4 Monate als Backpacker durch China

China-Reisebericht  |  Reisezeit: April - August 2012  |  von Anja & Wolfgang

Zhejiang 8.5. bis 22.5.: Yandangshan von 13.5 bis 16.5

In den Yandangshan Mountains

13.05.2012
Tagesziel: Yandangshan Zug Km 307, Bus Km 5, 3 Stunden Besichtigung von Stadt und Umgebung
Wetter: bewölkt,>20°

Auch unser Zug heute, D3207 erinnert wieder an einen ICE. Anscheinend gibt es in dieser Provinz auf Fernstrecken nur noch 'D' Linien mit solchem Zugmaterial. Die Klasseneinteilung in diesen Zügen wurde von Hard / Soft-Seat auf 1. und 2. Klasse geändert. Unser Wagen der 2. Klasse war bis auf den letzten Platz besetzt,

auf Displays über den Türen wird gelegentlich die Geschwindigkeit von bis zu 198km/h angezeigt.
Nach knapp 3 Stunden war unser Ziel erreicht und mit einem 'abenteuerlichen' Shuttlebus ging es dann die letzten 5km bis Yandangshan. Nach einigem Suchen war auch das Hotel gefunden, das in einer kleinen Gasse parallel zur Hauptstrasse liegt. Dafür sind die Zimmer neu renoviert, Bad und Inneneineinrichtung einem 4*Hotel würdig.

Wir wandern einmal quer durch die Kleinstadt (eher ein Bergdorf), kaufen uns eine Wanderkarte (RMB 5) von der Gegend und gehen bis zur Lingfeng (=Park der Gipfel) Scenic Area

einem Bergtal, von schroffen Gipfeln umgeben, das dank seiner Wegbeleuchtung auch nachts durchwandert werden kann - die Berggipfel sehen dann angeblich völlig anders aus und da man ja auch Nachts etwas anderes als bei Tage sieht, gibt es hier eine Tag-Eintrittskarte (6:00-18:50h, RMB 40, eine Nacht-Eintrittskarte 18:50-6:00, RMB 40 und die Tag/Nacht-Kombikarte für RMB 80).
Also wir sind von dieser Preispolitik erst mal tief beeindruckt.
Wir gehe zurück ins Dorf und nach einem kleinen Abendessen zurück ins Hotel um die Wanderrouten für Morgen und Übermorgen festzulegen.

Ho(s)tel: Yandangshan Le Yi Hotel

Yandangshan-Wandertag 1
14.05.2012
Tagesziel: Yandangshan 12,5h Wanderung, 970 Hm, etwa 8000 Stufen
Wetter: Nebel bis sonnig,<30°

Heute und Morgen wollen wir das Gebiet um Yandangshan erkunden, erwandern. Yandangshan wurde von der UNESCO zum Weltgeopark erklärt, von der Chinesischen Regierung zum 5A Tourismusgebiet (=höchste Kategorie) befördert, aber irgendwie kann die Region diesem Anspruch noch nicht gerecht werden. Alles hier ist irgendwie noch Stückwerk, es gibt keine einheitlichen Eintrittskarten, sondern jeder Scenic-Point kassiert für sich selbst, so zwischen 15 und 40 RMB pro Besichtigung. Und da die Scenic Points alle aufgereiht im 2-5km Abstand entlang einer 'Hauptstrasse' liegen, ist dies natürlich die beste Art die geführten Touristen zu schröpfen (raus aus dem Bus, bezahlen, max. 1 Std. was anschauen und weiter zur nächsten Attraktion). Die Wanderkarte für diese Gegend repräsentiert mehr die Vorstellung des Kartenmalers, als die Realität und die Beschilderung der Wege hier ist mangelhaft bis ungenügend. Das meistgesehene Schild ist 'Caution Danger' - diesen Ort haben wir aber nie gefunden. Des weiteren fanden wir etliche Schilder mit 'Bergauf' bzw. 'Bergab' - wozu das in diesen Treppenhäusern gut sein soll?? Ansonsten wird auf irgendwelche Gipfel hingewiesen, die die Karte nicht kennt bzw. für Punkte die die Karte kennt, gibt es meist kein Hinweisschild. Viele Schilder sind mit Schnüren an Ästen befestigt und zeigen am wahrscheinlichsten die Windrichtung an, andere sind bereits wieder umgefallen und ruhen sich am Boden, im Gebüsch aus.
Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, auf Bergwegen im Hinterland der Scenic Spots die Gegend zu durchwandern und haben es auch zum Grossteil geschafft, aber es war schwierig. Dabei sollte diese Gegend eher ein einfacheres Wandergebiet sein mit Tälern die etwa 150m hoch liegen, und Gipfeln, die selten über 500m hoch sind, aber ein ständiges auf und ab ergibt auch ein paar Höhenmeter.
Wir begannen heute morgen nahe der Lingfeng (Park der Gipfel) Scenic Area auf einem Pfad , den wir gestern Abend noch entdeckt haben, sehen dabei ein paar schöne Berggipfel,

aber da wir den in der Karte so schön eingemalten Abzweigpunkt partout nicht finden können, stehen wir nach knapp 2 Stunden drunten vor dem Elephant Rock,

und damit wieder kurz vor unserem Dorf, grrrrrrrrrrrr....
Wir also die Strasse entlang bis zum Sanzhepu (3 - Wasserfälle) Scenic point, E=RMB 15 (für Reisepassbesitzer gibt es den Kindertarif RMB 7, das war jetzt das erste Mal in China, dass wir als Touristen nicht mehr, sondern sogar weniger zahlen durften). Die 3 Wasserfälle sind eine Kaskade von Wasserfällen, 50m, 110m, und 120m hoch,

Oberster Wasserfall

Oberster Wasserfall

die sich im Laufe der Jahrtausenden jeweils ein konkaves Loch in die Felswand gegraben haben. Wir steigen den Pfad hoch und gleich begegnen uns mehren Gruppen buntbemützter Touristen. Die zuvorkommende (s.o.) Kassiererin hatte uns am Eingang bereits erklärt 'von denen steigt keiner höher als der mittlere Wasserfall' und richtig, ab dort waren wir wieder allein, der Weg wurde etwas anspruchsvoller, nicht mehr so perfekt gepflastert wie bisher - wir fanden es direkt schön mal auf natürlicheren Wegen wandern zu dürfen.

Wir steigen irgendwann ab zum Yandangshan National Park (E=RMB25) und nochmals auf um in die Lingyan (Park der Felsen) Scenic Area zu gelangen. Unterwegs kommen wir erst an Teeplantagen und dann an diesem buddhistischen Kloster vorbei

bevor wir auf einem alten Bergsteig (No Thoroughfare) nahezu in der Diretissima ins Tal steigen - drunten sahen wir dann, dass es noch einen neueren Weg gibt, aber der Einstieg dazu war droben irgendwo versteckt und nicht beschildert.
Dafür fällt uns erst einmal dieser zwischen zwei Felsen versteckte Betonklotz auf,

der sich als Aufzugschacht herausstellt um zwischen 8:00 und 17:00 gehmüde oder eilige Wanderer 70m nach oben zu befördern damit sie den 'liegenden Drachen' bewundern können. Wir waren leider bereits zu spät dran, also mussten wir uns mit dem 70m hohen Wasserfall 'kleiner Drache' begnügen.

Zurück zur Hauptstrasse, nochmals 40Minuten Fussmarsch bis zu unserem Hotel und damit findet auch dieser Wandertag sein Ende.

Ho(s)tel: Yandangshan Le Yi Hotel

Yandangshan-Wandertag 2

15.05.2012
Tagesziel: Yandangshan 7h Wanderung, 720 Hm, fast 6000 Stufen
Wetter: bis Mittag heftiger Regen, dann bedeckt, <25°

Letzte Nacht setzten wolkenbruchartige Regenfälle ein, die bis in den späten Vormittag anhielten. So verbrachten wir den Morgen erst mal vor dem PC, bis wir dann gegen 12:45 zu einer weiteren Erkundung des Yandangshan Gebietes aufbrechen konnten. Bedingt durch die ergiebigen Regenfälle führen die Bäche reichlich Wasser, entlang der Berge sind an allen Ecken und Enden kräftig sprudelnde Wasserfälle zu sehen.
Wir gehen zuerst auf der Hauptstrasse Richtung Westen, an der Abzweigung zum Dalong Qiu (gross Trachen Wassfall) halten wir uns rechts und nach ca. 200m steigen wir hoch zu einem Tempel. Der Weg führt uns nun bergauf der Tempelmauer bis zum Einstieg für den Hintereingang der Fangdong Scenic Area. (E=RMB 30). Im Treppenhaus geht es steil bergauf, etwa 250hm müssen überwunden werden, bis das Niveau des Fangdong Plank Walks erreicht ist - Normal-Touristen fahren mit dem Bus zum Vordereingang und dann mit einer Kabinenbahn hoch zum Plank Walk.

An einer senkrechten Felswand wurde in etwa 250m Höhe eine Ritze im Gestein so erweitert, dass darin ein bis zu 2m breiter Gehweg angelegt werden konnte, auf dem die 'Buntkappen' in Sandalen genauso wie Mädchen in High-Heels bequem herum-stöckeln können (in Europa macht man aus so was allenfalls einen Sport-Klettersteig). Zur Verlängern des Weges wurde eine Schlucht mit dieser Hängebrücke überspannt,

die zwar leicht schwankt, aber dennoch für die meisten der Touristen kein Hindernis darstellt.

Fast alle gehen da mal rüber, machen schnell ein paar Fotos und dann schnell zurück, der Bus wartet ja schon.
Da wir ja durch den Hintereingang kommen bedeutet dies für uns: zuerst über die Hängebrücke, den Plank Walk vor und zurück und dann nochmals über die Brücke um den Verbindungsweg zur Lingyan Scenic Area zu suchen. Laut Karte soll es ja einen geben, nur so einfach zu finden ist der nicht. Wir gehen vor bis zum etwa 20qm grossen Yangtian Lake und beschliessen dann als erfahrene Yandangshan Wanderer: Mit dem Weg in der Karte muss der alte mit einer Absperrung gesicherte und mit 'No Thoroughfare' gekennzeichnete Bergsteig gemeint gewesen sein. Wir klettern also über die Absperrung und gehen in dem alten Treppenhaus bergab.

Keine Stufe wackelt und nur gelegentlich ein paar kleine Steinbrocken auf dem Weg. Plastikmüll unserer Vorgänger zeigt uns, dass wir nicht die einzigen sind, die immer noch hier herunter steigen. Unten angekommen gehen wir zuerst zum Kleine Drachen Wasserfall

heute mit viel mehr Wasser als gestern

heute mit viel mehr Wasser als gestern

und fahren anschliessend mit dem Aufzug nach oben ins Tal des liegenden Drachen.

Da 'jeder' hierherkommt, ist dieses Hochtal entsprechend touristisch erschlossen, man kann hier Bogenschiessen, auf einem Bambusfloss fahren, in einem Tempel Räucherstäbchen (gegen Gebühr) abbrennen - oder ganz einfach nur herumgehen.
Die Drachenhöhle ist wegen Hausputz (Renovierung?) geschlossen, diese Hängebrücke kostet zwar RMB 5 extra, dafür wackelt sie aber ganz toll - für uns das Highlight des Nachmittags.

Am Schluss finden wir dann noch den Drachen (bayrisch Tatzlwurm) beim baden,

bevor wir uns mit dem Aufzug wieder nach unten begeben. Eigentlich wollten wir noch die Tiancong Cave besichtigen, aber auch hier spielte uns der Schildermaler/Aufsteller einen Streich. Wir landeten oben auf dem Berg bei dem Kloster, das wir von gestern schon kennen - auch gut, die Höhenmeter haben uns nicht geschadet und falls wir nochmals herkommen wissen wir jetzt auch 'wo oben der gute Weg' nach unten beginnt. Wir steigen also wieder ab und gehen auf dem selben Weg wie gestern zurück zu unserem Hotel.

Ho(s)tel: Yandangshan Le Yi Hotel

Weiter zum Nanxijiang

16.05.2012
Tagesziel: Nanxijiang Bus Km 5
Wetter: bedeckt, <25°

Wir sind jetzt gut 2 Tage in diesem Gebiet herumgewandert, zum kennenlernen sicher genug, zum erforschen sicher zu wenig, noch zu viele Teile des Parkes blieben von uns unberührt, man könnte auch ohne sich zu verlaufen gut 8 Tage hier verbringen - und vielleicht tun wir das auch nochmal. Auf jeden Fall steht dieses Gebiet jetzt bei uns ganz oben auf der Come Back Liste.
Aber heute 'müssen' wir weiter unser nächstes Ziel, ein paar alte Dörfer in Nanxijiang, am Oujiang (Ou Fluss).
Und von dort werden wir - hoffentlich auch zeitnah - weiter berichten.

© Anja & Wolfgang, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Diesmal ohne WoMo, dafür ca. 120 Tage lang mit Bahn, Bus und Rucksack von Ho(s)tel zu Ho(s)tel quer durch die Mitte Chinas. Wie immer freuen wir uns über alle virtuell Mitreisenden - und Gästebucheinträge sind natürlich herzlichst willkommen.
Details:
Aufbruch: 10.04.2012
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 10.08.2012
Reiseziele: Deutschland
Vereinigte Arabische Emirate
China
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.