(M)ein Traum wird wahr .... Weltreise!

Kap Verde-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni 2013 - April 2014  |  von Rolf Bilo

Kapverden, die Insel Santiago

Die Hauptstadt Praia

Die Kapverden als Urlaubsziel sind seit mindestens 15 Jahren populär, jedoch überwiegend die Inseln Boa Vista oder Sal. Praia, die Hauptstadt, ist Wenigen ein Begriff, vielleicht macht man mal einen 1-2 Tagesausflug von einer der Nachbarurlaubsinseln dorthin.

Mein Freund Lothar F. (hallo Lothar, liebe Grüße an Euch alle nach T.) hatte vor ca. 15 Jahren dort beruflich zu tun und schwärmte von Santiago und Praia; zu meinem 40. Geburtstag schaffte er es sogar, einen Feuerwehrhelm aus Praia zu organisieren. Und so war für mich Praia das Ziel auf den Kapverden, nicht eine der Badeinseln.

Bedingt durch mehrfache Flugverschiebungen (afrikanische Fluggesellschaften sind eine Qual, evtl. nur noch getoppt durch die aus der Karibik) habe ich vier Tage in Praia, dafür dann aber nur noch 2 in Dakar/Senegal. Etwas viel für eine kleine Hauptstadt wie Praia, aber dafür kann ich dann alles ruhiger angehen lassen.

Bereits auf dem Flughafen in Fortaleza war zu spüren, dass ich nun auf den afrikanischen Kontinent fliegen würde. Das aufgegebene Gepäck bestand überwiegend aus Kartons und Kisten, und zwar Massen pro Person! Unglaublich, was da Material in den Flieger gehievt wurde.

Flug und Einreise verliefen unspektakulär, erstaunlicherweise wurde von der Gesundheitsbehörde ein Gelbfieberimpfnachweis gefordert, das hatte ich bisher noch bei keiner Einreise; es liegt aber daran, das Brasilien Gelbfiebergebiet ist.

Mit dem Taxi fuhr ich für 1000 Escudos, das sind ca. 10 €, zum Hotel, der Airport liegt nahe der Stadt. Erst einmal Schlaf nachholen, denn ich kam um 6.45 Uhr morgens an, nach einem Nachtflug ohne Schlaf. Aber das Hotel ist sehr hellhörig, jedes Gespräch, jedes Lachen sind zu hören und so war ich schnell wieder auf, ab in die Stadt.

Die putzt sich gerade heraus für das erste Festival für Transatlantische Musik mit Künstlern aus Amerika, Afrika und Europa. Es wird gefegt, gemalert, Buden aufgebaut und geschmückt, es herrscht eine gute Stimmung. Das Zentrum Praias liegt auf dem Plateau, hier befinden sich viele schöne, koloniale Gebäude, die allesamt renoviert sind oder gerade werden. Doch der Glanz der alten Innenstadt täuscht nicht darüber weg, dass Praia ein ähnliches Problem hat, wie viele afrikanische oder südamerikanische Großstädte. Binnen der letzten 20 Jahre hat sich die Bevölkerungszahl nahezu verdoppelt, es entstehen wilde Bauten in den "dunklen Ecken" der Stadt, z.B. in den Felsspalten vom Plateau zum Hafen oder zu den Stränden, wo ansonsten Müllhalden lagen.

Es ist ein gemütliches Gehen durch die Stadt, es gibt viel zu sehen, gemütliche Plätze laden zum Verweilen und Beobachten ein, bei einem Kaffee oder kühlen Getränk ist die Hitze gut zu ertragen. Leider haben die beiden Museen in der Innenstadt geschlossen, sowohl das ethnologische (kein Grund erkennbar) als auch das der "Diaspora" (wegen Umbau) hätten mich interessiert. Okay, dann studiere ich halt Ethnologie an den lebenden Objekten der Stadt.

Ein Fußmarsch zum Hafen und einer zu den Stränden im Botschaftsviertel lohnt sich nicht wirklich, dafür zum alten Leuchtturm schon. Dort in der felsigen Brandung ist der Schwimm- und Grillplatz für die locals, eine zehnköpfige Familie steigt aus einem kleinen Taxi und holt noch eine umfangreiche Grillausstattung aus dem Kofferraum.

Getrübt wird der ansonsten angenehme Aufenthalt in Praia nur durch das Chaos der Flugumbuchungen von TACV, der heimischen Fluggesellschaft. Vor Wochen hatte ich bereits die erste Umbuchung erhalten, die einige Verschiebungen nach sich zog. Da ich inzwischen jeden Flug mehrfach checke, schaute ich am Tage meiner Ankunft schon nach dem Weiterflug nach Dakar und stellte fest (natürlich hatte ich keine Info erhalten!), dass ich meinen Transfer in Dakar erneut ändern müsse. Samstag, 05.04., dann ein erneuter Check - und Schreck: der Flug war gecancelt, ich hätte kein gültiges Ticket und möge Kontakt zur Fluggesellschaft aufnehmen. Na prima, in Afrika und dann an einem Samstag Abend. Aber es gäbe ein Callcenter, welches auch per e-mail kontaktiert werden könne. Das tat ich dann auch, erhielt jedoch nie eine Antwort. Am Tage vor dem Flug dann ein weiterer Check, man kann es kaum glauben, aber der erste Flug war wieder aufgelebt, nur 2 Stunden früher und bei checkmytrip.com stand grün auf weiss, dass der Flug bestätigt sei. Heute Nacht werde ich es ja feststellen!

Welcome to .... Praia auf den Kapverdischen Inseln, meiner ersten Station in West- u. Nordafrika

Welcome to .... Praia auf den Kapverdischen Inseln, meiner ersten Station in West- u. Nordafrika

Blick über den Hafen

Blick über den Hafen

Altstadthäuser

Altstadthäuser

Die Kaserne Quartel Jaime Mota, eines der ältesten Gebäude Praias

Die Kaserne Quartel Jaime Mota, eines der ältesten Gebäude Praias

Unter schattigen Bäumen sitzen Frauen, die Bonbons und Zigaretten verkaufen

Unter schattigen Bäumen sitzen Frauen, die Bonbons und Zigaretten verkaufen

Blick von der Altstadt Praias auf die immer mehr zuwuchernden Vororte. Praia verdoppelte seine Bevölkerungszahl in den letzen 20 Jahren nahezu

Blick von der Altstadt Praias auf die immer mehr zuwuchernden Vororte. Praia verdoppelte seine Bevölkerungszahl in den letzen 20 Jahren nahezu

Auch ein Besuch beim Frisör muss unterwegs mal sein

Auch ein Besuch beim Frisör muss unterwegs mal sein

In der Markthalle

In der Markthalle

Denkmal auf dem Hauptplatz

Denkmal auf dem Hauptplatz

Das Rathaus von Praia

Das Rathaus von Praia

Kirche "Nossa Senhora da Graça"

Kirche "Nossa Senhora da Graça"

Der alte Leuchtturm von Praia

Der alte Leuchtturm von Praia

Historisches Nationalarchiv

Historisches Nationalarchiv

Cidade Velha

Nur 10 km von Praia entfernt liegt die ehemalige Hauptstadt der Kapverden, Cidade Velha oder, wie sie früher hieß, Ribeira Grande (großes Tal). Ein Ausflug dorthin musste sein und so fuhr ich für einen halben Tag dorthin. Vorweg gesagt: ein lohnenswertes Ziel, man sollte es nicht missen!

Raus aus Praia, an der Universität vorbei, dann eine Weile auf einer nagelneuen Teerstraße durch hügeliges Land, rote Erde, wenig Bewuchs, im Hintergrund zackige Berge. Dann ein Hinweisschild auf das Fortaleza, die Befestigungsanlage, die Cidade Velha vor Angriffen schützen sollte. Es wurde von 10 Jahren restauriert und zeigt sich in einem guten Zustand. Von den Randmauern hat man einen tollen Blick hinunter auf die Stadt.

In 5 Minuten ist man unten (mit dem Auto), und vom zentralen Platz der Kleinstadt aus geht die Erkundung los. Cidade Velha wurde 1462 gegründet und blühte 250 Jahre. Als Zentrum des Sklavenhandels zwischen Afrika und Südamerika sowie der Karibik galt es lange Zeit als reichste Stadt der Region. Alle bekannten Seefahrer, Entdecker wie Piraten, waren hier und hinterließen Spuren. Erst als die Stadt 1712 durch Piraten niedergebrannt wurde, verlor sie ihre Bedeutung und Praia wurde Hauptstadt.

Ältestes historisches Monument ist der mitten in der Stadt aus Marmor errichtete Pranger, an dem bereits im 15 Jhdt. "ungehorsame Sklaven, die sich ungeziemt benahmen, ausgepeitscht wurden" - so die Infotafel am Pranger. Ältestes Gebäude ist die Kirche, die etwas versteckt hinter der Rua Banana und ihrer Parallelstraße Rua Carrera auf einem Hügel liegt. Die beiden Ruas sollten trotz der vielen kläffenden Hunde, die dort herumlaufen, besucht werden, denn hier befinden sich schöne, alte originalgetreue Wohnhäuschen mit Strohdächern. Auch das Nordtor der einstigen Stadtmauer, das Rathaus, die Ruinen eines ehemaligen Hospitals und die Häuserzeilen rund um den Hauptplatz sind sehenswert, während die Ruinen der alten Kathedrale doch etwas mehr Würdigung durch die Denkmalpfleger verdient hätten. Wer will, kann auf schwarzem Sandstrand noch Baden, bevor dieser nette Ort verlassen wird.

Landschaft auf dem Weg nachCidade Velha

Landschaft auf dem Weg nachCidade Velha

Zisterne im Fortaleza

Zisterne im Fortaleza

Warum mache ich auf Selfies immer so ein komisches Gesicht?

Warum mache ich auf Selfies immer so ein komisches Gesicht?

Blick vom Fortaleza auf die frühere Hauptstadt der Kapverden

Blick vom Fortaleza auf die frühere Hauptstadt der Kapverden

Cidade Velha hat alles, was eine Stadt so braucht: Feuerwehr, Rathaus, ÖPNV und für des Touristen Auge nette kleine bunte Häuschen

Cidade Velha hat alles, was eine Stadt so braucht: Feuerwehr, Rathaus, ÖPNV und für des Touristen Auge nette kleine bunte Häuschen

Die Ruine des Torre de Igreja, des Hospitals da Misericordia aus dem 16. Jahrhundert

Die Ruine des Torre de Igreja, des Hospitals da Misericordia aus dem 16. Jahrhundert

Der Hauptplatz von Cidade Velha

Der Hauptplatz von Cidade Velha

Hausarbeit ist ein harter Job

Hausarbeit ist ein harter Job

Sklavenpranger, hier wurde öffentlich die Prügelstrafe an Sklaven vollzogen. Die Säule ist das älteste historische Relikt Cidade Velhas und stammt aus dem 15. Jahrhundert

Sklavenpranger, hier wurde öffentlich die Prügelstrafe an Sklaven vollzogen. Die Säule ist das älteste historische Relikt Cidade Velhas und stammt aus dem 15. Jahrhundert

Badebucht, darüber die Ruinen der ehemaligen Kathedrale

Badebucht, darüber die Ruinen der ehemaligen Kathedrale

Nossa Senhora de Rosario; diese Kirche ist das älteste Gebäude in Cicade Velha

Nossa Senhora de Rosario; diese Kirche ist das älteste Gebäude in Cicade Velha

In der Rua Banana und der Parallel"straße" Rua Carrera stehen noch schöne Ensembels alter Häuser

In der Rua Banana und der Parallel"straße" Rua Carrera stehen noch schöne Ensembels alter Häuser

Die Ruine der alten Kathedrale

Die Ruine der alten Kathedrale

Menschen auf den Kapverden

Über 500 Jahre wechselvolle Migrationsgeschichte haben einen interessanten Schmelztiegel der Kulturen aus den Kapverdischen Inseln gemacht. Einheimische, portugiesische Kolonialisten, Sklaven aus Westafrika, südamerikanische Sklavenhändler, Soldaten und Piraten aus Europa und nicht zuletzt die Touristen aus den letzten 30-40 Jahren mixten sich und so sind heute höchst interessante Gesichter zu sehen.

Egal, ob jung oder alt, männlich oder weiblich, hell oder dunkel, beim Spiel oder der Arbeit, wenn sich die Gelegenheit zum Beobachten gibt, bin ich dabei. Was macht es Spaß, stundenlang auf einem Platz zu sitzen und Menschen zu beobachten. Spielende Kinder, die mit einfachsten Spielzeugen einen Heidenspaß haben und lachen, ältere Frauen, die mühsam einige Süßigkeiten oder etwas Obst aus dem eigenen Garten an den Käufer bringen möchten und noch viele andere Situationen lassen einen kleinen Blick auf die hier lebenden Menschen zu.

Einen Teil von ihnen habe ich fotografieren können, in der Regel mit ihrer Zustimmung, es sei denn, die Situation ließ nur anderes zu. Eine kleine Auswahl möchte ich hier zeigen.

Ob jung ...

Ob jung ...

... oder alt, auf den Kapverden gibt es viele sympathische Menschen mit interessanten Gesichtern

... oder alt, auf den Kapverden gibt es viele sympathische Menschen mit interessanten Gesichtern

Frauen jeden Alters verkaufen Obst in der Stadt

Frauen jeden Alters verkaufen Obst in der Stadt

Spielende Kinde sind immer wieder ein herrliches Fotomotiv

Spielende Kinde sind immer wieder ein herrliches Fotomotiv

Ernst schaut sie drein, die Kleine (ist das Foto überbelichtet, so wird es in schwarz-weiss dann doch noch gut)

Ernst schaut sie drein, die Kleine (ist das Foto überbelichtet, so wird es in schwarz-weiss dann doch noch gut)

Chicas beim Mittagsschwatz

Chicas beim Mittagsschwatz

Melancholisch spielt er auf seiner Mundharmonika, aber schön!

Melancholisch spielt er auf seiner Mundharmonika, aber schön!

Erst Wäsche machen, dann Obst an Touristen verkaufen - das Leben ist hart

Erst Wäsche machen, dann Obst an Touristen verkaufen - das Leben ist hart

Ausdruckvolles Gesicht einer alten Dame

Ausdruckvolles Gesicht einer alten Dame

Gleich kommt ihre Freundin und tröstet sie - vorangegangen war ein kleiner Streit um einen jungen Hund

Gleich kommt ihre Freundin und tröstet sie - vorangegangen war ein kleiner Streit um einen jungen Hund

Sie trommelt voller Konzentration bei einem Volksfest

Sie trommelt voller Konzentration bei einem Volksfest

Will denn heute gar niemand unsere Bananen oder Fische kaufen?

Will denn heute gar niemand unsere Bananen oder Fische kaufen?

Musiker des Trans-Atlantica-Festivals bei der Probe in einem Café

Musiker des Trans-Atlantica-Festivals bei der Probe in einem Café

© Rolf Bilo, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach über 30 Jahren wird mein Traum wahr: meine Weltreise, d i e Weltreise, beginnt in Kürze. Ein Jahr lang um die Welt, möglichst viel sehen, alle Kontinente..... Der Countdown läuft
Details:
Aufbruch: 06.06.2013
Dauer: 11 Monate
Heimkehr: 25.04.2014
Reiseziele: Äthiopien
Burundi
Südsudan
Kenia
Uganda
Ruanda
Tansania
Dschibuti
Seychellen
Mauritius
Madagaskar
Komoren
Thailand
Brunei Darussalam
Singapur
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