Malta-Reisebericht :Malta im Winter: Barocke Kirchen, prähistorische Tempel und Klippenwanderungen

Valletta – Festungsstadt des Johanniterordens

Durch das mächtige City Gate gelangen wir in die beeindruckende Renaissance-Stadt mit ihren wuchtigen Palästen und prächtigen Kirchen. Valletta zählt zum UNESCO Kulturerbe. Zunächst suchen wir das Tourist Office auf, um uns eine citymap zu besorgen und uns den Weg zum nächsten Internet-Café erklären zu lassen. Die liebenswürdige Dame von der Touristeninformation macht uns darauf aufmerksam, dass es günstiger kommt, ein Sammelticket zu kaufen, sollte man den Besuch mehrerer Museen und Ausgrabungen des "Heritage Malta" beabsichtigen. Für ältere Besucher gilt ein Seniorentarif.

Valletta: Bobbies machen in der Republic Road Reklame für touristische Veranstaltungen

Valletta: Bobbies machen in der Republic Road Reklame für touristische Veranstaltungen

Die Johanniter kamen 1530 nach Malta, nachdem sie zuletzt durch die Osmanen von Rhodos vertrieben worden war. Seine Hauptaufgabe sah der Orden in der Sicherung der Pilgerrouten, sein Reichtum begründete sich allerdings hauptsächlich auf Piraterie. 1798 vertrieb Napoleon die Kreuzritter-Piraten von Malta, die sich anschließend wieder auf ihre karitativen Aufgaben besannen. Heute sind die Johanniter in über 120 Ländern tätig, in Valletta unterhält der Orden nur noch eine Botschaft.

Wir besichtigen als erstes die fantastische St.-John's-Co-Cathedral aus dem Jahre 1573. Die Innenausstattung der prachtvollen Kathedrale, in der fast alle Großmeister der Johanniter ihre letzte Ruhestätte fanden, wurde nachträglich barockisiert. Die Seitenkapellen sind den einzelnen "Zungen", das heißt den verschiedensprachigen Sektionen des Johanniterordens gewidmet. Daneben gibt es ein Kathedralenmuseum. Doch den Besuchermagnet bilden die beiden großformatigen Caravaggio-Bilder Enthauptung des Johannes und Hieronymus. Wie passend, dass wir als Urlaubslektüre das Buch "Die Farbe der Sonne: Ein Caravaggio-Roman" (von Andrea Camilleri und Moshe Kahn) im Gepäck haben.

Der Johanniterorden war unterteilt in drei Klassen (die adligen Ritter, die Geistlichen und die Brüder für die niedrigeren Arbeiten und den militärischen Dienst) und in acht "Zungen", darunter sind die verschiedensprachigen Landsmannschaften (Frankreich, Auvergne, Deutschland, Italien, Aragon, Katalonien, Navarra, Kastillien) zu verstehen, die jeweils einen eigenen Palast hatten. An der Spitze des Ordens stand der gewählte Großmeister.

Valletta: Brunnen an der St.-John's-Co-Cathedral

Valletta: Brunnen an der St.-John's-Co-Cathedral

Wir spazieren weiter durch die Stadt, vorbei am Manoel-Theater, der Nationalbibliothek mit ihrem reichen Schatz an wertvollen Büchern, Inkunabeln, Manuskripten und Handschriften. Es gibt ein Nationalmuseum der Schönen Künste, das Fort St. Elmo mit seinem Kriegsmuseum und die Kirchen und Paläste der einzelnen "Zungen".

Valletta: Platz vor dem Großmeisterpalast

Valletta: Platz vor dem Großmeisterpalast

Endlich erreichen wir den Großmeisterpalast und sind schwer beeindruckt von der Prachtentfaltung seiner Innenräume. In ihm hat heute noch der Staatspräsident seinen Sitz und es tagt hier das Repräsentantenhaus.

Valletta: Wachen vor dem Großmeisterpalast

Valletta: Wachen vor dem Großmeisterpalast

Leider bewölkt sich langsam der Himmel und als es auch noch leicht zu tröpfeln beginnt, flüchten wir in das Archäologische Museum mit seinen wunderbaren Funden aus der maltesischen Frühgeschichte, also aus der Zeit von 4500 bis 2000 v.Chr. Die Statuetten sind bestaunenswert, neben verschiedenen Tieren und Köpfen beeindruckt insbesondere die Venus von Malta und die Sitzende Frau. Niki de Saint Phalle lässt grüßen: überdimensionierte Brüste, fette Schenkel, Riesenärsche, dicke Bäuche - so sieht Fruchtbarkeit aus! Als Souvenir erstehe ich eine dieser Ladys. Dass im Museum Plakate hängen, auf denen Sumo-Ringer abgebildet und dabei fabuliert wird, bei den Statuen könnte es sich auch um Männer handeln, ist wohl dem Machismo des maltesichen Katholizismus geschuldet. Bald wollen wir die Tempelanlagen von Hagar Qim und Mnajdra besichtigen, von wo diese wunderbaren Exponate stammen.

Valletta: Kleine Seitenstraße

Valletta: Kleine Seitenstraße

Durch die Seitenstraßen von Valletta bummeln wir zurück zum Upper Barracca Garden. Von hier hat man eine wunderbare Sicht auf den Grand Habour und die gegenüberliegenden Three Cities oder Cottonera, älter als die Ritterstadt Valletta und bestehend aus Vittoriosa, Senglea und Cospicua. Dort lebt und arbeitet das normale maltesische Volk.

Valletta: Upper Barracca Garden

Valletta: Upper Barracca Garden

Es existiert hier schon eine einzigartige englisch-italienisch-arabische Mischung. Die Busse und die Bus-Stopp-Schilder, die Telefonzellen, die Pubs, die Beschriftungen - alles Englisch. Das Essen, die Cafés, der Katholizismus - alles Italienisch. Die Hausarchitektur, die Balkone, die Ortsbezeichnungen, die Sprache - alles Arabisch. Ja, die Sprache! Malti heißt sie und ist ein arabischer Dialekt. 99 Prozent der Malteser sind katholisch und nennen ihren Gott "Allah". Seit dem Beitritt Maltas zur EU im Jahre 2004 ist Malti auch offizielle EU-Sprache. Geschrieben wird es in Latein mit Sonderzeichen. Englisch ist die zweite Amtssprache, auf der Straße hört man es kaum, doch beherrscht es jeder. Auch Italienisch wird verstanden, denn im Fernsehen sieht man vor allem italienische Programme. Malta hat den Euro, gehört aber immer noch zum Commonwealth.

Valletta: Telefonzellen vor der St.-John's-Co-Cathedral

Valletta: Telefonzellen vor der St.-John's-Co-Cathedral

Während Hellmut in einem Café einen caffè latte genießt, suche ich das nächste Internet-Café auf und checke E-Mails (5 Minuten/50 Cent).

Valletta: Blick auf die Stadt von Upper Barracca Garden

Valletta: Blick auf die Stadt von Upper Barracca Garden

© Angelika Gutsche, 2011
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wer auf Historisches schwört, für den könnte Malta im Winter genau das Richtige sein. Wohl kaum sonst wo befinden sich so viele von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützte Bauwerke auf engstem Raum. Und wunderbare Naturerlebnisse kommen auch nicht zu kurz.
Details:
Aufbruch: 21.01.2011
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 16.02.2011
Reiseziele: Italien
Malta
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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