Griechenland-Reisebericht :Unterwegs in der Bergwelt Norgriechenlands und Südalbaniens

Vom antiken Dodona zu den Meteoraklöstern

Am nächsten Tag, der noch ein bisschen heißer zu sein scheint als der vorhergegangene, geht es weiter nach Dodona, das älteste und nach Delphi bedeutendste Orakel im antiken Griechenland. Dodona ist ein Zeus geweihtes Baumheiligtum: Der Gott tat sich im Rauschen der Eichenblätter und in der Flugformation von Tauben kund. Der heutige Baum, der sich innerhalb der Überreste der Umfassungsmauer des Zeus-Tempels befindet, ist vor noch nicht langer Zeit gepflanzt worden. Die ursprüngliche heilige Eiche wurde einst von glaubenseifernden Christen gefällt.

Das antike Dodona: Festungsmauern

Das antike Dodona: Festungsmauern

Innerhalb der Ausgrabung beeindrucken die gewaltigen Festungsmauern und die Überreste des Theaters, das mit seinen 18.000 Plätzen eines der größten im antiken Hellas war. Daneben sind die Grundmauern von einigen Tempeln und Gebäuden erhalten.

Jetzt ärgert es uns, dass wir nicht im Archäologischen Museum von Ioannina waren. Dort sind die Fundstücke von Dodona ausgestellt, wie zum Beispiel Bleitäfelchen, die belegen, dass hier auch mittels Los geweissagt wurde.

Das antike Dodona: Theater

Das antike Dodona: Theater

Unser nächstes Ziel sind die Meteora-Klöster. Die Klöster haben wir uns hoch oben in den Bergen liegend vorgestellt. Doch was müssen wir entdecken: Sie erheben sich aus einer Ebene, die laut Reiseführer den heißesten Flecken Griechenlands darstellt. Wie zur Bestätigung zeigt das Thermometer als die ersten Felsnasen in Sicht kommen bereits 45° C an. Bei dieser Hitze macht das alles keinen Sinn. Wir steuern nach Kalambaka, auf der Straße nach Trikola, einen Campingplatz an: "Camping Rizos International". Er liegt sehr nett, hat schattige Plätzchen und: einen Pool! Das alles für 17 EUR/Nacht. Der restliche Tag wird im Pool verbracht und ist somit gerettet.

Blick auf ein Meteora-Kloster

Blick auf ein Meteora-Kloster

Am nächsten Morgen machen wir uns vor acht Uhr auf den Weg hinauf zu den Klöstern, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Schon bei der Anfahrt macht mancher Blick auf die auf Felsnadeln errichteten Bauwerke schwindeln. Die ersten Eremitagen sollen schon im 11. Jahrhundert gegründet worden sein. Heute sind es 24 Klöster, von denen aber nur noch ein kleiner Teil bewohnt ist. Unser erster Weg führt uns zum Kloster des Hl. Stefanos, ein Frauenkloster. Das Kloster, das etwa um 1400 gegründet wurde, ist umgeben von einer gepflegten Gartenanlage. Eine junge Nonne öffnet uns und den Japanern, die zwei gerade angekommenen Bussen entsteigen, die Kirche.

Meteora-Kloster: St. Stefanos

Meteora-Kloster: St. Stefanos

Nur ein kleines Stück weiter befindet sich das ebenfalls noch bewohnte Kloster Agia Triada, das einst nur mittels Strickleitern und Seilwinde zugänglich war und das als Kulisse für den James-Bond-Film "In tödlicher Mission" diente. Wir erreichen das Kloster, das man auch innen besichtigen darf, über einen kleinen Fußweg. Eine Lore dient noch heute dem Warentransport.

Meteora-Kloster: Zum Kloster Ag. Triada

Meteora-Kloster: Zum Kloster Ag. Triada

Nun noch in das Kloster Megalo Meteoro. Ein Fußweg, der zum Teil steil über in den Fels gehauene Treppen bergan führt, bringt uns zum Klostereingang mit der Einsiedlerhöhle des Athanasius. Die Mönche begrüßen uns freundlich. Besonders sehenswert sind die Fresken in der Hauptkirche des Klosters.

Bei der anschließenden Autofahrt zu den restlichen Klöstern halten wir mehrmals, um Felsvorsprünge zu erklettern, von denen sich immer neue Blickwinkel auf die auf steilen Felsen thronenden Klöster ergeben. Bei der Weiterfahrt entdecken wir ein in den Fels gehauenes "Tuch-Kloster", dessen Zugang mit bunten Tüchern geschmückt ist und an Tibet erinnert. Daneben kann man überall im Fels kleine Höhlen ausmachen, die als Einsiedlerunterschlupfe dienen. Die Welt ist hier eine andere.

Meteora-Kloster: Ag. Triada

Meteora-Kloster: Ag. Triada

Zurück beim Kloster Agios Triada nehme ich mit Wolfi den Fußpfad, der durch einen schattigen Wald hinunter in den Ort Kalambaka führt. Wir sind eine gute halbe Stunde unterwegs, ehe wir beim Kloster Kimisis tis Theotokou ankommen. Dort wartet Hellmut mit dem Auto auf uns. Vom Kloster ist nur noch die Kirche erhalten, in der gerade eine Taufe stattfindet. In und vor der Kirche sind viele festlich gekleidete Menschen versammelt. In der etwas düsteren und jetzt nur von Kerzen erleuchteten Kirche herrscht eine feierlich-mystische Stimmung. Ein kleiner, etwas rundlicher Pope mit roten Bäckchen und wallendem, weißem Bart bekreuzigt und salbt den zu taufenden Knaben. Dann bindet sich der Pope eine Plastikschürze um und taucht das nackige Kind dreimal tief in das Taufbecken. Der etwa ein Jahr alte Junge schaut nur verdutzt, nicht ein Schrei entringt sich seiner Kehle. Die Taufpatin hält trockene Tücher bereit, in die das Kind gewickelt wird.
Bisher fesselte das Ritual meine ganze Aufmerksamkeit, doch jetzt ist es an der Zeit, das außergewöhnlich gestaltete Kircheninnere und die wertvollen Fresken zu betrachten.

Meteora-Kloster

Meteora-Kloster

Inzwischen ist es Mittag geworden. Auf einem hübschen Platz in Kalambaka wählen wir unter den vielen einladenden Restaurants eines aus, das besonders schattig liegt. Die Speisekarte ist auch hier nicht besonders fantasievoll und so belassen wir es einmal mehr bei Mousaka mit Bauernsalat.

© Angelika Gutsche, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Diese Reise führt in das in Nordgriechenland und Südalbanien gelegene Pindos-Gebirge. Daneben besuchen wir die Stadt Ioannina, die Meteora-Klöster und antike Ausgrabungsstätten wie Dodona in Griechenland und Amantia in Albanien.
Details:
Aufbruch: 20.07.2011
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 09.08.2011
Reiseziele: Griechenland
Albanien
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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