Türkei-Reisebericht :Mit einem Opel Astra nach Istanbul

Highlights

Dies ist eine sicherlich unvollständige, aber dafür umso subjektivere Zusammenstellung der Sehenswürdigkeiten Istanbuls. Auch die Anordnung ist subjektiv, was ich gut fand steht oben, Schlechtes weiter unten.


Empfehlenswert

Unterkunft:
Unser Hostel "Bahaus Guesthouse" (in der Akbiyik Cadessi Bayramfirin Sokak 11-13) kann ich nur wärmstens empfehlen. Liegt sehr zentral (200 Meter zur Hagia Sophia), aber ruhig in einer Seitengasse. Und eine Dachterrasse gibt's auch, mit Blick über's Marmara-Meer.
Sehr freundliche Mitarbeiter, die Zimmer sind sauber und die Preise sehr vernünfigt! Das ist allerdings natürlich ein Hostel, also grundsätzlich eher einfach gehalten.
Eine Nacht haben wir dank einer Fehlbuchung auch im dazugehörigen Hotel (im Nachbarhaus) verbracht, da weiß ich nicht, was es kostet, war aber sehr angenehm und genauso empfehlenswert

Hagia Sophia:
Eigentlich im alten Byzanz als Kirche gedacht, hatte sich das 1453 mit der Erorberung Istanbuls durch die Osmanen erledigt. Seitdem war die Hagia Sophia die wichtigste Moschee Istanbuls, Atatürk ließ sie schließlich 1935 in ein Museum umwandeln.
Dieses 1500 Jahre alte Bauwerk ist definitiv einen Besuch wert, der happige Eintrittspreis von ca. 8 Euro lohnt sich.

Hagia Sophia - die gigantischen Ausmaße sind auf dem Photo kaum zu erahnen.

Hagia Sophia - die gigantischen Ausmaße sind auf dem Photo kaum zu erahnen.

Blaue Moschee:
Gegenüber der Hagia Sophia erhebt sich die Blaue Moschee ("Sultan Ahmet Camii") und bildet mit ihren sechs Minaretten einen fast symmetrischen Gegenpol zur Hagia Sophia. Die Anzahl der Minarette ist übrigens ein Indiz für die Bedeutung der Moschee: in Mekka hat man 7 Minarette, in Istanbul hat es nur für 6 gereicht. Aber angeblich wurde ja das siebte Minarett in Mekka erst gebaut, als man eine passende Antwort auf die türkische Dreistigkeit der 6 Minarette gesucht hat.

Die Blaue Moschee.

Die Blaue Moschee.

Hamam:
Empfehlenswert fanden wir das "Cemberlitas Hamam", direkt neben der Konstantinssäule, in das auch Touristen gehen. Für Neulinge hat das den Vorteil, dass man etwas geleitet wird, und sich nicht die ganze Zeit blamiert. Der Eintritt beträgt ca. 16 Euro, für Studenten 13 Euro.
Unser Versuch, in ein vollkommen untouristisches Bad zu gehen, war nicht wirklich erfolgreich: vom Besuch des Hamam direkt nördlich der Galata-Brücke (konkret in der Yüksek Kaldirim Caddesi) sei wärmstens (bzw. kältestens) abgeraten.
Mehr über Hamams gibt es in der ausführlichen Beschreibung im vorhergehenden Kapitel!

Märkte, bzw. Basare:
Die zwei größten Basare Istanbuls sind der "Große Basar" und der "Ägyptische Basar" (bzw. "Gewürzbasar").
Auf dem "Großen Basar" gibt es in erster Linie T-Shirts, Taschen, Schmuck und anderen Touristenkram zu kaufen. Interessanter ist da schon der "Ägyptische Basar", auf dem schon auf den ersten Blick mehr Vielfalt herrscht. Hier gibt es u.a. auch Haustiere zu kaufen, z.B. Blutegel oder Küken.

Hippodrom:
Direkt neben der Blauen Moschee erstreckt sich das ehemalige Hippodrom, wo unter den römischen Kaisern Wagenrennen und andere Großveranstaltungen stattfanden. Beeindruckend ist der original ägyptsche Obelisk (gigantisch, obwohl nur ein Bruchstück), der bereits vor 1600 Jahren nach Istanbul (bzw. ins damalige Konstantinopel) gebracht wurde und tatsächlich immer noch steht!
Auch die ursprünglich griechische "Schlangensäule" ist einen Blick wert, vor allem, wenn man sich vorstellt, dass das Teil ursprünglich dreimal so lang war.

Das Hippodrom, im Vordergrund der "Ägyptische Obelisk", im Hintergrund der "Gemauerte Obelisk".

Das Hippodrom, im Vordergrund der "Ägyptische Obelisk", im Hintergrund der "Gemauerte Obelisk".

Nachtleben:
Das Istanbuler Nachtleben spielt sich zu großen Teilen auf dem europäischen Teil der Stadt (nördlich des Goldenen Hornes) ab. Südlich des "Taksim Square" befindet sich die "Istiklal Caddesi", die Einkaufsstraße und Flaniermeile Istanbuls. Hier ist nachts und besonders am Wochenende die Hölle los. Eine Kneipe reiht sich an die andere, ungezählte kleine Händler verkaufen Essen. Sehr leicht kann man hier vergessen, dass man sich in einem moslemischen Land befindet. Viele Pärchen sind unterwegs, Hand in Hand, die Frauen natürlich ohne Schleier.

Eyüp & Goldenes Horn ("Halic"):
Das "Goldene Horn" ist die natürliche Ausdehnung des Bosporus ins Stadtgebiet Istanbuls, im Prinzip ein riesiger natürlicher Hafen.
Nicht zuletzt wegen der Aussicht auf Istanbul lohnt sich eine Schiffahrt über das Goldene Horn: westlich der Galata-Brücke legen die Fähren nach Eyüp ab. "Eyüp" ist der Stadtteil Istanbuls, in dem Eyüp, der Bannerträgers des Propheten, bei der Eroberung es alten Byzanz gefallen ist. Darum steht hier auch die heiligste Moschee Istanbuls.
Und wenn man schon mal da ist, kann man auch gleich über den Friedhof (nicht zu übersehen) ins weiter oben gelegene Café "Piyer Loti" einkehren - der perfekte Aussichtspunkt, und noch dazu preislich ganz in Ordnung. Die Aussicht ist grandios.

Eyüp, die Aussicht vom Café "Piyer Loti".

Eyüp, die Aussicht vom Café "Piyer Loti".

Kino:
Wenn man mal ins Kino will, sollte man einen kleinen Abendausflug auf die wenig touristische asiatische Seite Istanbuls erwägen. Dorthin kommt man am besten mit der Fähre (Anlegestelle Eminönü, östlich der Galata-Brücke).
Im Stadtteil Kadiköy findet man einen alten Kinopalast, wie es sie bei uns schon lange nicht mehr gibt.
Dieses Kino heißt "Süreyya" und befindet sich in der Bahariye Caddesi 29: vom Hafen aus immer geradeaus den Berg hoch, dann im Bereich der Fußgängerzonen irgendwo rechts. Kennt aber dort auch jeder.


Weniger empfehlenswert

Top Kapi Sarayi, der alte Sultanspalast:
OK, für kulturelle Gralshüter mag das jetzt blasphemisch klingen, aber mal im Ernst: viel zu sehen gibt's da nicht.
Die Aussicht über den Bosporus und die Stadt ist grandios, ein paar der Goldschätze mögen wirklich wichtig sein (oder zumindest bekannt, so wie der berühmte Top-Kapi-Dolch) und im Harem haben sich sicherlich unglaubliche Geschichten abgespielt.
Aber: schöne Aussichten gibt's auch woanders (umsonst), die Führung durch den Harem war erbärmlich und Goldschätze - naja, wer's mag. Das Einzige, was ich wirklich beeindruckend fand, war die Kammer mit den Reliquien (u.a. ein paar Barthaare des Propheten), in der ein Vorleser Suren aus dem Koran gesungen hat.
Alles in Allem: 20 Euro Eintritt ist das nicht wert - egal wie bedeutend es sein mag.
Übrigens: das "i" in "Top Kapi" hat eigentlich keinen Punkt und wird wie "ä" gesprochen.

Top Kapi, Zeremoniensaal im ehemaligen Harem.

Top Kapi, Zeremoniensaal im ehemaligen Harem.

Dolmabahce Sarayi, der neue Sultanspalast:
1854 gebaut, ähnelt dieser Palast schon sehr den üblichen mitteleuropäischen Palästen und Schlössern. Das Ganze nennt sich "türkischer Renaissance-Stil", ist aber eigentlich Barock und Rokkoko. Meine Meinung: kennst Du einen, kennst Du alle.
Für die 8 Euro Eintritt haben wir aber auch einiges bekommen: exakt 2 Stunden Schlangestehen in der prallen Sonne, dann 35 Minuten Führung. Fantastisch. Das Hungergefühl kann nur nachvollziehen, wer selber schonmal da war.

Dolmabahce Sarayi, naja.

Dolmabahce Sarayi, naja.

Landmauern:
Im Westen des Istanbuler Stadtkerns befinden sich die sogenannten Landmauern, der ehemalige ca. 1450 Jahre alte Verteidigungswall Istanbuls. Am südlichen Ende dieser Mauer (nahe der Bahnstation Yedikule) findet man ein Museum, das allerdings während unseres Besuchs (April 2004) geschlossen war.
Die Landmauern mit ihrer Länge von über 6 Kilometern bestehen aus einem Graben, hinter dem sich drei Reihen immer höherer, gezinnter Mauern aufbauen. Die feindlichen Horden - ob christlich oder moslemisch - mussten also beim Sturm Istanbuls insgesamt 4 Verteidigungsinstanzen überwinden.
Viel ist von den Mauern nicht mehr übrig, zudem stoßen sie auf einer Seite direkt an die große Umgehungsstraße, was die ganze Sache auch nicht viel sehenswerter macht.

Auf einem der Türme der Mauer, im Hintergrund die Stadtautobahn.

Auf einem der Türme der Mauer, im Hintergrund die Stadtautobahn.

© Martin Gädeke, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
In zwei Wochen in die Türkei und wieder zurück: 4500 Kilometer durch 9 verschiedene Länder und über insgesamt 13 Grenzen. Aber natürlich nur, wenn uns in Bulgarien nicht die Karre geklaut wird!
Details:
Aufbruch: 03.04.2004
Dauer: 16 Tage
Heimkehr: 18.04.2004
Reiseziele: Türkei
Der Autor
 
Martin Gädeke berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Martin sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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