Madagaskar - wo der Pfeffer wächst oder die Pest ausgebrochen ist

Madagaskar-Reisebericht  |  Reisezeit: Dezember 2014  |  von Herbert S.

von Ranomafana nach Ranohira: Papierherstellung in Amabalavao

Papierherstellung wie im alten Ägypten

"Ein monotones Klopfgeräusch empfängt den Besucher schon am Eingang des Geländes der landesweit bekannten Papierfabrik der Antaimoro in Ambalavao. Das Geräusch wird beim Näherkommen intensiver, die Neugier ist geweckt. Eine Frau sitzt auf einer Matte und hämmert auf einem gelblich-braunen Teiggemisch herum.

Doch der Reihe nach: Die Herkunft des naturfarbenen Papiers der Antaimoro, das sich wie feine, seidige Rauhfasertapete anfühlt, liegt weit in der Vergangenheit. Nach der Legende erlitt ein Segelboot aus Arabien vermutlich zu Beginn des 12. Jahrhunderts an der Südostküste Madagaskars, dort wo der Strom Matitana in den Indischen Ozean mündet, Schiffbruch. Die Antaimoro oder "Küstenbewohner", die das fruchtbare Tal bewohnten, halfen der Mannschaft in Not. Da die Araber nicht mehr heimreisen konnten, ließen sie sich bei den Antaimoro nieder. Die heutigen Könige des Bezirks Vohipeno sind ihre direkten Nachfolger.
Als gläubige Moslems hatten die Araber einige Exemplare des Koran mitgebracht. Die Bücher zerfielen aber im Laufe der Zeit. Da die Neuankömmlinge jedoch wussten, wie man Papier herstellt, suchten sie geeignete Pflanzen als Rohstoff und stießen dabei auf den Avoha, ein wild wachsendes Maulbeerbaumgewächs. Seine stabilen Fasern, "schöner als das Alfa vom Nilufer", ermöglichten ihnen. Papier anzufertigen und ihre heiligen Manuskripte darauf zu schreiben. Sie brachten den Antaimoro auch die arabische Schrift bei und bekehren viele zum Islam.

Avoha, ein wild wachsendes Maulbeerbaumgewächs

Avoha, ein wild wachsendes Maulbeerbaumgewächs

Bis vor einigen Jahren stellten nur wenige Handwerker Papier her, ausschließlich für Gebrauch der "Ombiasa", der Medizinmänner, die dieses Papier speziell für ihre Zauberbücher verwendeten. Man glaubt auch heute noch vielfach , diese heiligen Schriften, auch "Sorabe" genannt und das Antaimoro-Papier würden eine magische Macht besitzen.
1936 forschte der junge französische Plantagenbesitzer Pierre Mathieu, so ist es in den Unterlagen der Papiermanufaktur nachzulesen, "hingerissen von der Schönheit und Originalität", nach der Herstellungsweise, die bis dahin streng geheim gehalten wurde. Da er bei den Antaimoro aufwuchs und ihre Mundart beherrschte gelang es ihm schließlich, das Geheimnis zu lüften; er stellte das Papier mit Zustimmung und in Zusammenarbeit der Nachfolger der Araber in größerem Stile her.
Im hinteren Bereich des herrlichen Gartens am nördlichen Ausgang von Ambalavao, in den ein Hotel, ein Restaurant und ein Verkaufsshop integriert sind, kann man die aufwendige Herstellung heute kostenfrei besichtigen - auch sonntags.

Zuerst wird die Rinde des Avoha-Baumes in einem mächtigen Kessel mehrere Stunden zu Fasern zerkocht und dann mit kaltem Wasser zu breiigen Kugeln geknetet. Diese werden dann mit dem Holzhammer zu einem Teig geklopft, bis er dünn genug ist, um ihn auf Baumwolltücher, die in Holzrahmen gespannt sind, gleichmäßig zu verteilen.

Nachdem die Masse mit Wasser übergossen und gesiebt worden ist, legen Arbeiterinnen Blüten auf, wobei viel Fantasie und Geschick bei der Wahl der Motive an den Tag gelegt wird. Das Ganze wird mit einem leichten Lackleim versiegelt bevor der Trockenprozess erfolgt. Früher durfte der heilige Papierrohstofl nur bei Mondlicht auf die Rahmen gespannt und getrocknet werden, "damit das Papier seine Stabilität, Originalität und unerreichbare Schönheit bewahrt"

Seit das Papier auch zu Dekorationszwecken genutzt wird (Briefpapier, Lampenschirme, Fotoalben, Wandschmuck, Tapeten etc.) sind Nachbarschaft der Manufaktur viele Blütenbäume und -sträucher gepflanzt worden - eine Oase in der ansonsten eher tristen Stadt." Text aus dem KNOW-HOW-Führer

andere Motive aus aufgelegten dünnen Hölzern

andere Motive aus aufgelegten dünnen Hölzern

© Herbert S., 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Der Plan steht schon länger - in den zweitgrößten Inselstaat der Welt. Aber sollen uns die Moskitos stechen, hilft die Malariaprophylaxe? Nun ist auch noch die Pest ausgebrochen. Die USA haben aber Levofloxacin als Beulenpest-Medikament freigegeben. Die Entscheidung ist gefallen - wer was sehen will, muß fühlen? Außerdem geht es aus dem deutschen Schmuddelwetter raus.
Details:
Aufbruch: 12.12.2014
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 31.12.2014
Reiseziele: Madagaskar
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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