4 Monate als Backpacker durch China

China-Reisebericht  |  Reisezeit: April - August 2012  |  von Anja & Wolfgang

Hubei 5.7. bis 6.7.

In Hubei angekommen

05.07.2012
Tagesziel: Wudang Shan Zug Km 675, Taxi Km20, 4 Std. Stadtbesichtigung
Wetter: bedeckt, <30°

Heute Morgen, nach 11 Stunden Zugfahrt, kommen wir 6h am Bahnhof von Wudang Shan an - und müssen zu unserer grossen Überraschung feststellen, dass dieser sich in Liu Li Ping befindet, einer Kleinstadt die 18km von der Stadt Wudang Shan mit ihrer Scenic Area entfernt ist. Der alte Bahnhof von Wudang Shan wurde ausser Betrieb gesetzt, ein neuer ist nicht geplant, als Ersatz soll Liu Li Ping angemessen erweitert werden. Neutrassierte Bahnlinien führen rechts und links um einen Hügel bei Wudang Shan (Einbahnregelung) - und da passt kein moderner Bahnhof mehr dazwischen.
Gezwungenermaßen lassen wir uns von einem Taxi zu unserem Hotel in Wudang Shan bringen, das auch schon so früh am Morgen ein Zimmer für uns frei hat. Unser Waggon war zwar nicht ganz voll besetzt, wir konnten uns zu zweit eine Bank für drei teilen. Aber zum richtig Schlafen ist das einfach zu unbequem. Draussen nieselt es leicht und so verbringen wir den Morgen dann erst einmal im Netz, beplanen die nächsten Tage und freuen uns über einige Mails die wir bekommen haben. Am frühen Nachmittag scheint draussen die Sonne und wir machen uns auf den Weg zur Stadtbesichtigung. Wir gehen erst einmal zum Besucherzentrum der Scenic Area, das eher einer überdimensionierten Bahnhofshalle gleicht, innen genug Eisen verbaut

um über 1000 Leute schön aufgereiht in einer 25fachen, je ca. 12m langen Schlange warten zu lassen und mit einer Toilettenanlage, bei deren Bau dann anscheinend doch das Geld ausgegangen ist.
Die Stadt selbst macht eigentlich einen armen, heruntergekommenen Eindruck,

wären da nicht ein paar Kolossalbauten wie das Theater, das Museum oder die Handelskammer, die eher nach Peking oder Shanghai passen würden, als hier ans Ende der Welt in die tiefsten Provinz. Wir bummeln noch kurz über einen kleinen Bauernmarkt, atmen tief den Duft von frischem Sichuan Pfeffer ein

und kehren dann wieder ins Hotel zurück. Dort versuchen wir früh zu Bett zu gehen, denn für Morgen steht ja die Wanderung auf den Wudang Shan auf dem Programm.

Ho(s)tel: Kailai Commercial Hotel in Wudang Shan

Zur Wiege des Tai Chi

06.07.2012
Tagesziel: Wudang Shan Bus Km 50 , 8 ½ Std Wanderung, 1210Hm
Wetter: bedeckt, <30°

Wudang Shan gehört zwar nicht zu den 4 heiligen Bergen des Taoismus, aber da hier droben in diesem UNESCO Weltkulturerbe liegt die Geburtsstätte des Tai Chi - und das schien uns, neben der Wanderung durch die einst von Gletschern geformten Landschaft, diesen Besuch wert.
Um kurz nach 8 Uhr sind wir wieder in der 'Abfertigungshalle', lehnen beim Kauf der Tickets (RMB 240 incl. Shuttlebus) die Versicherung und die Chinesische Karte für den Park ab (je RMB 3 zusätzlich) und fahren dann mit einem Bus, der die Süd-Route befährt 22km weit von ca. 300m den Berg hoch auf ca.800m bis zum Zixiao Feng (Purpur Wolken Tempel) (E=RMB 20)

Von dort führt ein kleiner Pfad in ca. 45min den Berg hoch bis zum Südfelsen, der Endstation der Shuttlebusse, dem Einstieg in das eigentliche, auch in englisch bestens ausgeschilderte Wandergebiet.
Dieser mittlerweile ungepflegte, von Brenneseln und Brombeerranken überwachsene Pfad kann mittlerweile nur noch Hard-Core-Wanderern mit langen Hosen und ausreichender Kenntnis im Spurenlesen empfohlen werden. Allen anderen empfehlen wir mit dem Bus einfach die 3 km bis zum Südfelsen weiterzufahren.
Hier am Südfelsen hat man wieder die Qual der Wahl. Entweder man macht sich geradeaus auf den Weg der 'direkt' Richtung 'Golden Summit' führt, oder man hält sich rechts. Nimmt etwa 200 zusätzliche Höhenmeter in Kauf und geht erst einmal am Blitz- und am Donner Tempel vorbei,

Thunder Cave = Donner Tempel

Thunder Cave = Donner Tempel

zum South Rock Palace,

für uns fast der schönste Tempel auf Wudang Shan.
Wenn man durch diesen Tempel hindurchgeht steht man an einem Geländer vor einem steilen Abgrund. Hier links führt eine Sackgasse zu einem 700 Jahren alten Felsen Tempel aus der Ming Dynastie,

bei dem früher mutige / sorglose? Ihre Räucherstäbchen in diesen Drachenkopf, etwa 300m über dem Talboden stecken durften,

heute ist diese Mutprobe leider verboten. Der Weg nach rechts führt nun im Treppenhaus den Steilhang entlang steil bergab, steigt dann wieder leicht an und nach ca. 1 Stunde Gehzeit trifft man wieder auf den Weg, den die Wanderer benutzen, die am Südfelsen geradeaus gegangen sind.
Wir würden diese Zusatzschleife für geh-starke Wanderer auf dem Hinweg zum Golden Summit uneingeschränkt empfehlen, denn der direkte Weg zum Südfelsen muss ja auf dem Rückweg sowieso noch gegangen werden.
Ob jemand beim Rückweg zu diesem zusätzlichen steile n Aufstieg nach Ming- und Qing Strecke noch Lust hat, muss er selbst entscheiden.
Der Weg führt nun in einem leichten auf und ab bis zum Chaotian Gong (=Tempel),

vor dem Eingang ein paar riesige Grabsteine , innen eine Statue des Jade Kaisers und dann steht wieder eine Entscheidung an.
Links halten, und auf der gut ausgebauten, 1,8 km langen Qing Dynastie Strecke sofort die '100 Stufen' hoch und dann stetig aufwärts zum 'Golden Summit' wandern, oder
Rechts halten, auf der 1,4 km langen Ming Dynastie Strecke, der älteren, hinteren, kürzeren , anstrengenderen Strecke, vorbei an den drei Himmelstoren Richtung Golden Summit gehen.
Wir haben für den Aufstieg die Ming Dynastie Strecke gewählt und ja, es war ganz schön anstrengend. Man muss auf 1,4km Weg ca. 400Hm aufsteigen, findet vor jedem Himmelstor erst einmal eine endlos erscheinenden Himmelsleiter

der Anstieg zum zweiten Himmelstor

der Anstieg zum zweiten Himmelstor

und da ja gemäss dem Tao ein Tor auf einem Pass stehen muss, geht es nach jedem Tor erst einmal mindestens 50Hm abwärts. Hinzu kommt, dass hier teilweise noch Stufen verbaut sind, die auch schon mal eine Höhe von 30cm+ haben.
Wir erreichen Zijin Cheng (Purpur Golden Stadt),

freuen uns, dass wir all die Buntkappen wieder um uns haben,

die zusammen mit ihren Führern mit dem Bus auf der Nord-Route bis zur Seilbahnstation gefahren sind, mit der Seilbahn (RMB 170 H/R) die letzten Höhenmeter zurückgelegt haben und nun mit uns darauf warten nach dem Kauf einer weiteren Eintrittskarte (E=RMB 20)auf alten steilen Treppen die letztem Meter den Berg hoch zum Gipfel, zur ganz aus Bronze gebauten Goldenen Halle gehen zu dürfen.

Unserer Wanderziel, der Gipfel auf 1612m ist erreicht, wir steigen auf der Qing Strecke in einem relativ einfachen Treppenhaus wieder ab, stossen nach den 100 Stufen in der Nähe des Chaotian Tempel wieder auf den Herweg, besuchen noch kurz den Bethel-Nuss Tempel, in dem insbesondere Zhang San Feng,

der Begründer des Tai Chi verehrt wird. Wir kehren zurück zur Südfelsen und fahren mit einen Shuttlebus talabwärts bis zum Stop 4, dem Xiaoyao Gou (=Carefree Valley, Tal der Sorgenfreiheit). Hier haben wir noch ca. 40 Minuten Zeit (letzter Bus talwärts 18:00!!!!) um ein paar hundert Meter dieses schöne Flusstal hochzugehen.
Eigentlich wäre dies der perfekte Abstieg über die Nordstrecke: Gipfel &#8594; unter der Seilbahn zum Jadetempel (3km) und dann diese Tal herab bis zum Bus, aber einige Unwetter in den letzten Wochen haben Teile dieses Wanderweges unpassierbar gemacht. Wir wandern bachaufwärts, sehen in der Nähe eines Imbissstandes ein paar der 300+Affen die hier leben

und gehen dann zurück zur Busstation um mit einem der letzten Busse einen Park zu verlassen, der unserer Meinung nach seinen Ansprüchen nicht gerecht wird.

Im Park spiegelt sich irgendwie wieder, was wir im Ort schon festgestellt haben:
Auf eine protzige Empfangshalle folgt ein lieblos gepflegter Park. Der Park ist seit 1994 Weltkulturerbe, aber anscheinend ist seither an den Wegen im Park nichts mehr gemacht worden, der Unrat häuft sich. Es wird eher in Wachpersonal mit roten Baretts als in Putzkolonnen und Sanitäranlagen investiert, Shuttlebusse fahren nur wenn sie voll sind, aber so gegen 18:00 ist dann Schluss und wer dann den letzten verpasst hat???...

Ho(s)tel: Kailai Commercial Hotel in Wudang Shan

© Anja & Wolfgang, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Diesmal ohne WoMo, dafür ca. 120 Tage lang mit Bahn, Bus und Rucksack von Ho(s)tel zu Ho(s)tel quer durch die Mitte Chinas. Wie immer freuen wir uns über alle virtuell Mitreisenden - und Gästebucheinträge sind natürlich herzlichst willkommen.
Details:
Aufbruch: 10.04.2012
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 10.08.2012
Reiseziele: Deutschland
Vereinigte Arabische Emirate
China
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.