Slowakei-Reisebericht :Nach Odessa durch Transnistrien

Hohe Tatra im Regen

Eine Stunde später sind wir da, fahren so weit den Parkplatz hinauf, wie es in Strbske Pleso gerade noch geht. Toni, Krystof und mich hat der Ehrgeiz zum Bergsteigen gepackt. Denn die Seilbahn hat wegen schlechten Wetters auf der Bergstation in 1840 Meter Meereshöhe schon Feierabend gemacht. Berthold und Peter fragen mich, wo es denn hier ein schönes Cafe gibt, dann rechnet Krystof vor, dass wir in 60 Minuten gerade zu Fuß unter derSeilbahn die Bergstation erreichen könnten, das sollten"wir" doch machen. Toni und ich schließen uns ihm an, obwohl ich nicht glaube, dass wir so weit kommen können. Toni und Krystof legen ein atemberaubendes Tempo vor, ich komme an den steilsten Stücken nicht mit, hole sie aber an flacheren Stücken wieder ein. Aber dann fängt es an zu regnen, nein, es gießt. Toni und Krystof sind nicht mehr zu halten und hasten weiter bergauf, alle anderen Wanderer werden überholt. Ich klemme mir ein Tempotaschentuch zwischen meine wunden Zehen und kehre um. Nach kurzer Zeit gehe ich in einem braunen Bächlein bergab und, um nicht das steilste Stück des Hangs vor der Talstation des Lifts den Abhang herunterzurutschen, mache ich einen Umweg zum See. Dort angekommen, rechne ich mir schon aus, dass man mir die gelbe Karte wegen verspäteter Rückkehr zur Gruppe vorhalten wird. Aber ich bin der erste, von Toni und Krystof ist noch nichts zu sehen. Nach 20 Minuten taucht Krystof auf. Er strahlt, dass er tatsächlich die Bergstation erreicht hat, und abwärts ist er so gegangen wie ich, wegen der nassen Sandalen. Von Toni keine Spur. Wir lassen uns abtropfen, soweit möglich, dann fährt Horst mit dem Kadett vom Parkplatz den Fußweg hinauf bis zur Talstation. Toni kommt ihm entgegen. Er habe Krystof aus den Augen verloren und sei dann "vernünftigerweise" umgekehrt, um auf demselben Weg wieder zurückzugehen. Wir sind heilfroh alle heil, wenn auch durchnäßt wieder zusammenzuhaben. Und einige sind belustigt, dass Toni bei dem Gipfelrennen zweiter Sieger geblieben ist.
Dann rollen wir bergab zum bestellten Hotel Dumbier in Liptovsky Jan, wo wir erst richtig sehen, wie es in der Tatra regnen kann. Im Foyer des Hotels tropfen wir ab, im Zimmer werden die Klamotten aufgehängt, dann geht's zum Abendessen - die bestellte Sauna lassen wir danach ausfallen.

Freitag, 27.August 2004

Heute trennt sich unsere Gruppe, Krystof nimmt die Skatrunde 350 km wieder nach Kedzierzyn-Kozle zurück, Horst und ich starten zum Ukraine-Urlaub. Wir fahren per Auto zunächst eine Stecke ab, die ich schon mal 2002 und 2003 mit dem Rad in mehreren Tagen gefahren bin. Im Zeitraffertempo sind wir über Poprad-Slowakisches Paradies-Eishöhle Jascyna schon um 12 Uhr in Telgart, wo um 12.14 Uhr der andere Toni per Bahn eintreffen soll. Um 13 Uhr ist er da und wir gehen in unsere kleine Pension U'Hanky, wo wir wie alte Bekannte empfangen und prima verpflegt werden.

Den Nachmittag wollen wir zum gegenseitigen Kennenlernen nutzen, zu dritt ist da ein kleiner Autoausflug nach Südwesten zu empfehlen, eine Gegend, in die wir sonst nicht mehr kommen werden. Wir fahren in die Muranska Planina, eine "Hochebene" südlich der Niederen Tatra, die einmal vom Erzabbau gelebt hat und nun zum Fremdenverkehrsgebiet herausgeputzt werden soll. Zunächst sind wir erstaunt, wie steil es dorthin bergab geht - kein Wunder, wir sind im südlichen Karstrand des Gebirges, als Fahrradroute wohl nur in einer Richtung zu empfehlen, und mit guten Bremsen. Das Auto nimmt gleich noch einen Seitenweg steil bergauf und wir landen in einer umfunktionierten Feriensiedlung aus der sozialistischen Ära. Bei dem ausgiebigen Spaziergang kommen wir über gepflegte Parkwege zu einem restaurierten Waldschloß, das wohl heute als Nervenheilanstalt dient. Bei angeregter Unterhaltung haben wir nach einer Stunde nicht das geringste Gefühl mehr, wohin wir zurückgehen müssen. Selbst Wege, die wir vorher bereits gegangen sind, kommen uns fremd vor. Aber wir haben Glück und finden unser Auto auf dem Parkplatz wieder.
Mit einem Steinpilzragout werden wir in unserer Pension gut verpflegt, dazu ein Rotwein aus der Slowakei - Genuß pur, und das schon am ersten Tag. Bleibt noch zu erwähnen, dass wir hier für unsere Vollpension pro Kopf 900 SKK (= € 23,10) bezahlen.

Sonnabend, 28.August 2004

Die größte Eishöhle Europas muß man gesehen haben. Obwohl der Zugang vom Parkplatz 20 Minuten steil nach oben eine solide Wanderkondition verlangt, sind Toni und Horst begeistert dabei, ich kenne die Höhle schon von früher. Danach will ich den beiden ungefähr die Radroute vorführen, die ich vorges Jahr hinab ins slowakische Erzgebirge gefahren bin, aus Zeitmangel dieses Mal per Auto. Es wird eine Rallye auf engen, aber nahezu unbelebten Straßen. So schöne Gegend ! Aber wir sind auf die Karpaten programmiert und bis zur ukrainischen Grenze sind es noch fast 200 km. Die sind nicht ohne eine Zwischenrast zu schaffen, und die gönnen wir uns zwischen Humenne und Snina in einem kleinen Dorfgasthof.

Der Wirt sorgt für Getränke, das Essen kommt aus unserer Futterkiste. Endlich wird auch das erste Foto geschossen, denn die Sonne begrüßt uns wieder. Unsere Futterkiste füllen wir in Snina in einem Supermarkt noch einmal üppig auf, wer weiß, ob das "drüben" so noch möglich sein wird.

© Manfred Sürig, 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eigentlich sollte das Auto hauptsächlich das Fahrradgepäck aufnehmen, damit wir uns fürs Radeln noch mehr vornehmen konnten. Doch so große Entfernungen verführen zum Autofahren, was dem Abenteuer aber nicht den geringsten Abbruch tat...
Details:
Aufbruch: 20.08.2004
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 20.09.2004
Reiseziele: Polen
Slowakei
Ukraine
Rumänien
Moldau
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt. Manfred über sich:
pensionierter Zentralbanker, der zwischen 65 und 80 noch Europa hautnah erleben will, besonders die nun zugänglichen Länder im östlichen Europa. Fahrradreisen 2000 in die Slowakei, 2001 Tschechien/Slowakei,2002 Slowakei und Ungarn, 2003 Rumänien, Bulgarien und Ukraine, 2004 Ukraine Rumänien und Moldawien und 2005 durch den ganzen Balkan, 2006 wieder in die Slowakei und 2007 mal in die Schweiz und nach Frankreich, 2009 und 2010 wieder nach Tschechien und in die Slowakei, ab 2011 mit Enkel Dominik jedes Mal auf einen anderen hohen Berg zu Fuß in der Tatra, den Waldkarpaten und in der Mala Fatra.
Zweites Hobby: Segeln, nach dem Eintritt in den Ruhestand wird auch mal im Winter Urlaub gemacht, da bietet sich die Karibik an. Seit 2007 nun immer mit demselben Vercharterer aus Trinidad