MAL EBEN KURZ NACH ERITREA

Eritrea-Reisebericht  |  Reisezeit: April 2005  |  von Uwe Decker

NEJAT

Wegen des kurzfristig geänderten Tagesablaufs mussten die Mahlzeiten heute bisher ausfallen. Am Abend will ich mich gerade zu einem der von Nejat empfohlenen Restaurants aufmachen, als selbige vor der Tür steht und freudestrahlend verkündet, dass sie heute gern mit zum Essen kommen würde und sich auch morgen frei genommen hat. Dann können wir gemeinsam an den Strand fahren. Ich habe, ehrlich gesagt, nichts dagegen. Dass es sich allerdings um dieselbe Person handelt, die ich heute Nachmittag genauso schwitzend wie ich mit nicht unbedingt sauberen Klamotten und zerzausten Haaren im Bus getroffen habe, erkenne ich erst auf den zweiten Blick. Sie hat sich ziemlich aufgestylt und, da es in ihrer Hütte zu dunkel wurde, auch noch ihre Schminksachen mitgebracht, die sie nun fast vollständig im Gesicht verteilt. Manchmal gilt der Grundsatz: weniger ist mehr. Mein Magen muss notgedrungen eine weitere halbe Stunde auf Nachschub warten.

Theoretisch kann man auch bei mir am Hotel ins Wasser steigen. Das Wasser sieht trotz des nahen Hafens sehr klar aus. Die eigentlichen Strände Massawas sind aber gut 10 Kilometer entfernt. Gurgussum Beach bietet sogar richtige Infrastruktur, ein Gelände mit Restaurant, Hotel, Disco, Liegestühlen und Sonnenschirmen. Am Wochenende trifft sich hier das wohlhabende Eritrea, ein Busverkehr wird eingerichtet, wochentags muss man sich ein Taxi mieten, für teures Geld. Ich kann den Preis für Hin- und Rückfahrt auf 250 Nakfa herunterhandeln, 13 Euro. Autofahren ist teuer geworden. Der Sprit ist rationiert und kostet genauso viel wie bei uns, aber die Mengen reichen nicht. Also besorgt man ihn sich auf dem Schwarzmarkt. Dort liegen die Preise aber fast doppelt so hoch.

Die Fahrt führt durch die Stadt hinaus, rechts an der Straße vereinzelt ein paar schmucke Villen, links nichts als armselige Wellblechhüttensiedlungen. Realität in der Dritten Welt. Dass ich ein paar Stunden später selbst dort herumlaufen würde hätte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedacht.

An Wochenenden mag es in Gurgussum voll sein, montags nicht. Es sind ca. 20 Leute hier, vorwiegend Einheimische. Das Rote Meer hat Badewannentemperatur. Es herrscht eine Affenhitze, die durch den Wind aber einigermaßen erträglich wird. Nejat bringt sich durch meinen MP3-Player auf den neuesten Stand der internationalen Popmusik.

Gegen Abend fahren wir zurück. Die Geschäfte der Taxifahrer laufen im Moment auch nicht besonders gut, unser hat den ganzen Tag hier gewartet. Diese Einnahmequelle scheint ihm für den gesamten Tag zu reichen.

Auf der Rückfahrt erzählt Nejat, dass sie ganz in der Nähe wohnt, nun auf der rechten Seite, im Wellblech. Wir fahren hin. Es ist duster, die -selbstverständlich- nicht asphaltierten Wege sind holprig und voller Schlaglöcher. Zu Fuß wären wir dreimal so schnell. Dann steigen wir aus. Ich tappe durch die Dunkelheit. Nejat macht eine schiefe Tür auf, ich gehe durch, stehe in einem kleinen Hof, in der Mitte befindet sich eine Hütte, das Zuhause von Nejat und ein paar Freundinnen und Verwandten. Für morgen werde ich zum Kaffe eingeladen.

An das Leben hier in Massawa könnte ich mich glatt gewöhnen. Lange schlafen, eine Kleinigkeit frühstücken, dann in den Pavillon am Wasser auf einen Cappucino, ein gutes Buch lesen, hin und wieder die Fische im klaren Wasser füttern, mit den Kellnern oder anderen recht urigen Personen im Umfeld des Hotels reden, z.B. einem Jamaika-Eritreer mit Rasta-Locken oder einem Italo-Eritreer, der sich auch bestens in Deutschland auskennt. Auch UN-Soldaten gehen wieder aus und ein.

Man erkennt in der Nähe Sheik Said Island, auch Green Island genannt, mit seinem grünen Bewuchs und dem schönen Strand. Gern wäre ich dort mal hingefahren, das Hotel besitzt auch ein Boot, aber es gibt kein Benzin mehr dafür. Die Preise, die andere für die Überfahrt verlangen, grenzen an Wucher, also nix mit Robinson Crusoe spielen. Schade.

© Uwe Decker, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
10 Tage am Rande Afrikas
Details:
Aufbruch: 13.04.2005
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 23.04.2005
Reiseziele: Eritrea
Asmara
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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