MAL EBEN KURZ NACH ERITREA

Eritrea-Reisebericht  |  Reisezeit: April 2005  |  von Uwe Decker

Auf zum Roten Meer

Als Alleinreisender ist man ja flexibel. Ich hole mein Gepäck, das ich im Hotel deponiert habe und lasse mich zum Busbahnhof bringen. Dann fahre ich eben dieselbe Strecke mit dem Bus und dann gleich weiter ans Rote Meer, nach Massawa. Das ist eine von nur fünf Städten, die man als Touri ohne Permit besuchen kann. Für alle anderen Orte braucht man eine Erlaubnis vom Touristikministerium, die man aber schnell und kostenlos erhält. Ich hatte mich gleich am ersten Tag mit einer solchen für eine Reihe von weiteren Orten versorgt, wohl wissend, dass sie wahrscheinlich überflüssig ist. Mir reichen die drei größten Städte, die sehr unterschiedlich sein sollen, Asmara, Massawa und Keren.

Die Busse fahren hier los, wenn sie voll sind, Fahrpläne gibt es nicht. Nach einer Stunde ist der Bus gefüllt und es geht auf einer atemberaubenden Strecke in endlosen Serpentinen von 2400 m Höhe auf Meeresniveau. Mir bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf die Gebirgslandschaft, unter uns liegen viele Wolken, in die wir hinein fahren. Auf den ersten 20 Kilometern scheint nach Durchquerung der Wolken jeweils wieder die Sonne, irgendwann aber nimmt der Nebel kein Ende mehr, die Sichtweise beträgt kaum 10 Meter, der Abgrund ist nah und gewaltig. Ein Lastwagen oder Bus wird sein Ziel nicht erreichen, er ist den Abhang heruntergestürzt und wird gerade mit einer Kranwinde hochgezogen. Zahllose Schaulustige stehen herum und schauen sich das Spektakel an.

Asmara hat mir wie erwartet gut gefallen. Aber nach drei Tagen mit nur wenig Kontakt wünsche ich mir für Massawa vor allem, etwas mehr Leute kennenzulernen, sonst dürfte der Urlaub ziemlich öde werden.

Solange brauche ich gar nicht zu warten. Neben mir im Bus sitzt Nejat (sprich: Neidscha), 21 Jahre alt. Sie hat ihre Großmutter in Asmara besucht, ihre Eltern sind im Krieg gestorben. In Massawa hat sie Arbeit, als Friseuse im Salon ihrer Tante. Sie spricht ein wenig Englisch, einige Leute im Bus sind gerne bei weitergehenden Übersetzungen behilflich.

Die vorbereitende Lektüre zu Massawa hätte ich mir sparen können. Während der Fahrt erfahre ich alles, was man wissen muss, was man gesehen haben sollte, wo man abends hingehen kann usw.

Am zentralen Busbahnhof Massawas erfolgt der Weitertransport mit Sammeltaxis. Ich verabrede mich mit Nejat locker für den morgigen Abend zum Essen.

© Uwe Decker, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
10 Tage am Rande Afrikas
Details:
Aufbruch: 13.04.2005
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 23.04.2005
Reiseziele: Eritrea
Asmara
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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