Neustart

Reisezeit: Juni 2021 - Januar 2022  |  von Beatrice Feldbauer

Park der Legenden

Ich bin überzeugt, dass das heute ein ruhiger Tag wird. Wir wollen in den Zoo und da Juan ja eigentlich immer mit dem Taxi unterwegs bin, glaube ich, dass er nicht der grosse Fussgänger ist.

Eine halbe Stunde laufe ich zu unserem Treffpunkt, der BDP-Bank. Um zehn kommt Juan mit dem Minibus, da er ganz am anderen Ende der Stadt lebt. Bevor wir uns zum nahen Zoo aufmachen, brauche ich einen Kaffee in einem Restaurant bei unserem Treffpunkt, dann bin ich gestärkt für diesen 'ruhigen' Tag.

Von wegen wenig Laufen, schon auf dem Weg zum Park merke ich, dass Juan viel schneller geht als ich und ich muss mich sputen, mit ihm Schritt zu halten. Es ist nicht weit bis zum Parque de las Leyendes, dem Zoo von Lima.

Heute ist Feiertag in Peru, ja wahrscheinlich in ganz Lateinamerika. Heute ist der 29. Juni, der Tag von Peter und Paul. Wir sind also nicht die einzigen, die heute in den Zoo wollen. Vor dem Tor hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Wir stehen an. Kurz vor der Kasse gehen wir durch einen kleinen Tunnel wo ganz diskret die Temperatur gemessen wird. Dann steht da ein Mann und fordert uns auf, eine zweite Maske oder den Plastikschild zu tragen. Dann lieber die Maske. Zum Glück habe ich immer ein paar auf Reserve dabei. Nach der Kasse müssen wir noch einmal anstehen, das Ticket zeigen und dann wird noch kurz ein Blick in Rucksäcke und Handtasche geworfen und wir sind drin.

Eine kleine Bahn fährt vor uns vorbei und ich finde, das wäre doch der richtige Auftakt, das gibt eine Übersicht über die Anlage.

heute mit doppelter Maske unterwegs

heute mit doppelter Maske unterwegs

erst mal eine Runde mit dem Zug fahren

erst mal eine Runde mit dem Zug fahren

Wenn wir alles sehen wollen, sind wir eine Zeitlang unterwegs.

Wenn wir alles sehen wollen, sind wir eine Zeitlang unterwegs.

Das Bähnlein macht allerdings keine Tour durch den Zoo, sondern eher durch den Teil, der ganz den Kindern gewidmet ist. Es gibt jede Menge Kinderspielzeug. Gumpihaus, Rutschbahnen, farbige riesige Plastikspielgeräte. Natürlich sind ganz viele Familien unterwegs.

Wir orientieren uns an der Übersichtstafel. Es sind vor allem Tiere, die in Peru leben. Der Park ist eingeteilt in Sierra (Berge) und Selva (Dschungel, Mar (Meer), dann gibt es den Grosskatzen-Teil und im Zentrum sind eher Tiere aus anderen Erdteilen. Dazwischen gibt es Ruinen aus der Pre-Inkazeit. Es gibt auch überall grosse Picknickplätze mit Tischen und Bänken und Verpflegungsstationen.

Wir gehen zuerst in die Sierra. Hier wartet als erstes das feingliedrige Vicuna. Es ist das am besten geschützte Tier der Anden. Gehört in die Familie der Lamas und Alpakas. Diese beiden Arten sind domestiziert, während Vicunas vorwiegend in Freiheit in den Anden leben. Ein Vicuna zu schiessen ist Wilderei und wird mit sehr hohen Geldstrafen belangt. Sie haben die feinste Wolle, die es gibt und sie werden alle zwei Jahre von ausgewählten Bauern zusammengetrieben und geschoren. Ein Pullover aus VicunaWolle kann ohne weiteres ein paar tausend Dollars kosten.

In einem Gehege streift ein einsamer Andinenfuchs hin und her. Solche kann man in den Bergen öfters sehen, vor allem wenn man mit einer Gruppe ein Picknick veranstaltet. Die schlauen Tiere haben längst gemerkt, wo sich die Touristen zum Essen einfinden.

Auch den grossen Condor sehe ich lieber in den Bergen als hier in seinem engen Gehege. Aber er ist auch hier eine eindrückliche Erscheinung, genauso wie der grosse Buitre real, der Königsgeier.

Das scheue Vicuna sieht man in der Natur erst ab 4000 müM

Das scheue Vicuna sieht man in der Natur erst ab 4000 müM

Eine Andengans

Eine Andengans

Alpakas werden in Herden gehalten.

Alpakas werden in Herden gehalten.

Ein Suri-Alpaka mit seinem zotteligen Fell

Ein Suri-Alpaka mit seinem zotteligen Fell

Andenfuchs

Andenfuchs

Hübsch sind die kleinen Viscacha, eine Art wilde Kaninchen mit seidigem Fell und langem Schwanz. Leider lässt das Gitter keine Foto zu. Das Tier lohnt sich aber, zu zeigen, darum bringe ich hier die Foto des Zoos. Auch das ist ein Tier, das vor allem in den hohen Anden leb und bei uns unbekannt ist.

In einem Restaurant kommen wir bei der Köchin vorbei, die gerade einen Teller Pachamanca anrichtet. Ich habe das noch nie gesehen, aber Juan erzählt, dass das in der Sierra oft gemacht wird. In einer Erdhöhle werden mithilfe von heissen Steinen Fleisch und Kartoffeln gekocht. Verschiedene Wurzelgemüse wie Yucca, Süsskartoffeln und grosse eingepackte Maiskoiben gehören dazu. Traditionell wird es mit Schwein- Lamm- Hühnchen und Meerschweinchen gekocht.

Ich staune ob der riesigen Portionen, die aufgetischt werden und kann es kaum glauben, das scheint mir für eine ganze Familie zu genügen. Aber dann sehe ich an einem Tisch drei junge Leute, die sich über ihre riesigen Portionen beugen.

Pachamanca

Pachamanca

Statt in der Erde wird hier in einem grossen Sack, umgeben von heissen Steinen und unter einem farbigen Tuch gekocht.

Statt in der Erde wird hier in einem grossen Sack, umgeben von heissen Steinen und unter einem farbigen Tuch gekocht.

3 Portionen

3 Portionen

Es scheint zu schmecken.

Es scheint zu schmecken.

Wir sind nicht die einzigen im Zoo.

Wir sind nicht die einzigen im Zoo.

Auf vielen Tafeln werden die verschiedenen Eingeborenenstämme vorgestellt, die im Regenwald leben

Auf vielen Tafeln werden die verschiedenen Eingeborenenstämme vorgestellt, die im Regenwald leben

ein neugieriger Fischotter

ein neugieriger Fischotter

sieht wirklich aus wie in den Lagunen im Dschungel

sieht wirklich aus wie in den Lagunen im Dschungel

Das Capibara oder Wasserschwein ist verwandt mit dem Meerschweinchen und ist ein Nagetier

Das Capibara oder Wasserschwein ist verwandt mit dem Meerschweinchen und ist ein Nagetier

Ein grosser Tapir

Ein grosser Tapir

überall gibt es farbige Fotoecken, wo man sich mit farbigen Federn schmücken kann.

überall gibt es farbige Fotoecken, wo man sich mit farbigen Federn schmücken kann.

ich habe das Gefühl, wir sind schon seit Stunden unterwegs. Habe meine Vorstellung vom nur taxifahrenden Juan längst aufgegeben. Er lässt nicht nach, will jedes Tier sehen, während ich längst die Übersicht über die Anlage verloren habe.

Ausserdem zeigt sich unerwartet die Sonne und es ist heiss geworden. Ich bedaure, dass ich am Morgen unter der Jacke das lanärmlige T-Shirt angezogen habe. Auch auf den Schal könnte ich jetzt gut verzichten.

Bevor wir uns den Tieren aus anderen Kontinenten zuwenden, brauche ich dringend etwas zu trinken. Also kaufen wir eine Flasche Inca Kola und setzen uns einen Moment an einen Tisch. Das Getränk ist natürlich zuckersüss, aber es bringt mir die nötige Energie für den Rest des Zoos zurück. Als weiter gehts.

Gibts wahrscheinlich nur in Peru. Es wrude 1935 von einem Immigranten in Lima erfunden und wird inzwischen von Coca Cola hergestellt.

Gibts wahrscheinlich nur in Peru. Es wrude 1935 von einem Immigranten in Lima erfunden und wird inzwischen von Coca Cola hergestellt.

Die Grosskatzen, allen voran die beiden weissen Tiger sind sehr eindrücklich und natürlich drückt man sich hier hinter den Gittern und an den grossen Glaswänden die Nase fast platt. Es braucht immer etwas Geduld, einen guten Standort zu finden.

Die Beschreibung der Tiere spare ich mir hier, denn ausser dem Puma respektive dem Jaguar sind sie keine einheimischen Tiere.

Jaguar

Jaguar

Galapagos-Schildkröte

Galapagos-Schildkröte

Vogel Strauss

Vogel Strauss

Emu

Emu

Wasserbüffel

Wasserbüffel

Kamel

Kamel

Dromedar

Dromedar

die lustigen Erdmännchen

die lustigen Erdmännchen

Humboldt-Pinguine

Humboldt-Pinguine

Endlich, wir haben es geschafft. Wir sind durch, haben alle Tiere im Zoo besucht, viele fotografiert, noch viel mehr gesehen. Ich bin überrascht ob der Vielfalt des Zoos. Es gäbe noch das Mariposario, das Schmetteringshaus, aber das ist zur Zeit geschlossen. Dafür machen wir noch einen Spaziergang durch den botanischen Garten wo viele verschiedene Tannen und Föhren wachsen. Diese sind hier in Südamerika sehr exotisch. Es gibt aber auch eine grosse Sammlung von Palmen und ein paar Blumen, die aber im Moment nicht blühen, da es ja hier Winter ist. Ich habe inzwischen auch wieder die Jacke angezogen und den Schall um den Hals geschlungen. Typisches Jahreszeiten-Wetter. Vom Frühlingsmorgen zum Sommermittag und gegen Abend wird es Herbst und Winter.

Es ist kurz vor fünf, als wir den Zoo verlassen. Ich bin Fix und Fertig und ein Blick auf mein Handy zeigt mir, dass wir gut 12 km gelaufen sind. "Du hast wohl nicht geglaubt, dass ich auch zu Fuss gehen kann?" fragt mich Juan und ich muss lachen. Wie hat er das nur gemerkt.

In einer Pizzeria stärken wir uns bevor ich mit dem Uber nach Hause fahre. Juan fährt zum Flugplatz. Dort wartet sein Auto. Morgen wird er erst am Mittag mit der Arbeit anfangen, darum fährt er heute danach noch nach Hause.

Das haben wir uns verdient. Pizza mit einem Cusceña.

Das haben wir uns verdient. Pizza mit einem Cusceña.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Immer wenn der Mensch seine Zukunft plant, fällt das Schicksal im Hintergrund lachend vom Stuhl. Dieser Satz hat mich durch das Corona-Jahr begleitet. Eigentlich war mein Abflug nach Südamerika am 3. April 2020 gebucht. Doch dann kam alles anders.
Details:
Aufbruch: 20.06.2021
Dauer: 7 Monate
Heimkehr: 29.01.2022
Reiseziele: Peru
Kolumbien
Argentinien
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 20 Jahren auf umdiewelt.
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