwerke eingestürzt ist.

Abenteuerliche Baukonstruktionen... Trotzdem habe ich nie gehört, dass eines dieser Bauwerke eingestürzt ist.

Ich sollte aber nicht mit der Türe ins Haus fallen und wie jede Geschichte hat auch mein Bericht einen Anfang.... und mein Bericht beginnt mit der wohl üblichen Einreise auf dem Luftwege von Stuttgart über Wien, oder Zürich oder Mailand nach Tirana. (Nur Hartgesottene nahmen den Direktflug von Frankfurt nach Tirana mit der damaligen Alba-Air)

Beim Zwischenstop in Wien-Schwechat war die Welt noch völlig in Ordnung. Erst beim Anblick der zweimotorigen Propellermaschine der Tyrolean-Airlines kamen klitzekleine, erste Zweifel auf:
"Flucht oder Angriff?? - ANGRIFF...!!"

Beim Zwischenstop in Wien-Schwechat war die Welt noch völlig in Ordnung. Erst beim Anblick der zweimotorigen Propellermaschine der Tyrolean-Airlines kamen klitzekleine, erste Zweifel auf:
"Flucht oder Angriff?? - ANGRIFF...!!"

... und tatsächlich verging die Zeit bis zum Ziel Tirana/Rinas wie im Flug.

... und tatsächlich verging die Zeit bis zum Ziel Tirana/Rinas wie im Flug.

Einen kleinen Auszug der gesammelten Eindrücke von Land und Leuten möchte ich hier gerne widergeben. Ich hoffe ich langweile Euch nicht zu sehr.

Da dies meine ersten Schreibversuche sind, werde ich mir - zumindest in den ersten Kapiteln - die Arbeit erleichtern und der Erkenntnis frönen, wonach ein Bild mehr als tausend Worte sagt.

[Impressionen

Der Tower des internationalen Flughafen Rinas-Aiport macht aus gewisser Entfernung einen durchaus passablen Eindruck. Dass es in der gesamte Anlage kein Radar, geschweige denn ein automatisches Leitsystem gab, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Auch hatte ich keine Ahnung, wie nah das Meer hier war und wie blitzschnell  deshalb dicke Nebelwände aufziehen können....

Der Tower des internationalen Flughafen Rinas-Aiport macht aus gewisser Entfernung einen durchaus passablen Eindruck. Dass es in der gesamte Anlage kein Radar, geschweige denn ein automatisches Leitsystem gab, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Auch hatte ich keine Ahnung, wie nah das Meer hier war und wie blitzschnell deshalb dicke Nebelwände aufziehen können....

Erste Eindrück sammeln! Zumindest von außen hatten die Ankunfts- und Abfluggebäude einen gewissen Charme...

Erste Eindrück sammeln! Zumindest von außen hatten die Ankunfts- und Abfluggebäude einen gewissen Charme...

Die Ankunftshalle hat diesen technischen Stand erst während meines zweiten Besuchs im Jahr 2000 erreicht.

Die Ankunftshalle hat diesen technischen Stand erst während meines zweiten Besuchs im Jahr 2000 erreicht.

Ein rechteckiger Mauerdurchbruch in der Ankunftshalle... Aussen fährt ein Traktor mit Leiterwagen vor. Die Gepäckstücke vom Leiterwagen werden über ein ca. 5m langes Förderband ins Gebäudeinnere befördert.

Ein rechteckiger Mauerdurchbruch in der Ankunftshalle... Aussen fährt ein Traktor mit Leiterwagen vor. Die Gepäckstücke vom Leiterwagen werden über ein ca. 5m langes Förderband ins Gebäudeinnere befördert.

Keine Bildmontage! Wenige Meter neben der abflugbereiten Maschine dösen zwei Hunde neben den Laufwerken. (Nur Adleraugen erkennen oben neben dem linken Laufwerk die beiden Strassenmischlinge)

Keine Bildmontage! Wenige Meter neben der abflugbereiten Maschine dösen zwei Hunde neben den Laufwerken. (Nur Adleraugen erkennen oben neben dem linken Laufwerk die beiden Strassenmischlinge)

Aber was soll´s?
Warten bis Fahrer und der dringend benötigte Dolmetscher kommt und dann kann es losgehen. Eine interessante Fahrt in die Landeshauptstadt Tirana wartet auf mich...

Aber was soll´s?
Warten bis Fahrer und der dringend benötigte Dolmetscher kommt und dann kann es losgehen. Eine interessante Fahrt in die Landeshauptstadt Tirana wartet auf mich...

© Gerd Birnzain, 2005
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: Mai 2000
Dauer: 9 Monate
Heimkehr: Februar 2001
Reiseziele: Albanien
Der Autor
 
Gerd Birnzain berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Gerd über sich:
Hauptberuflich fange ich als 56jähriger Staatsdiener Räuber, Diebe und Mörder. Zum Ausgleich fahre ich seit 16 Jahren - wann immer die Zeit es erlaubt - mit Kathy (54) und ein bis zwei Hunden in unserem Wohnmobil kreuz und quer durch Europa.
Unsere Hobbies sind dementsprechend Neugierde, Videografie, Hundesport und alles rund um das (wohnmobile) Reisen.

Durch Zufall habe ich diese web-site gefunden und werde nun versuchen, einige meiner "Erlebnisse" der vergangenen Jahre hier zum Besten zu geben. Weil ich absolut keine Gene des ollen Schiller in mir spüre und dies mein erster Versuch eines schriftstellerischen öffentlichen Auftritts ist, bitte ich vorsorglich um barmherzige Nachsicht mit meinen literarischen Fähigkeiten.

Nachdem ich festgestellt habe, dass über das viele Jahrzehnte "geschlossene" Land der Shkipetaren nur wenige Beiträge existieren und ich einige Monate als Europapolizist dort tätig war, möchte ich meine ersten Schritte als Schreiberling mit "Erinnerungen" an dieses wundervolle, beeindruckende und gleichzeitig bedrückende Land beginnen. Man möge mir nachsehen, dass es sich dabei um keinen klassischen (Urlaubs-)Reisebericht handelt.


Gerd B.
Aus dem Gästebuch (3/163):
Hermann biber 1465810087000
Nach ca.50 Jahren, ein Le­bens­zeichen von mir aus Öster­reich­!
Lie­ber Freund Gerhard - oder auch Gerd, wie viele zu sagen pfle­gen! Durch Zufall fand ich diesen Bericht über das Net, den ich mit Be­geis­te­rung las­.
Im übrigen freut es mich deine Spuren ge­fun­den zu haben, da wir uns of­fen­sich­tlich aus der Ju­gend­zeit kennen, jedoch uns aus den Augen ver­lo­ren. Du wirst dich sicher noch an den kleinen Ort GAMING in Öster­reich e­rin­nern, deine Urlaubs oder Feri­e­nau­fent­hal­te brach­ten für mich doch etwas Farbe in den Altag. E s gibt schöne E­rin­ne­run­gen auch an kleine A­ben­teu­er - du warst damals auf der Po­li­zeischu­le, was mich sehr be­ein­druk­te.
Da ich selber e­ben­fall gerne über Er­leb­tes erzähle und zu Papier bringen möchte, kann ich zu deinem Bericht nur gra­tu­lier­en­!
Ich selbst habe e­ben­falls eine, für mich bewegte und er­fol­greiche Beruf­slauf­bahn hinter mir. Bin seit 2009 in Pen­sion. Auch dein Le­bens­weg würde mich nat­ürlich inte­res­sier­en und so würde es mich freuen von dir zu höhren­.
Die besten lieben Grüße, aus Gaming in NÖ!
Her­mann Biber
Hubert Jahnke 1353689177000
Meine Frau und ich waren Ende Mai 2012 für 10 Tage in Südal­ba­nien. Wir sind Rent­ner, über 70 Jahre alt. Ein-und aus­ge­reist sind wir von Korfu nach Saranda mit dem Schnel­lboot. Wir haben, neben Sa­ran­da, But­rint, Sri Kalter, die Klos­ter­kir­che Meso­pe­tam und die Burg Lekurzi besucht. Durch das Land sind wir mit den öffent­lichen Bussen ge­fah­ren. Eine wun­der­schöne Fahrt über die Berge nach Gjo­ro­kas­tra, eine Unesco Stadt. Gewohnt haben wir in einem kleinen Gäste­haus hoch oben in der Al­tstadt bei einem sehr freun­dlichen E­he­paar. Das Frühstück war phäno­menal. Der Bruder war Bäcker, mein Hobby ist Brot backen, über 1 Stunde de­bat­tier­ten wir über die Fein­hei­ten des Brot­backens, wobei die Haus­da­me das Über­set­zen über­nahm. Von Gji­ro­kas­tra gings mit dem Bus über man­chmal sehr hol­pri­ge Straßen nach Berat, e­ben­falls unter dem Schutz der Unesco. Eine zau­ber­hafte Stadt, steil am Berg ge­le­gen.­
Mit einem Minibus nach Vlora z.T. über sehr schlech­te Stra­ßen. Vlora ist eine moderne Stadt am Meer. Oben auf dem Berg ist ein Res­tau­rant mit einer tollen Aus­sicht auf Vlora. Mit dem Klein­bus nach Sa­ran­da. Die Fahrt ist gera­de­zu spek­ta­kulär über die Berge. Kur­ven­reich, steile Ab­gründe, Schluch­ten, kar­sti­ge Berg­flan­ken, und immer wieder weite Aus­blicke aufs Meer.­
Wir kamen fast zu spät zur Fähre nach Korfu. Der Zol­lbeam­te hielt die Abfahrt auf, bis wir an Bord waren. Das Fazit: Wir waren von Al­ba­nien be­geis­tert. Eine a­tem­be­rau­ben­de Lan­dschaft, freun­dliche, hil­fsbe­rei­te Menschen, sehr gute, preis­wer­te Unter­künfte, eine gute Küche. Was nicht so gut war, waren die Ab­fah­rtspläne der Busse, es gab keine. Die Zeiten musste man sich mühsam er­fra­gen. Aber alles in allem, es war gro­ßar­tig.
anonym 1345545888000
Mi­re­di­ta,­
ich habe Ihren Bericht und Ihre Bilder versch­lun­gen, vielen Dank für diesen Leses­paß­!!!
Wir waren jetzt schon zum dritten mal im Urlaub in Al­ba­nien. In diesen Jahren von 2009- 2012 ist meiner Meinung nach einiges pas­siert. Da wir vor allem im Süden unter­wegs sind, kann ich nur sagen das auch hier der Tou­ris­mus boomt. 2009 wurden wir oft gef­ragt, ob wir wir­klich mit Kindern in sooo ein Kri­sen­ge­biet reisen wol­lten, danach kam immer die Frage wo liegt Al­ba­nien ei­gent­lich­???
Wir haben auf diesen Reisen immer die Er­fah­rung gemacht das die Bev­ölke­rung hil­fsbe­reit und sehr Frem­den­freun­dlich is­t.
Ich selber habe mich mit unseren zwei Kindern noch nie so sicher auf einer viel be­fah­ren Strasse gefühlt (als Fuß­gänger), jeder passt auf jeden auf. Mein Mann sagt jedes mal, das das Au­to­fah­ren sehr ent­spannt sei, da zwar ein heil­lo­ses dur­chei­nan­der herrscht, aber jeder ir­gen­dwie dadurch beson­ders Auf­pas­st.
Lei­der merken wir auch das der Mas­sento­u­ris­mus langsam Einzug hält. Das ist für die Al­ba­nische Wir­tschaft, das Land und die Leute er­freu­lich, aber leider geht auf diese Weise die Herz­lich­keit teil­wei­se ver­lo­ren, da viele Touris sich als sel­bstver­ständlicher Gel­dbrin­ger sehen und die Ein­hei­mischen Sitten nicht beach­ten. Ich denke das wir noch viele schöne Reisen in dieses A­tem­be­rau­ben­de Land unter­neh­men wer­den.­
Von ir­gen­dwel­chen kor­rup­ten Po­li­zis­ten wurden wir nie an­ge­hal­ten, uns wurde immer nur nett ge­wun­ken und gezeigt das wir doch bitte das Licht an­machen sollen. Genau so haben wir keine Hirten mit Ge­weh­ren gesehen (und wir sind auch in den Bergen unter­wegs ge­wesen), nur freun­dliche, mit Händen und Füßen den rich­ti­gen Weg er­klären­de.­
Kurz um Al­ba­nien ist ein wun­der­ba­res, freun­dliches Land und dieser Bericht hat mir gezeigt das sich sehr viel in zehn Jahren verä­ndert hat.