4 Monate als Backpacker durch China

China-Reisebericht  |  Reisezeit: April - August 2012  |  von Anja & Wolfgang

Sichuan, 11.6. bis 4.7.: West Sichuan Teil 1 - 19.6. bis 24.6.

Lange Fahrt zum Langen Marsch

19.06.2012
Tagesziel: Moxi Bergdorf Bus Km 345, 3 Std. Dorfbummel
Wetter: bedeckt bis Heiter, <30°

Heute früh klingelt der Wecker schon wieder um 5:30, um 6:00 lassen wir die Hälfte unseres Gepäcks im Hotel einlagern und nach einem schnellen Frühstück fahren wir um 7:00 mit einem Fernbus Richtung Westen. Erst auf bestens ausgebauten Autobahnen, dann auf guten Landstrassen und zum Schluss auf betonierten Bergstrassen, die unter der Last des Schwerverkehrs zusammenbrechen.

Hier kommen wir teilweise nur noch im Schritttempo vorwärts. Gelegentlich überholen wir Gruppen von Radfahrern,

von denen die einen es sich zum Ziel gesetzt haben die Strecke des 'Langen Marsches' nachzufahren und die anderen einfach auf dem Weg nach Lhasa in Tibet sind Auf 2200m Höhe angekommen fahren wir durch den über 4km langen '2 Männer Berg' Tunnel

direkt darüber befinden sich die Gipfel des '2 Männer Berges'

direkt darüber befinden sich die Gipfel des '2 Männer Berges'

Nach dem Tunnel wird die Strasse plötzlich besser und unser Weg führt uns nun über viele Serpentinen hinab ins Tal nach Luding.

Rechts am Berghang die Serpentinen, im Tal der Dadu Fluss

Rechts am Berghang die Serpentinen, im Tal der Dadu Fluss

Hier in Luding verlassen wir den Bus und besichtigen erst einmal diese alte Kettenbrücke

aus der frühen Qing Dynastie (etwa 1720, E=RMB 10) mit deren Hilfe Mao's Truppen 1935 während des langen Marsches den Dadu Fluss überquerten. Zurück am Busbahnhof von Luding nehmen wir ein Sammeltaxi, das uns die 55 Km bis nach Moxi und dort sogar noch bis vor die Tür unseres Hostels bringt.
Während unseres anschliessenden Bummels durch Moxi kommen wir an der schön renovierten katholischen Kirche vorbei, in deren Nebengebäuden Mao und seine engsten Vertrauten 1935 nach der Überquerung des Dadu übernachteten.

Heute kann diese Gedenkstätte besichtigt werden (E=RMB 10), im wesentlichen sind noch die Originalmöbel zu sehen.Wir erkundigen uns an der Information der Hailuo Scenic Area uns über die Transport- und Wandermöglichkeiten in diesem Gebiet und bekommen ein gutes Angebot zur Übernachtung 'droben auf dem Berg'. So beschliessen wir morgen auf die möglichen Busfahrten zu verzichten und die 30km (einfacher Weg) zu Fuss zurückzulegen, ausgeruht genug dafür sind wir ja, nach diesen 'Stillen Tagen in Chengdu'.
Wir schauen erst noch kurz bei diesem tibetischen Tempel vorbei,

bevor wir uns zum Abendessen diese Lammrippen gönnen

und uns dann auf den Weg zurück ins Hostel machen. Hier noch schnell den Wanderrucksack für morgen gepackt und dann relativ früh zu Bett, denn morgen wollen wir so gegen 6:30 am Berg sein.

Ho(s)tel: Xinfei Hostel

Der Gletscher ruft

20.06.2012
Tagesziel: Hailuo Gletschertal 38km, 9 ½ Std Wanderung, 1600HmAufstieg, 300Hm Abstieg
Wetter: bedeckt bis leichter Regen, <20°

Hoch zum Hailuo Gletscher gibt es wie meist zwei Wege: Mit dem Bus (RMB 80) bis zur Seilbahnstation auf
3025 m hochfahren oder aber wie wir diese 1400m Höhenunterschied auf der 33km lange Strasse ganz ohne Stufen zu Fuss zurücklegen.
Heute Morgen kaufen wir uns die obligatorischen Eintrittskarten(RMB 72) und gehen dann an den Bussen vorbei

und wandern die ruhige Strasse entlang,

die fast nur von den Shuttlebussen benutzt wird.
Nach 3 Stunden passieren wir die Eintrittskartenkontrolle bei Camp No.1 auf 2100m und 2 Stunden später kommen wir an Camp No.2 mit diesem Gletscher Hotel und Thermalbad auf 2520m vorbei.

Wir passieren diesen tibetischen Felsentempel

und erreichen dann nach weiteren 2 Stunden Camp No. 3 auf 2915m an der sich auch unser Hotel befindet.
Hier lassen wir die Rucksäcke in unserem Zimmer zurück und nehmen die letzten 300Hm bis zum Aussichtsplattform mit Blick auf den Gletscher in Angriff.

Die letzten Stunden schon hat es immer wieder einmal leicht geregnet und die Sicht ist entsprechend.
Der Gletscher selbst soll einer der längsten Chinas sein, von zwischen 6500 und 7000m Bergen umgeben, aber bei unserer Sichtweite von etwa 200m....
Bei schönem Wetter ist ein Seilbahnfahrt (RMB 150 H/R) über den Gletscherfuss - mit anschliessender Möglichkeit auch mal auf dem Eis zu stehen - sicher lohnend, aber bei den derzeitigen Sichtverhältnissen ersparen wir uns das, gehen zum Hotel zurück und hoffen auf besseres Wetter für Morgen.

Ho(s)tel: Golden Berg Hotel

Zurück ins Tal

21.06.2012
Tagesziel: Moxi Bergdorf 30km, 6 ½ Std Wanderung, 120Hm Aufstieg, 1400Hm Abstieg
Wetter:L. Regen bis bedeckt, <20°

Auch heute Morgen hat sich das Wetter nicht gebessert, Sicht immer noch unter 300m - wir steigen wieder ab. Unterwegs umrunden wir den Grass-See,

eigentlich ein Hochmoor, den wir gestern im Regen ausgelassen haben. Drunten bei Camp No.2 (dem Thermalbad) stören wir diese Horde Affen bei der morgendlichen Inspektion der Müllkörbe

und ein paar hundert Meter weiter bergab finden wir an einer Aussichtsplattform die für die Gäste von Camp No.2 zur Sonnenaufgangsbewunderung errichtet wurde Bilder wie dieses:

so schön kann angeblich von hier die Aussicht sein

so schön kann angeblich von hier die Aussicht sein

und so viel sieht man davon heute

und so viel sieht man davon heute

Weiter bergab finden wir noch dieses für diese Gegend typische Bauernhaus

und ein paar Grossbaustellen an denen neue Hotelkomplexe mit Thermalbad und Golfplatz aus dem Boden gestampft werden - damit dürfte es wohl auch in diesem Tal mit der Ruhe zu Ende sein.
Nach 6 ½ Stunden sind wir zurück in Moxi, in unserem Hostel und dann noch Duschen, Internet, Abendessen, Rucksack packen, denn morgen geht es ja schon wieder weiter.

Ho(s)tel: Xinfei Hostel

Erste nähere Kontakte mit der Kultur Tibets

22.06.2012
Tagesziel: Kangding Bus Km 105, 6 Std. Stadtbesichtigung
Wetter: bedeckt bis sonnig, <25°

Nach einem schnellen Frühstück fahren wir mit einem Sammeltaxi (10 Personen & Gepäck im kleinen 8-Sitzer Nissan) nach Kangding,

einer romantischen Kleinstadt in einem Hochtal auf 2500m Höhe gelegen und von bis zu 4500m hohen Bergen umgeben. Kangding war schon immer der Übergangsort von China nach Tibet und auch heute noch leben hier überwiegend Tibeter. Die Region hier wird autonomer Tibetischer Distrikt Ganzi in der Provinz Sichuan genannt und von hier Richtung Westen nimmt der Anteil an tibetischer Bevölkerung immer weiter zu. So können wir in dieser Gegend hier 'Tibet erleben' auch wenn uns der Zugang nach Tibet gegenwärtig verwehrt ist. Der Hausberg von Kangding, der knapp 3000m hohe Paoma Shan ist Tibetischen Tempeln und Gebetsfahnen verziert

und am Berghang gegenüber diese Felstempel.

Kangding ist in China durch ein Liebeslied bekannt und berühmt geworden und am Liebeslied Platz wurde sowohl dem Lied als auch dem Komponisten dieses marmorne Denkmal gesetzt.

Wir sehen dann unsere ersten Gebetsmühlen,

einen alten, angeblich Heilkräfte spendenden Brunnen,

dessen grau-grünes Wasser uns dann doch zu unheimlich zum Verkosten war. Dafür tranken wir unseren ersten Buttertee.

Man kann sich daran echt gewöhnen, vom Geschmack her irgendwo zwischen Kuh-,Schaf- und Ziegenmilch und durch die reichhaltige Zugabe an Yak-Butter auch noch sehr nahrhaft. Zum Abschluss unserer Stadtrunde besuchten wir noch kurz dieses Tibetische Möbelhaus.

Nun die rot-goldenen Betten sind nicht so ganz nach unserem Geschmack, aber die mit Schnitzereien reich verzierten Echtholz-Möbel (Links im Bild) warum nicht? Unser Abendessen nehmen wir gemeinsam mit den Mitbewohnern das Hostels ein. Wir haben hier einen schönen Brauch zur Kommunikationsförderung (für alle die daran Interesse haben) kennengelernt: Erst wird hier gemeinsam gekocht, dann gemeinsam gegessen, dann noch ein kleines Bier vor dem gemeinsamen Fernsehapparat,...

Ho(s)tel: Gongga International Youth Hostel in Kangding

Auf den Paoma Shan

23.06.2012
Tagesziel: Kangding 8 ½ Std. Wanderung / Stadtbesichtigung, 500Hm
Wetter: heiter, <20°

Für Heute haben wir uns die Eroberung des Paoma Shan, des Hausberges von Kangding vorgenommen. Nach unseren letzten Wanderungen eigentlich keine grosse Herausforderung, aber da droben auf dem Berg sind ein paar Tibetische Tempel, die wir uns anschauen wollen.
Vorbei am Liebeslied Platz

fast so schön wie der Times Square

fast so schön wie der Times Square

gehen wir den Ort entlang Richtung Seilbahn (RMB 30 H/R) , biegen aber kurz vorher rechts ab und gehen dann an den auf Touristen wartenden Pferden (RMB 52 einfach) vorbei auf einem breiten Fahrweg bequem nach oben zum Eingangstor.

Hier müssen wir wieder einmal das obligatorische Ticket lösen (RMB 50) bevor wir den 'Park für die Liebenden' näher ansehen dürfen.

= Gefühl

= Gefühl

Hier ist für Liebende alles geboten, es gibt hier den Liebenden Park, den Liebenden Wald, den Liebenden See, Hotel für die Liebenden....
Wir gehen nun unter unzähligen Gebetsfahnen weiter nach oben,

kommen am weissen Turm- einer Stupa - vorbei,

und schauen zurück auf den Wettkampfplatz,

auf dem am achten Tag des vierten Mondmonats, das Fest des 'Rundgangs um den Berg' in Gedenken an die Geburt des Buddha Sakyamuni in Form von Ringkämpfen und Pferderennen gefeiert wird. Oberhalb des Wettkampfplatzes finden wir die 8 Feen,

bis wir dann auf 2920m Höhe den 'Neun Drachen Pool'-Tempel erreichen.
Aussen wie Innen ist dieser Tempel reich verziert,

bunt bemalt. Dazuhin ist die Aussicht von hier oben einfach phantastisch, ein Blick in der Ferne auf die umliegenden 6000er,

ein Blick nach unten auf das Stadtzentrum von Kangding.

Beim Abstieg vom Berg finden wir erst noch zwei kleinere Tempel und etliche Pavillons, bevor wir diesen beiden Frauen in der für Kangding typischen Tibet-Tracht begegnen.

die zwei freuen sich darüber, dass wir sie fotografieren wollen

die zwei freuen sich darüber, dass wir sie fotografieren wollen

Am gegenüberliegenden Ufer des Flusses sehen wir den Tempel Nanwu, den wir zum Abschluss des Nachmittags besichtigen wollen.

Dieser Tempel mit seiner riesigen Klosteranlage gehört zum Orden der Gelugpa (Gelbmützen) und ist das aktivste Kloster der Gegend. Derzeit sind hier intensive Ausbau- und Umbauarbeiten im Gange, aber der Besuch, die Besichtigung ist lohnenswert.

Leider darf in aktiven Tibetischen Tempeln im Innern nicht fotografiert werden.
Vorbei am Tempel Anjue und kurz durch den Tempel Jingang gehen wir zurück in die Innenstadt.
Heute ist das Duanwu Fest, an allen Ecken und Enden der Stadt werden diese mit gewürzten Klebereis gefüllten Blätter (Zongzi) verkauft.

Bei uns im Hostel soll dieses Fest natürlich auch würdig begangen werden und so ist für den späten Nachmittag erst einmal Blätterwickeln angesagt, bevor es dann zum gemeinsamen Abendessen geht.

Ho(s)tel: Gongga International Youth Hostel in Kangding

Weiter in die Berge Richtung Westen

24.06.2012
Tagesziel: Xindu Qiao (New Capital Bridge) Bus Km 80
Wetter: bedeckt bis Regen, <20°

Für Heute war eigentlich besseres Wetter angesagt, aber seit etwa 10:00 haben wir nichts ausser Regen.
Um 08:00 fahren wir mit noch zwei Mitbewohnerinnen mit einem Taxi bis Xindu Qiao, einem kleinen Ort mit hauptsächlich tibetischer Bevölkerung. Auf dem Weg dahin, bei dem auf über 4200m Höhe den Zheduo Shan Pass überquert werden muss, sehen wir viele Radfahrer, die mit vollem Gepäck den Berg hoch strampeln. Sie alle haben das Ziel Lhasa, sind seit Chengdu etwa schon eine Woche unterwegs und haben noch etwa 3 weitere Wochen auf teilweise sehr schlechten Strassen, über weitere hohe Pässe vor sich und das Ganze durch eine Gegend, die vor allem bei Nacht alles andere als sicher ist. In den Bezirken Ganzi und Aba in Sichuan ist die Kangba Minderheit ansässig und diese ist berüchtigt dafür 'Schwierigkeiten bei nächtlichen Strassenräubereien' durch Waffengewalt zu lösen und in dieser bergigen Gegend ist die Polizei natürlich machtlos.
Auf 4220m erreichen wir die Passhöhe und sehen diesen Markierungsstein.

Unsere Ehrgeiz ist geweckt, wir wollen mal auf knapp 4300 m stehen. Trotz 'Sicht = 0' steigen die restlichen 80m zum Gipfel auf und finden dort zur kleinen Pagode die mit Gebetsfahnen reich geschmückt ist.

Auch der barometrische Höhenmesser in meiner Uhr zeigt fast 4300m,

höher geht es hier nicht mehr. Von nun an ging's bergab. Wir müssen 15 Minuten warten, bis die Reste eines Lastwagens bei dem wohl heute morgen schon die Bremsen versagt haben, geborgen und auf einem Tieflader verladen sind, dürfen diese Herde Yaks beim Überqueren der Strasse zusehen

und können dann von der Strasse aus dieses tibetische Dorf fotografieren.

Die chinesische Regierung baut hier relativ grosse und schöne Häuser für die Hirten, die aber überwiegend leer stehen, da diese Nomaden das althergebrachte Leben in Ihren Zelten vorziehen - Erinnerungen an Marokko werden wach. In unserem Hostel angekommen bedauern wir fast, dass wir ein Einzelzimmer genommen haben, denn diese tibetische Schlafsaal

ist im Original noch schöner als auf dem Foto - aber wenn wir dann an die Schnarchorgien auf Huang Shan zurückdenken...
Eine Gruppe junger Chinesinnen & Chinesen aus diesem Hostel reist schon heute dahin, wo wir in zwei Tagen auch sein wollen und nach einem gemeinsamen Mittagessen winken wir uns noch zum Abschied zu.

So ein hoffentlich regendichtes Taxi erwartet uns auch noch

So ein hoffentlich regendichtes Taxi erwartet uns auch noch

Wir hoffen auf besseres Wetter, verbringen den Nachmittag vor dem PC, stellen West Sichuan Teil 1 und weitere Teile von 'China Heute' ins Netz....

Ho(s)tel: Yake Hostel in Xindu Qiao (New Capital Bridge)

© Anja & Wolfgang, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Diesmal ohne WoMo, dafür ca. 120 Tage lang mit Bahn, Bus und Rucksack von Ho(s)tel zu Ho(s)tel quer durch die Mitte Chinas. Wie immer freuen wir uns über alle virtuell Mitreisenden - und Gästebucheinträge sind natürlich herzlichst willkommen.
Details:
Aufbruch: 10.04.2012
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 10.08.2012
Reiseziele: Deutschland
Vereinigte Arabische Emirate
China
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.