Rumänien-Reisebericht :Auf dem Landweg nach Tibet und zurück

Von Budapest nach Rumaenien

Der gestrige Tag war verregnet und etwas verschneit, also weder sonderlich einladend um Budapest nochmals unter die Lupe zu nehmen, oder gar auf eine Photoexkursion zu gehen. Was mache ich dann an solchen Tagen ? Ich bin im McDonalds gesessen, denn da ist es nicht ganz so kalt und hab mich dann schliesslich nochmals mit meiner Kommilitonin getroffen.
Wir sind dann in ein sehr gutes ungarisches Restaurant gegangen und haben gut gespeist. Ich muss dazu sagen, dass es nicht ganz billig war, aber das Essen war wirklich wahnsinnig gut, sehr schon garniert und dekoriert und die Somloer Nockerln waren ein Wahnsinn und haben mir fast den Magen platzen lassen. Alles in allem hat es dann pro Kopf 10 Euro gekostet (inklusive Wasser).
Danach hat sie mich in ein Teehaus mitgenommen, das indianisch eingerichtet war. Ein Labirynth aus hohen Gaengen und Nieschen, gemuetliche Einerichtung und natuerlich unglaublich leckerer Tee haben uns rund 2 h verweilen lassen, ehe ich dann zum Bahnhof aufgebrochen bin, und Edina nach Hause gegangen ist.
Der Direktzug von Budapest nach Brasov (Rumaenien) war wider Erwarten relativ teuer (47 Euro fuer 11 h Fahrt). Ich war mit zwei Rumaenen in einem Abteil und konnte daher recht gut schlafen. Aufgeweckt wurde ich lediglich von den Grenzkontrolleuren und den Schaffnern, die immer wieder das Licht anschalteten. Die Fahr verlief ansonsten problemlos und durch die lange Schlafphase waren die 11 h vorbei wie im Flug. In Rumaenien angekommen ist mir eines aufgefallen, was mich auf dieser Reise besonders interessiert: ich will wissen, ab wo sich Europa veraendert, ab welchen Land die Menschen und ihre Gesichter anders aussehen und ab wo sich auch das Aussehen der Doerfer und Ortschaften von anderen Staedten unterscheidet: Als ich am Bahnhof von Brasov ankam, wurde ich gleich von einem Einheimischen angesprochen ob ich nicht ein Zimmer in seinem Hotel haben wollte. Woher hat er aber nur erkannt,dass ich kein Einheimischer bin ? Mir ist daraufhin aufgefallen, dass es bereits am Bahnhof einige Leute gab, die sich aeusserlich deutlich von den Mitteleuropaern unterscheiden. Die Haut ist etwas dunkler, die Haare und Augen ebenfalls, und unter den Frauen gibt es etliche, die ein "Grossmuetterchenkopftuch" tragen. Auch die Ortschaften die ich passiert habe wirkten aermlicher und einfach, und die Pferdekutschen und Heustapel die ich aus dem Zugfenster erblicken konnte deuten auf ein einfaches und sehr laendliches Leben hin. Ich behaupte, dass sich der erste merkbare Unterschied auf meiner Reiseroute an der rumaenischen Grenze bemerkbar gemacht hat, und ich bin gespannt, wie sich die Laender gen Osten hin veraendern werden.
In Brasov selbst konnte ich dann ob des leider diffusen und durch leichten Nebel intensivierten Nachmittagslichtes keine Bilder machen, und daher habe ich mich entschieden einen kleineren Berg zu erklimmen. Also bin ich durch den verschneiten Wald gelaufen und habe mich etwas auspowern koennen, was nach einer laengeren Fahrt auch richtig angenehm und, fuer mich zumindest, entspannend ist. Auf dem Gipfel habe ich einen jungen Mann meines Alter kennengelernt, einen Rumaenen, mit dem ich mich lange unterhalten habe. Er war recht gebildet, sprach gut englisch und wusste geschichtlich sehr gut Bescheid. Allerdings habe ich mich gewundert, dass er wohl auch ein Holocaustleugner ist, was aus einigen seiner Auesserungen deutlich wurde. Ich war etwas verwundert und auch betroffen, mir Sicherheit deshalb, weil ich erst vor einigen Tagen in Auschwitz war. Ich werde mir zu diesem Thema in Rumaenien noch mehrere Meinungen einholen, aber was mir generell aufgefallen ist, und das bezieht sich auf meine persoenlichen Erkenntnisse aus Zwiegespraechen: Antisemitismus scheint noch immer ein Thema unter Menschen meines Alters zu sein, und das sowohl in Polen als auch in Ungarn.
Morgen habe ich vor ein Schloss zu besichtigen und danach habe ich wieder vor zu berichten.

Das Essen in Budapest

Das Essen in Budapest

Platz der Helden in Budapest

Platz der Helden in Budapest

Thermalquellen in Budapest

Thermalquellen in Budapest

Brasov in Rumaenien

Brasov in Rumaenien

© Daniel S., 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich plane eine Reise die mich über den Landweg von Deutschland - Osteuropa - Naher/Mittlerer Osten - Indien bis nach Lhasa führt. Zurück will ich über die ehemaligen Sowjetstaaten reisen und schließlich in der Türkei entscheiden ob es über die Ex-Jugoslawienstaaten oder erneut Osteuropa zurückgehen soll.
Details:
Aufbruch: 14.02.2009
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: 15.10.2009
Reiseziele: Deutschland
Tschechische Republik
Polen
Ungarn
Rumänien
Bulgarien
Türkei
Georgien
Armenien
Iran
Pakistan
China
Tibet
Nepal
Indien
Bangladesch
Kirgisistan
Usbekistan
Mazedonien
Albanien
Montenegro
Bosnien und Herzegowina
Der Autor
 
Daniel S. berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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Daniel über sich:
Hallo

ich komme aus dem tiefen Süden des Landes und Reisen ist meine Leidenschaft genauso wie Photographie.

Generell interessiere ich mich auf meinen Reisen für die Landessprachen, die Kultur, die Religion, die Menschen, die Politik und natürlich gehe ich auch meiner Leidenschaft, der Photographie nach.

"Voyager, c'est l'ecole de la vie !"

"A man becomes old when his regrets take the place of his dreams"

"Wer den Duft der großen weiten Welt nicht geatmet hat, der hat niemals gelebt."

Oder wie schrieb es einst Hermann Hesse in seinem Gedicht Stufen: "Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen (...) des Lebens ruf an uns wird niemals enden ..."