Griechenland-Reisebericht :Unterwegs in der Bergwelt Norgriechenlands und Südalbaniens

Das Pindos-Gebirge und die Vikos-Schlucht

Unser heutiges Ziel ist die Vikos-Schlucht. Wir nehmen ein kleines Nebensträßchen Richtung Ag. Marina. Weiter führt die Route durch das Pindos-Gebirge über Ieromnimi, Areti, Parakamalos - hier erstehen wir einen Drei-Kilo-Eimer wunderbaren Waldhonigs - Kalpaki, Elafotopos, Molachendri nach Vradeto. Hier beginnt die Vikos-Schlucht. Sie ist mit ihrer Tiefe von 900 Metern im Guinness-Buch der Rekorde als tiefste Schlucht der Welt verzeichnet. Vom Kloster Agios Panaskevi bietet sich ein überwältigender Ausblick in die Tiefen des Canyons und auf die Pindos-Bergwelt.

Blick in die Vikos-Schlucht

Blick in die Vikos-Schlucht

Zurück in dem sehr hübschen Ort Monodendrion stärken wir uns mit einem kleinen Imbiss, bevor wir zum Wasserfall von Oxya aufbrechen. Auch hier bieten sich nach einem kurzen Stück Fußweg wunderbare Einblicke in die Schlucht.

Das Dorf Monodendrion

Das Dorf Monodendrion

In Oxya endet die Straße. So fahren wir zurück und über Monodendri nach Aristi, ein beschaulicher Gebirgsort mit einer von Platanen beschatteten Taverne, in der wir vorzügliches Mousaka und köstlichen griechischen Bauernsalat zu Mittag essen. Nun geht's weiter in den noch höher gelegenen Ort Vikos. Am Ortseingang sind die Wanderwege ausgeschildert: Nach Monodendri läuft man sechs Stunden, hinauf nach Papirgo zwei und nach Klemo drei Stunden. Wir wählen den kürzesten Weg, der eine halbe Stunde steil hinunter zum Aoos-Fluss und zur Kirche des Theotokos Koimesis führt. Obwohl der anschließende Aufstieg recht mühsam ist, bereuen wir die kleine Wanderung nicht. Beim darauf folgenden Rundgang durch das urige Bergdorf Vikos entdecken wir einige nette Tavernen.

Vikos-Schlucht mit Kirche des Theotokos Koimesis

Vikos-Schlucht mit Kirche des Theotokos Koimesis

Das Dorf Vikos

Das Dorf Vikos

In jedem Ort stellen sie den Mittelpunkt dar, die Kafenions und Tavernen, meist unter einer schattigen Platane gelegen, in denen sich die Dorfbewohner treffen. Die Griechen sind halt ein kommunikatives Völkchen!

Blick in die Vikos-Schlucht

Blick in die Vikos-Schlucht

In der Bergwelt des Pindos-Gebirges gibt es noch etliche hübsche Bergdörfer zu entdecken. Eines der malerischsten ist Papingo, das man über Aristi erreicht. Jetzt am Nachmittag zieht ein Gewitter auf und es fängt an zu tröpfeln. Doch davon lassen wir uns nicht aufhalten. Zuerst fahren wir zum Fluss hinunter und überqueren ihn auf einer kleinen Brücke, dann geht es in steilen Kehren hinauf nach Papingo und noch höher in das zauberhafte Mikro-Papingo.

Unterwegs nach Papingo

Unterwegs nach Papingo

Von hier macht sich gerade eine Jugendgruppe aus Athen an den Aufstieg zu einer drei Stunden entfernten, an einem Bergsee gelegenen Hütte, in der die Jugendlichen übernachten wollen.
Von Mikro-Papingo aus erfolgt unter anderem auch der Aufstieg zur Provatina-Höhle (3,5 Std.) und zum Gamila-Gipfel (5,5 Std.). Ein Paradies für Bergwanderer!

Blick über das Dorf Mikro-Papingo

Blick über das Dorf Mikro-Papingo

Doch das ist heute nicht unsere Sache. So fahren wir zurück und machen uns auf die Suche nach einem Lagerplatz. Endlich werden wir fündig. Ein kleiner Weg führt auf eine Wiese, die von der Straße her nicht einsehbar ist. Als dann wieder das obligatorische Abendgewitter aufzieht, heißt es Kale nichta!

Bergwiese nahe Vikos

Bergwiese nahe Vikos

Auf die verregnete Nacht folgt ein strahlend sonniger Morgen. Wir unternehmen einen kleinen Spaziergang auf einen sanft geschwungenen Hügel und da wird uns klar, dass wir uns auf archäologischem Gelände befinden. Unter den mit Gras überwachsenen Hügeln befinden sich die Überreste von antiken Gebäuden. Wir suchen uns einen Weg hinauf zur höchsten Stelle, vormals wohl die Akropolis.

Unsere Wiese ist so wunderbar, dass wir beschließen, länger zu bleiben. Auf diesem Schutthaufen der Antike blühen so hübsche Disteln und eine Vielfalt anderer farbenprächtiger Blumen, die Schmetterlinge aller Art anlocken. Wir fühlen uns wie Adam und Eva vor dem Sündenfall.

Nachmittags kommt ein alter Hirte mit seiner Herde vorbei. Wir laden ihn zu einem Glas Wein und einer Zigarre ein. Beides nimmt er zwar an, aber nur, um es nach kurzer Zeit mit einigem Abscheu wegzulegen.

Dann kommt auf diesem so abgelegenen Feldweg ein Auto mit einem Pärchen vorbei. Sie fahren bis zum Ende des Weges, steigen aus dem Auto und machen sich über die Hügel davon. Kurze Zeit später ist es dann ein Motorradfahrer, der an uns vorbeifährt, um am Ende des Wegs sein Motorrad abzustellen und auch über die Hügel zu entschwinden. Hier ist ja was los! Was machen die denn da alle? Wir ergehen uns in den dunkelsten Mutmaßungen. Ist nicht die Grenze zu Albanien ganz nah? Wird hier geschmuggelt? Rauschgift? Menschen? Und dieser Vogel, der gestern so klar und eindringlich pfiff? War das wirklich ein Vogel oder ein menschliches Warnsignal?

Dann kommen zuerst die Autofahrer, später der Motorradfahrer zurück. Letzterer hält bei uns an und schenkt uns ein Sträußchen - Oregano! Doch so leicht lassen wir uns von unserer Schmugglertheorie nicht abbringen. Oregano! Das wir nicht lachen! Damit kann man uns doch nicht täuschen! Nein, so dumm sind wir nicht, dafür haben wir viel zu viele Krimis gelesen. Und da fährt schon das nächste Auto an uns vorbei, ein Suzuki mit vier Personen, die am Ende des Weges aus dem Wagen aussteigen und Richtung Hügel marschieren...

Endlich sind wir wieder alleine auf unserer Wiese und es bricht die Dunkelheit herein. Wir sitzen gemütlich bei Wein und Zigarre. Da bemerke ich, wie sich Lichter von Tieren zwischen den Büschen bewegen. Sie huschen hin und her, mal leuchten sie dort, mal da auf. Wie viele sind es? Sind sie gefährlich? Werden sie angreifen? Es werden immer mehr und... endlich kommen wir drauf: Es sind Glühwürmchen! Tja, so eine Nacht in der freien Natur kann die Fantasie enorm beflügeln.

Und auch unsere Schmugglertheorie löst sich am nächsten Morgen endgültig in Wohlgefallen auf. Da kommt ein Pickup, der Fahrer steigt aus und hilft vier Frauen von der Ladefläche. Alle machen sich auf den Weg Richtung Hügel... Wir folgen ihnen mutig, doch mit vorsichtigem Abstand... und entdecken: Die Frauen haben sich auf eine hinter dem Hügel liegende Wiese verteilt und ernten emsig den wunderbaren Berg-Oregano, den sie in große Säcke packen. Zu hübschen Sträußchen gebunden wird er in den Souvenirläden der Dörfer zum Verkauf angeboten.

Felsformationen bei Vikos

Felsformationen bei Vikos

Beruhigt brechen wir zur Besichtigung des Klosters Moni Panagia Spileotissa auf, das unten am Fluss liegt. Nachdem wir das Auto an einer Schranke abgestellt haben, folgen wir einem Fußweg durch eine wunderbare Auenlandschaft bis zum Kloster, das man auch von innen besichtigen kann. Vom Glockenturm hat man einen grandiosen Ausblick auf die Flusslandschaft.

Glockenturm von Moni Panagia Spileotissa

Glockenturm von Moni Panagia Spileotissa

Moni Panagia Spiletissa

Moni Panagia Spiletissa

© Angelika Gutsche, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Diese Reise führt in das in Nordgriechenland und Südalbanien gelegene Pindos-Gebirge. Daneben besuchen wir die Stadt Ioannina, die Meteora-Klöster und antike Ausgrabungsstätten wie Dodona in Griechenland und Amantia in Albanien.
Details:
Aufbruch: 20.07.2011
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 09.08.2011
Reiseziele: Griechenland
Albanien
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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